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1:18 Minichamps: Mercedes 300 SEL 6.8 AMG 1971: Vorher – nacher


Caramini - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 31.07.2019

Neu von Minichamps ist die „Rote Sau“ in Rot und Gelb, der Mercedes 300 SEL 6.8 im AMG-Trimm. Neu? Ja und nein. Das Modell gab es vor über zehn Jahren schon mal, aber damals ganz anders, nämlich all open. Nun ist er zu. Also ist der rundum geschlossene Mercedes neu. Und er ist schön. Aber nicht schöner als der Alte.


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Bildquelle: Caramini, Ausgabe 8/2019

Dieses Modell verschafft sich Respekt. Nicht nur durch seine schöne Machart, sondern durch seine schiere Größe, durch seine Präsenz, und am meisten durch seine edle Herkunft. Vor der „Roten Sau“ zog niemand einen 300 SEL 6.3 als Renntourenwagen je in Betracht. Und dann kam AMG und tat es ...

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Fotos: Alexander F. Storz

Die gelbe „Rote Sau“ als Minichamps-Neuheit ohne zu öffnende Teile für rund 100 Euro. Wer das rund zehn Jahre alte all-open-Modell von Minichamps haben möchte, muss ungefähr das Dreifache hinlegen. Dafür kann er einen phantastischen Motor bewundern, vier Türen öffnen und den Kofferraumdeckel aufklappen.


Vorher – nachher. All open – sealed. Ziemlich teuer – weniger teuer. Hoher Entdeckungs- und Spielwert – nur noch anschauen, schieben und lenken. Eben vorher – nachher. Das hatten wir bei Minichamps schon mehrfach: Aufwändige Modelle werden vereinfacht, damit die Gestehungskosten überschaubar bleiben und somit die Verkaufspreise bezahlbar sind. Aber neu ist diese Erscheinung nicht. Das war schon immer so, schon zu Spielzeugautozeiten. Da gab es so manchen Dinky oder Corgi, an dem plötzlich die Gimmicks weg waren, an dem Türen und Hauben nicht mehr zu öffnen waren, an dem an der Dekoration gespart wurde – und letztlich waren die schnell laufenden, einteiligen Plastikräder in den 70er Jahren auch eine Vereinfachung gegenüber den (teilweise sogar verchromten) Metall- oder Kunststofffelgen, die typgerecht gefertigt waren und Gummireifen trugen. Warum also das Gezeter? Minichamps kann Achtzehner im Preissektor um die 100 Euro gut verkaufen, und wenn die Modelle all open wären, so wären sie doppelt so teuer oder noch mehr, so wären sie in der AUTO art-Preisklasse. Darüber würde dann genauso gezetert werden.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob ein neu konstruiertes Modell sealed erscheint oder ob ein alt bekanntes Modell ohne Öffnungsfunktionen neu aufgelegt wird, bei dem ehedem Türen und Hauben aufgingen. In letzterem Falle gibt es einen Vergleich, eine Erinnerung. Der Minichamps Mercedes 300 SL Flügeltürer war dereinst ein Modell mit Funktionen und kam erneut, ohne zu öffnende Teile. Das Gleiche gilt nun für den Mercedes 300 SEL 6.8 AMG, oder für die Alfa Giulia GT. Man kennt diese Modelle. Man vergleicht sie deshalb. Auch wir sind geneigt, dies zu tun. Sollte man aber nicht. Die „Rote Sau“ all open ist Geschichte, ist eine Angelegenheit für den 1:18-Gebrauchtwagenmarkt. Das wäre das Modell auch, wenn es keine vereinfachte Neuauflage geben würde. Sehen wir es positiv: Wer damals die „Rote Sau“ versäumte oder wem sie damals schon zu teuer war, der müsste heute einen Liebhaberpreis dafür zahlen. Das muss er nun nicht, und wer das Modell nicht all open kennt, der vermisst auch keine zu öffnenden Teile. Überdies lässt Minichamps ein Hintertürchen offen. Wie uns Paul Günter Lang auf der Spielwarenmesse auf Nachfrage erzählte, wurden nicht etwa die Gussformen des Originals verändert. Das wäre aufwändiger gewesen, als neue Formen zu schaffen, so Lang. Und das bedeutet in Konsequenz, dass die alten Formen für die all-open-Modelle nach wie vor existieren und bei Bedarf revitalisiert werden könnten.

Für uns ein Rückschritt bedeuten die lediglich bedruckten Rückleuchten gegenüber den eingesetzten „Gläsern“ beim alten Mercedes. Das war früher nicht nur besser, sondern sollte auch heute bei einem 100-Euro-Modell selbstverständlich sein. Wir erwarten das selbst bei einem Solido-Modell für die Hälfte des Preises.


Doppelscheinwerfer, aber oben blind, dazu ein schöner Blinker, ein filigraner Haubenschnellverschluss und ein zackiger, roter Blitz als Kennzeichnung, wo sich der Batterie-Trennschalter befindet.


Die alten Formen für die all-open-Modelle existieren nach wie vor und können bei Bedarf revitalisiert werden.


Nun erscheint also der Rundstrecken-Mercedes W 109 neu. Die Erstauflage war 2006 im Handel, der Gelbe Wagen (Saisonfinale 1971) war der Letzte der Reihe, er erschien Mitte 2008, also vor über zehn Jahren. Auf den ersten Blick sieht der neue Gelbe exakt so aus wie der alte Gelbe. Wir haben extra unseren Alten herausgefischt und verglichen. Der Alte hat einen Fotoätz-Mercedesstern, der Neue einen aus Plastik gegossenen, was besser aussieht. Dafür punktet der Zehnjährige mit verchromten statt gesilberten Seitenfensterrahmen, filigraneren Haubenschnellverschlüssen und mehr farblich hervorgehobenen Details am Unterboden. Und er hat die schöneren Rückleuchten, eingesetzte, farbig-transparente Kunststoffgläser, während beim neuen Mercedes die Rückleuchten lediglich bedruckt sind. Unberücksichtigt lassen wir, was wir sehen, wenn wir am Alten die Türen und Hauben öffnen.

Vom rein subjektiven „Defizit“ abgesehen, dass der Neue rundum geschlossen ist, also so betrachtet, als ob wir vom Alten nichts wüssten, ist das Modell phantastisch gemacht. Ein Respekt einflößender, großer Tourenwagen, wild, ungezähmt, ein automobiler Sumo-Ringer. Die Form ist hervorragend getroffen, die Lackierung ohne Fehl und Tadel, ebenso die Dekoration, der Chrom, der Mercedes-Stern auf der Kühlerattrappe, schöne Räder mit AMG-Fünfsternfelgen und gelbem „Dunlop“-Schriftzug an den Reifenflanken, gut gemacht die Haubenverschlüsse und die Doppelscheinwerfer mit geschwärztem, oberem Licht. Innen gut zu sehen sind das Holz am Armaturenbrett (so widersinnig in einem Renntourenwagen und dabei so faszinierend!) mit passendem AMG-Lenkrad, Überrollbügel, Schalensitze und Feuerlöscher. Die Scheibenrahmen sind silbern bedruckt, vorne und hinten als Bestandteil der Karosserie, seitlich des transparenten Scheibeneinsatzes. Auch von unten ist der dickbackige Mercedes sehenswert, gut nachgebildet sind Motor, vordere Radaufhängung, hintere Pendelachse und separater Auspuff (erfreulicherweise in einem Anthrazitton und nicht knallig silbern). Der Heckschriftzug ist beim Renntourenwagen umgekehrt zum Serienfahrzeug montiert: „300 SEL“ steht rechts, „6.3“ steht links. Das muss so sein, das ist korrekt. Und in Ermangelung eines „6.8“-Schriftzuges im Daimler-Benz-Ersatzteillager steht, entgegen der Hubraumwahrheit, eben „6.3“ auf dem Kofferraumdeckel.

Die „Rote Sau“ gibt es nicht nur in Gelb wie unser Fotomuster (Heyer/Schickentanz, Saisonfinale Hockenheim 1971), sondern auch als rote „Rote Sau“ (Heyer/Betzler, 24h Nürburgring 1972), gleicher Preis. Weitere Varianten sind zunächst nicht angekündigt, werden aber mit Sicherheit kommen. Die Formenbaukosten müssen sich rentieren, und das tun sie nicht mit zwei Versionen.
155713438 Mercedes 300 SEL 6.8 AMG Saisonfinale Hockenheim 1971 (Hans Heyer/ Clemens Schickentanz). Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. Preis ca. 100 €.

LESENSWERTES

Rinspeed Concept Cars – In your wildest dreams

Bernd Ostmann, Stuttgart 2018 (Motorbuch-Verlag), 224 Seiten. ISBN 978-3-613-04171-4, Preis 79 €.

Rinspeed ist die Firma des Schweizers Designers und Tuners Frank Rinderknecht. Was von ihm kommt, ist ebenso wild wie innovativ, und nicht umsonst lautet der Untertitel des Rinspeed-Buches „In your wildest dreams“. Bernd Ostmann, ehemaliger Auto-Motor-Sport-Chefredakteur und selbiges bei der Motor Classik, schrieb ein Buch uber Rinspeed, sehr gro.artig aufgemacht, eher eine reprasentative, firmeneigene Selbstdarstellung. Historisch interessant die Retrospektive ins wilde Tuningjahrzehnt der 80er, aber davon findet sich leider viel zu wenig im Buch. Rinderknecht will nicht in Nostalgie schwelgen, sondern seine aktuellen Kreationen, Show Cars und Projekte promoten. Darunter sind Fortbewegungs moglichkeiten, die man nur mit Wohlwollen noch „Auto“ nennen kann, aber auch faszinierende Tuningelaborate wie der Σtos auf Basis BMW i8 oder der XchangeE auf Tesla-Basis. Die Fahrzeuge sind modern, innovativ, in die Zukunft gerichtet, das Buch ebenso, bombastisch, innovatives Layout, macht tierisch was her. Wem es nicht vor der automobilen Zukunft graut, findet hier sein Elixier.afs