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10+1: Ankerbuchten Kroatien


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 14.09.2022

Ankerbuchten Kroatien

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In der kroatischen Inselwelt verstecken sich überall kleine Ankerbuchten ?

Die Zeiten, als man in Kroatien noch von Bucht zu Bucht segeln und dieses traumhafte Inselrevier unbeschwert genießen konnte, sind längst vorbei. Häfen und Marinas halten viele der Buchten besetzt, was verschont blieb, wurde mit Bojenfeldern versehen. Hinzu kommen Naturschutzgebiete, die schon vor Törnbeginn einen bürokratischen Hürdenlauf erfordern, um dort überhaupt ankern zu dürfen. Und selbst wenn man mal einen verborgenen Winkel für sich entdeckt hat, kann man nie sicher sein, dass nicht noch die Abkassierer kommen, um ihren Tribut für die Kommunen einzufordern. Das alles klingt fast schon zu pessimistisch. Ist es vielleicht auch! Denn bei der Durchsicht meiner Logbücher haben sich doch viel mehr Plätze als diese „10 1“ gefunden, auf denen ich manches Ankererlebnis auskosten durfte. Also stellt sich die Frage: Ist es immer noch so? Oder sollte man besser fragen: Wie lange ...

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... ist es noch so? An Kroatiens Küsten ändert sich vieles und vor allem ändert sich vieles sehr schnell. Damit sei niemand von diesem Revier abgeraten, es sei ihm nur geraten, möglichst bald das zu genießen, was ihm ein Jahr später vielleicht schon verwehrt ist.

1 Rab / Insel Maman: 44°48,7’N, 14°41,9’E

Ein Höhepunkt bei jedem Törn im Kvarner ist die Insel Rab. Erzählt ein Segler von „Rab“, meint er damit meist das Museumsstädtchen gleichen Namens, dessen vier Glockentürme ihm schon bei der Ansteuerung des sichersten Hafens in diesem Revier als Navigationshilfe gedient hatten. Weniger begeistert wird er sich über die horrenden Liegegebühren in dessen Marina zeigen. Die kann man vermeiden, wenn man in einer der Buchten der Insel ankert. Und davon hat Rab mehr als genug. Außer an seiner Nordostküste – die aber ohnedies zu sehr der Bora ausgesetzt ist – bietet sich Bucht um Bucht an. Eine der schönsten und (noch) verschwiegensten ist jene kleine, die von der Insel Maman abgeschirmt wird. Da sie nach Nordost hin offen ist, sollte man sich, sobald der Wetterbericht eine Bora ankündigt, hinter zwei anderen Inselchen verkriechen. Deshalb müsste sich, egal wie die Verhältnisse auch sind, hier immer ein ruhiger Abend ausgehen. Und wem es zu ruhig werden sollte, der kann ja mit dem Dingi in die nächste Bucht tuckern und sich in einer Konoba mit allem verwöhnen lassen, was die kroatische Küche auf den Tisch zu bringen vermag.

2 Kornat / Suhi Rat: 43°52,3’N, 15°13,4’E

Wenn sich der Trubel verzogen und manches Restaurant schon geschlossen hat, dann beginnt an Dalmatiens Küsten oft die schönste Segelzeit. Besonders in so überlaufenen Revieren wie den Kornaten. Da gibt es doch, ganz im Norden der Insel Kornat, das kleine Suhi Rat. Offen ist die Bucht nur nach West. Von dort sollte man sie auch ansteuern, sonst muss man sich, in der Passage zwischen Kornat und Katina, mit Wassertiefen von weniger als zwei Metern auseinandersetzen. Mit einem normalen CQR-Anker braucht man es hier erst gar nicht zu versuchen, ein Spezialanker könnte hingegen in dem verkrauteten Felsgrund Halt finden. Hält gar nichts, kann man sich immer noch an eine der Bojen des Restaurants hängen und könnte – falls dieses noch geöffnet ist – dort auch gut essen. Vorher sollte man allerdings einen der umliegenden Hänge besteigen und über die weglosen Höhen strei- fen. Bei gutem Wetter und sinkender Sonne, sollte eine solche Wanderung allein schon wegen des weiten Blicks über die dalmatinische Inselwelt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Und das alles in einem Revier, das in der Hauptsegelsaison als hoffnungslos überlaufen und zudem als überteuert gilt.

3 Lvrnaka / Lojena-Bucht: 43°49,2’N, 15°15,0’E

Mit einer Bora muss man im Revier der dalmatinischen Inselwelt immer rechnen. Dann steht ein schützender Ankerplatz ganz oben auf der nautischen Wunschliste. Doch wo nimmt man den so schnell her? Etwa die Hälfte der Buchten sind nach Nordost hin offen; wer sich unter Kliffs oder im Lee einer Steilküste verkriecht, wird schon bald von Fallböen durchgeprügelt. In den Kornaten gibt es einen Ankerplatz, der bei Bora einfach ideal ist: Jener in der Lojena-Bucht, an Levrnakas Südwestküste. Zwar ist ihr innerer Bereich für Badegäste reserviert, doch kann man davor auf sieben Meter Wasser den Anker auf Sandgrund fallen lassen. Weht die Bora mit voller Stärke, bietet sich ein Landgang nicht gerade an; sind die Verhältnisse hingegen gut, darf man sich den Inselberg nicht entgehen lassen. Am besten ersteigt man ihn, wenn die sinkende Sonne das Revier abends in jenes Licht zu tauchen beginnt, für das die Kornaten berühmt sind. Bevor es Nacht wird, sollte man das weglose Gelände allerdings verlassen und in einem der Restaurants Schutz gesucht haben. Obwohl ein Abend an Bord in dieser dann stillen Bucht auch ein Erlebnis sein kann.

4 Skradin:43°48,8’N, 15°55,5’E

Es gibt Ankerplätze, zu denen allein schon der Weg der Höhepunkt eines Segeltages ist. Dazu zählt die Fahrt durch den Kanal von Šibenik nach Skradin. Segeln kann man diesen Schlag selten, denn nur zu oft steht böiger Wind gegenan. In Skradin kann man das Schiff der Marina anvertrauen, es aber auch römisch-katholisch an den Dorfkai legen. Noch wird auch das Ankern in der Bucht geduldet. Damit wird es wohl vorbei sein, sobald die Lizenzen zum Bepflastern der letzten freien Plätze vergeben werden. Will man nicht einen der Höhepunkte Dalmatiens versäumen, muss man dann – wohl oder übel – sein Schiff an eine der Bojen hängen. Mit der Yacht zu den Krka-Wasserfällen zu fahren, ist wegen der Brücke mit nur neun Metern Durchfahrtshöhe nicht möglich und wäre wohl ebenso wenig erlaubt, wie eine Fahrt mit dem eigenen Dingi. Der Ausflug mit dem Taxi-Boot wird hingegen gern gesehen. Egal was er kostet: Er ist jeden Kuna wert! Denn die Kaskaden, mit denen dieser Karst-Fluss in die Tiefe stürzt, sind ein Erlebnis, das selbst eine Nacht vor Anker in dieser von Bergen gesäumten Bucht übertrifft.

5 Primošten: 43°34,9’N, 15°55,7’E

Primošten hat seinen Toten den schönsten Platz überlassen. Das wird jedem klar, der auf den Festungshügel steigt, um vom Friedhof aus zu verfolgen, wie sich die Sonne mit einem Spiel der Farben verabschiedet, bevor sie im Meer versinkt. Danach wird es Zeit für die Lebenden, sich umzusehen, was die dalmatinische Küche kroatischen Mainstreams gekocht wird. Ein solches Essen lässt sich auch dann unbeschwert genießen, wenn das Schiff in der Bucht vor seinem Anker schwojt, denn dort liegt es ebenso si hier zu bieten hat. Gute Kneipen finden man noch am ehesten in den verborgenen Winkeln dieses heimeligen Ortes, darunter könnte auch die eine oder andre sein, in der abseits descher, wie die Yachten in dem kleinen Hafen. Zwar kann am Nachmittag der Maestrale noch für Unruhe in dieser nach West weit offenen Bucht sorgen, mit der sinkenden Sonne sollte sich die Lage aber beruhigen. Sobald nachts der Burin ablandig zu fächern beginnt, könnte man hier nicht sicherer liegen, und selbst wenn die Bora von den Bergen herab fauchen sollte, besteht auf diesem Ankerplatz keine Gefahr. Man wird sich dann nur wünschen, den Anker tief in den Sandgrund gefahren zu haben.

Ein solches Essen lässt sich auch dann unbeschwert genießen, wenn das Schiff in der Bucht vor seinem Anker schwojt

6 Veli Drvenik / Krknjaš: 43°26,4’N, 16°10,4’E

Es gibt Ankerplätze, die man bei keinem Törn auslässt. Und das, obwohl man sich jedes Mal fragt: Warum eigentlich, komme ich immer wieder hierher? Einer davon ist der von den Krknjaš-Inselchen abgeschirmte Ankerplatz, vor der Südostspitze des wenig bekannten Veli Drvenik. Läuft man schon am Nachmittag in die Bucht ein, ist sie mit Booten meist noch dicht belegt. Daher kann man oft erst abends, wenn sich die Badegäste verabschiedet haben, große Ankertiefen mit verkrauteten Grund und fragwürdigem Halt gegen komfortable mit gutem Sand tauschen. Sobald die Thermik abgeflaut ist, liegt man hier ruhig und wenn nachts von den Bergen der Burin herabfächert, zudem völlig geschützt. Daher könnte man sich, ganz unbesorgt, ein Abendessen im nahen Restaurant gönnen. Ist das geschlossen (was in letzter Zeit öfter der Fall war) sollte dies auch kein Problem sein. Denn ein Abend an Bord kann auf diesem Ankerplatz ein wahrer Balsam für die Seglerseele sein. Daher ist es gut möglich, dass dies die Antwort auf die Frage ist, warum man immer wieder hierherkommt.

Infobox

Reisedokumente: Personalausweis / Währung: 1 Euro = 7,50 Kuna / Notruf: 112 / Sprache: Kroatisch. Englisch wird gut verstanden, oft auch Deutsch / Zeitunterschied: Keiner / Gesundheitsrisiko: Gering / Essen & Trinken: 20 bis 30 Euro / Ambiente: Gut / Kosten Ankerplatz: Bis 40 Euro / Seekarten: NV Atlas Croatia HR1 und HR2 / Nautische Literatur: Karl-H. Beständig: „Kroatien, Slowenien & Montenegro: 888 Häfen & Buchten“. Tidenhub: bis 0,3 m / Leuchtfeuer & Seezeichen: Das Revier ist gut betonnt und befeuert / Navigation: Terrestrisch / Klima: Mediterran / Kleidung: Im Sommer reicht im ganzen Revier leichte Baumwollkleidung. In der Vor- und Nachsaison kann es sehr frisch werden. Das Ölzeug sollte immer mit an Bord sein. Wetterberichte: Über und https://seaman.wetterwelt.de.

Wind & Wetter:

Maestrale: Dieser thermische Wind setzt am Vormittag ein und erreicht am Nachmittag mit bis zu fünf Beaufort aus NW seine größte Stärke. Mit der sinkenden Sonne sollte er sich wieder verabschieden. Er ist der ideale Segelwind an der dalmatinischen Küste. Bei Maestrale ist das Wetter meist gut.

Burin: Der Burin ist eine ablandige Thermik, die sich nachts in Küstennähe bemerkbar macht. Verstärkt er eine Bura, kann es nachts mit Sturmstärke in nach Nord offenen Buchten blasen.

Bura (Bora): Dieser kühle Fallwind aus NE kann zu jeder Jahreszeit auftreten; in der Vor- und Nachsaison erreicht er Sturmstärke, manchmal sogar Orkanstärke. Man unterscheidet „weiße Bura“ (gutes Wetter) und „schwarze Bura“ (Schlechtwetter).

Jugo (Schirokko): Auch dieser warme Wind aus SE bis S weht meist in der Vor- und Nachsaison. Er sorgt für dichte Bewölkung und Regen. Erreicht er Sturmstärke, baut sich schnell ein hoher Seegang auf.

Garbin: Bereits im Herbst kann dieser Vorbote eines heranzeihenden Tiefs mit Sturmstärke aus SW blasen.

Newera: Schwere Gewitter, Regen und Hagel, dazu stürmischer Wind mit Böen in Orkanstärke, die um 180° drehen können. Eine Newera gehört zu den gefährlichsten Wetterphänomenen an der dalmatinischen Küste. An schwül-heißen Sommertagen muss man mit ihr rechnen.

Sonderfälle Kroatien:

Nationalparkgebühren: Die Inseln Lastovo, Sušac und Teile von Mljet sind ebenso Nationalparks wie die Kornaten. Hier muss man mit Gebühren von Kn 200,- fürs Schiff und Kn 125,- pro Person rechnen.

Gebühren Ankerplätze: Manche Kommunen kassieren auch fürs Ankern ab. Man sollte sich unbedingt eine Rechnung geben lassen.

Bojenfelder: Kroatien vergibt Lizenzen an Meistbieter. Diese können die Liegegebühren frei festsetzen. Für ein 13-Meter-Boot kommt man auf 30 bis 60 Euro. Zu beachten ist, dass die Betreiber nicht für den Zustand der Moorings haften! Außerdem besteht im Umkreis von 150 Metern eines Bojenfeldes ein Ankerverbot.

Stege & Moorings von Restaurants: An ihnen liegt man meist gratis oder gegen eine geringe Gebühr. Es wird erwartet, dass man abends zum Essen kommt.

Kurtaxe: Bei Übernahme der Yacht wird eine Kurtaxe von einem Euro pro Person und Tag von der Charterfirma eingehoben.

Befähigungsnachweise: Der Skipper muss im Besitz eines amtlich anerkannten Befähigungsnachweises zum Führen eines Motorbootes sein. Zumindest ein Crewmitglied muss ein Funksprechzeugnis vorweisen können.

7 Šolta / Tatinja: 43°22,3’N, 16°16,9’E

Šoltas Südwesten ist stark gegliedert; Bucht um Bucht schneidet in die felsige Küstenlinie der Insel ein. Das lässt auf ein wahres Ankerparadies schließen. Doch leider: viele dieser Buchten haben zu große oder gleich gar keine brauchbaren Ankertiefen. Ein Ankerreinfall also? Nein! Die rühmlichste der wenigen Ausnahmen ist die Bucht von Tatinja. Drei Seitenarme bieten sich an, am ehesten kann man noch im westlichen frei ankern. Aber auch nur, wenn nicht zu viele Yachties auf diese Idee kommen. Denn die Ankertiefen sind groß; das erfordert viel Kette und vergrößert den Schwojkreis. Bei Bora wird man ohne Landleine(n) wohl nicht auskommen, denn dann hageln Böen von den umliegenden Bergen herab. Beschert einem der Wind hingegen einen friedlichen Abend, gehört eine Nacht in Tatinja zu den schönsten Erlebnissen in diesem Revier. Denn noch wirkt die Bucht unverdorben, noch sind die Steilfelsen ihrer Küsten unberührt. Erste Anzeichen, was auf diese Bucht noch zukommen könnte, lässt das „Paradise Restaurant“ erahnen. Dieser Gourmettempel hat sich im östlichen Teil eingenistet und steht bei manchen Seglern bereits hoch im Kurs.

8 Hvar / Mrtinovik: 43°07,1’N, 17°05,8’E

Der östliche Teil der langgestreckten Südküste von Hvar ist mit Buchten überreich gesegnet. Fast jede ist dem Segelführer ein Ankersymbol wert, doch in kaum einer liegt eine Yacht. Dabei sind diese Buchten so schön! Die meisten sogar unverdorben und sollten, bei der im Sommer üblichen Wetterlage, auch ausreichend Schutz bieten. So wie die von Mrtinovik. Obwohl sie sich wenig von den anderen Buchten unterscheidet, ist die Lage hier doch eine ganz andere. Grund dafür ist das Restaurant. Es liegt direkt am Strand und hat einen guten Ruf: Nicht nur was die Qualität der original dalmatinischen Küche angeht, auch die Preise halten sich, für ein Restaurant in der Mitte von Nirgendwo, in erträglichen Grenzen. Zudem liegen Bojen aus, an die Gäste ihre Yachten eine Nacht lang hängen können. Da muss man schon ein sehr eingefleischter Anker-Fan oder notorischer Einsamkeitssuchender sein, um zwei solchen Verlockungen zu widerstehen. Wer damit ein Problem hat, könnte sich ja mit dem Gedanken, die nächste Nacht wieder in einer der vielen schönen Ankerbuchten Hvars verbringen, trösten.

9 Lastovo / Zaklopatica: 42°46,4’N, 16°52,5’E

Lastovo ist eine kleine Insel im Süden Kroatiens. Und trotz ihrer doch geringen größe bietet sie Seglern zwei so perfekte Buchten, dass einem die Entscheidung, in welcher man den Anker fallen lassen soll, enorm schwerfällt. Besser gegen die Bora geschützt, läge man in Skrivena Luka. Doch um wie viel spektakulärer ist Zaklopatica! Eine vorgelagerte Insel schirmt die Bucht nach Norden hin ab, und zwar so perfekt, dass es in der östlichen und einzig möglichen Einfahrt richtig, richtig eng wird. Dahinter sollte man rechts abbiegen und im hintersten Winkel das Eisen fallen zu lassen. Meist ankern hier nur wenige Yachten. Der Grund dafür sind die Restaurants, die im Süden der Bucht aufgereiht liegen: Jede mit eigenem Steg und winkenden Leinen-Scouts. Wer ihnen widersteht, muss deshalb nicht auf die kulinarischen Genüsse verzichten. Es sei sogar dazu geraten! Vor allem dann, wenn es das „Augusta Insula“ noch geben sollte. Deren „Pekas“ – ein traditionelles Schmorgericht mit Fisch oder Lamm – waren schon immer der kulinarische Höhepunkt eines jeden Törns in diesem Revier. Bei einem Absacker auf dem Schiff, könnte man dann darauf anstoßen, sich diesmal die Liegegebühren erspart zu haben.

10 Mljet / Polače: 42°47,5’N, 17°22,7’E

In diesem Revier der schönen Buchten, gehört die Luka Polače zum elitären Kreis der perfekt geschützten. Die Bucht liegt auf der Insel Mljet im Süden Kroatiens in der Nähe der Stadt Polace. Doch nur wer in der inneren Bucht, dicht unter der nördlichen Küste, den Anker setzt und Heckleinen ausbringt, kann auch dann noch ruhig schlafen, wenn eine Bora nachts böig über das Schiff herfällt. Ist hingegen Yugo angesagt, sollte man sich in den nordöstlichen Winkel verkriecht, denn dann können selbst die in der Ansteuerung liegenden Inseln nicht verhindern, dass es auf dem Ankerplatz unruhig wird. Meist liegt man hier aber so gut, dass sich der ganze Charme dieser Bucht unbeschwert genießen lässt: Sei es nachmittags beim Baden, abends beim Borddinner oder später noch bei einer guten Flasche eines kroatischen Roten. Die Restaurants auf der anderen Seite der Bucht, stören dabei nicht wirklich. Sie zu besuchen lohnt sich aber auch nicht, denn fast alle bieten wenig, verrechnen viel und das obwohl man an ihren Stegen ungeschützt gegen Bora und Yugo läge. Da gibt es bessere Alternativen. Viel zu dem Frieden ringsum trägt übrigens bei, dass die Bucht Teil eines Nationalparks ist. Das wiederum bedingt, dass (meist zur schönsten Zeit) die nicht unbeträchtlichen Gebühren kassiert werden. Für ein Schiff von elf bis 17,99 Meter Länge wären das beispielsweise im Jahr 2022 550 Kuno oder 73,22 Euro, wenn man das Ticket vorher im Webshop des Nationalparks kauft. Da dieser aber kaum übersetzt ist, sollte man vielleicht doch erst vor Ort die Gebühren entrichten.

+1 Sušac / Dol: 42°45,8’N, 16°30,5’E

Es gibt Buchten, die man immer auf dem Radar hat und es doch nie schafft, sie vor den Bug zu bekommen. Eine davon ist Dol auf Sušac. Keinem Reiseführer ist das Inselchen auch nur eine Zeile wert; der Segelführer spricht zwar von vielen Ankermöglichkeiten, über den Ankergrund schweigt er sich aber aus. Die Insel liegt ganz außen im Süden der dalmatinischen Inselwelt und so auch abseits der üblichen Segelrouten der Charterschiffe. So verirren sich nur selten Segler an die Küste dieser kleinen Insel, was dazu führt, dass man über die Ankergründe eben noch nicht so viel weiß. Einige Bilder zeigen felsige Ufer, oft mit steilen Kliffs; die Farben des Wassers deuten auf größere Ankertiefen hin. Wenn schon die Voraussetzungen schlecht sind, sollten wenigstens die Bedingungen gut sein. Doch bisher waren sie alles andere als einladend. Einmal vereitelte ein Yugo die Ansteuerung, ein anderes Mal fauchte eine Bora böig durchs Revier. Beim letzten Mal glaubten wir es schon geschafft zu haben, doch dann verdichteten sich alle Vorzeichen für eine „Newera“, dem gefährlichsten Wetterphänomen an Kroatiens Küsten. Deshalb wird es wohl noch dauern, bis wir uns endlich diesen ultimativen Kick, in der Bucht der letzten Robinson-Insel Dalmatiens zu ankern, geben können. Dann schaffen wir es hoffentlich auch, den 239 Meter hohen Veli Garko zu besteigen; von seinem Gipfel aus, uns das Segelrevier der dalmatinischen Inselwelt zu Füßen liegen würde. Die Insel gehört übrigens auch zu dem Naturpark Lastovo. Da es sich nicht um einen Nationalpark handelt, sind auch keine Gebühren fällig.

Text: Carl Victor