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10+1 Ankerbuchten Ionisches Meer


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 20.04.2022

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Die Navagio-Bucht (oder Schmugglerbucht) auf Zakynthos gehört zu den bekanntesten Fotomotiven ? ist aber oft hoffnungslos überlaufen. Wir haben ebenso schöne Alternativen gesammelt

Im Ionischen Meer wird man als Segler vom „Maístros“ umschmeichelt, einem thermischen Wind, der selbst Langschläfer nicht zu früh aus den Kojen holt und sich abends so rechtzeitig verabschiedet, dass er den Sundowner nicht ungebührlich stört. Das allein schon macht das Revier für jene attraktiv, die sich von der Ägäis verabschiedet haben, weil ihnen der Meltemi ein zu ruppiger Geselle war. Im Ionischen Meer können sie in Frieden segeln und müssen dabei weder auf griechisches Ambiente noch auf die griechische Küche verzichten. Ganz ungetrübt ist das Segelvergnügen aber auch hier nicht. Denn im Sommer sind Teile des Reviers überlaufen, die wenigen Häfen bereits am Nachmittag voll. Dann herrscht an den Kais ein Gedränge, böse Worte fallen und oft hilft nur Brachialgewalt, wenn man noch einen Liegeplatz ergattern will. Das sind natürlich keine schönen Aussichten für einen erholsamen Segelurlaub. ...

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... Doch all dem kann man aus dem Weg gehen, wenn man seine segelfreie Zeit (so wie früher auch) überwiegend vor Anker verbringt. Das sollte einem im Ionischen Meer nicht schwerfallen, denn die Inseln sind reich an Buchten. In den meisten kann man friedlich vor Anker liegen, ohne deshalb auf einen Restaurantbesuch verzichten zu müssen, während sich nur wenige so großer Beliebtheit erfreuen, dass man besser an ihnen vorbeisegelt. Dafür gibt es einige Buchten, an die man sich noch lange erinnern wird, weil sie so herrlich einsam waren. Zwar sind es nicht mehr viele, doch auch hier gilt: „Wer suchet, der findet!“

01 Korfu / Ágios Geórgios: 39°43,2’N, 19°40,0’E

Ginge es nach der Seekarte, könnte man meinen, dass Korfu Seglern jede Menge Ankerplätze bietet.

Doch der Eindruck täuscht, denn viele dieser Buchten sind weit offen und zudem so klein, dass man bereits weit draußen ankern muss. Auf anderen wiederum liegt man völlig ungeschützt vor der Küste. Das mag für eine Kaffeepause oder einen Badestopp reichen, fürs Übernachten eignet sich ein solcher Ankerplatz aber selbst bei guten Verhältnissen nicht. Sieht man näher hin, bietet Korfu Seglern nur zwei sichere Buchten. Ágios Geórgios ist eine davon. Ihre Sandstrände ziehen zwar Touristen an wie der Käse die Fliegen, als Segler kann man sich aber vom Trubel fernhalten, etwa im nördlichen Winkel dieser nur nach SW offenen Bucht. Dort würde man auch geschützt gegen den Maístros liegen. Sollte der ausbleiben, kann man auch einen der stillen Ankerplätze im Süden der Bucht anpeilen; nur sollte man dabei wegen der davorliegenden Sandbänke dem Ufer nicht zu nahekommen. Was kein Problem sein dürfte, denn hier findet man auch noch fern vom Trubel ideale Ankertiefen vor. Den etwas weiteren Weg mit dem Dingi zu einem der zahlreichen Restaurants muss man dann allerdings in Kauf nehmen.

02 Korfu / Paleokastrítsa: 39°40,5’N, 19°42,6’E

Schon Kaiser Wilhelm II soll von Paleokastrítsa begeistert gewesen sein. Begeistert ist wohl auch jeder Segler, der die Bucht von Alípa ansteuert, von den oft schroff abfallenden und dabei doch dicht bewaldeten Klippen. Je näher er allerdings dieser Idylle kommt, desto mehr wird sich die Begeisterung legen. Denn eines muss gesagt werden: In der Saison ist dieser Traum von einer Bucht hoffnungslos von Touristen überlaufen. Das verleidet so manchem nicht nur den kleinen Hafen, sondern auch die Bucht am Kopf des Limín Alípa. Obwohl: Sehr viel Raum zum Schwojen ist dort ohnedies nicht. Zwei, drei kleinere Yachten könnten sich arrangieren, doch unbeschwert liegt man dort nur, wenn man die Bucht für sich alleine hat. Sonst sollte man es erst gar nicht versuchen, sondern gleich die östliche Bucht ansteuern. Dort findet man nicht nur genügend Raum zum Schwojen, sondern auch jene Ruhe, die man sich bei der Ansteuerung erträumt hat. Da die Bucht nur nach SW offen ist, liegt man hier meist so sicher, dass man das Boot sich selbst überlassen und abends in eines der zahlreichen Restaurants tuckern kann. Man sollte sich aller- dings darauf einstellen, dass die teuer sind und das Essen oft nur griechisch angehaucht ist.

03 Lefkas / Sívota: 38°37,4’N, 20°41,0’E

Sívota wird wohl nicht den Geschmack eines jeden Kenners von Lefkas treffen. So mancher wird finden, dass der Órmos Vlíkho übergangen wurde, andere wiederum werden sich fragen: „Warum nicht der Órmos Vasilikhí?“ Beide haben nicht unrecht, denn beide Buchten sind schön – besonders der Órmos Vlíkho mit seiner Tranquil Bay, während in Vasilikhí doch der Wassersporttrubel recht störend sein kann. Für Sívota hingegen spricht der Reiz dieser von Olivenhainen umgebenen Bucht, aber auch der perfekte Schutz den sie bietet. Auch dass man die Wahl hat, entweder römisch-katholisch an den Kai zu gehen oder doch lieber in der Bucht zu ankern, mag manche hierherlocken. Sorgen ums Schiff braucht man sich nicht zu machen, man kann es unbesorgt sich selbst überlassen, wenn die Crew abends an Land fahren möchte. Was keine schlechte Idee wäre. Zwar haben Apartmenthäuser das beschauliche Ambiente der Bucht getrübt, doch der Zauber, nach einem langen Segeltag hier direkt hinter den Hecks der Schiffe zu sitzen und sich den Abend mit gutem Essen und einem noch besseren Wein zu verschönern, wird dadurch nicht übertrieben geschmälert. So gesehen mag Sívota doch die richtige Wahl gewesen sein!

04 Meganísi / Ó. Kapalí: 38°40,6’N, 20°47,0’E

Das kleine Meganísi ist mit so vielen Ankerplätzen gesegnet, wie kaum eine andere Insel im Ionischen Meer. Darin könnte man eine ausgleichende Gerechtigkeit erkennen, denn ihre beiden Häfen geben nicht allzu viel her. Obwohl die beiden Buchten im Südosten der Insel einiges zu bieten haben und die Ankerplätze zwischen Nísos Thilía und Meganísi tagsüber viele Yachten anlocken, stehen die drei Buchten im Nordosten der Insel bei Seglern hoch im Kurs. Bisher allerdings nur bei Insidern, sodass man (noch nicht) befürchten muss, sich einen der kleinen Einschnitte in den Buchten mit einer anderen Yacht teilen zu müssen. Schon gar nicht nachts, denn spätestens am Abend streben alle den Fleischtöpfen in den Häfen zu. Dann liegt man hier ganz einsam, sei es nun im Port Atheni, dem Órmos Abelike oder dem Órmos Kapalí, der für manche der reizvollste der drei ist. Je nach Lust und Laune, kann man hier einen stillen Abend an Bord verbringen, es ist aber auch kein Problem, wenn man doch noch auswärts essen möchte. Da man wegen der doch recht großen Ankertiefen und dem geringen Raum zum Schwojen kaum ohne Landleinen auskommen wird, hat man es meist nicht sehr weit an Land. Und von dort ist es nur noch ein Spaziergang nach Vathí.

05 Kastós / Hafen: 38°34,1’N, 20°54,7’E

Der Segelführer bietet einige Ankerplätze auf Kastós an. Doch die eignen sich bestenfalls für einen Badestopp. Die Nacht in einer dieser Buchten zu verbringen, erscheint nicht ratsam, denn dazu sind sie zu offen. Doch sollte dies kein Grund sein, sich diese Insel, die zu den unberührtesten und be- schaulichsten im Ionischen Meer gehört, entgehen zu lassen. Kastós hat auch einen Hafen, in dem findet eine Yacht allerdings kaum einen freien Platz. Den braucht man auch nicht, denn in dieser Bucht lässt es sich – zum Teil auch im Schutz der Mole – gut ankern, wenn auch mit einer entsprechend langen Landleine, denn schon ein gutes Stück vor dem Ufer hat man nur mehr wenig Wasser unter dem Ruder. An Land fällt es einem schwer zu glauben, dass es ein solches Kleinod im Fremdenverkehrsmekka des Ionischen Meeres noch gibt. Den Anlegerschluck lässt man sich auf einem der Tische servieren, die im Sand des Strandes stehen. Was als Ort bezeichnet wird, ist so überschaubar, dass alles, was hinter den wenigen Häusern liegt, sich bereits einer Wanderung über die Insel zuordnen ließe. Und das in der Hochsaison! Können wir Stressgeplagten uns überhaupt noch vorstellen, wie es sich hier im Winter lebt, wenn nur noch achtzig Insulaner auf diesem Eiland wohnen?

06 Átoko / Cliff Bay: 38°28,6’N, 20°48,7’E

Das kleine Átoko ist dem Segelführer gerade mal eine Erwähnung wert, etwas ausführlicher beschreibt er nur die One-House-Bay. Doch da gibt es noch die Cliff-Bay. Das einzige, was ihm dazu einfällt, sind die großen Ankertiefen. Was schon fast selbstverständlich ist, bei all den Felswänden die da senkrecht aus dem Wasser aufsteigen. Aber gerade das macht ja den Reiz dieser Bucht aus. Ohne Heckleine sollte man gar nicht erst versuchen, hier zu ankern. Auch wenn die nicht leicht auszubringen ist. Nur in der westlichen Einbuchtung gibt es einen Sandstrand. Überall sonst muss man die Leine zu den Felswänden hin ausbringen: zu einem Fels Kopf, zum Stamm eines Bäumchens vielleicht. Ideal wäre es, einige Felshaken (so wie sie die Bergsteiger verwenden) im Segelgepäck zu haben. Das Wasser in der Bucht könnte klarer nicht sein, der Frieden nicht tiefer, wenn sich am späten Nachmittag auch die letzte Yacht verabschiedet hat. Die Bucht ist nur nach Süd hin offen, deshalb dürfte man hier, gegen die im Sommer vorherrschenden Winde, gut geschützt liegen. Trotzdem erfordert es einiges an Vertrauen in seine Seemannschaft und zudem einen guten Wetterbericht, wenn man hier übernachten will. Belohnt wird man dafür mit einem unvergesslichen Ankererlebnis!

07 Ithaka / Pighádi / O. Pera: 38°20,0’N, 20°44,8’E

Warum ausgerechnet der Órmos Pera Pighádi? Wo doch Ithaka so viele schöne Buchten und auch Häfen (wie Fríkes, Kióni und Váthi) hat, vor oder in denen man auch gut ankern kann. Kurz gesagt: Weil diese einfach zu überlaufen sind! Will man auf Odysseus‘ Insel vom Trubel verschont bleiben, hat man nur die Wahl zwischen diesem von dem Inselchen Péra Pighádia beschützten Ankerplatz und dem Órmos Ágios Andréas, einer beeindruckend kargen Bucht ganz im Süden der Insel. Will man in Pighádi sicher vor Anker liegen, muss man diesen am südlichen Rand der Einfahrt auf vier bis fünf Meter Wasser setzen, denn gleich südlich davon fällt der Grund steil ab. Das hat aber den Nachteil, dass man hier allen Booten im Weg liegt, die durch diese Enge wollen. Das mag tagsüber kein Problem sein, nachts wird man aber – trotz Ankerlicht – meist schlecht schlafen. Deshalb bevorzugen manche die beiden kleinen Buchten südwestlich davon. Egal wofür man sich entscheidet: Hier zu ankern ist immer ein Erlebnis! Tagsüber bietet das glasklare Wasser ungetrübtes Badevergnügen, abends dämmert man bei einem gepflegten Borddinner in eine friedliche Nacht hinüber, die man aber nur genießen kann, wenn man genügend griechischen Wein gebunkert hat.

08 Kefaloniás / Ássos: 38°22,7’N, 20°32,3’E

Ássos auf Kefaloniá ist eine der Buchten, die einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen, dass man sie immer wieder ansteuert. Und das obwohl im verkrauteten Grund der Anker schlecht hält und die Bucht nach Norden hin offen ist. Auch lässt man sich leicht von der kurzen Mole verführen, römischkatholisch an ihr festzumachen, was, wegen des von einem aufkommenden Nordwind im Hafen verursachten Sogs, nachts fatale Folgen haben kann. Passen hingegen die Verhältnisse (was meist der Fall ist) kann man hier einen schönen Segeltag würdig abschließen. Ganz oben im Programm sollte der Aufstieg zur venezianischen Festung stehen, wegen der Sommerhitze am besten am späten Nachmittag, aber noch bevor sich die Schatten über die Bucht legen. Denn dann wird, mit jedem Meter den man an Höhe gewinnt, der Blick auf den Ort und seine grüne, bewaldete Umgebung immer schöner. Nur der Blick von den Festungsmauern über das Ionische Meer kann das Erlebnis toppen.

Abends füllt sich das Hafenrund, nachts kann es hier laut werden. Doch das hat nichts mit Tourismusauswüchsen zu tun: Hier bordet nur pure griechische Lebenslust über, die sich mit der Freude an den kulinarischen Genüssen paart.

09 Kefaloniá / Níssis Thionísi: 38°06,0’N, 20°31,0’E

Diesen Ankerplatz plant man nicht ein. Auf ihn wird man verschlagen! Und das meist dann, wenn man vor aufkommendem Starkwind aus dem Hafen von Ássos flüchten muss und bei heulendem Wind, hochgehender See und an Bord grassierender Seekrankheit nur mehr an einen schützenden Hort zu denken vermag. Der Ankerplatz zwischen den Thionísi-Inseln ist zwar weit offen, hat aber den Vorteil, dass man dort gegen einen Norder perfekt geschützt liegt. Man muss sich nur über flaches Wasser an die Küste herantasten und sich trauen, erst bei zwei bis drei Meter am Echolot den Anker auf den Sand des Grundes fallen zu lassen. Dann kann der Wind heulen so viel er will, dann wird er es trotz allem nicht schaffen, die Tassen des Nachmittagskaffees vom Cockpittisch zu rollen. Ebenso wenig wird es ihm gelingen, der Crew das Vergnügen, in einem Wasser zu schwimmen, das klarer nicht sein könnte, zu schmälern. Sollte abends Frieden einkehren, könnte man sich in der Mitte eines Universums fühlen, das fernab all der Unvernunft und der Hektik unserer Zeit liegt. Ein Sundowner ist Pflicht, das abendliche Essen gehört zelebriert, von griechischem Wein sollte man sich daran erinnern lassen, wo man ist. Über all die Glücksgefühle darf man nur eines nicht vergessen: Das Ankerlicht zu setzen!

10 Zákynthos / Órmos Vróma: 37°49,3’N, 20°37,9’E

Es gibt Reviere, Buchten und auch den einen oder anderen Ankerplatz, die kennenzulernen man einfach nicht schafft. Immer kommt etwas dazwischen: Mal fehlt die Zeit, dann passt die Bucht nicht in den Törnplan. Oder das Wetter spielt verrückt. So wie mir das schon zweimal beim Órmos Vróma, dieser schönen Bucht an der Westküste von Zákynthos, passiert ist. War es beim ersten Mal noch eine durchziehende Front, die hohe Wellen in diese nur nach SW offen Bucht schaufelte, vereitelte beim zweiten Mal Wind in Sturmstärke aus nördlichen Richtungen jeden Versuch. Diesmal waren es natürlich nicht die Wellen, sondern von den Hügeln herabrollende Fallböen, die jedes römisch-katholische Anlegen unmöglich machten. Doch der Kurzbesuch hatte gereicht, um die Vroma-Bucht ganz oben auf meine nautische Wunschliste zu setzen. Tief schneidet sie ein, landschaftlich ist sie ein Traum. Nur frei ankern kann man nicht, denn dazu ist es hier zu tief, und auch der Raum zum Schwojen fehlt. Es sind also Landleinen angesagt – möglichst zwei, wegen der schralenden Böen. Tagsüber ist hier viel los, doch abends beruhigt sich die Lage. Einst war die Bucht exklusiv, doch auch heute sehen manche in ihr noch den Höhepunkt ihres Törns.

+1 Nisídes Strophádes / Órmos Tavérnas: 37°15,5’N, 21°00,2’E

Zwei Inseln, dreißig Meilen vom Festland entfernt, machen die Strophádes zur einsamsten Inselgruppe im Ionischen Meer. Kaum ein Charterboot verirrt sich hierher, kaum eine Fahrtenyacht legt hier einen Stopp ein. Dabei wäre dieser Miniarchipel die ideale Zwischenstation, sowohl von als auch nach Malta oder in den Süden Italiens. Klingt alles so schön. Ist es aber nicht. Denn das ganze Revier ist mit Klippen gespickt. Gefahrlos ansteuern kann man nur die Tavérnas-Bucht im Südosten der Árpia- Insel. Doch dies geht auch nur dann, wenn nicht ein Schirokko voll in die Bucht steht oder Südwest- Wind eine heranziehende Front ankündigt. Deshalb sollte man die Inseln nur bei gutem Wetterbericht einplanen und dort nur bei besten Verhältnissen übernachten. Wer sich das zutraut, wird dafür reichlich belohnt. Denn wahrlich: Mehr Robinson- Feeling gibt es im ganzen Ionischen Meer nicht! Seit der letzte Mönch das Kloster auf Stampháni verlassen hat, gehören die Inseln abenteuerlustigen Seglern, die hier ein Revier vorfinden, zu dem sie sonst weit segeln müssten. Spaziergänge über die Inseln kann man hier auskosten, stille Abende zelebrieren und friedliche Nächte genießen – solange man will oder das Wetter es erlaubt.

Text: Carl Victor

INFO:

Reisedokumente: Personalausweis Währung: Euro-Land Notruf: 112

Sprache: Griechisch. Englisch wird überall gut verstanden. Zeitunterschied: MEZ & MESZ + 1h Gesundheitsrisiko: Gering Essen & Trinken: 15 bis 25 Euro Ambiente: Sehr gut Liegegebühren: An den genannten Ankerplätzen fallen keine an.

Seekarten: Meist verlässt man sich auf den Plotter.

Zusätzlich sollten Seekarten an Bord sein, wie z. B. die Imray-Karten G 11, 12, 121, 16

Nautische Literatur: Rod Heikell: „Greek Waters Pilot“ Wetterberichte: Erhält man über www.windfinder. com oder https://seaman.wetterwelt.de Leuchtfeuer & Seezeichen: Das Revier ist gut betonnt und befeuert. Die meisten der hier angegebenen Ankerplätze sollte man jedoch, selbst bei guten Ortskenntnissen, nachts nicht ansteuern.

Navigation: Da fast immer die nächste Insel in Sicht ist, sollte man mit terrestrischer Navigation sein Auslangen finden.

Klima: Mediterran. Im Sommer kann es sehr heiß werden. Kleidung: Im Sommer reicht leichte Baumwollkleidung; in der Vor-und Nachsaison können lange Hosen und Pullover gefragt sein. Das Ölzeug sollte immer mit an Bord sein. Restaurants: Keine Lokale gibt es in Átoko, Pighádi, den Thionísi-Inseln und den Strophádes.

Wind & Wetter: Im Sommer kann man im Ionischen Meer meist mit gutem Wetter rechnen. Der „Maístos“ – ein thermischer Wind – setzt meist am späten Vormittag ein, erreicht am Nachmittag seine größte Stärke und flaut abends wieder ab. Dabei dreht er von NNW auf NW, abends oft auch weiter auf W. Manchmal schafft es der Meltemi auch in dieses Revier vorzudringen. Dann muss man sich auf Wind aus N bzw. NNE mit Stärke 5 bis 6 einstellen. In der Vor-und Nachsaison kann einem der Schirokko manchen Segeltag mit stürmischen Winden aus S bis SE, dichter Bewölkung und starkem Regen verleiden. Im Frühjahr und Herbst ziehen auch Tiefs aus dem westlichen Mittelmeer heran.

Meist treffen sie mit voller Wucht auf die Inseln des Ionischen Meeres. Wird eine solche Front angekündigt, sollte man sofort alle zwischen S und NW offenen Buchten verlassen.