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24 Ideen, um füreinander da zu sein


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hygge - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 16.11.2022

TITELGESCHICHTE

Artikelbild für den Artikel "24 Ideen, um füreinander da zu sein" aus der Ausgabe 6/2022 von hygge. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: hygge, Ausgabe 6/2022

1 Immer verbunden Freundschaften lassen sich nicht an der Regelmäßigkeit der Treffen messen. Oder an der Menge der miteinander verbrachten Zeit. Wir können uns auch über die Distanz verbunden fühlen, das Miteinander spielt sich auch in unseren Gedanken und Gefühlen ab. Denken wir wohlwollend aneinander, spüren wir Dankbarkeit für die Verbindung? Es ist schön, ein Bild, ein Gefühl oder einen Gedanken per Kurznachricht zu teilen. Trotzdem ist es wichtig, sich immer mal wieder zu verabreden: für ein ausgiebiges Telefonat, ein längeres Treffen oder sogar einen kurzen Urlaub. Wenn wir geduldig und interessiert sind, bleiben wir uns nah.

Miteinander ins Gespräch kommen

Manchmal braucht es dafür nur einen Anstupser – hier kommen drei

2 EINFACH ANSPRECHEN Auch wenn wir uns häufig vor Small Talk drücken: Mit unbekannten Menschen zu sprechen macht ähnlich zufrieden wie eine Unterhaltung mit ...

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... Freund:innen und Bekannten. Das fanden zwei Psychologen der Universitäten Amsterdam und Kopenhagen heraus. Schon ein kurzes, spontanes Gespräch an der Haltestelle, in der Supermarktschlange oder mit der Person hinter der Theke steigert unser Wohlbefinden und trainiert ganz nebenbei unser Einfühlungsvermögen.

3 MAL WIEDER MELDEN Ja, es kostet manchmal Überwindung, ein lange aufgeschobenes Telefonat zu führen oder verspätet auf eine Nachricht zu reagieren. Aber: Die Freude über eine überraschende Kontaktaufnahme ist am anderen Ende der Leitung größer als unser schlechtes Gewissen, haben Forschende der Uni Pittsburgh herausgefunden. Es ist gut für unsere geistige und körperliche Gesundheit, wenn wir soziale Beziehungen pflegen und aufrechterhalten, auch sporadisch. Solange der Kontakt von Herzen kommt.

4 KONFLIKTEN VORBEUGEN Kleine Sticheleien oder passiv-aggressive Kommentare wie „Du könntest dich auch mal wieder kümmern“ können für unser Gegenüber sehr verletzend sein und Beziehungen langfristig schaden. Um dem vorzubeugen, können wir uns in gewaltfreier Kommunikation üben. Statt Du-Botschaften zu senden, reden wir von uns selbst: Wir sagen, was wir in dieser Situation wahrnehmen und fühlen, welches Bedürfnis hinter dem Gefühl steckt und was wir uns konkret vom anderen wünschen. Dadurch übernehmen wir nicht nur Verantwortung für uns selbst, sondern bauen auch eine wertschätzende Beziehung zu anderen auf, in Freundschaften ebenso wie im Job. Auch beim Zuhören können wir einfühlsam sein und gelegentlich äußern, was wir bislang verstanden haben. So zeigen wir ehrliches Interesse, schaffen Nähe und Klarheit.

5 Nächstenliebe per Post Ein handgeschriebener Brief ist wohl eines der schönsten und persönlichsten Geschenke, die wir einander machen können. Beim Lesen sehen wir die Welt durch die Augen eines anderen Menschen und kommen einander näher. Die Aktion „Fremde Freunde“ vermittelt Brieffreundschaften, indem sie eingegangene Briefe an Privatpersonen, Seniorenheime und andere Einrichtungen schickt, die sich angemeldet haben. Infos: aktion-fremde-freunde.de

6 „Mit meiner Familie und vielen Freundinnen führe ich eine Fernbeziehung. Seltene gemeinsame Wochenenden arten dann oft in Stress aus, etwas Besonderes zu erleben. Entspannter und ebenso schön ist es, die Alltagsmomente miteinander zu teilen. Zusammen Homeoffice machen, Nudeln kochen, zum Sport mitgehen. Ohne Druck, dass die Zeit außergewöhnlich sein muss. So können wir uns besser auf das Wesentliche einlassen: aufeinander.“ Maike Knorre, Redakteurin hygge 25

8 Sich ein lebendiges Buch leihen – und Vorurteile abbauen

Menschen zum Gespräch treffen, die man im Alltag eher nicht kennengelernt hätte, das ist die Idee einer Human Library. Das Konzept aus Dänemark fasst gerade auch in Hamburg Fuß. Wir haben Mit-Initiatorin Shirley Hartlage getroffen:

7 „Was gibt es Schöneres als eine Spielrunde mit Menschen, die man gern hat? An Weihnachten holen wir zu Hause am liebsten die ganzen Klassiker raus: Scrabble, Mensch ärgere Dich nicht, Kniffel. Wenn die alten Spiele fast auseinanderfallen, verschenke ich übrigens gerne hübsche und neu aufgelegte Editionen, beispielsweise von Hay. “

Eva Kowalczyk , Visual Director

Was gefällt dir an der Idee?

„Wir gehen alle mit Vorurteilen durch die Welt. Ich finde es wichtig, Gelegenheiten zu schaffen, wo wir diese überdenken können. Deshalb suchen wir Menschen, die offen sind, über ihre Erfahrungen etwa mit psychischen Erkrankungen, Sucht oder Transidentität zu sprechen. Oder auch Menschen einzuladen, die in einer anderen Kultur aufgewachsen sind.“

Wie findet so ein Gespräch statt?

„Meistens werden Veranstaltungen mit lebenden Büchern an einem festen Ort angeboten, etwa in einer Bibliothek mit richtigen Büchern. Interessierte können vorbeikommen und in einem kleinen Katalog lesen, welche Menschen sie treffen können. Die Begegnung ist zeitlich begrenzt, damit ein konzentriertes Gespräch entsteht.“

Was kann dabei entstehen?

„Ich glaube, dass durch solche Treffen so mancher Knoten im Kopf gelöst wird, dass man lernt, wertschätzender aufeinander zu schauen. Die Gespräche sind ja nicht nur für die Fragenden wertvoll. Die lebenden Bücher erzählen, dass es für sie wichtig ist, in den Dialog zu gehen. Sie wünschen sich, dass andere sie nicht auf ihre Besonderheit reduzieren, möchten zeigen, dass sie viel mehr als das sind.“

9 Freizeit verschenken Der Besuch im Kino oder Hochseilgarten kann ganz schön teuer sein. Die gemeinnützige Plattform plusx.social sammelt Spenden, damit Menschen und Familien mit Sozialpass ihre Freizeit selbst bestimmen und frei gestalten können. So geht’s: Spender:innen kaufen Gutscheine für Freizeitaktivitäten in Köln und Umgebung, die Empfänger:innen einlösen können.

10 Freiwillige vor Rund 30 Millionen Menschen engagieren sich laut Bundesfamilienministerium ehrenamtlich. Ein Akt der Nächstenliebe, aber auch eine tolle Möglichkeit, ein Hobby auszuleben oder neue Kontakte zu knüpfen. Wo und Wie? Websites wie , ehrenamtssuche.de oder die Online-Datenbanken der lokalen Diakonie-Stiftungen listen aktuelle Gesuche von gemeinnützigen Trägern, Vereinen und Initiativen auf.

11 „Mein Tipp, um sich im Alltag nicht aus den Augen zu verlieren: feste Termine vereinbaren, um regelmäßig Zeit miteinander zu verbringen. Mein Mann und ich treffen uns jeden Donnerstagabend mit guten Freunden und unseren Kindern, um zusammen zu kochen. Am liebsten etwas Einfaches wie Lasagne, damit mehr Zeit zum Weintrinken und Quatschen bleibt.“ Elisa Braun , Bild-Redakteurin

12 Blickkontakt Forschende haben herausgefunden, dass wir in einen wahren Rauschzustand geraten können, wenn wir jemandem etwa zehn Minuten in die Augen sehen. Nun muss es ja nicht gleich ein Rausch sein, aber sich die Zeit zu nehmen und auch den Mut zu haben, einem nahestehenden Menschen länger, aufmerksam und nicht nur flüchtig in die Augen zu schauen, schafft ein besonderes Gefühl der Nähe und Verbundenheit.

13 „Seien Sie nett zu Ihren Nachbarn, vermeiden Sie fettes Essen, lesen Sie ein paar gute Bücher, machen Sie Spaziergänge und versuchen Sie, in Frieden und Harmonie mit Menschen jeden Glaubens und jeder Nation zu leben.“

Aus „Der Sinn des Lebens“, Monty Python

16 Authentisch bleiben Zugegeben, es braucht Mut, uns so zu zeigen, wie wir sind. Dabei kommen mitunter auch Verhaltensweisen und Eigenschaften ans Licht, die wir nicht so gern mögen – bei uns selbst oder bei anderen. Doch wenn wir schwierigen Gefühlen besonnen und mitfühlend begegnen, können wir daran innerlich wachsen. Zu merken: Wir mögen uns – auch in schwierigen Zeiten –, ist eine tolle Erfahrung.

14 ZUSAMMEN NEUES AUSPROBIEREN

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Das hat durchaus seine Vorteile, fühlt sich aber manchmal furchtbar langweilig an. Außerdem kann uns zu viel Routine gerade in Partnerschaften voneinander wegtreiben. Ein einfaches Gegenmittel sind gemeinsame neue Erlebnisse. Denn zusammen etwas auszuprobieren oder zu lernen, das wir noch nicht kennen, schweißt zusammen und schafft eine ganz neue Grundlage, um sich angeregt auszutauschen.

15 Soziale Kontakte halten jung Mehr als jeder fünfte Mensch ab 75 Jahren fühlt sich einsam. Der Verein „Freunde alter Menschen“ vermittelt Besuchspartnerschaften zwischen Jüngeren und Älteren. Gemeinsames Kniffeln, Rätseln oder Spazierengehen schenkt neue Lebensfreude. Und sorgt für mehr Verständnis zwischen den Generationen.

17 „Zusammen lässt sich ganz wunderbar ein lebendiger Adventskalender auf die Beine stellen: Man fragt Nachbar:innen im Haus oder Wohnviertel, ob nicht jede:r an einem Tag im Advent die eigene Tür für alle anderen öffnen mag, um gemeinsam zu singen, zu lachen und natürlich auch Glühwein zu trinken.“ Yvonne Adamek , Redakteurin

18 Nachsichtig miteinander sein

Die Autorinnen Henriette Kuhrt (Foto) und Sarah Paulsen geben in ihrem Buch „Im Dschungel des menschlichen Miteinanders“ (Goldmann Verlag) Antworten auf die wichtigen Fragen unseres Zusammenlebens als Gesellschaft

Wo liegen die Fallstricke im Miteinander?

Wir leben in einer Zeit des Wandels. Viele Gewissheiten sind veraltet, viele Fragen werden zum ersten Mal gestellt. Woran soll man sich nun orientieren? Wer legt fest, was der gesellschaftliche Konsens, was gutes Benehmen ist und was nicht? Ich glaube, darin liegt die größte Herausforderung.

Was habt ihr herausgefunden?

Der Fokus hat sich verschoben: von formellen Kleiderregeln, Tischsitten und Begrüßungsformen hin zu mehr Feingefühl, Empfindsamkeit und Rücksicht. Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass wir ohne Solidarität als Gesellschaft nicht funktionieren. Wir haben tolle Ideale, wollen helfen, uns solidarisch und offen verhalten und eine Gesellschaft sein, in der sich alle wohlfühlen. Dazu kann jeder beitragen.

Auf welche Weise?

Wer sich hin und wieder die Frage stellt, ob er vielleicht etwas rücksichtsvoller handeln könnte, ist schon auf dem richtigen Weg. Empörung ist das Gefühl der Stunde; jeder hat Grund, empört zu sein. Wenn man sich in solchen Momenten klarmacht: Andere Leute spinnen, aber man selbst ja auch, relativiert das schon eine Menge. Die Grundlage für ein gutes Zusammenleben ist aus meiner Sicht ein fühlendes Herz, etwas Nachsicht mit dem Zirkus der anderen, Humor, Verstand und die Fähigkeit, sich von der eigenen Empörung zu distanzieren. Das klingt so einfach, ist oft aber das Allerschwierigste.

19 WILLKOMMEN HEISSEN Eine Grenze zu überschreiten reicht nicht aus, um in einem Land heimisch zu werden. Das Projekt „Culture Coaches“ möchte Geflüchteten den Alltag und das gesellschaftliche Miteinander in Deutschland erklären. Alle Mitarbeitenden sind selbst zugewandert oder geflüchtet, sie kennen und verstehen die Kulturen der neu ankommenden Menschen und wissen genau, welche Fragen sie beschäftigen. Infos zu den Workshops gibt es auf .

20 Zurückblicken In ihrem Podcast „Die Dritten – Damit nichts verloren geht“ spricht Journalistin Sabrina Andorfer mit Menschen jenseits der 70 über ihre Lebensgeschichte. „Prominente schreiben Biografien, das würden unsere (Groß-)Eltern eher nicht machen, dabei haben sie so viel erlebt“, sagt sie. Die Podcast-Episoden sollen inspirieren, Mut machen und Zuversicht spenden.

21 Zuhören In einem alten U-Bahn-Kiosk der Hamburger Haltestelle Emilienstraße hören Ehrenamtliche jedem zu, der vorbeikommt und etwas auf dem Herzen hat. Den Zuhör-Kiosk hat der Drehbuchautor Christoph Busch ins Leben gerufen, mittlerweile ist ein ganzes Team vor Ort – und ganz Ohr. Mehr unter zuhö

22 Körperliche Nähe herstellen Bei Hautkontakt schüttet der Körper das Bindungshormon Oxytocin aus. Es sorgt dafür, dass wir uns nah und geborgen fühlen. Das funktioniert in Partnerschaften genau wie in Freundschaften. Eine Umarmung, ein Streicheln über den Arm – Studien zeigen, dass schon kleine, fast zufällige Berührungen ausreichen, um Nähe zwischen Menschen zu erzeugen.

23 Wertschätzend verabschieden

Einen Herzensmenschen zu verlieren ist schwer. Statt das Thema Tod von uns wegzuschieben, können wir in Verbindung bleiben

Uwe Böhler, Gründer von Cloud of Legacy, hat selbst schon die Erfahrung gemacht, einen Menschen zu verlieren – und sich nicht nur im emotionalen, sondern auch im bürokratischen Chaos wiederzufinden. Der Verlust eines Menschen bedeutet immer auch eine Menge Fragen und Entscheidungen, die beantwortet und getroffen werden müssen. Vor allem, wenn die verstorbene Person nichts vorbereitet hat, das den Hinterbliebenen Orientierung gibt. Böhlers Idee: ein digitaler Ort, den man selbst vor dem Tod gestalten kann, die Cloud of Legacy. Hier können Nachrichten, Dokumente oder Log-in-Daten hochgeladen und einzelnen Personen zugewiesen werden. Aber auch Briefe, Videos und andere persönliche Erinnerungen. Im Todesfall, den zwei angegebene Kontakte bestätigen müssen, bekommen die Liebsten direkten Zugang zu allen Dateien. Das ist so entlastend wie emotional und lässt Zeit zum Trauern.

24 „Meine Tradition: kleine Adventsgeschenke an die Nachbarinnen und Nachbarn im Haus verteilen. Ich backe Plätzchen, verpacke sie in kleine Tütchen und hänge sie an die Türklinken, zusammen mit einem persönlichen Wunsch fürs neue Jahr oder einem

Dankeschön für das vergangene.“ Merle Wuttke, Redaktionsleiterin