Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

10 Jahre Red Dead Redemption


Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 20.05.2020

WIE ROCKSTAR WESTERN-GAMES COOL UND POPULÄR MACHTE


Artikelbild für den Artikel "10 Jahre Red Dead Redemption" aus der Ausgabe 6/2020 von Games Aktuell. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 6/2020

Protagonist John Marston ging natürlich auch auf die Jagd. Die Haut der erlegten Tiere verkauften wir später und verdienten so schnelles Geld nebenbei. Die Animationen und Effekte beim Häuten waren für Tierfreunde allerdings stets grenzwertig.


Alle Bilder: Moby Games

Wie Grand Theft Auto mit Pferden – aber auch etwas anders: Vor zehn Jahren galoppierte Red Dead Redemption über PS3 und Xbox 360 und wurde plötzlich zum Kassenschlager. Wir blicken in unserem Report zurück auf die Faszination hinter Western-Abenteuern im Allgemeinen und dem ...Von: Olaf ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Games Aktuell. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2020 von TÄGLICH TOPAKTUELLE NEWS GIBT’S AUF PCGAMES.DE!: NEWS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TÄGLICH TOPAKTUELLE NEWS GIBT’S AUF PCGAMES.DE!: NEWS
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von DAS TAGEBUCH. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS TAGEBUCH
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von MOST WANTED: Neuigkeiten zu den Favoriten der Redaktion.. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MOST WANTED: Neuigkeiten zu den Favoriten der Redaktion.
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von THE ELDER SCROLLS ONLINE GREYMOOR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
THE ELDER SCROLLS ONLINE GREYMOOR
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von THE DARK PICTURES ANTHOLOGY LITTLE HOPE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
THE DARK PICTURES ANTHOLOGY LITTLE HOPE
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von DISINTEGRATION. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DISINTEGRATION
Vorheriger Artikel
MOST WANTED: Neuigkeiten zu den Favoriten der Redaktion.
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel THE ELDER SCROLLS ONLINE GREYMOOR
aus dieser Ausgabe

... Rockstar-Meisterwerk im Speziellen.

Im Jahr 2020 ist Red Dead Redemption längst ein modernes Phänomen der Popkultur. Der im Herbst 2018 veröffentlichte zweite Teil heimste zahlreiche Kritikerpreise ein und gehört zu den absoluten Verkaufsschlagern der aktuellen Konsolengeneration. Doch vor zehn Jahren war das noch anders: Viele erwarteten zwar, dass das erste Red Dead Redemption ein richtig gutes Spiel werden würde, an einen Mega-Hit glaubten jedoch die wenigsten. Kein Wunder, wirkte doch der Ansatz eines Open-World-Spiels im Wilden Westen zwar interessant, doch bei Weitem nicht so „mainstreamig“ wie die Gangster-Dramen, die US-Entwickler Rockstar Games sonst erzählte.

WESTERN-SPIELE IM NIEMANDSLAND

Obwohl sich das Genre des Westerns in Büchern, Comics und Filmen bereits seit Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreut, so wurde es im Spielebereich vor Red Dead Redemption doch eher stiefmütterlich behandelt. Denn wenn man in die Zeit vor der Veröffentlichung des Rockstar-Hits blickt, fällt vor allem auf, dass die existierenden Western-Games oftmals wenig erfolgreiche Nischenprodukte waren.

Bonnie MacFarlane rettete John Marston zu Beginn des Spiels das Leben und brachte ihn auf der Farm ihrer Familie unter. Bonnie ist eine moderne Frau: durchsetzungsstark und direkt.


John Marston war gezeichnet von vielen Jahren der Kämpfe. Eigentlich wollte er seinem früheren Leben entfliehen, musste dann aber wieder zur Waffe greifen, um seine Familie zu retten.


Was machen waschechte Cowboys in ihrer Freizeit? Logisch, sie fangen Wildpferde ein und zähmen sie. Red Dead Redemption greift alle gängigen Möglichkeiten des Western-Settings auf.


Im Action-Genre kommt uns zuerst der 1997 veröffentlichte Shooter Outlaws in den Sinn. Das PC-Spiel stach seinerzeit dank seines ungewöhnlichen Cel-Shading-Stils, cooler Comic-Zwischensequenzen und solidem Shooter-Gameplay aus der Masse hervor. Das von LucasArts entwickelte Spiel griff typische Western-Tropen und sogar Kameraeinstellungen bekannter Filme auf und basierte auf der sogenannten Jedi Engine, die unter anderem bei einem in Deutschland indizierten Star-Wars-Shooter aus dem Jahr 1995 zum Einsatz kam.

Nach der Jahrtausendwende schienen Western für Spieler und Branche aber zunehmend interessanter zu werden. Mit Red Dead Revolver legte Rockstar San Diego bereits 2004 den Grundstein für den späteren Erfolg von Red Dead Redemption. Ein Jahr später folgte mit dem von Neversoft entwickelten Gun ein ebenso ambitioniertes wie erfolgreiches Open-World-Spiel. Zwar war das Third-Person-Abenteuer technisch noch ziemlich limitiert, dafür glänzte es mit der Umsetzung einer offenen Western-Spielwelt und actionreichen Schießereien. Gun gehörte damals sicherlich zu den positiven Ausnahmen, da es kommerziell durchaus erfolgreich war und somit zeigte, dass Western auch als Videospiel funktionieren können. Das sah man schließlich auch in der gut umgesetzten und bis heute populären Call-of-Juarez-Reihe, die mit dem Seriendebüt (2005), dem 2009 veröffentlichten Bound in Blood und dem 2013 erschienen Gunslinger Erfolge feiern konnte. Das von Techland entwickelte Call of Juarez: The Cartel (2011) müssen wir jedoch als Negativbeispiel erwähnen: Ubisoft und Techland versuchten damals, das Wildwest-Setting in einem modernen Gangster-Abenteuer umzusetzen. Dieser Plan endete jedoch in einem absolut katastrophalen Genremix mit zweifelhafter Story und mieser Technik.

Doch nicht nur im Action-Bereich fand der Wilde Westen gelegentlich Erwähnung. Die Strategiespielserie Desperados etwa zeigte ab 2001, dass sich das Setting ideal für knallharte Rundentaktik eignet. Aktuell befindet sich der dritte Teil bei THQ Nordic in der Mache, einen endgültigen Release-Termin gibt es allerdings noch nicht. Die Macher anderer Titel wie etwa dem 2005 veröffentlichten Oddworld: Stranger’s Wrath, dem Wii-Shooter Red Steel (2006) oder Darkwatch (2005) interpretierten das Setting mit Science-Fiction-Elementen spürbar um. Kurzum: Über die Jahre wuchs zwar das Interesse am Western, echte Verkaufsschlager und Massenphänomene waren aber nicht dabei.

Das sollte sich mit dem im Mai 2010 veröffentlichten Red Dead Redemption schlagartig ändern. Bis heute kann Rockstars Open-World-Abenteuer eine der höchsten Bewertungen auf der Ratings-Plattform Metacritic vorweisen und verkaufte sich auch nach dem Start hervorragend. Im ersten Monat ging das Spiel weltweit über eine Million Mal über die Ladentheke. Im Februar 2011 vermeldete Rockstar bereits acht Millionen verkaufte Exemplare; bis 2017 waren es über 15 Millionen Einheiten. Interessanterweise verkaufte sich Red Dead Redemption über einen langen Zeitraum und erreichte auch Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung neue Zielgruppen. Witzigerweise könnte man nun sagen, dass kaum Western-Spiele erscheinen, weil sie sich immer an Red Dead Redemption messen lassen müssten. Mit der im November 2010 veröffentlichten Erweiterung Red Dead Redemption: Undead Nightmare schloss Rockstar zudem zeitig an die Geschichte des Hauptprogramms an, „surfte“ aber zugleich auf der damals sehr populären Welle der Zombie-Spiele. Der Mix aus Untoten und Western war eine perfekte und gleichermaßen spannende Kombination, die zielsicher den Geschmack vieler Action- und Filmfans traf.

Schlösser knackten wir ganz einfach mit einem gezielten Schuss. Red Dead Redemption lebte – wie auch Grand Theft Auto – von seinen erzählerisch gelungenen Missionen und der starken Technik.


Der zottelige Jake wurde von Marshal Johnson als Marstons Begleiter angeheuert. Er führte ihn von Armadillo nach Fort Mercer. Treffpunkt der beiden war ein Saloon inklusive leichter Mädchen.


Red Dead Redemption spielte gekonnt mit der Lichtstimmung eines Westerns: Die Weite der Landschaft, wenige Wolken am Himmel und eine untergehende Sonne – da bekam man sofort Lust auf einen Ausritt oder ein prasselndes Lagerfeuer.


NUR GTA IM WILDEN WESTEN?

Das Wildwest-Genre zeichnet sich seit jeher durch verschiedene Motive aus – vom einsamen Rächer über die Sehnsucht nach Freiheit bis hin zur Eroberung des Westens. All diese Ideen tauchen auch in Red Dead Redemption auf. Und doch ist der von Rockstar gewählte Zeitraum ungewöhnlich: Das Abenteuer startet nämlich im Jahr 1911, also einer Zeit, in der die Besiedlung des Westens schon fortgeschritten war. In diesem Szenario treffen Fortschritt und Moderne, Technik und Handwerk aufeinander. Für uns als Spieler ergibt sich daraus vor allem ein Vorteil: Wir erkennen viele Motive wieder und finden uns in der Welt schnell zurecht. Red Dead Redemption erklärt zu Beginn nicht sonderlich viel. Stattdessen spielt Rockstar Games mit dem Szenario und lässt uns selbst Erfahrungen sammeln. Als Protagonist diente in diesem Fall John Marston – ein Mann, der ähnlich zerrissen wirkte wie die Spielwelt selbst. Der einstige Gesetzesbrecher zog sich nach einem gescheiterten Coup der Bande von Dutch van der Linde aus dem Geschäft zurück. Stattdessen lebte er mit seiner Frau Abigail und seinem Sohn Jack auf einer Farm. Allein diese Personenkonstellation ist für einen Western ungewöhnlich; traditionell sind die Protagonisten eher Einzelgänger oder bekleiden verantwortungsvolle Positionen wie etwa das Amt des Sheriffs. Allzu selten aber tauchen Ehemänner in der Hauptrolle eines Western auf.

Letztlich sorgte jedoch gerade dieser Hintergrund für den Spieler für eine notwendige emotionale Verbindung. Denn Marston wurde von seiner Vergangenheit eingeholt und die Obrigkeit in Form der Bundesbehörde Bureau of Investigation entführte seine Familie. Deshalb muss John zurück zu seinen brutalen Wurzeln. Er muss sein „zivilisiertes Farmer-Ich“ ablegen und wieder zum ruchlosen Revolverhelden werden. Auch, dass die Regierung in dieser Konstellation die Fäden zieht, erschien ungewöhnlich und passte zur modernen Erzählweise von Red Dead Redemption.

Denn obwohl das Spiel sich schnell das Prädikat „wie Grand Theft Auto, nur mit Pferden“ einheimste, war RDR um einiges tiefgründiger als die andere Rockstar-Reihe. Hielt bereits das 2008 erschienene GTA 4 der amerikanischen Gesellschaft den Spiegel mit viel Zynismus vor, so ging Red Dead Redemption noch einen Schritt weiter. Es zeigte die Ursprünge und die Entwicklung, die die Welt letztlich zu dem gemacht hat, was sie später geworden ist.

Im Saloon konnten wir pokern und unser wohlverdientes Geld auf den Kopf hauen. Nicht selten kam es im Verlauf der Spiele auch zu Streitigkeiten zwischen den Beteiligten.


Das Deckungssystem gehörte sicherlich nicht zu den großen Stärken des Spiels. Insgesamt war die Steuerung hier recht träge und Waffenwechsel über das Befehlsrad empfanden wir als eher mäßig komfortabel.


An Schießereien kamen wir auch in Red Dead Redemption nicht vorbei. John Marston griff zu Revolver, Gewehren und anderen Waffen. Dank Zielfunktionen und Spezialtalenten funktionierten die Action-Einlagen ordentlich.


SCHIESSEREIEN, FREIHEITEN UND POKER

Diese Geschichte machte Red Dead Redemption nahbar und zog das Spiel raus aus dem üblichen Western-Klischee-Sumpf. Trotz des bekannten Schauplatzes waren die Story und ihre Motive modern und damit verständlich. Zugleich aber wahrten die Autoren auch das Erbe, das sie mit Red Dead Redemption antraten. Obgleich wohl die wenigsten von uns allen Ernstes wie ein Revolverheld, Outlaw oder Cowboy leben möchten, so haben wir doch durch Bücher, Comics und Filme eine ziemlich klare Vorstellung davon. Dem gerecht zu werden, war wohl die größte Herausforderung für Rockstar Games – und wie wir heute wissen, meisterte das US-Studio diese mit Bravour. Schon die imposante Grafik bot genau das, was sich jeder von einem Western-Spiel erwartete: Weite Landschaften, Sonnenuntergänge, Canyons, Minen, schmuddelige Saloons und ebenso raue Ortschaften. Doch erst der stark von Ennio Morricones Filmusik zur Dollar-Trilogie inspirierte Soundtrack rundete das Gesamtkunstwerk ab. Grafik und Musik gingen Hand in Hand und erzeugten gerade beim Durchstreifen der gewaltigen Spielwelt immer wieder Gänsehautmomente. Damit einher gingen die für Open-World-Spiele typischen Vorteile: Zufällige Begegnungen und Nebenaufgaben ermutigten uns zu längeren Ausflügen, zu denen wir dank der grandiosen Präsentation auch gerne antraten. Marstons Taten wirkten sich zudem aktiv auf seinen Ruf aus und zogen unmittelbare Konsequenzen nach sich: Betrogen wir etwa bei den ebenfalls im Spiel integrierten Pokerpartien, forderten uns die Gegenspieler nicht selten zu einem Duell heraus. Die Shootouts zählten zu den wichtigsten, wenn auch spielerisch umstrittensten Bestandteilen des Wildwest-Spiels. Egal, ob Clint Eastwood in Für eine Handvoll Dollar (1964) oder Marty McFly in Zurück in die Zukunft 3 (1990) – Duelle gehören eben einfach in ein Wildwest-Szenario. Red Dead Redemption fühlte sich nicht nur wie ein „normales“ Action-Game an. Dem Spiel gelang der Spagat zwischen Fanservice, zeitgemäßem Open-World-Design und einer genialen Inszenierung. Wenn man jetzt mal von der gelegentlich verqueren Steuerung absieht, präsentierte Rockstar Games hier eine nahezu fehlerfreie Umsetzung eines der kultigsten Genres überhaupt. Red Dead Redemption steckte voller spannender, merkwürdiger und skurriler Geschichten, erschuf große Momente und rührte uns bisweilen sogar zu Tränen. Es machte Western cool und zugleich auch modern.

War Red Dead Redemption vor zehn Jahren noch ein Überraschungshit, avancierte der Nachfolger 2018 zum erwarteten Mega-Erfolg, bei dem Rockstar mit dem simplen Interaktionstool sogar für eine echte Innovation nicht nur für Spiele-Western, sondern übergreifend in Open-World-Games sorgte. Man könnte also behaupten, dass die Rockstars genau wissen, wie sie Western zu etwas ganz Außergewöhnlichem machen.

Wie es sich für ein Open-World-Spiel gehörte, gab es auch in Red Dead Redemption Tag-und-Nacht-Wechsel. Nachts waren die Läden geschlossen und in der Wildnis warteten gefährliche Tiere auf Beute.


Zufällige Begegnungen wie diesen Gefangenentransport konnten wir ignorieren oder unterbrechen. In jedem Fall beeinflussten unsere Aktionen aber John Marstons Ruf innerhalb der Spielwelt.