DER ALLERERSTE ALTE WEISSE MANN

Cicero - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 28.02.2019 ⋅ Seiten 106-109 ⋅ Lesedauer ca. 7 Min.

DER ALLERERSTE ALTE WEISSE MANN

Cicero redete gerne und viel, auch über das Alter. So groß er aber öffentlich auftrat, so klein zeigte er sich in Briefen. Schmälert das seinen Ruhm?

Nicht erst mit 60 oder 70, nein schon mit 40 galt ein Mann im Alten Rom als „senex“, als Greis. 61 Jahre alt war Marcus Tullius Cicero, als er sich im Jahr 45 vor Christus entschloss, ein Buch über das Greisenalter und über den näherkommenden Tod zu schreiben: „de senectute“. Das heißt, mit dem Altwerden und mit der Erwartung des Todes hatte Cicero zu dieser Zeit schon viel eigene Erfahrung. Mehr noch hatte er sich die Meinungen anderer anhören müssen: vor allem die bitteren Klagen der Alten selber.

Dieser würdelosen Jammerei vieler senes, vieler Greise, wollte Cicero jene gelassene Selbstsicherheit entgegensetzen, mit der, lange vor ihm schon, die großen Philosophen Griechenlands dem hohen Alter und dem Tod entgegengesehen haben, Plato etwa und Sokrates im „Phaidon“. Dabei stand Cicero aber vor einer Schwierigkeit: Er selber galt vielen in Rom als „graeculus“, als „Griechelein“, als „Salongrieche“. Wichtig ...

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