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1. Dezember 2019 1. Adventssonntag


MAGNIFICAT - Das Stundenbuch - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 01.11.2019

Im Lärm und in der Unruhe unserer Zeit ist es besonders wichtig, wieder Zeiten und Orte der Stille und Besinnung zu finden. Die vorweihnachtliche Zeit wird weitgehend vermarktet und bietet wenig Raum für Stille. Da ist es wichtig, sich auf den eigentlichen Sinn des Advents zu besinnen.

Die Adventszeit ist Zeit der Erwartung, des Sich-neu-Ausrichtens auf Gott, der uns entgegenkommt. Der Advent umfasst ein dreifaches Kommen Gottes:

das Warten Israels auf dieAnkunft des Messias;
das Warten der Christen auf dieWiederkunft Christi und
dastägliche Kommen Gottes in unser Leben.

Das mit dem ersten ...

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... Adventssonntag beginnende neue Kirchenjahr will in uns die Haltung der wachsamen Erwartung wieder neu wecken. Die biblischen Texte sprechen am ersten Adventssonntag noch stark vom Ende der Welt und der Wiederkunft Christi. Die weiteren Sonntage stellen uns dann den Täufer Johannes, den Vorläufer Jesu, und Maria, die Mutter Jesu, als adventliche Gestalten vor Augen. Das violette Messgewand und der Verzicht auf das Gloria in der Messfeier verdeutlichen etwas vom Bußcharakter dieser Zeit, der aber die erwartungsvolle Freude auf den Kommenden nicht verdrängt. Deshalb erklingt auch weiterhin das Halleluja. Gott will bei uns ankommen. Deshalb sind wir gefragt, ob auch wir bei ihm ankommen wollen, ob wir uns für die Begegnung mit ihm bereiten wollen.

Namenstag: Nahum (Prophet) · Natalie (Witwe, † nach 300) · Eligius von Noyon (Bischof, † 660) · Blanka (Mutter König Ludwigs IX. von Frankreich, † 1252) · sel. Charles de Foucauld (Trappist, Einsiedlerin der Sahara, Gründer der Kleinen Brüder Jesu und der Kleinen Schwestern vom Heiligen Herzen, † 1916)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.

Mein Gott, dir vertraue ich.

Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.

Ps 25, 1.2a.3a

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen. Halleluja.

Hymnus

„Wachet auf“, ruft uns die Stimme
der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
„wach auf, du Stadt Jerusalem.“
Mitternacht heißt diese Stunde;
sie rufen uns mit hellem Munde:
„Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräutgam kommt,
steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja.
Macht euch bereit zu der Hochzeit,
ihr müsset ihm entgegengehn.“

Zion hört die Wächter singen,
das Herz tut ihr vor Freude springen,
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
„Nun komm, du werte Kron,

Herr Jesu, Gottes Sohn. Hosianna.
Wir folgen all zum Freudensaal
und halten mit das Abendmahl.“

Gloria sei dir gesungen

mit Menschen- und mit Engelzungen,
mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore
an deiner Stadt; wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
kein Ohr hat mehr gehört solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
das Halleluja für und für.

Philipp Nicolai 1599
GL 554 · GL 1975 110 · KG 210 · EG 147

CanticumJes 26, 1b–4.7–9

Antiphon:
Die Antiphon wird zu Beginn und am Ende eines Canticums gebetet. Meine Seele sehnt sich nach dir in der Nacht, mein Geist verlangt nach dir am Morgen.

Zion ist unsre befestigte Stadt, *

zu unserem Schutz baute der Herr Mauern und Wälle.

Öffnet die Tore, /

damit ein gerechtes Volk durch sie einzieht, *

ein Volk, das dem Herrn die Treue bewahrt.

Sein Sinn ist fest; /

du schenkst ihm Ruhe und Frieden; *

denn es verlässt sich auf dich.

Verlasst euch stets auf den Herrn; *

denn der Herr ist ein ewiger Fels.

Der Weg des Gerechten ist gerade, *

du ebnest dem Gerechten die Bahn.

Herr, auf das Kommen deines Gerichts vertrauen wir. *

Deinen Namen anzurufen und an dich zu denken

ist unser Verlangen.

Meine Seele sehnt sich nach dir in der Nacht, *

auch mein Geist ist voll Sehnsucht nach dir.

Denn dein Gericht ist ein Licht für die Welt, *

die Bewohner der Erde lernen deine Gerechtigkeit kennen.

Ehre sei dem Vater …

Antiphon:

Meine Seele sehnt sich nach dir in der Nacht, mein Geist verlangt

nach dir am Morgen.

LesungJoël 2, 27–3, 1a

Ihr werdet erkennen, dass ich mitten in Israel bin und dass ich der Herr, euer Gott, bin, ich und sonst niemand. Mein Volk braucht sich nie mehr zu schämen. Danach aber wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Benedictus, Magnificat und Nunc dimittis finden Sie auf einem heraustrennbaren Gebetsblatt am Anfang des Heftes. Die dazugehörigen Antiphonen werden jeweils vor und nach diesen Gesängen aus dem Evangelium gebetet.

Antiphon zum Benedictus:
Der Heilige Geist wird über dich kommen, Maria; fürchte dich nicht: Du wirst Gottes Sohn in deinem Schoße tragen. Halleluja.

Bitten

Unendlicher Gott, du Sinn und Ziel unseres Lebens, wir bereiten uns vor auf das Fest der Menschwerdung deines Sohnes. Wir bitten dich:

A: Lass uns Jesus entgegengehen.
– Mit den Menschen, die uns heute begegnen.

– Mit den Menschen, die uns fragen, worauf wir unser Leben ausrichten.
– Mit den Menschen, die du uns anvertraut hast.

Vaterunser

Oration
Herr, unser Gott, alles steht in deiner Macht; du schenkst das Wollen und das Vollbringen. Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten, damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit. Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Du Gott des Bundes,

du lässt unter den Deinen Netzwerke der Liebe wachsen.

Segne alle, mit denen wir verbunden sind,

und hilf uns, den Suchenden Halt zu geben.

Denn dir gehen wir gemeinsam entgegen.

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 220, 221, 223, 231, 233, 360 · KG 210, 298 ,

302, 307, 310

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.

Mein Gott, dir vertraue ich.

Lass mich nicht scheitern,

lass meine Feinde nicht triumphieren!

Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.

Ps 25, 1–3

Tagesgebet(Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch JesajaJes 2, 1–5

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat.

Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg; sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.

Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg. Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Impuls zur Lesung

Wenn Gott spricht, vergeht den Menschen Hören und Sehen. Weder Worte noch Bilder können es fassen. Was Jesaja vernimmt, ist wirklich visionär. Es zeigt uns letzte Dinge. Vielmehr: Unbedingtes. Unerhörtes wird geschehen: Das kleine Juda wird zum Treffpunkt großer und mächtiger Nationen werden, Ungläubige wenden sich nach Jerusalem. Sie ziehen zum Zion. Sie ziehen in Frieden, nicht in den Krieg. Sie kommen! Nicht um zu plündern, sondern als Pilger. Nicht Gold und Silber, sondern nach Gottes Weisung verlangen sie. Die alte Welt nimmt eine neue Wendung: Alle Völker rüsten für den Frieden.

AntwortpsalmPs 122

Kehrvers:
Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.

Ich freute mich, als man mir sagte: *

„Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.“

Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem: /

Jerusalem, du starke Stadt, *

dicht gebaut und fest gefügt.– Kehrvers

Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn, /

wie es Israel geboten ist, *

den Namen des Herrn zu preisen.

Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht, *

die Throne des Hauses David.– Kehrvers

Erbittet für Jerusalem Frieden! *

Wer dich liebt, sei in dir geborgen.

Friede wohne in deinen Mauern, *

in deinen Häusern Geborgenheit.– Kehrvers

Wegen meiner Brüder und Freunde *

will ich sagen: In dir sei Friede.

Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, *

will ich dir Glück erflehen.– Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 1b, ferner GL 68, 1 (VI. Ton)

oder GL 1975 118, 5 · KG 48, 2 (I. Ton)

Lesung aus dem RömerbriefRöm 13, 11–14a

Schwestern und Brüder! Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.

Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an.

Ruf vor dem EvangeliumPs 85, 8
Halleluja. Halleluja.
Erweise uns, Herr, deine Huld und gewähre uns dein Heil!
Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach MatthäusMt 24, 29–44
Kurzfassung: Mt 24, 37–44

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Sofort nach den Tagen der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr das alles seht, dass das Ende vor der Tür steht.

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Credo

Gabengebet
Allmächtiger Gott, alles, was wir haben, kommt von dir. Nimm die Gaben an, die wir darbringen. Mache sie für uns in diesem Leben zum Sakrament der Erlösung und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn in seinem ersten Kommen hat er sich entäußert und ist Mensch geworden. So hat er die alte Verheißung erfüllt und den Weg des Heiles erschlossen. Wenn er wiederkommt im Glanz seiner Herrlichkeit, werden wir sichtbar empfangen, was wir jetzt mit wachem Herzen gläubig erwarten. Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit.

KommunionversPs 85, 13
Der Herr wird seinen Segen spenden, und unsere Erde bringt
ihre Frucht hervor.

Schlussgebet
Herr, unser Gott, du hast uns an deinem Tisch mit neuer Kraft gestärkt. Zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche, damit wir in allem dein Reich suchen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen
Der barmherzige Gott hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt; er segne und heilige euch durch das Licht seiner Gnade.

Er mache euch standhaft im Glauben, froh in der Hoffnung und eifrig in Werken der Liebe.

Die erste Ankunft des Erlösers sei euch Unterpfand der ewigen Herrlichkeit, die er uns schenken wird, wenn er wiederkommt auf den Wolken des Himmels. Amen.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Thomas Söding

Das Weltende beschreibt Jesus auch bei Matthäus mit erschütternden Bildern. Die Welt gerät aus den Fugen; die schöne Ordnung, die Gott ihr nach der Genesis gegeben hat, geht dahin. Die Sterne fallen vom Himmel. Bis in die Gedichte des Expressionismus hinein ist die poetische Kraft der apokalyptischen Bilder ungebrochen; ihre Wirkung ist nach wie vor stark, kein Katastrophenfilm kommt ohne sie aus.

Dennoch ergeht Jesus sich nicht in einem Horrorszenario. Vielmehr beschreibt er, wie die Welt noch einmal zur Bühne für den Menschensohn wird. Nach Matthäus hat Jesus sich bereits in seinem irdischen Leben als „Menschensohn“ identifiziert: in seiner Vollmacht und in seinem Leiden. Hier taucht die Gestalt dort auf, wo sie die jüdische Endzeiterwartung sieht: beim Ende der Welt, wo der „Menschensohn“ als Sachwalter der Gottesherrschaft und als Richter im Auftrag Gottes kommen wird. So wie der Hoheitstitel „Menschensohn“, der Jesus ganz nah bei Gott und bei den Menschen sieht, vom Endzeitgeschehen in die Geschichte des Lebens und Sterbens Jesu übertragen wird, so wird umgekehrt in der Endzeitrede deutlich, dass der kommende Menschensohn die Sendung Jesu vollendet: alle zu sammeln, die Gott retten will. Vielen macht der Jüngste Tag Angst; hier zeigt sich, dass er im Gegenteil ein Tag der Hoffnung ist. Er ist der Tag des Gerichts. Aber die Reihenfolge der Motive zeigt, wie das zu verstehen ist: Die Sammlung geschieht nicht zur Verwerfung, sondern das Gericht dient der Rettung.

Thomas Söding (dt. Neutestamentler, * 1956), aus: ders., Kommt zu mir!
Die Botschaft des Matthäusevangeliums (bibel leben) ,
© 2009 Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br., 123–124

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater … Halleluja.

Die vollständige Fassung der Eröffnungen von Morgen- und Abendgebet finden Sie mit Noten auf Seite 394.

Hymnus

Gott, heilger Schöpfer aller Stern,
erleucht uns, die wir sind so fern,
dass wir erkennen Jesus Christ,
der für uns Mensch geworden ist.

Denn es ging dir zu Herzen sehr,
da wir gefangen waren schwer
und sollten gar des Todes sein;
drum nahmst du auf dich Schuld und Pein.

Da sich die Welt zum Abend wandt,
der Bräutgam Christus ward gesandt.
Aus seiner Mutter Kämmerlein
ging er hervor als klarer Schein.

Gezeigt hat er sein groß Gewalt,
dass es in aller Welt erschallt,
sich beugen müssen alle Knie
im Himmel und auf Erden hie.

Wir bitten dich, o heilger Christ,
der du zukünftig Richter bist,
lehr uns zuvor dein Willen tun
und an dem Glauben nehmen zu.

Lob, Preis sei, Vater, deiner Kraft
und deinem Sohn, der all Ding schafft,
dem heilgen Tröster auch zugleich
so hier wie dort im Himmelreich. Amen.

Nach: Conditor alme siderum; 10. Jahrhundert
GL 230 · GL 1975 116 · KG 309 · EG 3

Psalm 145Verse 1–13b

Ich will dich rühmen, mein Gott und König, * und deinen Namen preisen immer und ewig;

ich will dich preisen Tag für Tag * und deinen Namen loben immer und ewig.

Groß ist der Herr und hoch zu loben, * seine Größe ist unerforschlich.

Ein Geschlecht verkünde dem andern den Ruhm deiner Werke * und erzähle von deinen gewaltigen Taten.

Sie sollen vom herrlichen Glanz deiner Hoheit reden; * ich will deine Wunder besingen.

Sie sollen sprechen von der Gewalt deiner erschreckenden Taten; * ich will von deinen großen Taten berichten.

Sie sollen die Erinnerung an deine große Güte wecken * und über deine Gerechtigkeit jubeln.

Der Herr ist gnädig und barmherzig, * langmütig und reich an Gnade.

Der Herr ist gütig zu allen, * sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.

Danken sollen dir, Herr, all deine Werke * und deine Frommen dich preisen.

Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden, * sollen sprechen von deiner Macht,

den Menschen deine machtvollen Taten verkünden * und den herrlichen Glanz deines Königtums.

Dein Königtum ist ein Königtum für ewige Zeiten, * deine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht.

Ehre sei dem Vater …

Langmütig und reich an Gnade bist du, barmherziger Vater. Gib, dass wir neu zu dir finden und aus deiner Güte leben, damit unsere Mitmenschen von deiner Liebe erfahren.

LesungRöm 5, 20b–21

Wo die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden. Denn wie die Sünde herrschte und zum Tod führte, so soll auch die Gnade herrschen und durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben führen, durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:
Fürchte dich nicht, Maria; du hast Gnade gefunden beim Herrn. Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären. Halleluja.

Fürbitten

„Die Zeit ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf.“ Wir bitten Gott am Beginn dieses neuen Kirchenjahres um seinen Weckruf und um sein Erbarmen:
V: Der du die Herzen der Menschen kennst,
A: du unser Gott, wir bitten dich, erhöre uns.
– Für deine Kirche: um Erkenntnis dessen, was heute nottut.
– Für alle, die die Adventszeit als Zeit der Besinnung und der Erneuerung nutzen wollen.
– Für die einsamen, kranken und notleidenden Menschen, nah und fern.
– Für alle, die die Not nicht übersehen und dort helfen, wo es ihnen möglich ist.
– Für alle, die sich mutig für einen gerechten Frieden in Freiheit einsetzen.

Vaterunser

Oration
Herr, unser Gott, alles steht in deiner Macht; du schenkst das Wollen und das Vollbringen. Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten, damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit. Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.Vgl. 2 Kor 13, 13

Alma Redemptoris Mater(Seite 395)