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2. LIGA: DIE GRÖSSTE FESTUNG DEUTSCHLANDS


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 13.03.2019

Kein deutsches Profi-Team ist zu Hause so lange ungeschlagen wie Union Berlin. Das Ziel: der Aufstieg. Hier verraten Trainer Fischer und Kapitän Trimmel, wie das gelingen soll!


Artikelbild für den Artikel "2. LIGA: DIE GRÖSSTE FESTUNG DEUTSCHLANDS" aus der Ausgabe 11/2019 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 11/2019

Als feststand, dass Urs Fischer (53) neuer Trainer von Union Berlin wird, rief der Schweizer als Erstes bei der Geschäftsstelle an und ließ sich die Handynummern aller Spieler geben. Es war Juli 2018, die Mannschaft befand sich im Urlaub. Deshalb schrieb Fischer jedem Profi eine persönliche Nachricht. Dass er sich sehr auf die Zusammenarbeit und den Verein freue.

Heute, acht Monate danach, steht die Zusammenarbeit vor der Krönung! ...

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Union ist neun Spieltage vor Saisonende Dritter, der Aufstieg realistischer denn je. Auch die mögliche Relegation wäre keinesfalls eine aussichtslose Aufgabe, so sehr wie die Keller-Klubs in der Bundesliga schwächeln. „Wir sind bislang sehr zufrieden mit der Saison, auch wenn wir gewisse Dinge noch weiterentwickeln können“, sagt Kapitän Christopher Trimmel (32) zu SPORT BILD.

Basis der starken Saison: Die unglaubliche Heimstärke. Die letzte Pleite daheim gab es gegen Nürnberg (0:1) Ende Januar – 2018! Seitdem: zwölf Siege, acht Re mis. Damit ist Union im deutschen Profifußball zu Hause am längsten unge schlagen. Das Stadion an der Alten Försterei (22 000 Plätze) ist im Grunde nur dann nicht ausverkauft, wenn der Gastverein sein Kon tingent nicht aus schöpft. Kapitän Trimmel sagt: „Jede Mannschaft will es schaffen, dass das Heimstadion zu ei ner Festung wird. Und je länger die Se rie andauert, desto schwieriger wird es aus psychologischer Sicht für den Gegner.“ Ein Vorteil sei dabei auch, dass das Union-Stadion seinen eigenen Charme habe, und nicht – wie mittlerweile viele andere Stadien – wie aus einem Katalog bestellt aussieht. Trimmel: „Es gibt Stadien, die nicht ideal sind für die Heimmannschaften. Wenn etwa eine Laufbahn zwischen dem Platz und den Fans ist. Unser Stadion hat sein eigenes Flair, mit den vielen Stehtribünen. Das ist schon beeindruckend, und das überträgt sich auf das Spielfeld. Wenn der Gegner dann hier im Spielertunnel steht und die Fans hört, macht er sich schon seine Gedanken.“

Die Beziehung zwischen Fans und Mannschaft, das sagen die Unioner immer wieder, sei im Osten Berlins noch immer etwas ganz Besonders. Fast schon nostalgisch. Als Trainer Fischer im vergangenen Jahr vom Interesse Unions erfuhr, informierte er sich im Internet ausgiebig über den Kult-Klub. Am meisten haben ihn dabei die Heimspiele begeistert, die Unterstützung der Anhänger. „Wir haben ein Publi kum, das auch ak zeptiert, wenn wir mal nicht die beste Tagesleistung ha ben“, sagt er.

Das Stadion An der Alten Försterei wurde 1920 eröffnet und immer wieder modernisiert. In der Saison 2008/2009 halfen mehr als 2000 Fans beim Umbau auf 22 012 Plätze mit


Unions Maskottchen „Ritter Keule“ feiert einen Heimsieg nach dem anderen


Der Arbeitstag des Trainers beginnt um 7 Uhr in seinem Büro. Anfangs war er total überrascht, dass zu dieser Zeit schon Fans am Stadion anstanden, um Tickets zu kaufen. Bis man ihm sagte, dass das bei Union Normalität sei. „Aufgrund der Geschichte des Vereins und der Nähe zu den Fans glauben die Spieler noch mehr an den Verein. Und wenn du dich total wohlfühlst, hältst du auch gern die Knochen hin“, erklärt Trimmel. Fischer sieht das genauso. Zudem passt die Einstellung der Fans genau zu seinem Charakter. Der Schweizer, der bedächtig spricht, sich jedes einzelne Wort genau überlegt, legt großen Wert auf Zusammenhalt und vor allem auf Vertrauen: „Die Werte, die ich lebe, werden auch von Union gelebt. Eine gewisse Bodenständigkeit und die Einstellung, dass man sich alles selbst erarbeiten muss.“

Genau so geht er auch mit seinen Spielern um. Ein Handy-Verbot in der Kabine? Gibt es nicht! Eine Kleiderordnung bei internen Essen? Auch nicht. Jeder kann anziehen, was er möchte. Egal, ob private Kleidung oder eine kurze Trainingshose. Den Strafenkatalog und die Zahlungen muss die Mannschaft selbst verwalten, da mischt er sich nicht ein. Und was den Spielern besonders gefällt: Fischer bezieht die Mannschaften in die meisten Entscheidungen mit ein. Die fußballerische und taktische Richtung gibt er ganz klar vor. Was aber neben dem Platz passiert, darf die Mannschaft in grosen Teilen mitentscheiden. Etwa wie spat gegessen wird oder wie das Team zu Auswartsspielen anreist. Fischer sagt: „Die Mannschaft in ein Korsett zu stecken, in dem sie sich nicht wohlfuhlt, ware kontraproduktiv. Die Gefuhlslage der Mannschaft ist mir wichtig. Am Ende hilft es uns nicht, wenn ich mich wohlfuhle. Sondern die Jungs mussen sich wohlfuhlen, weil sie die Leistung auf dem Platz bringen mussen.“

Die Tabelle zeigt die Erst- und Zweitligisten, die zu Hause derzeit am längsten ungeschlagen sind


Am besten gelingt das der Defensive. Mit Rafal Gikiewicz (31) hat Union einen der besten Torhuter der Liga, das Innenverteidiger-Duo Marvin Friedrich (23) und Florian Hubner (28) ist kaum zu uberwinden. Mit nur 21 Gegentreffern hat Union die mit Abstand beste Abwehr der 2. Liga. Im Angriff ist Sebastian Andersson (27), der vor der Saison ablosefrei von Drittligist Kaiserslautern kam, mit zehn Toren der Top-Torschutze. Gut moglich, dass die „Eisernen“ aus Kopenick schon bald gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund ihre Festung verteidigen mussen!


„Die Mannschaft in ein Korsett zu stecken, wäre kontraproduktiv“
Urs Fischer, Union-Trainer


Reporter Maximilian Wessing traf Trainer Urs Fischer an der Alten Försterei


FOTOS: Witters (4), DPA/Picture Alliance, Imago