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20.000 km mit dem Renault ZOE


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 15/2022 vom 06.07.2022

Dauertest-Abschluss

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Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 15/2022

Er war einer der ersten, die auf dem Elektro-Markt Fuß fassten und ist eines der erfolgreichsten E-Autos. Auch bei uns machte sich der Renault ZOE über eine Distanz von 20.000 km beliebt, und das nicht nur als City-Flitzer. Ein wenig Stress gab es jedoch auch ...

A lsRenault bereits 2013 voller Tatendrang und beseelt vom Pioniergeist eines der ersten massentauglichen und bezahlbaren Elektro-Autos auf den Markt brachte, war auch bei uns das Interesse geweckt. Natürlich hatten auch wir den Weg des Renault ZOE vom ersten Concept Car 2009 bis zu Serie aufmerksam verfolgt und darüber berichtet. Dass der 4,09 kurze Strom-Kleinwagen auch mal Kandidat für unseren Dauertestfuhrpark werden könnte, kam uns dabei aber nicht in den Sinn: zu wenig Lademöglichkeiten, zu wenig Reichweite – und vielleicht auch zu wenig Erfahrung mit der neuen Elektro-Welt. Allerdings ist der Renault ZOE von damals nur sehr bedingt mit dem aktuellen Modell vergleichbar. Zwar steckt im Ansatz noch die gleiche Plattform darunter, doch selbst diese wurde, wie auch die komplette Antriebs-, Batterie- und Elektro-Technik, Ende 2019 umfassend erneuert. Das erkennt man auch im ...

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... Innenraum an einem komplett neuen, online vernetzten Infotainment nebst großen Displays und Digital-Instrumentarium.

„Die zu hohe Sitzposition lässt sich nicht variieren“

Caspar Winkelmann, Redakteur

Voll ausgestattet lag der Listenpreis Ende 2020 bei knapp 40.000 Euro

Der pünktlich zur Mobilitätswende stark nachgefragte Renault ZOE fand dann endlich auch im Oktober 2020 den Weg in den Fuhrpark für Langstecken-Testfahrzeuge bei der AUTO ZEITUNG. Nicht zuletzt der Ausbau der öffentlichen Ladestationen und vor allem die Umweltprämie lösten eine Run auf Elektro-Mobile aus mit dem ZOE ganz oben in der Hitliste. Der französische Elektriker in Aquamarin-Blau-Metallic (Aufpreis damals wie heute 600 Euro) trat seinen Dienst weitgehend in vollem Ornat an. Zur reichhaltigen Intens-Ausstattung kamen noch ein paar einzelne Extras hinzu wie das Online-vernetzte Easy Link-Infotainment in Kombination mit großem 9,3-Zoll-Touchscreen und Bose-Sound-System, Sitz- und Lenkradheizung (Winter-Paket), der Easy-Park-Assistent so wie der CCS-Schnellladeanschluss (50 kW), der auch heute noch für 1100 Euro als Extra geordert werden muss. Das alles summierte sich zu einem Listenpreis von 39.640 Euro für den Top-ZOE. Abzüglich des Umweltbonus von 9570 Euro lag der Renault also bei gut 30.000 Euro – eine Menge Holz für einen gut vier Meter kurzen Kleinwagen, aber ein angemessener Preis für ein reichhaltig ausgestattetes Elektro-Auto.

Die ersten Langzeit-Erfahrungen sammelte die Redaktion zunächst überwiegend im Kurzstreckenbetrieb. „Flott, wendig & übersichtlich“, brachte es Redakteur Sven Kötter mit einer der ersten Eintragungen im Lebenslauf des ZOE auf den Punkt. Mit der 100-kW-Maschine an der Vorderachse, die praktisch aus dem Stand mit über 200 Newtonmeter zur Sache geht, lässt es sich prima von Lücke zu Lücke sprinten. Da sahen selbst diverse PS-Monster beim Ampelstart schon mal blass aus, wenn sie von unserem kleinen blauen Franzosen abgeledert wurden. Das funktionierte aber nur auf trockenem Asphalt, denn bei Nässe hatten die Michelin Primacy 4-Pneus im Format 195/55 R 16 Mühe, die Kraft auf die Straße zu bringen. Dem Drang zum Durchdrehen trat dann die Antriebsschlupfregelung und bei Bedarf auch das ESP mit beherzt rigorosem Bremseingriff und Abregeln der Antriebskraft entgegen. Somit hielt sich das sportliche Talent des Renault dann doch in Grenzen, dafür war der E-Renault in allen Situation ausgesprochen fahrsicher – nicht nur im Stadtverkehr.

Hier ein Quietschen, dort eine paar unschlüssige Touchscreen-Menüs

In der City war der praktische ZOE also König, wenngleich sich im Dauertest-Protokoll auch die erste Kritik breit machte. Die befasste sich zum Beispiel mit Quietschgeräuschen aus dem Fahrersitzunterbau, ab und an nicht auf Anhieb gelingender Telefon-Koppelung und der teils etwas komplizierten Handhabung der diversen Touchscreen-Menüs. Wirkliche Defekte und Ausfälle ließen sich daraus aber nicht ableiten. Auch weitere positive Einträge fanden sich schnell, etwa von Test & Technik-Redakteur und Testwagen-Koordinator Marcel Kühler: „Einparkassistent ausprobiert; arbeitet reaktionsschnell und zuverlässig.“

Nach den ersten überwiegend im urbanen Umfeld zurückgelegten Kilometern mehrte sich die Erfahrung auf längeren Strecken. Trotz seiner Kleinwagenabmessungen ist der ZOE dafür durchaus geeignet, sogar auf der Rückbank. Zwar findet man die in der hinteren Fensterecke versteckten Klappgriffe nicht auf Anhieb, und die klassengemäß kleinen Türausschnitte erfordern beim Zustieg etwas Gelenkigkeit, doch der Sitzkomfort hinten geht in Ordnung. Nur die besonders Großen unter den Testkollegen hatten – wie einst die Gallier – Bedenken, dass ihnen im Fond der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Eine Tugend gallischer Fahrzeuge ist hingegen der Fahrkomfort, und da machte auch unser ZOE keine Ausnahme, mit einer Einschränkung: Bei langsamer Fahrt kamen Querfugen und Kanaldeckel schon mal ziemlich präsent bei den Passagieren an. Über zu wenig Stauraum beschwerte sich im Lauf des Tests hingegen fast keiner, denn die im Verhältnis zur Fahrzeuggröße reichhaltigen 338 bis 1225 Liter Ladevolumen reichten völlig aus. Allerdings vermissten wir eine Unterbringungsmöglichkeit für das Lade-Equipment. Das „Not-Kabel“ für die 230-Volt-Haushaltssteckdose für 500 Euro extra passt zwar so gerade noch ins Fach unter dem etwas lappigen Laderaumboden, das sperrigere Typ2-Standardkabel hingegen fliegt dann bereits schon haltlos durch den Kofferraum. Ein für die Unterbringung gut geeignetes Zusatzfach unter der vorderen Haube („Frunk“) wie bei anderen E-Autos hat der ZOE nicht vorzuweisen.

MODELLHISTORIE RENAULT ZOE

09/2009 Mit der Studie ZOE Z.E. Concept kündigt Renault ein erschwingliches Elektro-Auto für alle an

06/2013 Marktstart als ZOE Q210 mit 22-kWh-Batterie und 65 kW/88 PS-E-Maschine ab 21.700 Euro zuzüglich Batterie-Miete

03/2015 Renault ZOE R240

01/2017 Renault ZOE R90 (22-kWh-Batterie, 68 kW/92 PS), ZOE R90 Z.E. 40 (41 kWh)

06/2018 Renault ZOE R110 Z.E. 40 (41 kWh-Batterie, 80 kW/108 PS)

10/2019 Facelift, neue Antriebstechnik, neues Cockpit; ZOE R110 Z.E. 40 (41 kWh, 80 kW/ 108 PS), ZOE R110 Z.E. 50 (52 kWh), ZOE R135 Z.E. 50 (52 kWh, 100 kW/136 PS)

06/2022 Neue Ausstattungen, Pakete und Preise

„Der hintere Türgriff ist nicht der praktischste“

Klaus Uckrow, stellvertretender Chefredakteur

Im täglichen Umgang mit dem ZOE fehlte uns zudem eine Möglichkeit, Rekuperationsleistung und die damit verbundene Bremswirkung feiner zu dosieren. Zwar rekuperiert der Antrieb auch automatisch, wenn man auf die Bremse geht, doch den einzigen manuellen Eingriff erlaubt nur der Antriebswählhebel mit dem „B“-Modus mit verstärkter Bremswirkung.

Die Reichweite schwankt je nach Temperatur und/oder Fahrweise

Seine Langstreckentauglichkeit bewies der Renault ebenfalls hinreichend, wobei der optionale Schnellladeanschluss natürlich Pflicht ist. Bei winterlichen Temperaturen erlaubte uns der 52-kWh-Akku (netto) eine Autobahnreichweite von etwa 230 km, während sich das Tempo zwischen 105 und 110 km/h einpendelte. Die maximale Schnellladeleistung an der Gleichstromladesäule beträgt für den ZOE lediglich 50 kW, die aber immerhin in der Regel schnell erreicht und auch bis zum Ladestand von 80 Prozent gehalten werden. So „tankte“ der Renault im Dauertest im Schnitt Strom für 150 km Reichweite in etwa 60 bis 70 Minuten – je nach Bedingungen. Der Durchschnittsverbrauch über die gesamte 20.000-km-Distanz lag bei 17,8 kWh/100 km, die Reichweite bei 292 Kilometern. Damit bewegte sich der Franzose auch in der Praxis in etwa auf dem Niveau des WLTP-Normverbrauchs von 17,4 kWh/100 km. Allerdings wurde während des Tests schnell klar, dass Verbrauch und vor allem die vor Antritt der Fahrt im Cockpit-Display prognostizierte Reichweite je nach Temperatur und Beanspruchung extrem stark schwanken können. Ein Steigerung der Geschwindigkeit von 105 auf 130 km/h bei gleichzeitigem Temperatursturz von 20 auf null Grad können die Reichweite durchaus mal eben halbieren. Weitere Strecken mit dem ZOE bedürfen also einer gewissenhaften Planung. Hier sah Michael Godde, der leitende Redakteur im Test, noch Verbesserungsbedarf: „Das Navisystem zeigt zwar auf der Karte und auf Anforderung zuverlässig Ladestationen und deren Verfügbarkeit an, zur selbstständigen Planung der Ladestopps entlang der Route ist das System jedoch nicht fähig.“ Auch die vorderen Sitze mit ihrer hohen Sitzposition und mangelnder Schulterabstützung schränkten die Alltagstauglichkeit im Test ein, ebenso wie die mäßigen Fahrleistungen im Eco-Modus und die träge reagierende Rückfahrkamera. Der einmalige, spontane Totalausfall des Antriebs bei km-Stand 12.470 sowie der Ausfall der Wechselstrom-Lademöglichkeit zum Ende des Tests hinterlassen ebenfalls einen Grauschleier auf der ansonsten weißen Weste des Renault. Beides wurde per Software-Update behoben.

Kosten*

Neupreis Testwagen 1: 39.640 €, Schätzpreis 22nach 24 Monaten/20.000 km: 11.875 €, Neuwagenpreis heute 33: 44.890 €, Fixkosten pro Jahr: Steuer 0 €, Haftpflichtversicherung (HP 17) 343 €, Vollkasko (VK 17) 330 €, Teilkasko (TK 15) 104 €; Testbetriebskosten: Strom: 3562 kWh, Durchschnittspreis 0,32 €/kWh, insges. 1140 €; Wartung, Verschleißteile, Reifen: 826 €, Reparaturen 0 € (Garantie), Wertverlust: 27.765 €

* über 2 Jahre bei 10.000 km/Jahr; 1Renault ZOE R135 Z.E. 50 Intens inkl. Testwagen-Extras abzüglich Umweltprämie (9570 €), Stand: Oktober 2020; 2laut DAT (Händler-Einkauf); 3Renault ZOE E-TECH EV50 135hp Paket Iconic inkl. Testwagen-Extras abzüglich Umweltprämie

KOSTEN PRO km:

mit Wertverl.: 1,55 €

ohne Wertverl.: 0,166 €

Mit einer Kostenbilanz von 0,166 Euro pro km fährt der ZOE recht günstig, zumal auch die jährliche Wartung mit 174 Euro passt. Der ausgehend vom Listenpreis hohe Wertverlust trübt das Gesamtbild aber ein wenig.

FAZIT

Jürgen Voigt

Der Renault ZOE hat über die 20.000 Kilometer bewiesen, dass Elektro im Alltag gut funktioniert, man dafür aber auch ein wenig in Extras investieren muss. Damit liegt der Listenpreis des Testwagens von 2020 bei knapp 40.000 Euro, und ein gleichwertig ausgestatteter ZOE kostet heute sogar knapp 45.000 Euro. Daraus ergibt sich, ausgehend vom Listenpreis, ein hoher Wertverlust über die 20.000-km-Distanz, wobei die reinen Betriebskosten eher niedrig ausfallen. Die beiden auf Softwarefehler zurückzuführenden Defekte sind zu verschmerzen, am Ende überwiegt der positive Eindruck eines emissionsfreien, munteren und praktischen Kleinwagens, mit dem man auch auf Mittelstrecken prima zurechtkommt.

Daten & Messwerte

E-Motor: fremderregte Synchronmaschine, 100 kW/135 PS bei 4200 – 11.163 /min, 245 Nm bei 1500 – 3600 /min, Li.-Io.-Batterie, luftgekühlt, 400 V, 52 kWh (netto), 326 kg, Onboard-Lader (22 kW), CCS-Anschluss (opt., 50 kW), Fahrwerk vorn: McPherson-Federbeine, Querlenker, Stabi.; hinten: Verbundlenkerachse, Federn, Dämpfer, Stabi.; ESP; Bremsen: innebel. Scheiben, ABS, Bremsass., Bereifung rundum: 195/55 R 16 T, Michelin Primacy 4, Felgen 6,5 x 16, L/B/H 4087/1787 (1945) 3/1562 mm, Radstand 2588 mm, Leergew./Zuladung 22: 1557/431 kg, Kofferraumvol.: 338 – 1225 l, 0-100 km/h 22in 8,2 s, Höchstgeschw. 11: 140 km/h, CO2-Ausstoß: 0 g/km; erksangaben; 2Messwert; 3Breite mit Außenspiegeln

DAUER TEST

Der Dauertestfuhrpark umfasst E-Autos und Verbrenner in mehreren Klassen

* BlueMotion Technology