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10 HOT STORIES: VICTOR IA’ SSECRET IN NEW YORK: GEHT #METOO DEN ENGELN AN DIE WASCHE?


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 47/2018 vom 15.11.2018

Gerade flatterten sie wieder in New York über den Laufsteg: Models mit Flügeln in Dessous, die an Zahnseide erinnern. Unsere Kollegin war bei der Show vonVictoria’s Secret dabei – und kam sich vor wie in einer anderen Zeit …


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Artikelbild für den Artikel "10 HOT STORIES: VICTOR IA’ SSECRET IN NEW YORK: GEHT #METOO DEN ENGELN AN DIE WASCHE?" aus der Ausgabe 47/2018 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Grazia, Ausgabe 47/2018

Ist das noch Kult oder krankes Körperbild? Victoria’s Secret ließ wieder die Engelchen flattern


Charlotte Andersson


ALS ELSA HOSK IN IHREM SPEKTAKULÄREN „FANTASY BRA“ VON ATELIER SWAROVSKI ÜBE R DEN LA UFSTEG SCHRITT , ging bei mir das Kopfkino an: Wie fühlt es sich wohl an, wenn man einen BH trägt, der aus über 3000 Perlen und Edelsteinen besteht? Wenn man sozusagen eine Million ...

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ALS ELSA HOSK IN IHREM SPEKTAKULÄREN „FANTASY BRA“ VON ATELIER SWAROVSKI ÜBE R DEN LA UFSTEG SCHRITT , ging bei mir das Kopfkino an: Wie fühlt es sich wohl an, wenn man einen BH trägt, der aus über 3000 Perlen und Edelsteinen besteht? Wenn man sozusagen eine Million Dollar am Körper trägt? Und was passiert, wenn da mal eine abfällt? Der Applaus im New Yorker „Pier 94“ holte mich wieder aus meinen Gedanken zurück in die Realität …

Als ich die Einladung zur 24. Show des Dessous-Giganten Victoria’s Secret bekam, dachte ich nur: Das muss ich sehen! Schließlich ist die Engelparade Kult, das Model-Event des Planeten, die Schau, die Heidi Klum einst berühmt machte. Quasi ein historisches Ereignis, das – anders als erwartet– eher unspektakulär verlief. Denn der Laufsteg, der im Fernsehen glamourös und ewig lang aussieht, misst gerade mal 20 Meter und wird während der vierzigminütigen Show dreimal umgebaut, weshalb man mehr Arbeiter darauf sieht als Models. Während die Showacts, in diesem Jahr unter anderem Rita Ora, so schnell auf und von der Bühne hüpfen, dass ich Augenflimmern bekomme, wird mir unterdessen immer klarer, dass das, was der US-Unterwäsche-Gigant hier zelebriert, wie eine Veranstaltung aus einer anderen Zeit wirkt! Während draußen in der Welt um weibliche Selbstbestimmung, Emanzipation und gegen Sexismus gekämpft wird, hungern sich bildhübsche Models Monate vor einer TV-Show das Fleisch vom Skelett, um dann als Engel verkleidet Dessous zu präsentieren, die in ihrer Knappheit an Zahnseide erinnern. Worum es eigentlich geht? Die Fantasie von Männern zu beflügeln. Was in den Neunzigern von Heidi Klum zum Ritterschlag für Models erklärt und durch Sendungen wie „Germany’s next Topmodel“ zum Mädchentraum einer ganzen Generation gemacht wurde, widerspricht der heutigen Strömung. Transgender-Models? Plus Size? Nix da. Victoria’s Secret heißt glatt polierte Illusion. Die ganze Show ist eine große Inszenierung. Nicht umsonst verbringen die Mädchen knapp zehn (!) Stunden in der Maske, bekommen Haare angeklebt, Body-Make-up verpasst und tonnenweise Highlighter aufgepinselt. Manche Wohnungsrenovierung ist schneller vollbracht. Die Models beginnen bereits ein halbes Jahr vor der Show, fünfmal die Woche (und kurz vor der Show sogar bis zu zweimal pro Tag) eisern zu trainieren. Angesichts dieser Info bleibt mir mein dick mit Frischkäse bestrichener Bagel, den ich mir vom (üppig bestückten) Buffet genommen habe, glatt im Hals stecken.

DAS WAR’S

Den emotionalsten Moment der Show lieferte Adriana Lima, die nach 19 Jahren ihre letzte Show lief


IHR ERSTES MAL


Backstage treffe ich auf Ed Razek. 70 Jahre, braun gebrannt, graue Schläfen, Typ Hugh Hefner. Der Mann ist für die Auswahl der Engel zuständig, und die danken es ihm, indem sie sich um ihn scharen wie Kinder um den Weihnachtsmann. Er umarmt, tätschelt, busselt im Akkord. „Welcome to …“ Razek unterbricht, weil ihm eines der Models etwas aus der Ecke zuruft, ich führe den Satz aber gedanklich fort: „… Playboy Mansion“? „Welcome to Victoria’s Secret“, begrüßt er mich endlich und betont, wie sehr ihm das Wohl der Models am Herzen liege und dass die wichtigsten Voraussetzungen für Vctoria’s-Secret-Models „Persönlichkeit und Disziplin“ seien. Schon klar.

Während mir kurz darauf auch die aus dem Südsudan stammende Grace Bol von ihrer Trainingsroutine erzählt und sich ihre Kolleginnen hinzugesellen, kommt plötzlich eine Schar Fotografen angestürmt. Ich werde höflich zur Seite gebeten, da sie die „Schönheiten“ nun gerne fotografieren würden. Na schön, vielleicht trage ich auch einfach zu viel Kleidung, um mit aufs Foto zu dürfen.

Das Bild steht aber auch als Sinnbild für die Show, insgesamt liefen in diesem Jahr 20 dunkelhäutige Models die Show und bildeten zusammen mit vier Asiatinnen etwa ein Drittel nicht weißer Models. Hinsichtlich ethnischerdiversity hat sich die Marke also Gedanken gemacht. Aber das Körperbild? Barbie. Schönheit hat heute mehr Facetten als die Eindimensionalität, die auf dem Laufsteg von Victoria’s Secret gezeigt wird. Angesagt ist hier noch immer: groß, ultraschlank, vollbusig. Wobei Letzteres meist auf die nicht weniger kontroversen XL-Push-up-BHs zurückzuführen ist. Schade, schließlich sollte ein Modekonzern mit solch kommerzieller Ausrichtung doch auch ein Stück weit die Gesellschaft widerspiegeln. Und die plädiert aktuell für Freiheit, das Ausleben von Unterschieden und nicht zuletzt dafür, dass ich als Frau mehr bin als der perfekte, runtergehungerte Körper in sexy Unterwäsche. Ich gehe nach der Show erst einmal ans Buffet um die Pizza-Häppchen zu kosten. Warum ich das nicht für mich behalte? Ganz einfach, weil ich erst einmal genug von „Secrets“ habe und weil ich ab heute der Meinung bin, dass ich als selbstbestimmte Frau im Jahr 2018 Wichtigeres zu tun habe, als mich 24/7 mit einem Körper, der einzig und allein die perfekte Männer-Illusion, aber nicht die Realität widerspiegelt, zu beschäftigen.

DER MODE LMACHER

Ed Razek ist nicht nur Kreativchef der Marke, sondern entscheidet auch, welche Models in der Show dabei sein werden


Ganze 930 Stunden dauerte es, den „Fantasy Bra“, der ganz offiziell „Fantasy Bra by Atelier Swarovski with Swarovski created Diamonds“ heißt und von Model Elsa Hosk getragen wurde, anzufertigen – für unsere Redakteurin das Highlight des Spektakels


DER „ FANTAS Y B R A“


TEXT: CHARLOTTE ANDERSSON; FOTOS: DDP IMAGES, GETTY IMAGES (4), PRIVAT, PR