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20 Beschwerden, e ine Ursache Wie die Schilddrüse uns zeigt, dass sie Hilfe braucht


Für Sie - epaper ⋅ Ausgabe 21/2019 vom 09.09.2019

Oft merken wir sehr lange nicht, dass etwas nicht stimmt. Alle Symptome einer kranken Schilddrüse könnten auch andere Ursachen haben. Umso wichtiger, sie zu kennen – und zu handeln


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Bildquelle: Für Sie, Ausgabe 21/2019

So klein wie ein neuer Personalausweis, dazu mit rund 20 Gramm ein echtes Leichtgewicht: Und doch ist die Schilddrüse eine lebenswichtige Hormondrüse. Ganz einfach, weil sie sämtliche Stoffwechselprozesse steuert, etwa das Körperwachstum und die Regulation vieler Körperfunktionen. Nonstop gibt der schmetterlingsförmige Winzling, der oberhalb des Kehlkopfes liegt, eine bestimmte Menge an jodhaltigen Hormonen ins Blut ab: ...

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... Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (Tetraiodthyronin, T4). Diese Botenstoffe bestimmen unsere Stoffwechselprozesse in den Zellen und deren Energieverbrauch. Die Hormone regulieren außerdem unsere Körperwärme, die Aktivität von Nerven, Muskeln, Herz und Kreislauf, die Verdauung, unser seelisches Befinden und natürlich auch unsere Sexualität.

Doch so mächtig das Mini-Organ ist, so sensibel reagiert es auf Disbalancen in der Hormonproduktion, die zu Schilddrüsenleiden führen können. Die machen sich zwar körperlich bemerkbar, werden aber nicht immer als ein Hilferuf der Schilddrüse verstanden.

Im Normalfall sorgt die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) durch die Ausschüttung des sogenannten TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) dafür, dass die Schilddrüse – je nach Bedarf – genügend T3 und T4 produziert. Bei der chronischen Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis etwa attackiert das eigene Immunsystem irrtümlicherweise hormonproduzierende Zellen der Drüse. Die daraus resultierenden Entzündungsprozesse zerstören das Drüsengewebe, das Organ vergrößert sich oder schrumpft. Oft kommt es zunächst zu einer Über-, dann zu einer Unterfunktion der Schilddrüse. Bei folgenden Symptomen sollten Sie sie besser mal checken lassen.

Extreme Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen

Fühlen wir uns dauernd schlapp, kann dass an einem Mangel an aktivierendem Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) liegen. Aber nicht nur eine Unterfunktion schlaucht. Eine überaktive Schilddrüse putscht den Organismus auf, wir schlafen schlecht, fühlen uns morgens wie gerädert. Der Körper verbraucht viel Energie.

Druckgefühl im Hals

Eine Schwellung der unteren Halsregion, ein Druck- oder Engegefühl im Bereich des Kehlkopfes sowie Schluckbeschwerden können auf die Bildung eines Kropfes (Struma) und/oder Knotens im Schilddrüsengewebe hindeuten. Meist liegt die Vergrößerung der Schilddrüse an einem Jodmangel, der mit Jodid-Tabletten behandelt werden kann. Meist verordnet der Arzt Schilddrüsenhormone zur Entlastung.

Depressive Verstimmungen und Vergesslichkeit

Ein bisschen Frust – kommt vor. Bei einerSchilddrüsenunterfunktion aber reichen die Mengen an T3 und T4 nicht aus, und andere stimmungsaufhellende Stoffe können über komplexe Stoffwechselprozesse nicht aktiviert werden. Und das begünstigt stärkere depressive Verstimmungen, Apathie und Konzentrationsstörungen. Bei extremen Stimmungsschwankungen den Hormonspiegel checken lassen!

Gewichtszunahme und Antriebslosigkeit

Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 beeinflussen unter anderem den Sauerstoffverbrauch der Zellen sowie die Verwertung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen. Werden etwa zu wenig Hormone ausgeschüttet, beeinflusst das den gesamten Energiestoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und den Magen-Darm-Trakt negativ (siehe auch S. 75, „Verstopfung“). Es kann zu Störungen des Fettstoffwechsels führen. Der Grundumsatz sinkt, wir verbrennen weniger Energie und nehmen (stetig) zu.

Kälte-Empfindlichkeit

Die Füße stecken in dicken Socken, der ganze Körper ist eingemummelt in eine dicke Wolldecke – trotzdem frieren wir, und das ständig. Möglich, dass eine Schilddrüsenunterfunktion unseren Blutdruck in den Keller rutschen lässt, der Kreislauf schwächelt, die Gefäße sich nicht genügend weiten und so in Folge das Gewebe auch schlechter durchblutet wird.

Kopfschmerzen

Weil Schilddrüsenhormone auch die weiblichen (und männlichen) Sexualhormone beeinflussen, können Disbalancen zu Zyklusverschiebungen führen. Die Folge: Das Auf und Ab der Botenstoffe wie T3, T4, Östrogen und Progesteron gehen uns buchstäblich an die Nerven. Das äußert sich oft in Form von Kopfschmerzen und Migräne.

Kühle, trockene Haut und Wassereinlagerungen

Gerät die Schilddrüse aus dem Lot, zeigt sich das im Gesicht: Die Haut ist schlecht durchblutet, fühlt sich kühl an, sieht blass aus und ist durch eine verminderte Talgproduktion bei der Unterfunktion zunehmend trocken. Gewebewasser (Lymphe) fließt langsam ab. Die Folge:geschwollene Augenlider. Bei der Überfunktion kommt es durch die erhöhte Stoffwechselaktivität zu vermehrtem Schwitzen, die Haut ist fettiger und auch stärker gerötet.

Stumpfe Haare und Haarausfall

Um kräftig und kontinuierlich wachsen zu können, brauchen Haare und Nägel ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, z. B. Vitamin A, C, E, H, B-Vitamine, Kieselsäure, Zink. Brüchiges, stumpfes Haar und weiche Fingernägel können Zeichen für eine schilddrüsenbedingteUnterversorgung etwa der Haarwurzeln mit Nährstoffen sein. Selbst wenn wir uns antientzündlich, etwa glutenfrei, dafür mit viel basisch wirkendem Gemüse ernähren, erreichen die Vitalstoffe nicht ihr Ziel, sprich den Haarfollikel bzw. die Nagelmatrix.

Verstopfung, Verdauungsprobleme

Verlangsamt eine Unterfunktion die Verdauungsprozesse, leiden wir öfterunter einem Blähbauch, wir können weniger regelmäßig zur Toilette. Das hilft: Pasta aus Linsen oder (Kicher-)Erbsen entlasten den Darm, liefern dem Körper Proteine und helfen bei der Gewichtsreduktion. Außerdem kurbeln Hülsenfrüchte die Verdauung an, halten den Blutzucker- und Insulinspiegel flach. Dazu zwei Liter Kräutertee täglich, am besten aus Fenchel, Salbei und Löwenzahn.

Häufige Infekte

Ist das Verhältnis der Schilddrüsenhormone ausgeglichen, erhalten unsere Immunzellen alle stoffwechselrelevanten Informationen, etwa um sich erfolgreich gegen Schnupfen & Co. zur Wehr setzen zu können und auch um sich zu erneuern. Sämtliche Abwehr- und Regenerationsprozesse in den Zellen laufen jedoch bei einer gestörten T3- und T4-Ausschüttung nicht mehr optimal, unser Immunsystem schwächelt. Ein Hormon-Überschuss kann dann sogar zu einer Schilddrüsenentzündung führen.

Herzrasen, Nervosität, Durchfälle

Bei der Schilddrüsenüberfunktion befinden sich zu viele Hormone in Blut und Regelkreis. Die Folge: Fahrigkeit, Reizbarkeit, Betroffene reagieren ängstlich und/ oder schreckhaft. Sich zu entspannen fällt schwer, weil das Herz schnell schlägt und der Stoffwechsel dauernd hochtourt. Es kommt zu Durchfällen – der innere Stress nimmt zu, bis zur totalen Erschöpfung.

Interview mit Ayurveda-Medizinerin Dr. Marisa Hübner


„Deutschland ist einJodmangel-Gebiet“

Kanndie traditionelle indische Heilkunst in Kombination mit der Schulmedizin für mehr Gleichgewicht in der Schilddrüse sorgen? Ja, sagt die Berliner Internistin und Ayurveda-Ärztin Dr. Marisa Hübner und erklärt das Therapiekonzept.

Wie entstehen Schilddrüsenerkrankungen nach der ayurvedischen Lehre, Frau Dr. Hübner?
Schilddrüsenprobleme sind in der Regel eine Störung von Agni, dem Verdauungsfeuer, sowie eines oder mehrerer Doshas, der Problemverursacher. Die Schilddrüsenunterfunktion ist durch Gewichtszunahme, Trägheit, Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und Haarausfall, Verstopfungen und depressive Stimmung charakterisiert. Symptome, die sich vor allem einem erhöhten Kapha- und Vata-Dosha sowie einem schwachen Agni zuordnen lassen. Um Agni anzuregen und schweres Kapha „schmelzen“ zu lassen, eignen sich bittere und scharfe Gewürze wie Kurkuma, Ingwer und Pfeffer, leichte vegetarische Speisen auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilt und warme Getränke. Schwitzen beim Sport und in der Sauna ist auch gut. Zu viel Schlaf und langes Sitzen sowie schwere, fettige Nahrung wirken hingegen kontraproduktiv. Weil Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, sollte auf eine ausreichende Zufuhr natürlicher Jodverbindungen, wie sie in Meersalz und Algen enthalten sind, geachtet werden. Der tägliche Selen-Bedarf kann durch ein bis zwei Paranüsse pro Tag gedeckt werden, auch Naturreis, Steinpilze, Sojaund Mungobohnen enthalten viel Selen.

Wie gehen Sie bei der Überfunktion vor?
Bei der Schilddrüsenüberfunktion handelt es sich ayurvedisch gesehen um eine Störung des Vata- und Pitta-Doshas sowie eine Überaktivität von Agni. Hierdurch werden die Körpergewebe im wahrsten Sinne „verbrannt“ und geschwächt. Dies äußert sich in Gewichtsverlust, Kraftlosigkeit, Herzrasen, vermehrtem Schwitzen, Durchfall, Nervosität und Schlafstörungen. Neben der Regulation von Vata, Pitta und Agni steht die Geweberegeneration im Vordergrund der Behandlung. Nährende, gut sättigende Speisen mit kühlenden Eigenschaften können helfen, das Verdauungsfeuer zu zähmen. Hierzu zählen vollwertiges Getreide wie Naturreis und Hafer, ausreichend Proteine vor allem aus pflanzlichen Quellen, Wurzelgemüse, hochwertige Milchprodukte und Gewürze wie Fenchel, Koriander, Gewürznelken, Kreuzkümmel und Safran. Zusätzlich können ruhiges Yoga und Meditation helfen, sich zu erden. Im Ayurveda gibt es außerdem eine große Zahl wertvoller Heilpflanzen, die zur Regeneration der Gewebe und Kräftigung eingesetzt werden können wie beispielsweise Brahmi, Ashwagandha und Shatavari. Es ist ratsam, vor dem Einsatz einen Ayurveda-Spezialisten zu konsultieren.

Wie arbeiten Sie in Ihrer Praxis?
Ich praktiziere ganzheitlich unter Einbeziehung von Aspekten der Schulmedizin und der ayurvedischen Medizin. Mein Schwerpunkt liegt auf der personalisierten Behandlung, die nicht allein über Medikamente, sondern vor allem über Lebensstiländerungen, Ernährung, Körper- und Entspannungsverfahren wie Manualtherapie, Yoga, Meditation agiert. Die Lehren des Ayurveda bewirken eine positive Veränderung und zeigen den Patienten etliche Wege in ein viel gesünderes Leben.

Unser Buch-Tipp:
Mit der Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis änderte sich das Leben von Diana Zichner. Heute hilft die Autorin und Ernährungsberaterin anderen Schilddrüsen-Patienten.
MEINE HASHIMOTOERNÄHRUNG ,Trias, 19,99 Euro

Ein Stoff unter der Lupe

Es gilt als DER Schutzschild gegen Entzündungen: Selen

DAS SPURENELEMENT SELEN ist ein essenzieller Bestandteil körpereigener Proteine, der dem Organismus über die Nahrung zugeführt werden muss. Bei der Bildung von Schilddrüsenhormonen fallen aggressive Abfallprodukte in den Zellen an, sogenannte freie Radikale, die das Drüsengewebe besonders bei Patienten mit chronischen Schilddrüsenentzündungen schädigen können. Bestimmte Proteine neutralisieren jedoch die „Angreifer“, vorausgesetzt, ihnen steht dafür genügend Selen zur Verfügung. Die Einnahme aber bitte erst mit dem Arzt besprechen.

Therapie-Formen

Diese Maßnahmen helfen, wenn die Drüse Hilfe braucht

> SCHILDDRÜSEN-BLOCKER Bei der Überfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, die mit Medikamenten „gebremst“ werden müssen. Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) sind Medikamente, die die Bildung der Schilddrüsenhormone verlangsamen oder auch ganz blockieren.

> SUBSTITUTIONS-THERAPIE Produziert das Organ nicht genug eigenes Schilddrüsenhormon, muss das körpereigene Hormon Thyroxin durch Tabletten ersetzt werden. Das darin enthaltene Hormon entspricht dem körpereigenen Schilddrüsenhormon. Die Stoffwechsellage kann sich durch die Einnahme wieder normalisieren.

> RADIOJOD-THERAPIE Radiojod ist eine besondere Jod-Form, die vom Körper wie natürlich vorkommendes Jod aufgenommen wird. Mit der Radiojodbehandlung wird Schilddrüsengewebe in seiner Funktion eingeschränkt. Beim Zerfall sendet Radiojod anders als natürliches Jod radioaktive Strahlung aus, mit der das umliegende Gewebe zerstört werden kann. Die Wirkung bleibt auf die Schilddrüsenzellen beschränkt.

> SCHILDDRÜSEN-OPERATION Haben sich Knoten in der Schilddrüse gebildet, kann es nötig sein, die gesamte Schilddrüse zu entfernen. Aufgrund ihrer Häufigkeit gelten Schilddrüsenoperationen heute mittlerweile zu den Standardeingriffen.

Natürlich in die Balance

Hilfe von der Wurzel bis zur Knolle

ASHWAGANDHA, auch bekannt als Schlafbeere, ist aufgrund ihrer stärkenden Wirkung unverzichtbarer Teil der Ayurveda-Medizin. In Indien werden vor allem die Blätter und Wurzeln verwendet, etwa als Tee. Die krautige Pflanze fördert die Ruhe und Klarheit des Geistes, besänftigt Vata und Kapha bei mentalem Stress und Hektik (z. B. „Bio Neuro Balance Ashwagandha“, aus der Apotheke). Ashwagandha-Extrakt gibt es auch als Kapseln (z. B. „Pukka Ashwagandha Wholistik“, Bio-Laden).


Fotos: Barbora Hnyková, iStock, privat; Illustration: iStock; Text: Alexandra Suhling