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2020: Ein reiches Kometenjahr


Sterne und Weltraum - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 06.08.2021

BEOBACHTUNGEN

Regelmäßige Kometenbeobachter werden das Jahr 2020 in guter Erinnerung behalten, denn nach langer Wartezeit ließ sich mit C/2020 F3 (NEOWISE) endlich wieder ein heller Schweifstern am Himmel blicken, der nicht nur für Spezialisten interessant war, sondern allen Astronomiebegeisterten einen Augenschmaus bot. Zusätzlich erbrachte das zurückliegende Jahr einen neuen Rekord: 321 Kometen wurden entdeckt oder wiederentdeckt; 2019 waren es 299 gewesen (siehe SuW 8/2020, S. 74). Unter den Schweifsternen befanden sich 229 von den Sonnensonden STEREO und SOHO aufgespürte winzige Kometenbruchstücke, die ihre extrem dichte Annäherung an unser Zentralgestirn in den seltensten Fällen überstehen. Zudem konnten terrestrische Sternwarten die stattliche Zahl von 92 entdeckten beziehungsweise wiederentdeckten Kometen für sich verbuchen.

Helligkeitsparameter von Kometen

Die scheinbare Helligkeit eines ...

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... Kometen (m), mit der er dem Beobachter erscheint, ist abhängig von der Distanz des Kometen von der Sonne (r) und von der Erde (Delta, ∆), sowie von dessen Eigenaktivität, die mit dem Aktivitätsparameter n ausgedrückt wird. Die Helligkeitsentwicklung eines Kometen lässt sich in den meisten Fällen mit der Formel

m =m 0 + 5 lg ∆ + 2,5 n lg r

empirisch beschreiben. Darin werden r und ∆ in Astronomischen Einheiten (AE) angegeben. Der Parameter m 0 ist die absolute Helligkeit des Kometen, die dieser aufwiese, wenn er sich sowohl von der Sonne als auch von der Erde im Abstand von 1 AE befände.

Der Parameter n ist ein Maß für die Eigenaktivität eines Kometen. Für Himmelskörper, die lediglich das Sonnenlicht reflektieren, beträgt der Aktivitätsparameter n = 2, während dieser bei Kometen nahezu immer größer als 2 ist.

Die Mitglieder der Fachgruppe Kometen (FGK) der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) beobachteten im Jahr 2020 insgesamt 123 Kometen, davon 30 visuell. 24 Schweifsterne wurden heller als 14 mag, von denen ein überraschend großer Anteil der Sonne recht nahe kam (siehe »Die hellsten Kometen des Jahres 2020«, S. 81). Die Fachgruppe erhielt 889 visuelle Schätzungen von zwölf Beobachtern und 1288 mittels digitaler Spiegelreflexkameras gewonnene fotovisuelle Beobachtungen von fünf Mitgliedern; 41 FGK-Fotografen sandten 2319 CCD-Aufnahmen ein, wobei zunehmend ferngesteuerte Teleskope an entlegenen Orten genutzt werden, um Schlechtwetterphasen auszuweichen oder Kometen am Südhimmel zu erwischen.

Weitere 565 Aufnahmen wurden der Fachgruppe von internationalen Beobachtern zugesandt. Einem halben Dutzend FGK-Mitgliedern gelangen zudem mehr als 2000 astrometrische Beobachtungen, wobei dank moderner CMOS-Technik schon mit Teleskopen von 20 Zentimetern Öffnung mittlerweile Grenzgrößen von 20 mag unter mäßig gutem Himmel erreicht werden können. Nachdem alle verfügbaren Daten aufwändig geordnet und ausgewertet wurden, lohnt es sich, zurückzublicken und eine Bilanz zu ziehen.

Highlight des Jahres

Mitte Juli 2020 hatte der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) den Höhepunkt seiner Erscheinung erreicht und zeigte einen gut ausgeprägten blauen Gasschweif sowie einen weißen Staubschweif. Christian Koll nahm dieses Bild am 14. Juli um 01:45 Uhr MESZ in den Leiser Bergen in Niederösterreich auf. Er nutzte ein 135-Millimeter-Objektiv von Sigma Art mit einer Nikon D750-Kamera und belichtete 100 3 30 Sekunden.

Die im Folgenden wiedergegebenen Diagramme veranschaulichen für die helleren Kometen die Entwicklung der Helligkeit und des Komadurchmessers. Sie enthalten alle plausiblen Schätzungen von FGK-Mitgliedern und internationalen Beobachtern. Die aus diesen Schätzungen abgeleiteten Parameter, die einen Kometen charakterisieren – seine absolute Helligkeit m 0 und sein Aktivitätsparameter n – werden mittels der eingezeichneten Lichtkurven inklusive Konfidenzintervallen veranschaulicht (siehe »Helligkeitsparameter von Kometen«). Zur Abschätzung des störenden Einflusses von Mondlicht auf die Beobachtungen zeigen die Kreise über den Abszissen der Diagramme die Vollmondtermine an.

Das Frühjahr: Schweifsterne mit Überraschungen

Der ab August 2019 beobachtete Komet C/2017 T2 (PANSTARRS) kam der Sonne nie besonders nahe, weshalb er sich nur langsam entwickelte. Über viele Monate hinweg konnte er in bequemen Horizonthöhen beobachtet werden, bevor er im August vom Abendhimmel verschwand. Der Komet erreichte in den Tagen des Perihels seine maximale Helligkeit von 8,5 mag (siehe »Langsame Entwicklung«). Verhielt sich seine Aktivität vor dem Perihel noch durchschnittlich (m 0 = 5,5 mag /n = 3,5), so ließ sie in der darauffolgenden Zeit deutlich rascher nach (m 0 = 4,5 mag /n = 6,0). Die merklich verdichtete Koma maß über viele Wochen hinweg sechs Bogenminuten, was einem Durchmesser von 500 000 km entspricht. Sie wies einen deutlich verdichteten inneren und einen recht diffusen äußeren Bereich auf. Der Kometenschweif erreichte am Himmel eine maximale Länge von 15 Bogenminuten, was einer räumlichen Ausdehnung von zwei Millionen Kilometern entspricht. Der Schweif war über einen längeren Zeitraum hinweg merklich gekrümmt (siehe »Gebogener Schweif«).

Langsame Entwicklung

Dargestellt ist der zeitliche Verlauf der Helligkeit und des Komadurchmessers beim Kometen C/2017 T2 (PANSTARRS).

Norbert Mrozek

Gebogener Schweif

Der Komet C/2017 T2 (PANSTARRS) zeigte über einen längeren Zeitraum hinweg einen gekrümmten Staubschweif. Norbert Mrozek fotografierte ihn am 23. Juni 2020 um 23:50 Uhr UT mit einer CCD-Kamera Moravian G2 8300 an einem Newton- Teleskop mit 20 Zentimeter Öffnung.

Rasche Aktivitätssteigerung

Die zeitliche Entwicklung der Helligkeit und des Komadurchmessers beim Kometen C/2019 Y4 (ATLAS) war von einem steilen Anstieg geprägt.

Kurz vor dem Zerbrechen

Der Komet C/2019 Y4 (ATLAS) passierte auf dem Höhepunkt seiner Sichtbarkeit am 17. März 2020 die Galaxien Messier 81 und 82 im Sternbild Großer Bär. Norbert Mrozek fotografierte das Trio um 22:50 Uhr UT mit einer Canon EOS Ra an einem Teleskop vom Typ Takahashi 130D.

Der Komet C/2019 Y4 (ATLAS) sollte am 31. Mai 2020 den sonnennächsten Punkt seiner Bahn im Abstand von nur 0,25 Astronomischen Einheiten (AE) passieren. Er zeigte in den Wochen nach der Entdeckung eine extrem rasche Aktivitätssteigerung, die einige Kometenfreunde prognostizieren ließ, dass er eventuell mit dem bloßen Auge sichtbar werden könnte. Allerdings stellte FGK-Mitglied Maik Meyer fest, dass es sich um ein Bruchstück des hellen Kometen C/1844 Y1 handelte. Solche Fragmente zeigen eine deutliche Tendenz, anfangs rasch heller zu werden und sich anschließend aufzulösen. Entsprechend mahnte ich zur Vorsicht – und tatsächlich machte der Komet C/2019 Y4 keine Ausnahme. Bis zum 18. März 2020, als er noch hoch am Abendhimmel stand, nahm seine Helligkeit gemäß den Parametern m 0 = – 4,5 mag /n = 21 innerhalb kurzer Zeit bis auf 8,0 mag zu (siehe »Rasche Aktivitätssteigerung«).

Parallel expandierte die Koma bis auf den Maximalwert von 14 Bogenminuten, was 675 000 Kilometern entspricht (siehe »Kurz vor dem Zerbrechen«). Danach aber ging die Helligkeit stetig zurück, anstatt weiter zuzunehmen, und die Koma zeigte sich zunehmend diffuser und länglicher. Wenig später wurden zwei helle und eine Reihe schwacher Fragmente innerhalb der Koma festgestellt: Der Komet war zerbrochen, und die Beobachter prognostizierten seine rasche Auflösung. Doch diese vollzog sich unerwartet langsam, da es den beiden großen Fragmenten gelang, noch bis zum Perihel eine geringe Aktivität aufrechtzuerhalten. Bis Mitte Mai, als der Komet in der Dämmerung ver­ schwand, ließ sich der Auflösungsprozess in bequemer Horizonthöhe verfolgen (siehe »Komet in Auflösung«).

Komet in Auflösung

Thorsten Böckels Aufnahme vom 23. April 2020, 20:29 Uhr UT, zeigt den matten Zentralbereich und die lang gezogene Koma von C/2019 Y4 (ATLAS). Zum Einsatz kamen ein Newton-Teleskop mit 32 Zentimeter Öffnung und eine Kamera Sony A7 III.

Erstaunlich hohe Aktivität

Die Helligkeit des Kometen C/2019 Y1 (ATLAS) überraschte. Darunter ist der zeitliche Verlauf des Komadurchmessers zu sehen.

Überraschend langer Schweif

Roland Fichtl fotografierte den Kometen C/2019 Y1 (ATLAS) am 19. April 2020 um 20:58 Uhr UT während einer kurzen Ausbruchsphase. Er nutzte einen lichtstarken Astrografen mit rund 40 Zentimeter Öffnung und eine CCD-Kamera CDS-5D.

Im Schatten seines Namensvetters stand der von April bis Juni bequem am Abendhimmel beobachtbare Komet C/2019 Y1 (ATLAS). Auf Grund seiner überdurchschnittlichen Aktivität wurde er merklich heller als erwartet (siehe »Erstaunlich hohe Aktivität«). Vor dem Perihel entwickelte sich die Helligkeit entsprechend den Parametern m 0 = 9,1 mag /n = 7,5; in den fünf folgenden Wochen stagnierte die Helligkeit nahezu, um danach ähnlich rasch zurückzugehen (m 0 = 7,0 mag /n = 7,5), allerdings mit einer um zwei Größenklassen höheren absoluten Helligkeit.

Zwischen dem 15. und 18. April 2020 kam es zu einem kleinen Helligkeitsausbruch von 0,6 mag, in dessen Folge die Helligkeit auf einen Maximalwert von 7,8 mag anstieg und der Komet kurzfristig einen bis zu 15 Bogenminuten (1,25 Millionen km) langen Schweif ausbildete (siehe »Überraschend langer Schweif«). Die Koma erreichte eine maximale Ausdehnung von knapp sieben Bogenminuten (340 000 km). Sie zeigte sich in den Wochen nach dem Perihel deutlich verdichtet, wurde in der Folge aber rasch diffuser.

Mit dem Kometen C/2020 F8 (SWAN) gelangte Ende Mai ein weiterer Schweifstern in eine geringe Sonnendistanz; er ließ sich jedoch nur knapp über dem morgendlichen Nordosthorizont ausmac hen. Der Komet zeigte unregelmäßige Helligkeitsschwankungen und löste sich noch vor dem Periheldurchgang auf (sie­ he »Zerfall in Sonnennähe«). Während eines kurzfristigen Ausbruchs um den 2. Mai 2020 erreichte er aber immerhin eine Maximalhelligkeit von 5,0 mag, wobei er in diesen Tagen einen zwei Grad (drei Millionen Kilometer) langen Schweif und eine Koma von zehn Bogenminuten (320 000 km) entwickelte.

Zerfall in Sonnennähe

Der Komet C/2020 F8 (SWAN) überstand seine dichte Annäherung an die Sonne nicht und löste sich auf. Steffen Fritsche fotografierte ihn noch am 1. Juni 2020 von 20:59 bis 21:14 Uhr UT mit einer Canon EOS 6D Mk II.

Sechs Magnituden heller als erwartet präsentierte sich der altbekannte Komet 58P/Jackson-Neujmin in den Wochen um seinen Periheldurchgang Ende Mai 2020, als er eine Maximalhelligkeit von 10,6 mag und einen maximalen Koma durchmesser von 2,7 Bogenminuten (250 000 km) erreichte.

Ein heller Komet zum Sommerbeginn

Mit C/2020 F3 (NEOWISE) erschien im Berichtsjahr endlich ein lang ersehnter, mit dem bloßen Auge gut sichtbarer Schweifstern (siehe SuW 9/2020, S. 80) – dabei sah es zunächst keinesfalls danach aus: Unter der Annahme einer durchschnittlichen Aktivität wurde aus der Entdeckungshelligkeit von 16,0 mag eine Maximalhelligkeit von lediglich 8 mag prognostiziert und eine Auflösung nicht ausgeschlossen.

Doch NEOWISE schien in den ersten vier Wochen nach seiner Entdeckung regelrecht zu explodieren (m 0 = 0,5 mag /n = 18) und hatte am 24. April 2020 bereits eine scheinbare Helligkeit von 11 mag erreicht.

Auch in der Folge wies der Komet eine überdurchschnittliche Aktivität auf (m 0 = 7,1 mag /n = 5,2). Am 3. Juli, dem Tag seines Periheldurchgangs in der Sonnendistanz von nur 0,29 AE, erreichte er eine Maximalhelligkeit von 0,8 mag. Und obwohl sein Winkelabstand zur Sonne nur 13 Grad betrug, ließ er sich in der hellen Morgendämmerung mitsamt einem kurzen Schweifansatz ausmachen. Nach dem Perihel zeigte der Komet den üblichen langsameren Aktivitätsrückgang (m 0 = 6,3 mag /n = 4,0). Nachteilig war allerdings seine scheinbare Bahn, die ihn bis Anfang September vom Sternbild Fuhrmann in das Sternbild Haar der Berenike führte, mit Horizonthöhen, die 25 Grad niemals überschritten. Für mitteleuropäische Beobachter beschrieb er somit einen Bogen vom Nordost-zum Westhorizont, wobei er um den 15. Juli vom Morgen-an den Abendhimmel wechselte.

In den Tagen nach dem Periheldurchgang wurden die Sichtbedingungen daher nur langsam besser. Der Komet konnte zwar vor einem zunehmend dunkleren Himmel, aber weiterhin bei nur geringen Höhen beobachtet werden. Mit dem bloßen Auge waren der Kopf und der gekrümmte Staubschweif bis zu einer Länge von drei Grad gut auszumachen. Im Teleskop zeigte sich innerhalb der hochverdichteten Koma ein brillanter, heller Kernbereich (englisch: false nucleus), von dem der Schweif parabelförmig ausging und hinter dem ein markanter Kernschatten innerhalb des Schweifs auszumachen war (siehe »Schweif im Schatten des Kerns«). In bearbeiteten Fotos konnten sogar schwache Staubschalen, so genannte Enveloppen, nachgewiesen werden.

Erst um den 15. Juli waren die Bedingungen so gut geworden, dass sich der stets signifikant gekrümmte Staubschweif in seiner gesamten Ausdehnung von etwa 15 Grad (30 Millionen km) verfolgen ließ, wobei die ersten sechs bis sieben Grad mit dem bloßen Auge erkennbar waren. Fotos zeigten im Staubschweif die für helle Kometen charakteristischen Staubstreifen (lateinisch: Striae) und einen bläulichen Gasschweif, der mit Mühe auch im Fernglas erkannt werden konnte (siehe »Highlight des Jahres«, S. 72).

Spitzenreiter unter den Schweifsternen 2020

Der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) entpuppte sich als der Schweifstern des Jahres, wie die dargestellte Helligkeitsentwicklung zeigt. Er wurde sogar zum Objekt für das bloße Auge. Auch der Komadurchmesser war stattlich (unten).

Schweif im Schatten des Kerns

Beim Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) zeigte sich kurz nach dem Periheldurchgang ein Kernschatten innerhalb des Schweifs.

Christian Harder fotografierte die eindrucksvolle Erscheinung am 10. Juli 2020 um 23:24 Uhr UT mit einer Canon 500D und einem 300-Millimeter-Sonar-Teleobjektiv.

Gebremster Anstieg

Die Helligkeit des Kometen C/2019 U6 (Lemmon) stieg zunächst schnell, dann langsamer an, während der Komadurchmesser stetig zunahm.

Dichte Koma, stattlicher Schweif

In Sonnennähe entwickelte der Komet C/2019 U6 (Lemmon) einen schönen Gasschweif. Gerald Rhemann fotografierte ihn am 16. Juni 2020 um 17:20 Uhr UT mit einer CCD-Kamera FLI ML 16200 an einem ferngesteuerten Astrografen mit 30 Zentimeter Öffnung.

Obwohl die Helligkeit bis zu diesem Zeitpunkt auf 2,5 mag zurückgegangen war, erschien der Komet auf Grund der zunehmend besseren Sichtbarkeitsbedingungen stetig deutlicher. In der Folge sorgte der Aktivitätsrückgang nun aber dafür, dass er rasch unauffälliger wurde. Mit bloßem Auge konnte er letztmals Ende Juli gesichtet werden, als er 4,5 mag hell war. Zu diesem Zeitpunkt erreichte die Koma ihren maximalen Durchmesser von zwölf Bogenminuten (450 000 km). Die letzten Schweifsichtungen gelangen mit dem Fernglas Mitte August. Letztmals wurde der Komet von FGK-Beobachtern Ende August gesichtet. Zu diesem Zeitpunkt war er nur noch 9,0 mag hell und wies eine geringfügig verdichtete Koma mit vier Bogenminuten Durchmesser auf.

Schöne Schweifsterne im Sommer und Herbst

Der Komet C/2019 U6 (Lemmon) entwickelte erst Anfang 2020 eine merkliche Aktivität, die bis 40 Tage vor dem Periheldurchgang gemäß den Parametern m 0 = 5,9 mag /n = 8,5 rasch zunahm. Danach stieg die Helligkeit des Kometen deutlich langsamer an (m 0 = 6,7 mag /n = 3,0), so dass sie letztlich einen Maximalwert von 6,2 mag erreichte (siehe »Gebremster Anstieg«). Für die Zeit nach dem Perihel ergaben sich die Parameter zu m 0 = 7,9 mag /n = 5,9.

Da sich der Komet in der Folge sowohl von der Erde als auch von der Sonne entfernte, nahm seine Helligkeit rasch ab. Am 10. Juli, als er von mitteleuropäischen Standorten aus sichtbar wurde, betrug sie noch 7,5 mag; bis Anfang September war sie bereits auf 12,0 mag zurückgegangen. Der maximale Durchmesser der zu diesem Zeitpunkt deutlich verdichteten Koma wurde mit knapp zehn Bogenminuten (400 000 km) in den Tagen des Perihels erreicht (siehe »Dichte Koma, stattlicher Schweif«). Vier Wochen später zeigte sie sich schon ziemlich diffus, und diese Entwicklung setzte sich stetig fort.

Der Komet 88P/Howell entwickelte sich im Jahr 2020 gemäß der Vorhersage. In der letzten Septemberwoche erreichte der Schweifstern eine Maximalhelligkeit von 9,0 mag. Dabei erfolgte die Helligkeitszunahme vor dem Perihel deutlich rascher (Parameter: m 0 = 4,7 mag /n = 11) als die Helligkeitsabnahme nach dem Perihel (m 0 = 7,0 mag /n = 3,8), was für diesen alten periodischen Kometen ein typisches Verhalten ist. Von Mitteleuropa aus ließ er sich während der interessantesten Wochen nur knapp über dem südwestlichen Abendhorizont ausmachen. Erschwerend kam hinzu, dass sich die maximal sechs Bogenminuten (375 000 km) große Koma ziemlich diffus präsentierte.

Steiler Anstieg, langsamer Rückgang

Dargestellt ist die zeitliche Entwicklung der Helligkeit und des Komadurchmessers beim Kometen C/2020 M3 (ATLAS).

Rendezvous mit dem Himmelsjäger

Der Komet C/2020 M3 (ATLAS), rechts oben, passierte am 9. November 2020 die Gürtelsterne des Orion mit dem benachbarten Nebelkomplex, dem auch der berühmte Pferdekopfnebel (links unten) angehört. Michael Jäger fotografierte dieses kontrastreiche Stelldichein um 23:50 Uhr UT mit einer Canon EOS Ra an einem Refraktor mit 130 Millimeter Objektivdurchmesser.

Kometen zum Jahresausklang

Im Herbst erfreute ein weiterer im Fernglas sichtbarer Komet die Beobachter: C/2020 M3 (ATLAS). Er passierte am 25. Oktober sein Perihel und näherte sich der Erde am 14. November bis auf eine Distanz von 0,36 AE an. Seine größte Helligkeit von 7,8 mag am 8. November lag um sechs Magnituden über den ersten Prognosen! Zwischen Mitte Oktober, als er von mitteleuropäischen Standorten aus sichtbar wurde, und Februar 2021 bewegte er sich vom Sternbild Hase rasch in das weit nördlich gelegene Sternbild Fuhrmann, wo er die ganze Nacht über beobachtet werden konnte.

Trotz dieser günstigen Rahmenbedingungen blieb der Komet ein schwieriges Fernglasobjekt, da er stets eine recht diffuse, bis zu 15 Bogenminuten (260 000 km) große Koma aufwies. Die Helligkeitsentwicklung erfolgte vor dem Perihel sehr rasch, entsprechend den Parametern m 0 = 7,1 mag /n = 11,2. Nach dem Perihel ging seine Helligkeit deutlich langsamer zurück (m 0 = 8,6 mag /n = 5,2).

Der Komet 156P/Russell-LINEAR war der zweite periodische Komet, der im Berichtsjahr eine deutlich höhere Aktivität als erwartet aufwies. In den Tagen um den Periheldurchgang am 17. November erreichte er eine Maximalhelligkeit von 9,7 mag und war somit 5 mag heller als prognostiziert! Während sich die Helligkeit vor dem Perihel nahezu explosionsartig steigerte (m 0 = – 0,8 mag /n = 40), ging sie anschließend deutlich langsamer zurück (m 0 = 9,7 mag /n = 4,5). Von mitteleuropäischen Standorten aus erschien der Schweifstern erst Mitte Oktober über dem Südhorizont, erreichte in den folgenden Wochen aber rasch Horizonthöhen, die ein bequemes Beobachten gestatteten. Der maximale Komadurchmesser maß sechs Bogenminuten, was 140 000 Kilometern entspricht. Interessanterweise wurde die Koma über die Sichtbarkeit hinweg stetig diffuser, was für einen Ausbruch charakteristisch ist.

Auf dem Weg zum Perihel

Den Kometen C/2020 S3 (Erasmus) fotografierte Gerald Rhemann am 23. November 2020 um 01:45 Uhr UT, kurz bevor der Schweifstern den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreichte. Die Aufnahme erfolgte mit einem 30-Zentimeter-Astrografen und einer CCD-Kamera FLI ML 16200.

Mitte Dezember erreichte der Komet C/2020 S3 (Erasmus) sein sonnennahes Peri hel im Abstand von nur 0,40 AE, doch handelte es sich auch bei ihm um einen kleinen Körper, so dass mit seiner Auflösung gerechnet werden musste. Da das Perihel seiner Bahn auf der erdabgewandten Seite der Sonne und noch dazu im Sternbild Skorpion lag, war er nur knapp über dem Morgenhorizont sichtbar. Der Komet wies eine durchschnitt liche Aktivität auf (m 0 = 8,9 mag /n = 4,5) und erreichte im Perihel eine Maximalhelligkeit von 5,3 mag. Der Komadurchmesser stieg Mitte November auf den Maximalwert von sieben Bogenminuten (340 000 km) an und ging danach, bedingt durch den zunehmend stärker werdenden Sonnenwind, zurück, was gleichzeitig zu einer deutlichen Verdichtung der Koma führte. Ende November wies der Schweif eine maximale Länge von einem Grad (zwei Millionen Kilometer) auf (siehe »Auf dem Weg zum Perihel«).

Beobachten Sie mit!

Im Jahr 2020 hatten die Beobachterinnen und Beobachter viel zu tun – und das zu oftmals unzivilisierten Uhrzeiten, wofür die Fachgruppe Kometen ihnen einen herzlichen Dank ausspricht. Sollten auch Sie Interesse an der Arbeit der Fachgruppe haben, so besuchen Sie doch die Internetseite http://fg-kometen.vdsastro.de. Dort finden Sie einführende Informationen sowie detaillierte Auswertungen, auch zu den lichtschwächeren Kometen des Berichtsjahres.

ANDREAS KAMMERER interessiert sich seit 1967 für Astronomie. Seit 1974 ist er Mitglied in der Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS), von 1992 bis 2003 leitete er die Fachgruppe Kometen. In »Sterne und Weltraum« publiziert er regelmäßig Beiträge.