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1913 Jahr der Großveranstaltungen


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Strassenbahn Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 18.11.2022

Leipzig

Artikelbild für den Artikel "1913 Jahr der Großveranstaltungen" aus der Ausgabe 1/2023 von Strassenbahn Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Strassenbahn Magazin, Ausgabe 1/2023

Blick auf den Lindenauer Markt mit GLSt-Zügen der Linien F und L und zwei Triebwagen der Gundorfer Außenbahnlinie mit dem typischen dreieckigen Liniensymbol. Hier werden die modernsten Wagen der GLSt mit halbgeschlossenen Plattformen eingesetzt

Die Einwohnerzahl der Stadt Leipzig stieg bis 1913 auf 615.800. Zur Erinnerung: Im Jahr 1897, dem in Heft 10/2022 beschriebenen Abschluss der Elektrifizierung der Tram, lag Leipzig bei 417.800 Einwohnern. Das Jahr 1913 war durch eine Häufung von Großveranstaltungen gekennzeichnet. Höhepunkte des letzten Friedensjahres vor dem Ersten Weltkrieg waren: die „Internationale Baufachausstellung“ (IBA) auf dem späteren Gelände der Technischen Messe vom 3. Mai bis zum 30. Oktober 1913, die Eröffnung des Flughafens Mockau mit der damals größten Luftschiffhalle der Welt durch Graf Zeppelin am 22. Juni 1913 und das 12. Deutsche Turnfest auf dem Festplatz nordöstlich des Eutritzscher Marktes vom 12. bis 16. Juli 1913 mit 62.572 Teilnehmern. Später im Jahr, am 18. und 19.

Oktober, folgten die festliche Einweihung des Völkerschlachtdenkmals und die Einweihung der Russischen Gedächtniskirche sowie die ...

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... Grundsteinlegung der Deutschen Bücherei.

LAAG als dritte Gesellschaft

Der Straßenbahnverkehr in Leipzig wurde im Jahre 1913 durch inzwischen drei Gesellschaften betrieben; zu GLSt und LESt, die seit 1896 den elektrischen Betrieb führten, war im Jahre 1900 die am 6. Februar gegründete „Leipziger Außenbahn AG“ (LAAG) hinzugestoßen. Diese hatte den Bau und Betrieb von Überlandstrecken in benachbarte Gemeinden zum Ziel. Zunächst hatte es jedoch Streit mit dem Sächsischen Staat gegeben, da dieser Überlandstraßenbahnen nur in Meterspur genehmigte, um Konkurrenz zur Königlich Sächsischen Staatsbahn auszuschließen. Diese Befürchtungen konnten nach längeren Verhandlungen aufgrund der abweichenden Leipziger Spurweite zerstreut werden. Damit war der Weg frei, um durchgehende Linien vom Leipziger Stadtzentrum in das Umland anzubieten. Die Betriebsführung des Bahnbetriebes oblag der GLSt, die zunächst auch die Fahrzeuge stellte. Zur Linienkennzeichnung dienten jedoch abweichend Symbole.

Im Anschluss an die in Möckern endende Strecke der GLSt hatte die LAAG bereits am 21. Dezember 1900 ihre erste Teilstrecke nach Wahren eröffnet. Die Kuppelendstelle befand sich abseits der „Staatsstraße“ in der heutigen Linkelstraße. In den Folgejahren eröffnete die Außenbahn weitere eigene Streckenabschnitte: Am 16. Mai 1902 vom GLSt-Endpunkt Connewitz bis Gautzsch und am 17. Mai 1907 vom Rathaus Leutzsch bis Gundorf. Die stadtseitigen Endpunkte der LAAG-Linien befanden sich im Bereich des Leipziger Promenadenringes; ab beziehungsweise bis hier wurden GLSt-Gleise mitbenutzt.

Die Linien der LAAG

„Sternbahn“Roßplatz – Connewitz, Eiskeller– Gautzsch

„Meierkelle“Hauptbahnhof – Rathaus Leutzsch– Gundorf

„Zwirnsrolle“Hauptbahnhof – Möckern– Schkeuditz

kursiv:Mitbenutzung von GLSt-Strecken

Die in Wahren endende Linie wurde in zwei Etappen über Lützschena (9. Juni 1905) bis nach Schkeuditz (27. Oktober 1910) verlängert. In der damals preußischen Nachbarstadt Schkeuditz hatte die LAAG bereits 1909 ein Depot errichtet. Wegen Streitigkeiten mit Grundstücksbesitzern entlang der neuen Strecke, die gerichtlich geklärt werden mussten, verzögerte sich die Inbetriebnahme der Gesamtstrecke um fast ein Jahr. Bei Modelwitz überschritt die Strecke die Grenze zwischen dem Königreich Sachsen und dem Königreich Preußen und war damit eine der wenigen grenzüberschreitenden Straßenbahnstrecken in Deutschland.

Die Linien der GLSt im Jahr 1913

AGohlis – Kaiser-Wilhelm-Straße

BLeutzsch – Bayerscher Bahnhof

DGohlis-Nord – Dölitz

EEutritzsch – Schlachthof

FLindenau – Südfriedhof

GGohlis – Connewitz, Wiedebachstraße

KKleinzschocher – Sellerhausen

LLeutzsch – Tauchaer Tor

MMöckern – Connewitz (Eiskeller)

PLindenau – Probstheida

RAugustusplatz – Anger-Crottendorf

R/Hauptbahnhof – Anger-Crottendorf

SPlagwitz – Volkmarsdorf

VKleinzschocher – Volkmarsdorf

Die bis Hauptbahnhof verkehrenden Wagen der Linie R hatten zusätzlich einen roten Diagonalstrich auf der Linienscheibe erhalten. Gleichermaßen wurden auch Verstärkungslinien bezeichnet, die nur einen Teil der jeweiligen Stammlinie befuhren.

Ausbau des Straßenbahnnetzes bei der GLSt

Die etablierten Straßenbahngesellschaften bauten in den Jahren um die Jahrhundertwende ihr jeweiliges Netz ebenfalls weiter aus. Die GLSt nahm 1898 und 1899 folgende Neubaustrecken in Betrieb: Die Grünweiße Linie, später in Linie F umbenannt, fuhr vom Friedhofsweg bis Südfriedhof, An der Tabaksmühle, weiter. Ab Augustusplatz bediente eine neue Linie S den neuen Abschnitt Grüne Schänke – Wurzner Straße – Torgauer Straße bis Eisenbahnstraße.

Die Rot-weiße Linie, später in Linie D umbenannt, wurde in mehreren Etappen von der Kaiser-Wilhelm-Straße über Connewitzer Kreuz und Lößnig bis Dölitz verlängert. Eine neue Linie L machte sich vom Tauchaer Tor über eine neue Strecke ab Demmeringstraße auf den Weg zum Bahnhof Leutzsch. Die Linie M fuhr von der Kernstraße auf der Hallischen Straße weiter bis zur Wettinstraße in Möckern. In der Wiederitzscher und in der Roscherstraße entstanden Betriebsstrecken.

Die damals weit außerhalb liegende Gemeinde Probstheida wurde am 20. Dezember 1900 angeschlossen. Der Endpunkt der neuen Linie P befand sich in der Russenstraße. Am anderen Ende wurde die Linie zum neuen Depot Lindenau geführt, wo die „Centralwerkstätten“ und das zweite Kraftwerk zur Bahnstromversorgung entstanden waren. Die im gleichen Jahr in Betrieb genommenen neuen Depots in Dölitz und Probstheida wurden zunächst nur mit Betriebsstrecken angebunden.

1901 und 1902 ergänzten schließlich zwei kurze Verbindungsstrecken in der Universitätsstraße zwischen Schillerstraße und Roßplatz sowie in der Kronprinzstraße zwischen Bayrischer Straße und Südstraße die großen Netzerweiterungen. Sie wurden von der neuen Linie G bedient.

Ausbau des Straßenbahnnetzes bei der LESt

Die Linien der LESt im Jahr 1913

1Mockau – Connewitz, Zwenkauer Straße

2Schönefeld, Weststraße – Völkerschlachtdenkmal

3Eutritzsch – Großzschocher

4Möckern – Paunsdorf

5Kleinzschocher – Schönefeld, Weststraße

6Gohlis – Stötteritz, Holzhäuser Straße

7Stötteritz, Papiermühlstraße – Connewitz, Kreuz

8Schleußig – Schönefeld, Dimpfelstraße

9Waldstraße, Brücke – Thonberg

10Hauptbahnhof – Naunhofer Straße

Betriebsübersicht GLSt, LESt und LAAG

Die LESt baute ihr Netz im gleichen Zeitraum aus. Die Weiß-violette Linie, später in Linie 4 umbenannt, fuhr von der Bergstraße weiter bis Sellerhausen. Am anderen Ende erreichte sie 1899, von der Eisenacher Straße ausgehend, die Knopstraße in Möckern. Die Grüne Linie, später Linie 6, bekam vom Bahnhof Stötteritz bis Depot Stötteritz und von der Lindenthaler Straße bis neue Kasernen in der Landsberger Straße/Heerstraße weitere Streckenkilo-meter. Für die Violette Linie, später Linie 5, ging es von der Kirchstraße weiter bis Schönefeld. Die Gelbe Linie, später Linie 3, streckte sich vom Berliner Bahnhof bis zur Delitzscher Straße, Ecke Dübener Landstraße in Eutritzsch. Eine neue Linie mit blauer Tafel, später Linie 2, verband von Schönefeld kommend den Bayrischen Bahnhof über Windmühlenweg und Johannisallee mit der Schönbachstraße. Während die vorgenannten Erweiterungen vor der Jahrhundertwende entstanden, kam im Jahr 1900 die Verlängerung der Weißen Linie, später Linie 1, in der Elisenstraße bis Ecke Scharnhorststraße in der Südvorstadt hinzu. Ab dem Jahr 1902 bildete die neue Linie 7 ab Stötteritz über die neuen Gleise in der Riebeckstraße eine Verbindung nach Connewitz.

Zur Unterbringung des Wagenparks errichtete die LESt im Jahr 1898 neue Depots in Kleinzschocher und Stötteritz, die zunächst ohne Werkstätten ausgeführt waren. Im Südabschnitt wurde der Streckenbau in der Elisenstraße fortgesetzt: 1904 erreichte die Tram die Ecke Hardenbergstraße und 1906 das Connewitzer Kreuz. Die Linie 4 erfuhr im Jahr 1905 eine kleine Verlängerung in Richtung Paunsdorf bis zur damaligen Stadtgrenze auf Höhe der Ostheimstraße.

Im Jahre 1900 hatte der Rat der Stadt zur Vereinfachung der Linienkennzeichnung die einheitliche Verwendung runder Kopfscheiben und den Wegfall der reinen Farbsymbole vorgeschrieben. Da die „Blaue“ bereits Buchstaben eingeführt hatte, nutzte die „Rote“ ab 17. Dezember 1900 Zahlen zur Linienbezeichnung, wobei zur besseren Umgewöhnung der Fahrgäste zunächst ein farbiger Untergrund beibehalten wurde.

Hauptbahnhof im Bau

Die Umgestaltung der Leipziger Eisenbahnanlagen ab 1902 nutzte die GLSt für den lange geplanten Streckenneubau nach Gohlis-Nord, am 5. Oktober 1911 mit der Linie G eröffnet. Der Bau des Hauptbahnhofes beinhaltete auch die Neugestaltung eines repräsentativen Vorplatzes. Der zunächst geforderte Verzicht auf Oberleitungen konnte mit Verweis auf die bei anderen Straßenbahnbetrieben eingeholten negativen Betriebserfahrungen abgewendet werden. Die neuen Gleisanlagen auf dem Hauptbahnhofsvorplatz mit großer Schleife Richard-Wagner-Straße wurden 1911 erstmals befahren. Auch die „Rote“ wollte die neuen Gleisanlagen nutzen. Wegen der 500-Meter-Klausel musste sie ihre Zufahrtsstrecke über Querstraße – Hahnekamm – Brandenburger Straße führen. Weitere Streckenverlängerungen der LESt dienten der Anbindung neuer Betriebshöfe in Gohlis (1910, kein Linienverkehr) und Connewitz, Zwenkauer Straße (1912, Linie 1). Auch der neue Betriebshof in Paunsdorf wurde zunächst nur durch eine Betriebsstrecke angebunden. Mit dem Neubau von GLSt-Betriebshöfen in Möckern (1907) und Leutzsch (1908) gab es nun im Leipziger Netz insgesamt 17 Straßenbahnhöfe.

Am 1. Juli 1910 hatte probeweise der Betrieb mit zwei Beiwagen auf der GLSt-Linie M begonnen. Nach guten Resultaten des Probebetriebes wurde der Einsatz von Dreiwagenzügen auf weitere Linien ausgedehnt. 1912 gab es als technische Neuerung die ersten vom Triebwagen aus elektrisch stellbaren Weichen. Der Erhöhung des Komforts für die Fahrgäste diente die 1913 erstmals im Triebwagen 863 der GLSt vorgestellte elektrische Heizung. Bis dahin waren alle Leipziger Straßenbahnwagen, mit Ausnahme der mit Kohleofen versehenen Außenbahnwagen, im Winter ungeheizt!

Baufach-Ausstellung in Leipzig

Leipzig im Ausnahmezustand

V om 16. bis 19. Oktober 1813 hatte vor den

Toren der Stadt Leipzig die sogenannte Völkerschlacht stattgefunden. Sie führte als Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege zu einer Niederlage Napoleons gegen die verbündeten Truppen Russlands, Österreichs, Preußens und Schwedens. Die Schlacht, in der rund 500.000 Soldaten kämpften, galt bis zum Ersten Weltkrieg als die größte der Geschichte. Zur Erinnerung wurde das Völkerschlachtdenkmal – mit 91 Metern Höhe eines der größten deutschen Denkmäler – aus Lotterie- und Spendengeldern errichtet und zum 100. Jahrestag eingeweiht. Zum Erinnerungskomplex gehört die gleichzeitig geweihte Russische Gedächtniskirche.

Die Einweihungsfeierlichkeiten waren ein politisches Großereignis: Neben dem Deutschen Kaiser waren sämtliche deutsche Bundesfürsten sowie hochrangige ausländische Staatsgäste aus Schweden, Österreich und Russland zugegen. Für dieses Massenereignis waren die Straßenbahngesellschaften durch die bereits für die IBA errichteten beziehungsweise erweiterten Strecken gut aufgestellt. Am Tag nach den Feierlichkeiten gab es ein aufsehenerregendes Vorkommnis, das als „Leipziger Löwenjagd“ in die Stadtgeschichte eingegangen ist: Am 19. Oktober gegen Mitternacht hatten sich in der Berliner Straße die Pferde eines dort parkenden Käfigwagens des Zirkus Barum selbstständig gemacht, sodass das Gefährt in den Gleisbereich geriet. Ein Zug der LESt-Linie 1 kollidierte im Nebel mit dem Zirkuswagen, wobei die darin befindlichen acht Löwen den Weg ins Freie fanden. Zwei waren auf die Vorderplattform des Triebwagens gesprungen, die anderen bewegten sich in Richtung der Bahnanlagen des nahen Hauptbahnhofes. Ein Schutzmann der Polizei, der auf seiner Runde am Ort des Geschehens vorbeikam, löste Großalarm aus. Die Polizei erschoss insgesamt sieben der Zirkuslöwen. Als Reminiszenz an die Ereignisse gab es in den 1930er-Jahren unter Beteiligung der Straßenbahn die Veranstaltung „Der Löwe ist los!“.

Die Internationale Baufach-Ausstellung 1913 (IBA) in Leipzig war die bis dahin weltweit größte Ausstellung dieser Art. Sie wurde am 3. Mai 1913 in Anwesenheit des Sächsischen Königs eröffnet. In zahlreichen Hallen demonstrierten Bauindustrie und Bauhandwerk, wissenschaftliche Einrichtungen und Fachverbände ihre Leistungsfähigkeit. Auf einem getrennten Gelände südlich der Hauptausstellung, zu dem eine mit Dampflokomotiven betriebene Verbindungsbahn mit 600 Millimetern Spurweite führte, hatten verschiedene Architekten Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser errichtet. Diese Siedlung blieb erhalten und bildete als Gartenvorstadt Marienbrunn den Grundstock für den heutigen Leipziger Ortsteil.

Zur Bedienung der IBA baute die GLSt die Strecke nach Probstheida bis zum Südfriedhof zweigleisig aus und legte eine temporäre Gleisschleife über Denkmalsallee – Wachauer Straße – Gletschersteinstraße an. Eine Sonderlinie J führte von hier über Augustusplatz zum Hauptbahnhofsvorplatz und weiter über den Promenadenring zurück. Eine weitere Sonderlinie, gekennzeichnet durch eine rote Scheibe mit weißem Rand, verkehrte zwischen Waldplatz und Probstheida. Die LESt setzte ebenfalls eine Sonderlinie zwischen Hauptbahnhof und IBA ein und kennzeichnete sie als Einsatzlinie mit dem Buchstaben „E“. Das führte jedoch zu Verwechslungen mit der Linie E der GLSt, die auch dadurch begünstigt war, dass der Rat der Stadt ab 1906 eine schwarz-weiße Kennzeichnung der Linien vorgeschrieben hatte. Im Sommer 1913 einigte man sich schließlich und die LESt-Linie erhielt unter gleichzeitiger Verlängerung bis zum Waldplatz eine rote Kopfscheibe mit weißem Rand; die bis dato so gekennzeichnete GLSt-Sonderlinie erhielt ein „E“ mit rotem Diagonalstrich.

Flughafen Mockau und Turnfest

Die Eröffnung des Flughafens Mockau musste ohne direkte Straßenbahnanbindung auskommen – eine dorthin geplante LESt-Strecke wurde nie realisiert. Die nach Eutritzsch fahrenden Wagenzüge zeigten zwar ein Zusatzschild „Flughafen“ – dorthin ging es ab dem Eutritzscher Endpunkt an der Dübener Landstraße allerdings nur zu Fuß.

Die GLSt baute zum Turnfestgelände in Eutritzsch eine Strecke durch die Gottschallstraße bis Höhe Geibelstraße und legte dort eine Gleisschleife an. Nach Beendigung des Turnfestes musste die Strecke auf Forderung des Rates der Stadt ebenso wieder abgebaut werden wie die auf dem Eutritzscher Markt angelegte Gleisschleife. Während des Turnfestes verlängerte die GLSt ihre Linien D und F bis Geibelstraße sowie die G, J und R/ bis zum Eutritzscher Markt. Außerdem kamen die Zusatzlinien D/ ab Pestalozzistraße und G/ ab Connewitz über Bayrischer Bahnhof und weitere Einsatzzüge zum Einsatz. Der Geschäftsbericht der GLSt konstatierte stolz eine 24-Sekunden-Zugfolge auf den beiden Zufahrtsstrecken!

Auch die LESt legte in Eutritzsch östlich der Delitzscher Straße eine temporäre Gleisschleife an und verlängerte für die Dauer des Turnfestes die Linie 10 mit Dreiwagenzügen bis hierhin. Die beiden Leipziger Straßenbahngesellschaften beförderten während der Turnfesttage mehr als 1,6 Millionen Fahrgäste.

Konkurrenz im Stadtverkehr

Der bisher erfolgreichen Entwicklung der Straßenbahnen gab das Jahr 1913 jedoch auch einen Dämpfer: Konkurrenz in Form von Kraftomnibussen trat auf den Plan. Die „Leipziger Allgemeine Kraftomnibus AG“ betrieb ab 21. Juni 1913 ihre erste Linie zwischen Hauptbahnhof und Ausstellung. Weitere Linien, unter anderem nach Connewitz und Schleußig, startete die Gesellschaft in den Folgemonaten und trat damit in Wettbewerb zu den etablierten Straßenbahnlinien. Allerdings hatte sich das „Problem“ bereits nach einem Jahr gelöst: Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden sämtliche Kraftomnibusse vom Militär beschlagnahmt und kehrten nie wieder zurück. Auch die Straßenbahn drehte ich – in anderem Sinne – im Kreis: Zur Rationalisierung des Betriebes entstanden 1913 Gleisschleifen am Tauchaer Tor als Blockumfahrung Ludwigstraße – Bussestraße und an der Klemmstraße. Damit gab es, ausschließlich im Netz der GLSt, vier Gleisschleifen. Die anderen beiden waren 1908 beziehungsweise 1913 in den Betriebshöfen Leutzsch und Probstheida entstanden.

Letzte Veränderungen im Vorkriegsjahr

Nach Ende der Großveranstaltungen nahm die GLSt weitere Veränderungen vor: Eine neue Strecke im Stadtteil Lins denau verlief von der Lützner/Saalfelder Straße bis Plautstraße. Als letzte Verlängerung des Jahres erreichte die Linie R Gohlis-Nord.

Bei der LESt gab es im Berichtsjahr ebenfalls Neubauten: Von der Johannisallee über Siegismundschleife bis Naunhofer Straße für die Linie 10 und von der Schönbachstraße über die Reitzenhainer Straße zum Südfriedhof Schlippe für die Linie 2. Im Zentrum entstand die Trasse Querstraße – Hahnekamm – Brandenburger Straße – Hauptbahnhofsvorplatz. Die neue Strecke von Riesaer Straße, Stadtgrenze, bis Depot Paunsdorf war ohne Linienverkehr.

In einem der folgenden Hefte des STRASSENBAHN MAGAZIN werden wir uns in die Zwischenkriegszeit begeben, die der Leipziger Straßenbahn umfangreiche Veränderungen, vor allem im Wagenpark, brachten.

ROLF-ROLAND SCHOLZE