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20 Jahre schwarze Osterdröhnung


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 11.05.2022
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Taake

Rund um die norwegische Hauptstadt liegt noch etwas Schnee, und der Himmel präsentiert sich nordisch grau. Alle Restriktionen sind in Skandinavien gefallen, aber der positive Test von Kollege Strater einen Tag vor seiner Anreise zeigt, dass es bis zur „Rückkehr der Normalität“ wohl noch dauern wird. Der Dauerstreit mit Herrn Sauermann fällt daher aus, aber zum Glück kann Frau Woitas kurzfristig einspringen und Herrn Müller als Stimme der Vernunft unterstützen.

Mitt woch, 13.4.

DAS VORGLÜHEN

Traditionell präsentiert das lokale Label Indie Recordings in der Nacht vor dem Festival-Start eine Auswahl seiner Bands. Im Klub Salt fällt die Rolle des Anheizers den Schweden Gloson zu. Die Post-Schwarzmetaller bewältigen ihre Aufgabe auffallend gut. Darauf sollte Nattefrost folgen, doch dank COVID dürfen die Trondheimer Agabas ran, deren mit Saxofon unterlegter Death-Jazz für gemischte Reaktionen sorgt. ...

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... Bei ist die Welt mit Corpsepaint und rohem Geschredder aber wieder in Ordnung.

Donnerstag, 14.4.

TRIUMPHALER AUFTAKT

Wie gewohnt bietet das Inferno seinen Gästen ein breites Rahmenprogramm wie die IMC (Inferno Metal Conference), ein Sightseeing zu Black Metal-Pilgerstädten oder auf den Spuren des Malers Edvard Munch zu wandeln.

JOHN DEE

Den Kellerhöhepunkt des Tages gibt es mit Regarde Les Hommes Tomber gleich zu Beginn. Die Franzosen liefern im gut gefüllten John Dee eleganten und intelligenten modernen Black Metal wie das mäandernde ‘Stellar Cross’ ab. Big in Japan müssten sie eigentlich sein, die nun folgenden dänischen Ladys Konvent mit ihrem Death Doom-Mix aus Coffins und Gallhammer. Für die Inferno-Höhle sind sie jedenfalls groß genug und werden nach dem abschließenden ‘Squares’ ordentlich gehuldigt. Wenn sich eine zu Alcest-artigen Klängen ätherisch singende Elfe mit wallendem Blondschopf plötzlich in eine keifende Furie verwandelt und das Publikum staunen lässt, dann ist Sylvaine am Werk. Die amerikanisch-norwegische Pariserin räumt gut ab. Bølzer live ist dagegen die Reduktion auf zwei Dinge: Drums und Gitarre, physische Intensität und gelebte Leidenschaft. All das kommt rüber, auch wenn der Funke nicht wirklich so weit springt, dass der Keller vollends entflammt. Vielleicht, weil jenseits von ‘Entranced By The Wolfshook’ vieles zu gleichförmig klingt.

ROCKEFELLER

Auf der Hauptbühne eröffnen Djerv den schwarzen Reigen. Die Lokalmatadore hängen von ihrer extrovertierten Sängerin ab, und da Agnete Kjølsrud samt Hörnchenhaarteil geradezu detoniert, kommen Kracher wie ‘Headstone’ bestens an. Bestechender Sound, eigenwillige Optik inklusive vogelmaskiertem Stehbasser: Cadaver zelebrieren ihre kleine Legende distanziert und dominant, mit alten Goodies (‘Mr. Tumor’s Misery’, ‘Ignominous Eczema’) und Leckerbissen wie ‘Morgue Ritual’ vom aktuellen Album EDDER & BILE. Was den Sound angeht, greifen die Pagan-Helden Kampfar danach leider ins Klo: Kaum Gitarre zu hören, dafür zu viel von Dolks Gesang, der phasenweise derbe danebenliegt. Dass dies Songs wie ‘Ophidian’ oder ‘Tornekratt’ nicht ruiniert, zeigt, wie gut diese sind. Bei Ihsahn stimmt dagegen alles. Der Emperor-Frontmann und seine Klone, pardon: Musikschüler verfügen nicht nur über herausragende technische Fähigkeiten, sondern führen, wie versprochen, unter anderem die gesamte TELEMARK EP auf; inklusive der Iron Maiden-und Lenny Kravitz-Cover-Versionen. Es folgt ein weiteres musikalisches Genie in Person von Tom G. Fischer, der seinem verstorbenen Freund und Mitstreiter Martin Ain mit Triumph Of Death würdigen Tribut zollt, indem seine passend mit jungen Begleitmusikern gespickte Band die alten Hellhammer-Kracher auf die Bühne bringt. Mit exzellentem Sound und spielerisch auf heutigem Niveau werden sowohl die Wurzeln von Celtic Frost und Triptykon deutlich als auch die enge Verflechtung mit der frühen norwegischen Back Metal-Szene. Mit einem verdienten Beifallssturm geht es in die Nacht hinaus.

Freitag, 15.4.

DIE GROSSEN ALTEN KOMMEN

Jeder Inferno-Morgen beginnt mit einer Mästung am opulenten Frühstücksbüffet, um weitere (feste) Mahlzeiten zu sparen. Frau Woitas diskutiert aktiv bei einem IMC-Panel mit, während die Herren faul diversen Vorträgen lauschen und draußen die Sonne strahlt.

JOHN DEE

Der Start soll episch-atmosphärischer Black Metal sein, doch der verwaschene Sound, der die sparsamen Leads nur erahnen lässt, sorgt bei Solbruds Zwölfminütern wie ‘Øde Lagt’ bei allen Blasts eher für Durchhängen – schade! Deutlich mehr Songs bringt die Amazonenriege Asagraum in 45 Minuten unter. Es rumpelt zwar bisweilen finster, aber in großen Teilen des Publikums scheinen andere Teile als das Hirn durchblutet zu sein – dementsprechend wird gefeiert. Die kapuzentragenden Cthulhu-Kultisten The Great Old Ones türmen mit der Macht der drei Gitarren schwarze Wogen im Keller auf. Das machen die fünf Franzosen derart gut, dass sich die Sterne ausrichten und lauter Beifall ertönt. Zum Abschluss lassen Benighted die Abrissbirne kreisen. Frontmonstrum Julien Truchan sorgt für freundlichpositive Partyvibes, Deathgrind-Granaten wie ‘Slot’ für einen frenetisch kreisenden Pit, und das obligatorische, abschließende ‘Let The Blood Spill Between My Broken Teeth’ für finale Schweißausbrüche auf und vor der Bühne.

ROCKEFELLER

Es ist klar, dass gleich am Anfang des Abends Tränen fließen: Jón Aldará und Hamferð zelebrieren ihren Doom auf eine Art, die Gänsehaut garantiert – bei Songs wie ‘Stygd’ oder ‘Evst’ ist beinahe hörbar, wie das gut gefüllte Rockefeller kollektiv die Luft anhält. Danach liefern Band-Kopf Frode Glesnes und seine drei Einherjer mit kräftigem ‘West Coast Groove’ ein schwungvolles Kontrastprogramm. Die Feierlaune steigt, da sich die Heidenmetaller überraschend rockig geben, und Gassenhauer wie ‘Dragons Of The North’ fehlen auch nicht. Ved Buens Ende spielen bis auf zwei jeden Song, der je von ihnen veröffentlicht wurde, und der eine mit dem am wenigsten poetischen Titel bringt diesen Auftritt auf den Punkt: ‘It’s Magic’. WRITTEN IN WATERS war 1995 ein singuläres Album der Black Metal-Avantgarde, und dieser Auftritt von Aggressor, Vicotnik, Skoll sowie Dødheimsgard-Drummer Øyvind Myrvoll tut ihm Ehre: toller Sound, perfekt gespielt. Gegensätzlicher könnte ein Programm kaum sein, als Gorgoroth anschließend auf die Bühne zu stellen. Kurz vor dem Doppelhammer ‘Destroyer’ und ‘Incipit Satan’ rauscht ein Gitarrenkabel ab, doch die Bergener trümmern einfach weiter durch den Klangmatsch. Egal, guter Sound ist überbewertet, und vor allem dank Rampensau Hoest macht die stachelige Corpsepaint-Truppe verdammt viel Spaß. Desgleichen lässt sich auch von Venom behaupten – aber auf andere Art. Die Großväter des Black Metal hauen mit ‘Witching Hour’ und ‘Bloodlust’ gleich zwei Klassiker raus und streuen geschickt weitere zwischen neuen Stücken ein. Im Gegensatz zu früher spielt das heutige Trio um Frontmann Cronos die Brachialwerke sauber, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. So feiert die schwarze Szene jede Sekunde bis einschließlich der Zugaben ‘Black Metal’ und ‘In League With Satan’ nicht nur die Engländer, sondern sich selbst gleich mit.

Zeit für den Absacker an der Hotelbar, wo sich ein Normalo-Gast darüber beschwert, dass dort „nur Metal“ gespielt wird – woraufhin ihn die Security freundlich abwimmelt.

Samstag, 16.4.

EIN FEINER SEITENHIEB

Bei der jährlichen Inferno-Auktion im Hotel kommen allerlei meist von Musikern gestiftete Devotionalien unter den Hammer. Dabei erzielen meist Burzum-Stücke Höchstpreise – oft von Bietern aus Übersee. Auch Ex-Mayhem-Schlagzeuger Manheim erzielt circa 700 Euro für eine Burzum-Scheibe, der ein Brief beilegt. Dieser sagt sinngemäß aus, er habe das Album von Vikernes persönlich erhalten und es sei so mies, dass es nach einmaligem Hören seitdem im Regal verstaubt ist – und der Erlös an die ukrainische Flüchtlingshilfe geht. Respekt.

JOHN DEE

Absolut ulkig präsentiert sich am frühen Abend auf der John Dee-Bühne das Grindcore-Gespann Gnida. Zwei Gitarristen gekleidet in weiße Forensikerschutzanzüge mit undefinierbaren Gesichtsbedeckungen und ein Frontmann, der überaus lebhaft zu brutalsten Klängen umherspringt. Ihre Nummern sind kurz, laut und ohne große tonale Variation: als würde man von jemandem durch den Telefonhörer angeschrien werden. Weitaus mehr Gebrauch von ihren Instrumenten machen im Anschluss Xenoblight. Die Band aus Dänemark versteht sich bestens auf fiese und schwere Black Metal-Klänge, die sich vom vorherigen Haudraufgeschehen sehr abgrenzen, leider jedoch in dem Kellergebäude mit tiefer Decke stark zerschwimmen. Die folgenden Valkyrja werfen den Schwedenturbo an. Mit dreckiger Gesichtstünche und räudiger Attitüde ballern die Stockholmer Hassbrocken wie ‘Madness Redeemer’ in den Keller. Ein bisschen Marduk hier, ein wenig Watain dort, und eine Prise Melodic Death – nicht originell, aber gekonnt dargeboten und gebührend beklatscht. Tulus waren und sind spröde – heute leider zu sehr. Ohne Corpsepaint spielen die Lokalmatadoren den Laden leer. Alle, die am Ende dennoch vor der Bühne ausharren, sind eisenharte Fans, die ihre Lieblinge doppelt so hart feiern. Schwamm drüber.

ROCKEFELLER

Nett, aber unspektakulär starten Dark Fortress den Tag: Die Songs wollen nicht recht zünden, und optisch ist wenig los – auch ‘Baphomet’ am Schluss lässt nur wenige Hörner in den Hallenhimmel wachsen. Offenbar hat jemand „Death Metal mit allem“ bestellt – und Asphyx liefern. Martin van Drunen (aka „Abbath ungeschminkt“, wie er sich vorstellt) lassen den ‘Deathhammer’ kreisen, beschwören die ‘Forerunners Of The Apocalypse’ („aber nicht so schlimm wie die Russen“, so Martin) und zersägen mit ‘The Rack’ und ‘Last One On Earth’ die letzten Nackenmuskelstränge. Die ‘Pitch Black Brigade’ vom Sognefjord bringt uns zurück zum ‘Wild North West’: Vreid treten in Bestform an und reißen die Meute mit. Sogar das schicke neue The Rolling Stones-Cover ‘Paint It Black’ kommt zum Einsatz, ebenso wie der Publikumsliebling ‘Spiritlord’ aus Windir-Tagen. Rein von ihrer blendenden Verfassung her sollten Marduk locker mit den Norwegern mithalten können, aber die Schweden machen sich das Konzert unnötig schwer, indem sie ihren Fokus auf besonders harsches Material legen, während ‘Wolves’ der einzige Gassenhauer bleibt. Zwar hat Krächzer Mortuus die Durchschlagswirkung einer Panzergranate und unterstreicht, dass er einer der Besten seines Genres ist, aber die Stimmung war schon mal besser. Der Höhepunkt des Tages kommt in drei Akten: Mayhem erledigen erst den ganzen modernen Kram (also ‘Symbols Of Bloodswords’ und neuer), dann heißt es nach einmal Umziehen und Backdrop wechseln: Die Mysterien des Herrn Satan sind angerichtet. ‘Freezing Moon’, ‘Pagan Fears’, ‘Life Eternal’ und ‘Buried By Time And Dust’ sorgen für Ekstase, auch weil die Band nach ihrer US-Tour extrem gut eingespielt wirkt. Schon scheint alles vorbei, aber nein, es muss sich nur der Kutten entledigt werden und ein drittes, knallrotes Logo-Backdrop erscheinen, damit noch der ganz kvltige Schnodder von DEATH-CRUSH & Co. punkig in die Halle gerotzt werden kann.

Sonntag, 17. 4.

DURCHHALTEPAROLEN

Vier Tage Inferno fordern ihren Tribut. Die morgendlichen Augenringe werden größer, und das Bier läuft auch nicht mehr so leicht durch den Hals. Aber nach zwei Jahren Zwangspause wird nicht gejammert und lieber tapfer in die Halle geschritten.

JOHN DEE

Wem der Sinn nach Neuentdeckungen steht, wird bei Eridu fündig. Auch wenn die Gruppe geografisch nicht allzu fernöstlich angesiedelt ist (München), verbindet das Gespann seinen Metal mit orientalischen Melodien und holt sich zum Abschluss sogar noch eine Bauchtänzerin mit auf die Bühne. Bei Nyrst steht mit Snæbjörn zumindest optisch der leibhaftige Tod am Mikrofon, der stimmlich zwischen harsch und Urfaust pendelt. Die Truppe aus Reykjavík rumpelt sich angenehm rüde durch ihr Debütalbum ORSÖK, wobei sich der bei Isländern übliche Deathspell Omega-Gedächtnisanteil zum Glück in Grenzen hält. Danach heißt es „Death Metal ohne alles“: Das UK-Power-Trio Dyscarnate ist reduzierte Brutalität, New School-Härte, die Moshpits in Fleischsalat verwandelt. Es endet mit ‘This Is Fire!’ von WITH ALL THEIR MIGHT, Fragen bleiben keine offen. Der finale Akt im Keller ist ein Nachklapp zum Mayhem-Triptychon des Vorabends, nur dass bei Order ein Mittfünfziger mit roten Hosenträgern, Bierbauch und Glatze präsidiert. Oi-Charme, räudige Black Metal-Fetzen und viel Mayhem-Alternativuniversum regieren in dieser Band von deren Ur-Sänger Messiah und Ur-Drummer Manheim. Darf das Spaß machen? Es darf.

ROCKEFELLER

Das Einzige, was Whoredom Rife fehlt, sind Hits. Ansonsten hat es die Trondheim-Truppe beeindruckend drauf: klirrend majestätischer Black Metal, sauber in den Saal genagelt – macht Laune! Sehr speziell dann der psychedelische Black Metal der Finnen Oranssi Pazuzu, heute besonders elektronisch mit phasenweisen Suicide-Vibes. Es dauert etwas, aber dann kippt der Schalter im Hirn, und Kosmos flutet hinein. Absoluter Kontrast dazu (bis auf das ebenfalls sehr reduzierte Licht) kommt von Myrkskog, die das Publikum vor einen Interessenskonflikt stellen: Eigentlich sind Destructhor und seine Kumpane Norweger und Black Metal-assoziiert, aber es erklingt Brutal Death Metal – auch weil SUPERIOR MASSACRE am Stück gespielt wird. Technisch sauber, aber statisch – keine echte Liveband. Das würde von Kreator niemand behaupten. Die Teutonen-Thrasher erweisen sich als Party-Könige. Vom Einsteiger ‘Violent Revolution’ bis hin zum finalen ‘Pleasure To Kill’ kreist der Pit, unterbrochen nur von der ein oder anderen Wall Of Death. Mille und Co. haben in Oslo mit einem fetten Hit-Feuerwerk alles im Griff und bestätigen das Konzept des Veranstalters, statt wie früher den Saal am letzten Tag mit Death Metal zu leeren, lieber eine deutsche Kapelle an den Start zu bringen – das klappt jedes Mal. Die Batterien der Besucher sind wohl wieder voll, denn die meisten bleiben für Taake stehen. Hoest kommt zu seinem zweiten Einsatz, wirkt aber als Black Metal-Man mit schwarzem Umhang samt norwegischem Flaggenfutter an diesem Abend deutlich weniger aggressiv und gefährlich als normal. Seine Band ist aber selbst zu später Stunde noch in Form, und ‘Hordalands Doedskvad I’ räumt ab. Das fast schon obligatorische Banjo-Solo bei ‘Myr’ wirkt sogar extralang, und so geht die Menge mit einem breiten Lächeln in die Osternacht hinaus.

Das erneut ausverkaufte Inferno Festival soll laut Veranstalter Jan-Martin Jensen auch nächstes Jahr das Osterfest in Oslo verschönern, und darauf freuen sich bereits:

ROBERT MÜLLER, GUNNAR SAUERMANN, CELIA WOITAS

Tops & Flops

ROBERT MÜLLER

Top: Hamferð für die Gänsehaut, Ved Buens Ende für die Musik, Mayhem für die Show, und Livløs für die 14 Uhr-Death Metal-Party im Club-Rahmenprogramm.

Flop: Bisschen viel JZ Aurich-Flair bei diversen Bands, Lüftungskonzept plus norwegische Nachtkälte = zieht wie Hechtsuppe; das Bierangebot.

GUNNAR SAUERMANN

Top: Endlich alte Freunde wiedersehen. Hamferð, Oranssi Pazuzu, Gorgoroth, Vreid, Venom, Kreator, Taake, Ihsahn, Triumph Of Death, Whoredom Rife, Marduk, Mayhem, Kampfar, Myrkskog, Dark Fortress.

Flop: Strater seilt sich per Attest ab. Hat ihm bestimmt Dr. Death Metal ausgestellt.

CELIA WOITAS

Top: Oranssi Pazuzu, Hamferð, Djerv, Eridu, Xenoblight, Kreator, viele herzliche und interessante Gespräche sowie eine minimale Auffrischung meines gebrochenen Norwegisch.

Flop: Der Sound im John Dee hat einigen Bands die Brillanz geraubt.