Das ganze Bild

Der Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 16/2019 vom 12.04.2019 ⋅ Seiten 112-115 ⋅ Lesedauer ca. 8 Min.

Das ganze Bild

Kunstgeschichte Die Deutschen lieben Emil Nolde, seine Blumen, Figuren, Farben, auch die Kanzlerin bewunderte den Maler. Eine neue Ausstellung entlarvt ihn als Antisemiten, als Erfinder eines »Entjudungsplans«.

Nun also Emil Nolde, der Blumen-Nolde. Dass der Lieblingsexpressionist der Deutschen näher an den Nazis war, als er später zu -gab, ist seit Längerem bekannt. Doch die Details fehlten, so blieb diese Nähe verschwommen. Nun erst werden sie bekannt, viele unschöne Wahrheiten – das Bild von Nolde und seiner Kunst werden sie für immer ändern.

Für diese Zäsur sorgt eine Berliner Ausstellung mit einem langen Titel. Der erste Teil davon ist harmlos, Standard sozusagen. »Emil Nolde. Eine deutsche Legende.« Doch daran klebt ein Satz, zu dem die Museen lange nicht den Mut hatten: »Der Künstler im Nationalsozialismus«.

Schon im Vorfeld der Schau war die Aufmerksamkeit riesig, weil Kanzlerin Angela Merkel das Projekt offenbar zum Anlass nahm, zwei Nolde-Bilder aus ihrem Büro abhängen zu lassen. Ihretwegen zieht sich seit Tagen die Frage durch die Feuilletons, ...

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