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Zwang und Kontrolle - Findet Legitimation
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Lesen Sie das Editorial von sozialmagazin - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift sozialmagazin - epaper die aktuelle Ausgabe 12/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Wirklichkeiten Liebe Leser_innen,
woher wissen wir, was wirklich ist? In einem sozialarbeiterischen Seminar wäre nach dieser Frage ein guter Zeitpunkt inne zu halten und die Studierenden dieses Problem bedenken zu lassen. Das Ergebnis wird wahrscheinlich auch ohne einen Rückblick auf mehrere tausend Jahre Philosophiegeschichte dahingehend ausfallen, das wir uns unserer Wirklichkeit, ja unserer bloßen Existenz eigentlich nicht sicher sein könnten. Von René Descartes bösem Geist bis Barry Strouds oder Hilary Putnams einsamen Gehirn im Tank würden Beispiele dafür angeführt werden, dass ein allerletzter, gesicherter Zugang zu einer Realität nicht möglich ist – vielleicht auch, dass dieser Zugang nicht existieren kann, da es an einer verbindlichen Wirklichkeit als archimedischem Punkt aller Selbst- und Fremdbestimmungen fehle. Doch belastet uns diese Unsicherheit jenseits des Seminars eigentlich recht wenig. Der Alltag der Menschen mag mitunter von Unsicherheiten, jedoch nicht denen von der Wirklichkeit ihrer Weltwahrnehmung geprägt sein. Somit wären die Studierenden des nicht-wirklichen Seminars, aber wohl auch mehr oder minder wir alle, uns wahrscheinlich trotz der Reflexion der Realität der Wahrnehmung und Erinnerung recht sicher von der Problematik ausgenommen zu sein.

Dass wir als Menschen uns nämlich unserer eigenen Wirklichkeit absolut sicher sind, trotz aller Reflexionen und aller existenzialistischen Überlegungen, stellt quasi die Pointe dar. Offensichtlich sind wir als Individuen derart fest mit unserer eigenen Wirklichkeit verbunden, dass wir eben diese für unhinterfragbar halten. In dieser Ausgabe des Sozialmagazins geht es nun um dieses Thema: Das, was Menschen über etwas wissen, halten sie für wirklich. Wir sind in der Lage, dieses Wissen zu verwünschen, aber wir können es nicht wegwünschen: Das Wissen darüber, dass wir wissen, bleibt.

Selbst unser Nichtwissen ist im Prinzip ein Wissen. Gleichzeitig scheinen wir mit der überwiegenden Anzahl der Menschen eine derart übereinstimmende Wirklichkeit zu besitzen, dass wir mit ihnen handeln, kommunizieren und uns im Alltag soweit verständigen können, dass ein Zusammenleben im Großen und Ganzen doch recht reibungslos funktioniert. Dass diese Gesellschaftlichkeit des Menschen eine wesentliche Rolle in Bezug auf die Ausbildung seiner Wirklichkeit spielt, dürfte also auf der Hand liegen. Von unseren Vorstellung von Gesundheit über die Wirklichkeit vermeintlich verlorener Zeit im ÖPNV, den Streit als sozialarbeiterischen Innovationsmotor, unser aus der Popularkultur abgeleitetes Wissen über den würdigen und den unwürdigen Armen bis hin zu Familienwirklichkeit uns fremder Kultur reichen die Aspekte, die diese Ausgabe behandelt. Ganz sicher stellt sie kein umfassendes Kompendium der Einzelaspekte subjektiver Wirklichkeit dar, wohl jedoch für die Soziale Arbeit ein ebenso wichtiger wie unterhaltsamer Hinweis: Nicht des Menschen Wünsche, seine Wirklichkeit ist sein Himmelreich. Diese Wirklichkeit können wir auch in unserer täglichen Arbeit nicht hintergehen.

Wie immer freue ich mich auf Ihre Rückmeldung.

Ihr Jochem Kotthaus
Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift sozialmagazin - epaper die aktuelle Ausgabe 12/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen. …
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Lieferzeit Einzelheft sofort
Ausgabe 12/2018 vom 07.12.2018
Erscheint 2-monatlich , 6 Ausgaben pro Jahr
Sprache Deutsch
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Kategorie Zeitschriften für Pädagogik

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