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Liebe Leser*innen!
Sexuelle Bildung. Was ist das? Wer macht das? Wo findet sie statt? Wie findet sie statt? Fragen, die wir – das Redaktionsteam der Betrifft Mädchen – uns auch gestellt haben, als es um die Planung dieser Ausgabe ging. Entstanden ist ein Heft, das versucht, zufriedenstellende Antworten zu geben. Die Beiträge sind ebenso unterschiedlich wie wir: die beiden Heft-verantwortlichen Redakteurinnen*. Die eine legt die Brille der Wissenschaft nie ganz ab. Die andere – wenn auch mit einer wissenschaftlichen Ausbildung – wirft immer zuerst einen Blick auf die sozialpädagogische Praxis. Aus diesen Unterschieden ergaben sich für uns genauso verschiedene Fragen wie Herangehensweisen. Eines wussten wir im Vorfeld jedoch beide nicht: ob es mädchen* spezifische Arbeit in diesem Themenfeld überhaupt gibt und wie sie aussehen könnte. Nicht auf all unsere Fragen haben wir eine Antwort erhalten. Dennoch konnten die Autor*innen mit ihren Beiträgen sowohl Einblicke in den Stand der Forschung als auch in ihre Praxis geben. Unabhängig von Perspektive oder Schwerpunkt läuft diese Ausgabe im Kern auf eine zentrale Aussage hinaus: Sexualität ist von vielen, auch konkurrierenden Normalitätsvorstellungen flankiert; sexuelle Praxis ist jedoch so vielfältig, dass nicht zu sagen ist, was ‚eigentlich normal ist‘. Gleichzeitig zeigen die im Heft versammelten Texte, dass auch das Sprechen über Sexualität und die Ansprüche an sexuelle Bildung nicht einfach in Worte zu fassen sind. Letztlich scheint eine Auseinandersetzung mit den Normierungen, die den hier abgebildeten Auseinandersetzungen zugrunde liegen, perspektivisch dringend erforderlich. Diese Auseinandersetzung kann jedoch im Heft nicht geleistet werden. Reuter, eröffnet die Beiträge mit einem kritischen Kommentar über den gegenwärtigen Diskurs zum Sprechen über Sexualität – er referiere (in widersprüchlicher Weise) auf eine hegemoniale Wissensordnung, auch sich um wenn vielfältige Sexualitäten bemüht würde. Diese Wissensordnung trägt ihres Erachtens dazu bei, eine vermeintliche Norm und damit auch ein Anderssein zu konstruieren.

Dementsprechend hebt Beate Martin zunächst die Notwendigkeit sexueller Bildung hervor. Die Zugänge von Kindern und Jugendlichen unterscheiden sich aus ihrer Sicht. Außerdem liege der Fokus sexueller Bildung in der Behindertenhilfe – ganz im Gegensatz zur schulischen Sexualkunde – eher auf einer selbst- versus fremdbestimmten Sexualität. Im Schwerpunkt befasst sich der Beitrag mit der Notwendigkeit von Selbstreflexion und der Handlungskompetenz von Fachkräften sowie mit Professionalisierungsmaßnahmen in öffentlichen Institutionen.

Annica Petri gibt einen Einblick in die Arbeit des Familienplanungszentrums Hamburg. Dort gibt es bereits seit 2006 ein Angebot, das aus dem Projekt „Freiwillig“ hervorgeht und einen Raum für Menschen mit Beeinträchtigung schafft. Petri beschreibt, dass der reine Wissenserwerb trotz aller Heterogenität in der Sexuellen Bildung üblicherweise deutlich überwiegt. Sexualität im Sinne von Selbstbestimmung finde in der Bildungsarbeit mit beeinträchtigten Menschen wenig Beachtung. Petri hebt hervor, wie Mädchen mit Beeinträchtigungen gegen gesellschaftlich relevante Mythen „ankämpfen“, die sie als das ewige Kind oder triebgesteuert stigmatisieren. Sarah Brune, Referentin beim Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder-und Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt, widmet sich dem 2018 vorgestellten Medienkoffer für Kindertagesstätten und Grundschulen. Er beinhaltet sowohl Materialien für Kinder als auch für Pädagog*innen und sensibilisiert für Mädchen*-Themen. Tradierte Familienbilder spielten in der sexuellen Entwicklung eine wichtige Rolle, obwohl klassische Vater-Mutter-Kind-Familien immer weniger würden. Hier setzt der Medienkoffer an, indem er Materiealien zur Vielfalt bietet. Dass viele Einrichtungen den Koffer zur Erziehung gegen Diskriminierung einsetzen, ebnet den Weg dafür, die Akzeptanz von sexueller Vielfalt kontinuierlich zu steigern.

Heinz-Jürgen Voß verdeutlicht in seinem Beitrag, weshalb sexuelle Bildung in Familien, Schulen, Bildungs- und weiteren Einrichtungen für Kinder und Jugendliche relevant ist. Voraussetzung dafür, so Voß, ist die entsprechende Auseinandersetzung mit eigenen Vorannahmen, die Einfluss auf die vermittelten Inhalte innerhalb des Lernfeldes für Kinder und Jugendliche haben. Als fester Baustein der Bildungspläne sämtlicher Bundesländer sei eben auch die sexuelle Bildung ein Bestandteil des Erziehungs-/ Lehrauftrages. Dessen Ausgestaltung hingegen erscheine bei mangelnder Ausbildung schwierig – insbesondere dann, wenn der Fokus auf partizipativem Lernen liege.

Jeannette Windheuser befasst sich in ihrem Beitrag mit den Anforderungen an universitäre Lehrer*innen-Bildung und argumentiert aus erziehungswissenschaftlicher/ feministischer Theorie heraus. Ihr Ausblick zielt auf die Frage, inwiefern der Anspruch von Bildung und Professionalisierung dem Medium „Wissenschaft“ gerecht wird. Windheuser ergründet dabei, was eine universitäre Lehrer*innen-Bildung ausmacht und beleuchtet ihre Konsequenzen. Die Perspektive: Generation und Geschlecht sowohl als Objekte als auch als Kategorien zur Analyse gesellschaftlicher bzw. pädagogischer Phänomene zu behandeln. Sabine Sundermeyer widmet sich in ihrem Beitrag Mädchen mit Migrationshintergrund. Sie fielen zunächst nicht als besondere Gruppe auf, wenn es um Herausforderungen in der pubertären Entwicklung gehe. Dennoch kämen innerhalb ihrer Sozialisation zusätzliche Themen auf, die aus Diskriminierungsund/ oder Rassismus-Erfahrungen resultieren. Sundermeyer betont, wie wichtig deshalb kultursensibles, durch Sprachmittler* innen unterstütztes Arbeiten ist. „Feel good“, eine Broschüre des pro familia Landesverbands Hamburg e.V. von 2013, zeigt auf einfache Weise, wie Mädchen* ihren Körper entdecken können, indem sie dazu ermutigt, auf Entdeckungsreise zu gehen. Gespickt mit Tipps und Beispielen zeigt sie, was schöne Gefühle hervorbringt, ermutigt dazu, kreativ zu experimentieren und verrät, wie die Reise zu einem Genuss werden kann – allein oder zu zweit.
Ronja Abhalter nimmt die präventive Tätigkeit der AIDS-Hilfe Halle/Sachsen- Anhalt Süd e.V in den Blick. Über die Geschichte der AIDS-Hilfe-Arbeit, deren Zielgruppe und Struktur führt sie die Leser* innen zur Präventionsprogrammatik. Diese werde maßgeblich durch die Ottawa-Charta beeinflusst. Methodisch legt Abhalter Wert darauf, Kommunikation über Wünsche und Grenzen zu stärken. Das beinhalte, Grenzen zu erkennen, bevor sie überschritten werden. Diese Aussage lässt sich, so Abhalter, auch in der sexuellen Entwicklung von Jugendlichen halten.

Britta Hoffarth schließt das Heft mit einer Sammelrezension beispielhafter Veröffentlichungen ab. P.S.: Es gibt Lieblingseis!! Wie immer wünschen wir den interessierten Leser*innen eine anregende Lektüre dieser Ausgabe!
Antje Leitheiser, Britta Hoffarth

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issue 1/2019 of 05.01.2019
Next issue 2/2019 on 10.04.2019
Published quarterly , 4 issues per year
Language German
Access after registration read online in the library & download as PDF
Category Magazines for Pedagogy

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