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30 Prozent glücklicher in 30 Tagen


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myself - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 13.07.2022
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Wer schon lange nicht mehr so richtig fröhlich war, sollte laut Dr. Amen unbedingt öfter tanzen. Der Wissenschaftler empfiehlt dafür eine Happy-Playlist, die man selbst zusammenstellt.

Meine Stimmung ist mies. Krieg, Inf lation, Pandemie, die Probleme der Welt bedrücken mich. Mein Alltag verstimmt mich allerdings noch mehr. Ich wache auf und bin sauer, dass ich nicht weiterschlafen kann. Ich ärgere mich, dass ich immer diejenige bin, die die Spülmaschine ausräumt. Sogar, dass mir auf dem Fahrrad der Wind ins Gesicht bläst. Schon klar, echte Probleme sind das nicht. Aber dass ich mir davon das Leben vermiesen lasse, ist eins.

Früher war es nur mein eigenes, jetzt habe ich eine Familie. Leider weiß ich, wie es ist, mit unzufriedenen Eltern aufzuwachsen, meinem Sohn möchte ich das ersparen. Trotz Therapie, viel Recherche zum Thema Glück und eines Dankbarkeitstagebuchs sitze ich immer noch oft da und denke: Hmpf.

Vielleicht kann Dr. Daniel Amen helfen. Der US-amerikanische „Celebrity Doctor“ von Bella Hadid und Miley Cyrus, TED Talker und Bestsellerautor von Titeln wie „You, Happier: ...

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... The 7 Neuroscience Secrets of Feeling Good Based on Your Brain Type“ (Tyndale Refresh, nur auf engl.) hat die „30-Day Happiness Challenge“ (amenuniversity.com/happy) ins Leben gerufen – ein Online-Coaching aus täglichen Videos, mit dem man in 30 Tagen 30 Prozent glücklicher werden soll. Über 32 000 Teilnehmer haben in den USA bereits mitgemacht, obwohl Dr. Amen nicht unumstritten ist. In der Kritik steht der Neurowissenschaftler wegen Gehirn-Scans in Regenbogenfarben, auf denen er psychische Krankheiten erkennen will. Und weil er Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt, die er selbst verkauft. Seine „Happiness Challenge“ kostet 49 Dollar. Ob sich diese Investition für mich lohnen wird?

Tag 1 und 2: Status quo

Mithilfe des „Oxford Happiness Questionnaire“ finde ich heraus, wie zufrieden ich aktuell bin. Dafür bewerte ich Aussagen wie „Ich habe viel Energie“ oder „Das Leben ist schön“ auf einer Skala. Insgesamt erreiche ich eine 3,34. Was so nah am Durchschnitt von 3,5 liegt, dass es in die Kategorie „neutral“ fällt. Es geht mir weder gut noch schlecht. Mein Leben? Ein Schulterzucken.

Dann bestimme ich meinen Gehirntyp. Ich werde gefragt, wie gut ich organisiert bin, ob ich mich oft ablenken lasse, wie gut ich schlafe, ob ich rauche, trinke oder mir viele Sorgen mache. Es gibt fünf Grundtypen: Nummer eins ist ausgeglichen, emotional stabil, positiv. Nummer zwei liebt Spontaneität und Risiko. Typ drei ist stur und sorgenvoll. Typ vier ist pessimistisch und Typ fünf in erster Linie ängstlich. Und dann gibt es Mischtypen wie mich, Nummer acht: Ich bin kreativ und launisch, kann mich schlecht entspannen und nur konzentrieren, wenn ich sehr interessiert bin. Typ-acht-Menschen haben Probleme mit ständigen negativen Gedanken und tendieren zum Pessimismus. Genau deswegen bin ich hier.

Quick-Tipp 1: „Ach, der Herbert schon wieder.“ Geben Sie Ihrem Gehirn einen Namen – so distanzieren Sie sich von den Gedanken.

Tag 6: Positiv denken als Ritual

Amen schlägt vor, dass ich mir direkt nach dem Aufwachen sage: „Heute wird ein großartiger Tag!“ Vielleicht etwas übertrieben, da ich nur arbeiten und auf den Spielplatz gehen werde. Egal, ich lass mich darauf ein. Am Abend frage ich mich, was gut gelaufen ist – noch eine Idee aus dem Kurs. Ich habe heute ein Paket bekommen. Mein Hirn kommentiert: „Ja, aber fast alles darin retourniert.“ Mittags habe ich gesund gekocht. Hirn: „… und danach Süßes gegessen.“ Ich: „Weißt du, genau daran müssen wir arbeiten.“ Hirn: „Viel Erfolg!“

„Es geht mir weder gut noch schlecht . Mein Leben? Ein Schulterzucken“

Tag 11: Drachen zähmen

Ob wir glücklich sind, bestimmen wir nur zum Teil selbst. Zu den äußeren Umständen, die dem im Weg stehen können, gehören Einf lüsse aus der Vergangenheit, wie Verletzungen oder Traumata. Dr. Amen nennt sie „Drachen“. Welche das sind, finde ich in einem Quiz heraus: Aufgrund der Erfahrungen in meiner Kindheit fühle ich mich minderwertig, ängstlich, beschämt, wütend und hoffnungslos. Es ist sicher nicht verkehrt, diese „Drachen“ zu kennen. Sie aufzuarbeiten, dabei kann die „Happiness Challenge“ aber nicht helfen. Dafür müsste ich seinen sechswöchigen „Overcome Anxiety, Depression, Trauma & Grief “-Kurs für 499 Dollar buchen – oder zu einem Therapeuten gehen.

Tag 12: Das Hirn pflegen

Im Hippocampus, der unter anderem relevant für unsere Stimmung ist, werden jeden Tag neue Zellen produziert. Vorausgesetzt: Man kümmert sich um ihn. Der Experte hat eine Liste mit 110 Aktivitäten zusammengestellt, die gut für diesen Teil des Hirns sind. Darunter: grünen Tee trinken. In die Natur gehen. Blaubeeren essen. Nicht rauchen oder auf Dächer steigen. Keine beschichteten Kassenbons anfassen. Oder einen Vitamin-Check beim Arzt machen. Bei meinem stellt sich heraus, dass ich einen Vitamin-D-Mangel habe. Dafür kaufe ich Tabletten und nehme gleich noch Omega 3 und Ginkgo-Präparate mit, kann ja nicht schaden. Auf die abendliche Zigarette versuche ich zu verzichten und stelle fest: Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen ist einfacher, als mein Verhalten zu ändern.

Quick-Tipp 2: Regelmäßig Comedy-Programme gucken. Wer lacht, setzt Glückshormone frei, die Stress reduzieren.

Tag 13: Ameisen eliminieren

Jetzt geht es um mein Hauptproblem: ANTs (Automatic Negative Thoughts). Ants ist das englische Wort für Ameisen, und so ähnlich kann man sich die unkontrolliert auftretenden negativen Gedanken auch vorstellen – klein, dunkel, in Scharen. Daniel Amen sagt: „Wenn Sie lernen, das, was durch Ihren Kopf geht, nicht mehr zu glauben, wird das Ihr Leben verändern. Und auch die Menschen um Sie herum werden glücklicher sein.“ Seine Technik spiele ich mit dem Satz „Immer räume ich die Geschirrspülmaschine aus“ durch. Ich soll fragen: Ist das wahr? Ja. Ist das wirklich wahr? Okay, nicht zu 100 Prozent. Wie fühle ich mich, wenn ich das denke? Schlecht.

Wie würde ich mich fühlen, wenn ich das nicht denken würde? Besser. Am Schluss drehe ich den Gedanken ins Gegenteil um: Ich räume nicht immer die Geschirrspülmaschine aus. Ist das vielleicht näher an der Wahrheit als der Originalgedanke? Er fühlt sich auf jeden Fall besser an. Aber bin ich, wenn ich das durchziehe, nicht irgendwann das Gegenteil von mir selbst? Oder erfinde ich jetzt Ausreden, um meine Komfortzone nicht verlassen zu müssen? Ich bin verwirrt. Inspiriert von den Erkenntnissen des Tages schenke ich meinem Sohn eine Ameisenbären-Figur. Einen Ant Eater, der Sorgen frisst. Ich frage ihn, wie er heißen soll. Er nennt ihn Ananas Oliver. Ein Name, der für mich über Tage ein Quell der Freude sein wird.

Tag 18: The Glad Game

Dass Dankbarkeit eine zentrale Rolle für die eigene Zufriedenheit spielt, belegen zahlreiche Studien. Neben der abendlichen Frage „Was ist heute gut gelaufen?“ soll ich das „Glad Game“ spielen. „Egal, in welcher Situation Sie gerade sind – es gibt immer etwas, worüber Sie froh sein können“, predigt Dr. Amen. Ich bin gerade im Italien-Urlaub, fokussiere mich aber allzu gerne auf Probleme. Die lange Schlange zum Boot, die belegten Plätze im Restaurant, dunkle Wolken am Himmel. Es hilft, einen Schritt zurückzugehen, denn im großen Ganzen gibt es sehr viel, worüber ich froh sein kann. Gesundheit, Sicherheit, genug Geld, um in den Urlaub fahren zu können. „Du bist ja so gut drauf wie lange nicht mehr“, sagt mein Freund beim Wandern.

Quick-Tipp 3: Schlechte Gedanken? Laut „Stopp“ sagen, drei tiefe Atemzüge nehmen und eine glückliche Erinnerung abrufen.

Tag 22 und 23: Mikro-Momente und Musik

Die heutige Aufgabe: „Halten Sie nach glücklichen Mikro-Momenten Ausschau.“ Seine Theorie: Je mehr Glücksmomente man erlebt, desto besser das Leben. Ich höre dem Vogelgezwitscher im Park zu, umarme meinen Sohn. Wir essen Kirschen und spucken die Kerne aus. Außerdem soll ich eine Happy-Playlist erstellen. Habe ich längst, schmeiße sie nach langer Zeit zum ersten Mal wieder an, und wir springen zu „Moves Like Jagger“ von Maroon 5 und „Good Feeling“ von Flo Rida von der Couch in einen Berg aus Kissen. Das Leben könnte nicht schöner sein.

Tag 30: Bin ich glücklicher?

Ich mache Fortschritte. Mir gelingt es immer öfter, dankbar zu sein und Mikro-Momente des Glücks zu schaffen.

Zum Abschluss mache ich noch einmal den „Oxford Happiness Questionnaire“.

Und lande bei einer 3,9. Das zählt immer noch zur Kategorie „neutral“. Keine Steigerung von 30 Prozent, aber fast 17.

Und ich glaube, ich kann noch mehr schaffen, wenn ich mein persönliches Glück weiterhin so priorisiere wie im vergangenen Monat. Ohne Dr. Daniel Amen, aber mit Ananas Oliver an meiner Seite.

Quick-Tipp 4: Sich klar machen, warum oder für wen man glücklich sein will. Stellen Sie Fotos auf, die Sie daran erinnern, warum Sie Ihr Glück priorisieren müssen.