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Lesen Sie das Editorial von Gemeinsam leben - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift Gemeinsam leben - epaper die aktuelle Ausgabe 4/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Der Zeitgeist, der seinen populistischen Feinstaub durchs Land treibt, kontaminiert immer heftiger gesellschaftspolitische Themen, so auch das, was als ‚Inklusion’ hierzulande verhandelt wird. Populistisch soll hier heißen: Weitgehend sach- und fachkenntnisfrei werden öffentlichkeitswirksam einfache Antworten präsentiert, die das Bauchgefühl der Mitte der Gesellschaft bedienen (sollen). Dass „Inklusion“ gar nicht funktionieren kann, schon weil sie sich als nicht finanzierbar erweist, ist da noch das billigste Argument. Es scheint zunehmend darum zu gehen, die Diskussion um Inklusionsorientierung als Relikt einer zu überwindenden Grundhaltung zu sehen, die sich im Lande viel zu lange breit gemacht habe. Angestimmt wird eine Rhetorik, durch die die Diskussionen (und mit ihnen der gesellschaftspolitische Handlungsdruck) final erledigt werden sollen.

So neu ist das nicht. Vor nicht allzu langer Zeit wurde der „multikulturellen“ Gesellschaft Scheitern attestiert, nun wird dem Bemühen um „Inklusion“ – die gerade noch einfach gemacht (von wem eigentlich?) werden sollte (so das Motto des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention) – der Garaus erklärt. Die Hausaufgaben sind ja erledigt (Reform der Schulgesetze, Einführung eines Bundesteilhabegesetzes) – jetzt muss aber auch mal wieder gut sein. Basta, oder wie es heute heißt: Bätschi. „Inklusion“ (was auch immer das sei) wird als Ideologie denunziert, in deren Falle nur naive Idealisten (oder verbohrte Inklusionsisten) tappen können – das Ganze sei „gut gedacht, aber schlecht gemacht“ – so noch der Vorwürfe einer der Geringsten. Gutmenschen verkennen eben die Realität. Und die sieht so aus, dass wir die inklusive Gesellschaft – wer mag da einen Widerspruch entdecken – einerseits ja angeblich längst hätten, andererseits jedoch deutlich Dringlicheres auf der Tagesordnung der politischen Herausforderungen steht. So gilt es etwa, „unsere“ kollektive kulturelle Identität (in und außerhalb der Schule) zu wahren und (bildungspolitisch vordringlich) endlich das Kreidezeitalter in der Grundschule zu überwinden. (Galt gestern noch das selbständige Halten eines Stifts als unhintergehbare Voraussetzung für das Erreichen der Schulfähigkeit, muss das Vorschulkind, um seine Tauglichkeit für den Ernst des Lebens unter Beweis zu stellen, zukünftig wohl nur noch sein Passwort kennen). Die tragikomische Pointe dieser Diskursgeschichte „Inklusion“: Sie scheint einen wahren Kern zu enthalten – nur ist das, was da offensichtlich scheitert, eben nicht ‚die’ Inklusion, sondern das Zerrbild, das ihr untergejubelt wurde. Menschenrechte können nicht scheitern, sondern nur ihre Umsetzung kann Schiffbruch erleiden. Menschenrechte können auch nicht unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden, ohne dabei ein pervertiertes Verständnis zu offenbaren. Wir haben es mit einem Scheitern quod erat demonstrandum zu tun – eine self-fulfilling-prophecy par excellence.

Der Widerspruch zwischen der triumphierenden Selbstpräsentation einer inklusiven Gesellschaft nach außen – etwa im Staatenbericht der Bundesregierung – und der bisweilen nicht ohne Häme artikulierten Bankrotterklärung inklusiver Bemühungen nach innen, erschwert die notwendige Kritik an einer politischen Praxis, die einerseits rhetorisch zur Inklusion einlädt, andererseits innerhalb der Gesellschaft massive Ausgrenzungsprozesse in Kauf nimmt. Als könnten wir „von intakten ‚Innenräumen’ sprechen, in die nun alle einzuladen sind. Diese gesellschaftlichen ‚Innenräume’ sind allerdings alles andere als gastlich. Sie sind, nehmen Sie nur den Arbeitsmarkt, sogar ausgesprochen brutal, konkurrenz- und leistungszentriert. Viele Menschen haben in diesem Raum bereits ihre ‚Aufenthaltslizenz’ eingebüßt oder halten den dort vorfindlichen Bedingungen kaum mehr Stand. Es müsste daher auch und vor allem darum gehen, diese Ausgrenzungsdynamik einmal wirklich und ehrlich zu bilanzieren und ihre Ursachen zu beseitigen“ (Uwe Becker). Stattdessen wird ein vorgeblicher Inklusions- Wahnsinn (sic!) zusammen mit allen Regungen eines potenziell kritischen Diskurses auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt. Wie also notwendige Kritik an dem was ist und wurde, unterscheiden von populistischer Rhetorik? Was vermag heftigeres Unbehagen zu erzeugen als der (drohende) Beifall von der falschen Seite? Wie geschieht dem kritischen Argument im Sog populistischer Besetzungsstrategien oppositioneller Positionen? Wie vermag sich die Notwendigkeit von Kritik in Zeiten postfaktischer Behauptungen begründen? Bezogen auf den hier verhandelten Diskurs meint das: Auf welche Bedingungen ihrer Möglichkeit stößt eine kritische Position gegenüber dem, was im Namen von ‚Inklusion’ gesagt und getan wurde (und wird), ohne dabei Gefahr zu laufen, denjenigen das Wort zu reden, die den ganzen Diskurs zum Teufel wünschen? Wie der ‚Inklusionsfalle’ (Felten 2017) entrinnen, ohne sich mit der ‚Inklusionslüge’ (Becker 2015) gemein zu machen?

Die vorliegende Ausgabe von Gemeinsam Leben entstand aus dem Impuls heraus, der Richtung des sich zunehmend durchsetzenden Inklusionsdiskurses ein korrigierendes Moment entgegenzusetzen. Das kann nicht umfassend und schon gar nicht erschöpfend im Rahmen einer einzelnen Ausgabe geschehen. Deshalb sind die Beiträge auch als punktuelle Ein- und Widersprüche zu lesen, die anregen und herausfordern sollen, sich den herrschenden Lesarten der ‚inklusiven Realität’ zu widersetzen. Hans Wocken hat sich in dem gerade erschienenen Band „CONTRA Inklusionskritik.

Eine Apologie der Inklusion“ (2018) explizit mit den Argumenten auseinander gesetzt, die gegenwärtig gegen die herrschende Praxis, die im Namen von Inklusion daherkommt, eingewandt werden. Dabei mahnt er insbesondere den Widerspruch an, der darin besteht, inklusive Entwicklungen von der Frage ihrer momentanen Finanzierbarkeit und unterstellter Grenzen abhängig zu machen. Dabei scheint es weniger um eine Kritik an der Qualität der Umsetzung zu gehen, als vielmehr um ein verkapptes Programm zur Verhinderung derselben – hinter mancher Inklusionskritik verbirgt sich eine auch fachlich verbrämte Gegnerschaft im Interesse des Erhalts paralleler Sonderstrukturen. Inklusionskritik, die ihren Namen verdient, müsste sich gegen die politisch hergestellten Rahmenbedingungen und die Praxis der Ressourcenbereitstellungen wenden und nicht mit vermeintlich fachlichen Argumenten behauptete Risiken und Grenzen postulieren – eine Strategie, die in ihrem systemstabilisierenden Interesse sich als klar affirmativ erweist.

Peter Tiedeken setzt die Kritik der Inklusionskritik auf Basis einer Diskursanalyse fort. Dabei weist er auf den in der Tat merkwürdigen Umstand hin, dass von inklusionsskeptischer Seite die Allgemeine Schule als Institution gewertet wird, vor der es gilt, so manche(n) Schüler zu schützen. Diese offenbare Gefährlichkeit von Schule genügt dabei als Begründung „für einen Schonraum“, dessen positive Qualität weitgehend unbestimmt bleibt. „Die Gnade aus der Bildungskonkurrenz der allgemeinbildenden Schulen entlassen zu werden, um in einem ‚Schutzraum’ individuelle Förderung zu erhalten“ geht einher mit eklatanter Bildungsbenachteiligung – eine Erkenntnis, die in seltsamer Umkehr der Perspektive dann keineswegs den Verhältnissen der Allgemeinen Schule angelastet wird. Nichtsdestototz ist eine Auseinandersetzung mit den kritischen Argumenten unverzichtbare Notwendigkeit einer sich selbst als kritisch verstehen wollenden inklusionstheoretischen Perspektive.

Clemens Dannenbeck und Bettina Bretländer
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Kategorie Zeitschriften für Pädagogik

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