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14 Mythen über Kopfläuse


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 04.09.2019

Kopfläuse sind besser als ihr Ruf. Na ja, oder zumindest nicht ganz so schlecht. Wir haben uns gefragt, ob sie tatsächlich von Kopf zu Kopf springen, Krankheiten übertragen und sich mit Hausmitteln wirksam bekämpfen lassen – und dabei die häufigsten Mythen über die winzigen Krabbeltiere aufgedeckt


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Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 10/2019

01 Wer Läuse hat, ist eklig und unbeliebt.
Das ist gleich die gemeinste Läuse- Lüge von allen. Die Übertragung erfolgt direkt von Kopf zu Kopf: Wer viele Freunde hat, mit denen er beim Spielen die Köpfe zusammensteckt, hat eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Zum Läuse- Opfer werden also meist gerade die besonders ...

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01 Wer Läuse hat, ist eklig und unbeliebt.
Das ist gleich die gemeinste Läuse- Lüge von allen. Die Übertragung erfolgt direkt von Kopf zu Kopf: Wer viele Freunde hat, mit denen er beim Spielen die Köpfe zusammensteckt, hat eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Zum Läuse- Opfer werden also meist gerade die besonders beliebten Kinder mit großem Freundeskreis. Auch beim Kuscheln und Schlafen in einem Bett wechseln Läuse den Wirt.

02 Wer Läuse hat, wäscht sich nicht.
Ein Witz unter Kinderärzten: Wer sich oft die Haare wäscht, hat besonders saubere Läuse. Ob das Haar frisch gewaschen ist oder vor Fett trieft, ist der Kopflaus völlig egal. Mangelnde Hygiene ist nicht schuld an einem Kopflausbefall. Los wird Ihr Kind die Laus mit normalem Shampoo übrigens auch nicht.

03 Mützen, Bürsten und Kuscheltiere übertragen Läuse.
Ist theoretisch zwar möglich, kommt aber kaum vor. Eine australische Studie hat gezeigt: Kein Kind bekommt Läuse, weil es die Mütze eines verlausten Freundes aufgesetzt hat. Die Ansteckung erfolgt meist direkt von Kopf zu Kopf. Schockfrosten von Bürste, Teddy & Co. in der Tiefkühltruhe oder luftdichtes Verschließen in einer Plastiktüte sind nicht notwendig. Reinigen mit warmem Wasser und Seifenlauge oder Waschen in der Waschmaschine genügt.

04 Haustiere sind Läuseschleudern.
Keine Sorge: Waldi, Hasi & Co. übertragen garantiert keine Läuse auf den Menschen. Von den weltweit rund 3 500 Läusearten haben sich nur drei auf uns Menschen festgelegt: die Filzlaus, die Kleiderlaus und eben die Kopflaus. Im Fell unserer tierischen Lieblinge versteckt sich keine davon.

05 Die Kopflaus kann abseits des Kopfs überleben.
Ja, allerdings nur für sehr kurze Zeit. Ohne frische Blutnahrung stirbt die Laus binnen weniger Stunden ab. Pediculus humanus capitis, wie die Kopflaus wissenschaftlich heißt, muss alle zwei bis vier Stunden ihren Saugrüssel in die Kopfhaut ihres Wirts stechen und Blut saugen. Ihr gerinnungshemmender Speichel hält dabei das Blut flüssig. Den sicheren, temperierten Haarbereich verlässt sie niemals freiwillig.

06 Die Kopflaus springt von Kopf zu Kopf.
Dieser Kopflaus-Mythos hält sich hartnäckig. Die Laus kann allerdings weder springen noch fliegen. Aber: ziemlich schnell reagieren. Schon ein kurzer Haar-zu-Haar- Kontakt genügt, und die Blutsauger hangeln sich mit ihren Klammerbeinen auf den nächsten menschlichen Kopf.

07 Läuse lieben dickes, dunkles Haar.
Ob blond, braun, lang oder kurz: Wie Haare aussehen, ist der Kopflaus egal. Nur bei einer Haarlänge von unter zwei Zentimetern hat sie es schwer. Hauptsache, sie bekommt frisches Blut!

08 Kopfläuse kann man mit bloßem Auge nicht sehen.
Doch, ausgewachsene Läuse sind dafür groß genug. Waschen Sie das Haar mit Shampoo, geben Sie dann eine Pflegespülung hinein und kämmen Sie es Strähne für Strähne von der Kopfhaut bis zu den Spitzen mit einem feinen Kamm (am besten Läusekamm) aus. Den streifen Sie auf Küchenpapier ab, wo die Läuse leicht erkennbar sind. Nissen, also die Läuse-Eier, sind hingegen viel kleiner und lassen sich nicht so leicht abstreifen, sodass man sie leicht übersieht oder mit Schuppen verwechselt. Trotzdem muss man sie unbedingt mechanisch entfernen. Tipp: vor allem dicht an der Kopfhaut nachsehen!

09 Kopfläuse übertragen Krankheiten.
Ja, die kleinen Krabbler jucken ganz schön. Und wer zu doll kratzt, kann damit Ekzeme verursachen. In Europa überträgt die Kopflaus – im Gegensatz zur Kleiderlaus – jedoch keine Erreger.

10 Hausmittel wirken Wunder.
Oma kennt die besten Hausmittel – und die machen sicher auch der Kopflaus den Garaus? Leider nein. Natürliche Hausmittel taugen vielleicht, um Warzen und Ohrenschmerzen zu vertreiben. Den fiesen Kopfläusen aber können sie nichts anhaben. Mayonnaise, Öl, ätherische Öle (zum Beispiel Lavendel- oder Rosmarinöl), Spiritus, Essig und stundenlanges Föhnen – bringt alles nichts. Um die Laus zuverlässig zu bekämpfen, muss ein wirksames Läusemittel her! Die Zeitschrift „Öko-Test“ hat zum Beispiel verschiedene Produkte unter die Lupe genommen (www.oekotest.de).

11 Läusemittel gibt es auf Rezept.
Ja, sofern es sich dabei um ein sogenanntes „verordnungsfähiges Medizinprodukt“ handelt. Für solche Präparate, die als Arzneimittel zugelassen sind, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Kinder ab sechs Monaten bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres. Welche Anti-Kopflausmittel tatsächlich erstattungsfähig sind, kann man der Liste der verordnungsfähigen Medizinprodukte (Anlage V) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) entnehmen. Darüber hinaus werden viele Läuseshampoos rezeptfrei in der Apotheke angeboten, von denen allerdings nur einzelne auch die Stadien in den Eiern (= Nissen) abtöten.

12 Alle Läusemittel wirken gleich.
Dass das Quatsch ist, zeigt allein die unterschiedliche Einwirkzeit der Mittel: von zehn Minuten bis 8,5 Stunden! Vom Umweltbundesamt sind drei Insektizide sowie drei physikalisch wirkende Medizinprodukte zugelassen. Sie wirken ganz unterschiedlich: einige auf die Nerven der Läuse, andere ersticken sie schlichtweg. Auch die Anwendung variiert: Manche Mittel gibt man ins trockene Haar, manchmal genügt es, den Schopf einmal mit dem Läuseshampoo zu behandeln, bei anderen ist eine zweite Behandlung erforderlich. Kurzum: bei der Anwendung sorgfältig und genau an den Beipackzettel halten, damit das Läusemittel seine volle Wirkung entfaltet. Vorsicht: Viele Produkte sind leicht entflammbar. Schon der Funke eines Föhns kann den Kopf des Kindes in Brand setzen. In jedem Fall sollte man mithilfe der „Auskämmmethode“ (siehe Mythos 8) überprüfen, ob die Läusebehandlung erfolgreich war.

13 In die Kita oder Schule geht es nur mit ärztlichem Attest.
Zunächst: Eine allgemeine Meldepflicht bei Kopflausbefall gibt es nicht. Allerdings müssen laut § 34 (6) des Infektionsschutzgesetzes die Leiterinnen und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen das örtliche Gesundheitsamt benachrichtigen, wenn in ihrer Einrichtung Kopfläuse auftreten. Allein deshalb müssen Eltern den Kopflausbefall umgehend der Schule oder der Kita melden. Und solange das Kind Läuse hat, muss es natürlich zu Hause bleiben. Nachdem die Eltern bestätigt haben, dass sie die Behandlung erfolgreich (!) durchgeführt haben, darf der Nachwuchs wieder die Einrichtung besuchen. Ein ärztliches Attest ist keine Pflicht. Eine offene Kommunikation mit der Kita oder der Schule sollte für Väter und Mütter jedoch selbstverständlich sein, damit die Kinder die ekligen Kopfläuse schnell und nachhaltig loswerden. Also: keine falsche Scham!

14 Läuse holt man sich im Winter oder im Urlaub.
Reisezeit ist Läusezeit, heißt es. Oder: Winterzeit ist Läusezeit. Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig: Klar treten Läuse nach den Ferien vermehrt auf, aber sie sind kein Urlaubssouvenir und kursieren nicht nur im Winter. Sondern immer dann, wenn Kinder zusammenkommen. Am besten fährt man mit der Devise: „Läusezeit ist immer!“

UNSER EXPERTE

Professor Dr. Heinz Mehlhorn

Ist Parasitologe und damit Fachmann für Läuse und andere Parasiten. Er hat uns bei diesem Text beraten und die Fakten gecheckt.