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1968 An ARTODYSSEY


Monopol - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 21.06.2018

Das Jahr 1968 markiert einen Epochenumbruch, in der Politik wie in der Kunst. Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegungen, Prager Frühling, die Kulturrevolution in China und viele andere Ereignisse führen zu einer weltweiten Mobilisierung von Künstlern – vielleicht zum letzten Mal manifestiert sich in jener Zeit der Glaube an eine Avantgarde, die direkt in die Gesellschaft hineinwirken kann. Der ästhetische Widerstand ist global, und er nimmt höchst unterschiedliche Formen an: Von der Museumsbesetzung bis zum Happening, von Manifesten bis zu neodadaistischen Aktionen. 1968 ist geprägt von Taten, aber auch von ...

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... klugen Gedanken. Die Konzeptkunst entsteht, Schlüsseltexte der Postmoderne werden verfasst, das digitale Zeitalter bricht an. Es ist das Jahr, in dem Valerie Solanas Andy Warhol niederschießt und Marcel Duchamp sein Schweigen nicht brechen wird. Es ist das Jahr, das die Kunstwelt bis heute prägt

Bild: STANLEY KUBRICKS „2001: ODYSSEE IM WELTRAUM“ KOMMT 1968 IN DIE KINOS


ATTENTAT auf WARHOL

Andy Warhol hat den 3. Juni 1968 mit den üblichen Routinen begonnen: gemeinsames Gebet mit der Mutter, Abstecher zu seinem Lieblingskaufhaus Bloomingdale’s, Taxifahrt zu seinem Atelier, der Factory am New Yorker Union Square. Dort fängt ihn die feministische Schriftstellerin Valerie Solanas auf dem Bürgersteig ab. Die beiden kennen sich. Warhol hat Solanas in einem seiner Filme mitspielen lassen, die Produktion ihres Theaterstücks „Up Your Ass“ aber abgelehnt, was sie ihm nie verziehen hat. Erfolglosigkeit, Wohnungsverlust – mittlerweile wittert Solanas, die unter Schizophrenie leidet, hinter allem eine Warhol-Verschwörung. Mit dem Aufzug fahren die beiden in die Factory, Warhol macht sich an die Arbeit. Er telefoniert gerade mit dem Superstar Viva, als Solanas einen Revolver hervorholt, dreimal auf Warhol schießt und ihn an Milz, Bauch, Leber und Speiseröhre schwer verletzt. Im Krankenhaus wird Warhol für klinisch tot erklärt, doch die Ärzte können ihn wiederbeleben und in einer fünfstündigen Operation retten. Solanas stellt sich im Laufe des Tages der Polizei. Das Attentat markiert einen Wendepunkt. Warhol leidet physisch und psychisch unter den Folgen, er wird zunehmend paranoid, die einst offenen Türen der Factory sind fortan bewacht. Verloren geht der experimentell-anarchistische Geist der 60er auch in Warhols späterem Werk, die Factory wird Business.

Wie haben Sie 1968 erlebt, Mary BAUERMEISTER?

„Das Jahr 1967/68 hatte ich in den USA verbracht und kam im Sommer 68 nach Darmstadt zu den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik, wo mein Mann Karlheinz Stockhausen unterrichtete. Dort angekommen, traf ich Musiker und Komponisten aus der CSSR, die vor den Wirren des Prager Frühlings geflüchtet waren und an den Kursen teilnahmen - die Stimmung war politisch sehr aufgeheizt. Schon in den Jahren zuvor hatte mein Mann heimlich Partituren in den Ostblock geschickt - seine Musik galt als imperialistisch und war dort verboten. Ich selbst schickte heimlich Kunstzeitungen in die DDR, um die dortige, nicht regimekonforme Kunstbewegung zu unterstützen.“

ELIZABETH CATLETT „BLACK UNITY“, 1968


BLACK POWER

Stärke, Zusammenhalt, Selbstbestimmung: Mit ihrer 1968 entstandenen Holzskulptur „Black Unity“ bündelt Elizabeth Catlett die Ziele der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung in einem machtvollen Symbol.

MARIA LASSNIG „SELBSTPORTRÄT ALS ASTRONAUTIN“, 1968/69


Fotos: action press (vorherige Doppelseite). David Montgomery/Getty Images. Edward C. Robison III., Crystal Bridges Museum of American Art, Bentonville, Arkansas, Elizabeth Catlett © VG Bild-Kunst, Bonn 2018. Sammlung Lambrecht-Schadeberg, © Maria Lassnig Stiftung. Siegfried Klein (aka Khasaq) @Günter Brus, Courtesy Konzett Gallery. © Shigeko Kubota, Courtesy of the John Cage Trust, Marcel Duchamp © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

ABFLUG

APOLLO 8 IST IM DEZEMBER 1968 DER ERSTE BEMANNTE FLUG ZUM MOND. ALS ERSTE FRAU FLIEGT DIE ÖSTERREICH ISCHE MALERIN MARIA LASSNIG INS WELTALL.

UNI-FERKELEI

Masturbation, Auspeitschen, Selbstverstümmelung und das Verschmieren der eigenen Exkremente am nackten Körper, das alles unter Gesang der österreichischen Nationalhymne. Mit der Aktion „Kunst und Revolution“ lösen die Künstler Günter Brus, Peter Weibel, Otto Muehl und Oswald Wiener am 7. Juni 1968 einen beispiellosen Skandal aus. 300 Zuschauer sind im Hörsaal der Universität Wien anwesend – einigen wird so schlecht, dass sie sich auf eine ausgebreitete Nationalflagge erbrechen.

DUELL der MEISTER

Die Kunstwelt interessiert Marcel Duchamp schon lange nicht mehr, die Politik erst recht nicht. Bereits 1964 hatte Joseph Beuys das Schweigen Duchamps als „überbewertet“ kritisiert, was den Franzosen mehr als kaltließ. Am 5. März 1968 trifft sich Duchamp mit dem Komponisten John Cage im Ryerson Theatre in Toronto auf eine Partie musikalisches Schach – jeder Zug auf dem speziell angefertigten Spielbrett erzeugt eine elektronische Komposition. Duchamp setzt Cage nach 30 Minuten matt. Es ist einer der letzten öffentlichen Auftritte eines der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts: Duchamp stirbt am 2. Oktober 1968. Der Text für seine Grabinschrift, von ihm selbst entworfen: „D’ailleurs c’est toujours les autres qui meurent.“ („Im Übrigen sind es immer die anderen, die sterben.“)

JOHN CAGE, MARCEL DUCHAMP UND TEENY DUCHAMP BEI DER PERFORMANCE „REUNION“ IN TORONTO, 5. MÄRZ 1968


TOILETTENPROTEST

Gegen die Militärdiktatur in ihrem Land formiert sich auch in der argentinischen Kunstszene der 60er-Jahre Widerstand. 1968 gründen María Teresa Gramuglio und Nicolás Rosa das Kollektiv Tucumán Arde (deutsch: Tucumán brennt), das vor allem in den Städten Rosario und Buenos Aires politische Aktionen organisiert. Im selben Jahr kommt es im Instituto Di Tella in Buenos Aires zur Gruppenausstellung „Experiencias“. Der junge Konzeptkünstler Roberto Plate installiert eine Reihe von Toiletten, die zwar nicht funktionieren, deren weiße Wände aber ihren Zweck erfüllen: als Hintergrund für regierungskritische Graffiti und Botschaften. Die Ausstellung wird bald nach der Eröffnung von der Polizei geschlossen

INSTALLATION VON ROBERTO PLATE


AMERIKANISCHER ALBTRAUM

DIE USA FÜHREN IN VIETNAM EINEN SCHMUTZIGEN KRIEG – DIE KÜNSTLERIN MARTHA ROSLER BRINGT IHN MIT IHREN COLLAGEN IN DIE SAUBEREN WOHNZIMMER AMERIKANISCHER VORSTÄDTE.

MARTHA ROSLER „CLEANING THE DRAPES“, AUS DER SERIE „HOUSE BEAUTIFUL: BRINGING THE WAR HOME“, 1967–


Das fiktive MUSEUM

Studenten besetzen Universitäten, der Künstler Marcel Broodthaers besetzt 1968 zusammen mit Mitstreitern das Palais des Beaux-Arts in Brüssel – dort herrscht ja schließlich auch der Muff von 1000 Jahren. Folgenreicher ist eine weitere Aktion von Broodthaers einige Wochen später. Als für eine Veranstaltung in seiner Wohnung Stühle fehlen, leiht er sich kurzerhand Kunsttransportkisten aus mit Aufschriften wie „Vorsicht zerbrechlich“. Daran heftet er Kunstpostkarten von Altmeister-Gemälden, schreibt „Museum“ ans Fenster seiner Wohnung und „Département des Aigles“ („Abteilung Adler“) auf die Mauer im Hof. Bis 1972 zeigt Broodthaers sein „Museum für Moderne Kunst“ mit verschiedenen Abteilungen inklusive der Presse- und Marketingabteilung an unterschiedlichen Orten: eine perfekt inszenierte Museumsfiktion, die die Mechanismen des Kunstbetriebs persifliert. Und vorwegnimmt, was später als „Institutionskritik“ bezeichnet wird.

„APOCALIPOPÓTESE“

Brasilien befindet sich im Juli 1968 im festen Griff der Militärdiktatur, als eine Künstlergruppe im Park Aterro do Flamengo in Rio de Janeiro ein öffentliches Kunstevent startet. Skulpturen von Jackson Ribeiro werden ausgestellt, es gibt Kunstworkshops für Kinder und Erwachsene und als Höhepunkt das von Hélio Oiticica konzipierte Happening „Apocalipopótese“, an dem das Publikum, Sambatänzer aus Rio sowie Künstler wie Lygia Pape, Rogério Duarte und viele andere teilnehmen. „Diese nichtrepressiven Handlungen sind einzigartig und wichtig in diesen Zeiten endloser Repression, in denen fundamentale Ansprüche des Individuums unterdrückt werden“, schreibt Hélio Oiticica. Und weiter: „Entweder wir verändern uns, oder wir verharren im Stillstand. Das Museum ist die Welt: die tägliche Erfahrung.“

Fotos: Source: Archivos Di Tella, Universidad Torcuato Di Tella. Egbert Haneke, Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg, © Martha Rosler. akg-images / Mondadori Portfolio

VENEDIG-BIENNALE

600 Mitglieder der Spezialeinheit „Celere“ aus Padua, 1000 Polizisten und Carabinieri sowie zwei Panzer sind im Juni 1968 rund um die Giardini stationiert. Ihr Auftrag: die Eröffnung der 34. Venedig-Biennale unter allen Umständen sicherzustellen. Einigen Dutzend Studenten gelingt es dennoch, sich auf dem Markusplatz zu versammeln und gegen die Kunstschau zu demonstrieren, die sie als „faschistisch“ und „marktorientiert“ kritisieren. Sie werden so brutal niedergeprügelt, dass etliche Künstler aus Protest gegen den Polizeieinsatz ihre Werke von der Biennale zurückziehen oder zur Wand gekehrt aufstellen. Deutschland tritt auf der Biennale mit einer „Altherrenmannschaft“, so die „Süddeutsche Zeitung“, an: dem Bildhauer Gustav Seitz, dem Maler Richard Oelze und dem Grafiker Horst Janssen.

WARHOLS erste Museumsausstellung

Im Februar 1968 richtet Pontus Hultén am Moderna Museet in Stockholm Andy Warhols erste Museumsretrospektive aus. Gezeigt werden Siebdrucke („Marilyns“, „Flowers“, „Electric Chairs“), Brillo-Boxen und Filme, die Wände sind mit Tapeten bedruckt, in der Eingangshalle muss das Publikum durch ein Meer glänzender Plastikwolken waten. Der befürchtete Protest linker, antiamerikanischer Gruppen gegen den Popkünstler bleibt aus, der große Publikumserfolg aber auch. Populär wird hingegen der von Kasper König konzipierte Katalog, erst als Kultobjekt in der Subkultur, dann als Sammlerobjekt.

KOLONIALES ERBE

Ausgebildet wurde der 1943 im indischen Shimla geborene Vivan Sundaram während seines Studiums in London von R. B. Kitaj – politisch prägten ihn die antikolonialen und Antiapartheidsbewegungen der späten 60erJahre. 1968 entstanden seine Gemälde „South Africa“ und „May 1968“, auf dem abstrakte Farbflächen an die Barrikaden während der Pariser Studentenrevolte erinnern und eine rote Sichel durch einen weißen Torso schwingt.

VIVAN SUNDARAM „MAY 1968“, 1968


Fotos: Andy Warhol Photo: Lasse Olsson/Pressens bild. Collection of the artist, New Delhi. Sammlung David R. Packard und M. Bernadette Castor. Courtesy The Studio Museum in Harlem

„DIE GEBURT DES LESERS IST ZU BEZAHLEN MIT DEM TOD DES AUTORS“

–Roland BARTHES

Gut, Marcel Duchamp wusste es schon 50 Jahre zuvor. Doch mit seinem 1968 erstmals veröffentlichten Essay „Der Tod des Autors“ trifft der französische Literaturtheoretiker Roland Barthes den antiautoritären Geist der Zeit. Der Sinn eines Texts oder Kunstwerks, so Barthes’ These, sei weniger in der Biografie oder der Person des Künstlers zu suchen – er entstehe vielmehr durch die Interaktion mit anderen Werken, den zeitgeschichtlichen Kontext und die Rezeption des Publikums. Barthes’ Essay wird zu einem Schlüsseltext der Postmoderne.

Titel.1968

LYNN HERSHMAN LEESON „SELF-PORTRAIT AS ANOTHER PERSON“, 1966–68


BILD DER FRAU

Medien sind Extensionen des menschlichen Körpers, stellte Marshall McLuhan in den 60ern fest. In diesem Selbstporträt der Feministin Lynn Hershman Leeson scheint die Cyborgisierung des Menschen bereits in vollem Gange: „Wer bist du?“, fragt die Stimme vom Band. „Kannst du mir trauen?“

STUDIO MUSEUM IN HARLEM

Endlich einen Ort zu schaffen für afroamerikanische Kunst und Kunst aus der afrikanischen Diaspora – dieses Ziel verwirklicht eine Gruppe von Künstlern, Aktivisten, Anwohnern und Philanthropen mit dem am 24. September 1968 eröffneten Studio Museum in Harlem. Das Ausstellungshaus genießt heute weltweites Renommee.

DIE „TORRES DE SATÉLITE“ VON MATHIAS GOERITZ, LUIS BARRAGÁN UND JESÚS REYES FERREIRA


Fotos: ProtoplasmaKid / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0. © Josef Koudelka / Magnum Photos

BLUT und SPIELE

Mathias Goeritz, 1915 in Danzig geboren und 1949 nach Mexiko übergesiedelt, ist ein Universalgenie: Maler, Schriftsteller, Designer, Bildhauer, Architekt. Seine Entwürfe sind zugleich spielerisch und modern, monumental und fantasievoll – schönstes Beispiel: die 1955 in Zusammenarbeit mit Luis Barragán entworfene Turmgruppe der Satellitenstadt von Mexiko. Für die Olympischen Spiele 1968 konzipiert Goeritz die „Straße der Freundschaft“: 18 Bildhauer aus verschiedenen Ländern errichten entlang der Avenida zum olympischen Dorf großformatige Skulpturen. Die politische Stimmung in dem lateinamerikanischen Land ist unterdessen seit Monaten angeheizt. Studenten und Arbeiter fordern Reformen, am 2. Oktober versammeln sich Tausende auf dem Platz der Drei Kulturen. Die Versammlung ist von Polizei und Militär umringt, kaum ist der Studentenführer ans Mikrofon getreten, eröffnen Soldaten das Feuer. Hunderte werden beim „Massaker von Tlatelolco“ erschossen, Tausende verhaftet.


„Der KÜNSTLER, der für eine andere Gesellschaft arbeiten will, sollte damit beginnen, die Kunst anzuzweifeln, und zwar grundlegend, um den totalen Bruch mit ihr auf sich zu nehmen.“


– Daniel BUREN,
Oktober 1968

RUHE VOR DEM STURM

Die sowjetischen Panzer rollen bereits durch die Stadt, als der damals 30jährige tschechische Fotograf Josef Koudelka dieses Foto aufnimmt: Es zeigt den gespenstisch leeren Prager Wenzelsplatz am 22. August 1968, eine Uhr ragt ins Bild – wenig später ist der Prager Frühling blutig niedergeschlagen