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30 Jahre Offroad-Golf


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 10.08.2021

FAHRBERICHT VW GOLF VARIANT ALLTRACK

Artikelbild für den Artikel "30 Jahre Offroad-Golf" aus der Ausgabe 9/2021 von Off Road. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Off Road, Ausgabe 9/2021

18 Zentimeter Bodenfreiheit. Rammschutz. Golf. Würde man diese Aneinanderreihung von Schlagworten als „Find the odd one out“-Aufgabe stellen, würde wohl der Großteil der Befragten in die Falle tappen. Was im Volks-Ohr irgendwie nicht zusammenpassen will, nennt sich Anfang der 90er Jahre Golf Syncro Country. Dass von den 15 000 geplanten Einheiten bis 1991 nur etwas mehr als die Hälfte verkauft wurden, spiegelt die Tatsache wider, dass dieser Golf wortwörtlich außergewöhnlich ist. Arrangiert man das Konzept ein wenig anders, kommt man in der mainstreamverträglichen Gegenwart an: Allradantrieb. Unterfahrschutz. Golf. Genauer: Golf 8 Variant Alltrack. Dieser ist nun bereits die zweite Iterationsstufe der Golf Alltrack-Modelle und führt den Geist des Country fort. Wir haben den Urahn besucht und verglichen.

Der Alltrack soll als Crossover den hohen Reisekomfort und ...

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... die Dynamik eines kraftvollen Pkw mit den Allroad-Eigenschaften eines talentierten SUV verbinden. Für Antrieb sorgt nicht weniger als der stärkste jemals in einem Golf verbaute Turbo-Diesel mit 200 PS. Und der wird gepaart mit dem bekannten und immer wieder optimierten Allradantrieb 4MOTION sowie dem bewährten 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die im Namen angekündigte Schlechtwegekompetenz will der Golf der achten Generation mit einer um 15 Millimeter erhöhten Bodenfreiheit, einem leichten Unterfahrschutz, Allterrain-Karosseriebeplankung und einem eigenständigen Offroad- Fahrmodus erfüllen.

Der Country hingegen möchte nicht primär ein komfortables und souverän motorisiertes Reiseautomobil sein. Mit seinen stattlichen 18 Zentimetern Bodenfreiheit möchte er gröbere Wege bezwingen, Alltagshelfer in schwierigen Umgebungen sein – oder einfach ein Abenteurer.

GEGENÜBERSTELLUNG

Der Vergleich zweier Modelle, die eine gemeinsame DNA haben, ist immer eine spannende Angelegenheit. Links der kantige Country, der mittels Distanzrohrrahmen von Steyr-Daimler-Puch in Graz um 12 Zentimeter aufgebockt wurde, rechts der vom Windkanal geformte, dezent höhergelegte Alltrack. Es ist auf den ersten Blick zu erkennen, dass die Grenzen des Konzepts Offroad-Golf hier maximal gedehnt werden. Denn nicht nur in Sachen Marktkompatibilität, sondern auch in der Entwicklung hat sich einiges getan.

Wo früher der Rammschutz die Front geschützt hat, schützt man jetzt den Fußgänger. Das ist ohne Zweifel sinnvoll, aber die rohe und zweckorientierte Optik von damals, die unser nostalgisches Ich begehrt, versickert heute im Gesetzestext. Die Zusatzscheinwerfer des Country werden in den, unter den Variants für den Alltrack exklusiven, x-förmigen Nebelleuchten aufgegriffen.

Die Beplankung beim neuen Golf fällt weniger heavy-duty aus, passt aber mehr zum eher schicken Auftritt. Am Heck sammelt der Ur- Alltrack dann nochmal OFF ROAD- Pluspunkte.

Da in die Syncro-Karosserie auf Grund des Differenzials der Hinterachse keine vollwertige Reserveradmulde integriert werden konnte (Stichwort Package), nimmt der stabile Radträger ein vollwertiges Ersatzrad auf. Über eine Anhängekupplung verfügen beide Fahrzeuge. Die Anhängelast beim alten Golf beträgt 1500 Kilogramm, der neue schafft ein Drittel mehr.

VISCO VS. HALDEX

Klar, Bodenfreiheit ist wichtig im Gelände. Der Country hat sie, der Alltrack nicht wirklich. Um als richtiger Geländewagen durchzugehen, bräuchte der montanagrüne Golf allerdings Sperren, die er nicht hat. Von einer Untersetzung ganz zu schweigen. Also bleibt als weiteres Kriterium zur Beurteilung der Offroad-Fähigkeiten das Allrad- Konzept. Und hier schlägt die Stunde der sich stetig weiterentwi - ckelnden Technologie. Vergleicht man den Syncro-Allrad mit dem modernen 4MOTION, sind das zwei Paar Schlechtwege-Schuhe. Während der Country streng genommen eine Ausführung als Hang-on- Allrad besitzt, kann der neue Golf seine Hinterachse gesteuert zuschalten. Die Visco-Kupplung des Syncro-Antriebs lässt die rückwärtige Achse nur dann am Kraftfluss teilnehmen, wenn ein Drehzahlunterschied zwischen den beiden Achsen vorliegt. Die Differenzdrehzahl bestimmt damit die Höhe des übertragenen Drehmoments. Die Hinterachse wird also, vorgegeben durch die Kraftverhältnisse der Vorderachse und damit nicht aktiv regelbar, an den Kraftfluss angehängt.

Der Alltrack kann hier deutlich gezielter auf seinen Fahrzustand reagieren. Die Antriebskraftverteilung an alle vier Räder wird bereits aktiv, bevor Schlupf auftritt. Die 4MOTION-Technologie arbeitet bei allen Konzernmodellen mit quer eingebautem Motor mit einer Haldex Lamellenkupplung. Zusammen mit einer elektronischen Ansteuerung ermöglicht diese Konfiguration eine stufenlos regelbare Kraftverteilung zwischen der Vorder- und der Hinterachse. Eine feste Antriebskraftverteilung gibt es nicht. Die Verteilung wird permanent an den aktuellen Fahrzustand angepasst. Tritt dennoch Schlupf an einem Rad auf, wird die Kraft dorthin übertragen, wo sie gerade gebraucht wird. Zudem kann der Fahrer die Fahrmodi des Allradystems zwischen Comfort und Sport abstimmen. Die Regelungsstrategie kann damit in ihrem Ansprechverhalten beinflusst werden und bietet eine Abstimmungsmöglichkeit, die im Syncro nicht darstellbar wäre.

ANALOG VS. DIGITAL

So deutlich die Unterschiede der beiden Golfs im Exterieur zu Tage treten, so klar erkennbar sind sie auch im Innenraum. Der Country mag es simpel und analog, der Alltrack dynamisch und digital.

Zwei beinahe 26 Zentimeter große, hochauflösende Displays bieten Platz für alles, was in der digitalen Autowelt so passiert. Mit dem neuen Digital Cockpit Pro, das in Kombination mit dem optionalen Navigationssystem Discover Pro 2 zum Innovision Cockpit erweiterbar ist, ist man also immer am Puls der Zeit. Der Alltrack liefert hier alles, was man 2021 braucht. Das Smartphone ist, entsprechend dem Stand der Technik, tief im Infotainment verankert, die Tacho- nadeln sind bewegliche Pixel. Die kennt der Country auch, hat davorn aber gefühlt nur so viele wie der Alltrack Räder. Die Kraftübertragung auf selbige erfolgt im alten Golf durch ein mechanisch angebundenes 5-Gang-Getriebe, im neuen durch Shift-by-wire. Der Schaltknüppel degeneriert damit zu einem kompakten Gangwahlhebel für das elektronische Anwählen der Fahrstufe. Das Ganze sieht dabei sehr modern und aufgeräumt aus. Erfreulicherweise gibt es auch Gemeinsamkeiten im Interieur zu entdecken. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass immer noch beide über ein Lenkrad verfügen. Spaß beiseite: Die Details zeigen die Verbindung. Der syncro- Schriftzug in der Kopfstütze wird auch im Sitzbezug des Alltrack aufgegriffen. Zudem kann man die Interieur-Beleuchtung, neben 29 anderen Farben, auf einen Grünton einstellen, der dem Montanagrün des Alltrack wohltuend nahekommt. Weitere Highlights des Alltrack im Innenraum sind die sehr guten Sitze und die Pedalerie mit Edelstahl-Applikationen. Die haptischen Tasten wurden auf ein Mininum reduziert, viel passiert über den Touchscreen. Das ist und bleibt Geschmackssache.

FAHREINDRUCK

Der neue Alltrack überzeugt in Verbindung mit dem einstellbaren DCC-Fahrwerk und dem 4MOTION Allrad mit einer sehr guten Straßenanbindung. Im Zusammenspiel mit seinem aus dem GTD bekannten Aggregat hat der Golf hohe Reserven hinsichtlich Traktion und Antriebskraft. Er fühlt sich dabei grundsolide und nach mehr als Golf-Klasse an. Die Spurtreue auf Wegen mit Schlaglöchern oder losem Untergrund vermittelt jederzeit das Gefühl von hoher Fahrsicherheit. Die Kraftentfaltung des 2-Liter-Diesels ist mächtig, spricht jedoch im automatischen Getriebemodus quer durch die Fahrmodi gefühlt etwas spät an. Rollt die Drehmomentwelle dann aber über alle vier Räder ab, wird der VW zum Stein in der Schleuder. Zudem gefällt das Fahrprofil Offroad, das das Fahren in leichtem Gelände vereinfacht. Was braucht man mehr als diesen Golf?

FAZIT

Solche Termine machen Spaß. Das Gegenüberstellen der zwei Golfs, die 30 Jahre Weiterentwicklung trennen, offenbart so viele Unterschiede und Gemeinsamkeiten, dass es den Rahmen sprengen würde, auf alle einzugehen. Dass der Country heute als erstes SUV gehandelt wird, zeigt: Die Idee ein Alltagsauto schlechtwegefähig zu machen, kann zum Verkaufshit werden und eine komplett neue Fahrzeugklasse entstehen lassen. Der Mut, über die Box hinaus zu denken und Fahrzeugkonzepte auf die Straße zu bringen, welche so radikal wirken wie der Country, belebt den Markt. Denn es sind die eckigen Charaktere, die Faszination erzeugen.

T | | Andreas Milkutat F | | Oliver Sold