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30 TURNIERE FRENCH OPEN


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 19.06.2018

Geschichten zum Genießen aus dem Sandkasten vonRoland Garros . Vom Champion Rafael Nadal bis zum Lucky Loser Marco Trungelliti. Gehen Sie mit uns noch einmal auf die Reise!


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Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 70/2018

1 RAFAEL NADAL: La Undecima

Die Rekordjagd geht weiter. Der Spanier (32) bricht weiter seine eigenen Bestmarken. Zum elften Mal gewann er in Paris. 6:4, 6:3, 6:2 lauteten seine Glückszahlen im Finale gegen Dominic Thiem. Es war sein 17. Grand Slam-Titel insgesamt. Die 20 Major-Siege des ewigen Rivalen Roger Federer liegen jetzt in Reichweite. 2005 begann „Rafas“ Siegesserie, wahrscheinlich die spektakulärste, die es im Sport je gab: ...

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... 86 Einzelsiege, nur zwei Niederlagen (gegen Robin Söderling Achtelfinale 2009 und Novak Djokovic Viertelfinale 2015).

2 SIMONA HALEP: Die Erlösung

Den Makel, Weltranglistenerste ohne Grand Slam-Sieg zu sein, ist sie los. Zum vierten Mal stand die Frau aus Bukarest in einem großen Finale (nach Paris 2014, 2017 und Melbourne 2018), jetzt hat sie den Coupe Suzanne Lenglen! In Ihrer Lieblingsstadt, bei ihrem Lieblingsturnier. Und wieder musste sie zittern. 3:6, 0:2 lag Halep im Finale gegen Sloane Stephens zurück. Aber sie biss sich in einem tollen Match durch. „Es gibt immer Licht am Ende des Tunnels. Ich freue mich, dass sie endlich ihr Licht gefunden hat“, sprach Stephens pathetisch.

An einem Mann kam niemand vorbei. Keiner, den es zwischen dem 27. Mai und dem 10. Juni auf die Anlage am Bois de Boulogne verschlug – nicht die rund 470.000 Zuschauer und nicht die rund 22.000 akkreditierten Offiziellen, Helfer und Journalisten. Kurioserweise handelte es sich nicht um einen Tennisspieler. Auch wenn viele denken, er sei einer. Frankreichs berühmtester womöglich. Aber Roland Garros, der Mann mit dem feinen Oberlippenbart und der Baskenmütze, war Flieger.

In diesem Jahr ehrten sie den Namenspaten: 100 Jahre Roland Garros. Am 5. Oktober 1918 wurde Roland Adrien Georges Garros, der eigentlich Pianist werden wollte, einen Tag vor seinem 30. Geburtstag tragisch-trivial über den Ardennen von einem deutschen Kampfflieger abgeschossen. Seit 1927 trägt das Turnier seinen Namen.

Tonnenschwere Historie. Sie schwingt immer mit. Wenn man im Menschenstrom Richtung Court Suzanne Lenglen (noch so eine Legende) gespült wird. Oder wenn man sich im Beisein der in Stein gemeißelten „Quatre Mousquetaires“ Jean Borotra, Jacques Brugnon, Henri Cochet und Rene Lacoste auf einem XXL-Srceen vor dem Court 1 Matches ansieht. Die Anlage mag an vielen Stellen in die Jahre gekommen sein, aber Paris hat seinen eigenen Charme.

Der neue Court 18, ein in die Erde versenkter Platz, ist ein Schmuckstück. Wenn der Ausbau 2020 beendet ist, wird Roland Garros auch wieder mit Melbourne, Wimbledon und New York konkurrenzfähig sein.

Mit dem historischen Paukenschlag schlechthin endeten die 117. French Open. Zum elften Mal gewann Rafael Nadal, eine Rekordmarke, die wohl nie wieder erreicht werden kann. Und: Es ist aktuell kein Ende der Regentschaft in Sicht. „Wenn er fit bleibt, gibt es keinen Grund, warum er nicht zwei, drei, vier weitere Male hier gewinnt. Er ist unglaublich“, sagt Robin Söderling. Als Trainer der schwedischen Nachwuchshoffnung Elias Ymer kehrte er zum ersten Mal seit 2011 nach Paris zurück.

Söderling, der seine Karriere wegen Pfeifferschem Drüsenfieber beenden musste, schaffte es als erster Spieler, Nadal auf dem Court Central zu besiegen (2009), ein leichter Kratzer in der fast makellosen Bilanz des Mallorquiners.

Aber natürlich geht es bei einer Veranstaltung, auf der rund 66.000 Bälle verballert werden, nicht nur um den Sieger. Es gibt Geschichten ohne Ende: die von der Juniorin, die wie Serena Williams werden will, und die vom Lucky Loser, der mit der Oma 900 Kilometer mit dem Auto von Barcelona nach Paris fuhr. Tauchen Sie hier und auf den nächsten Seiten noch einmal in den Kosmos Roland Garros ab – zum 100. Geburtstag seines Erfinders.

3 GRAND NATION: Druck ohne Ende

Amelie Mauresmo, die inzwischen fürs französische TV kommentiert, kann ein Chanson davon singen: als einheimische Spielerin Paris zu gewinnen – Oh là là, kaum möglich.Caroline Garcia , Nummer sieben der Setzliste, konnte einem fast leid tun. Am Tag, als sie gegen Angelique Kerber ihr Achtelfinale bestreitet, schlagzeilt L‘Équipe: „Sie kann ein Grand Slam gewinnen.“ Auf dem Platz war sie so nervös, dass sie kaum den Ball hochwerfen konnte. Bei den Herren enttäuschte RiesenhoffnungLucas Pouille – Drei-Satz-Klatsche in Runde drei gegen Karen Khachanov.

4NEUE REGEL: Fünf Sekunden mehr

Ein Hauptschiedsrichter (Remy Azemar, 44) und drei Stellvertreter leiteten Roland Garros 2018. Dazu kam ein Stab von sieben Supervisorn (u.a. der Deutsche Sören Friemel) sowie 320 Stuhlschiedsrichter und Linienrichter. Sie waren dafür zuständig, auf eine neue Regel zu achten: Zwischen den Punkten haben die Spieler jetzt 25 Sekunden Zeit vor dem nächsten Aufschlag (früher 20). Ab den Quali-Runden konnten die Zuschauer auf einem Display verfolgen, wie die Sekunden verstreichen.Das gab es auch schon beim Next Gen-Finale in Mailand.

5 TURNIER FÜR KIDS: Spanien & Schweiz

„Longines Future Tennis Aces Tournament“, nennt sich das Nachwuchsturnier für U14-Mädchen und Jungen, das traditonell in Paris gespielt wird. Diesmal direkt unter dem Eiffelturm – spektakulärer geht es kaum. Und namhaftere Prominenz als Paten könnte man sich auch nicht wünschen: die Uhrenbotschafter Steffi Graf und Andre Agassi. In diesem Jahr waren 20 Länder vertreten. Am Ende siegte eine Spanierin (Victoria Jimenez), die Hollywood-like in Tränen ausbrach, und ein Schweizer (Kilian Feldbausch) – Chapeau!

6 SERENA WILLIAMS: Catwoman

Als Nummer 451 der Welt kehrte Serena Williams auf die Grand Slam-Bühne zurück. Vorher wurde heftig diskutiert, warum man die 23-fache Major-Siegerin nicht gesetzt hatte. Bei ihrem ersten Auftritt redeten alle nur noch über ihr Dress – ein Mix aus Taucheranzug und Catwoman-Kostüm. Serena: „Das ist eine Botschaft an alle Mütter nach der Geburt, steht zu euren Pfunden!“ Sportlich lief es erstaunlich gut für die 36-Jährige. In der dritten Runde schlug sie Julia Görges. Zum Achtelfinal-Knaller gegen Maria Sharapova trat sie wegen Verletzung nicht an.

7REGEN IN PARIS: Wo bleibt das Dach?

Schwül-heiß war es im Stade Roland Garros. Regen gab es auch jede Menge – zum Ärger von TV-Machern, Fans und Spielern. Die French Open sind das einzige Grand Slam-Cabrio-Turnier! Erst 2020 soll der Court Philippe Chatrier ein Dach bekommen – vier Jahre nach den US Open, die bis dahin ohne Kopfbedeckung auskommen mussten. Nur Rafael Nadal freute sich über den Regen. Im Viertelfinale lag er gegen Diego Schwartzman mit 4:6, 2:3 und Break zurück. Es erinnerte an Nadals 1:3 im dritten Satz im Finale von Rom gegen Zverev. Beide Male regnete es.

8 PROJEKT ZUKUNFT: Neues Roland Garros Zwischen 500 und 700 Millionen Euro werden in den Ausbau des Pariser Turniers investiert – das charakteristische Tortenstück (s.u.) wird erweitert. Die Trainingsplätze sind größtenteils schon ausgelagert. Ein neuer Showcourt – „Simonne-Mattieu Court“ – ist bereits so gut wie fertig, liegt dann hinter dem Botanischen Garten (1). 5.000 Zuschauer wird der Tempel aus Glas, Stahl und edlen Hölzern beherbergen, ein Dach hat er nicht. Dafür soll neben dem Court Central (2) auch der Court Suzanne Lenglen überdacht werden (3) – zu Olympia 2024.

9 MAXIMILIAN MARTERER: Volltreffer

Er schlug den einst gehypten US-Boy Ryan Harrison. Er bezwang den aktuell gehypten Next Gen-Star Denis Shapovalov. Er behielt die Nerven gegen Lucky Loser Jürgen Zopp und er begeisterte den Court Central im Match gegen Rafael Nadal. Paris 2018 war ein Riesenerfolg für den bescheidenen Franken, der in der Tennisbase in Oberhaching trainiert und von Davis Cup-Kapitän Michael Kohlmann gecoacht wird. Kohlmann spricht von „unglaublichen Waffen“, von Vorhand und Aufschlag des Linkshänders Marterer (22) – ein Volltreffer fürs deutsche Tennis!

10 JARED DONALDSON: Wie Michael Chang

Die zweite Runde hatte es gleich in sich – für den an Nummer vier gesetzten Grigor Dimitrov, aber auch für seinen Gegner Jared Donaldson (21). Am Ende stand es 7:6, 4:6, 6:4, 4:6, 8:10 aus der Sicht des Amerikaners. Die kurioseste Szene: Beim Stand von 6:6 im entscheidenden Durchgang servierte Donaldson von unten – wie Michael Chang in der wohl berühmtesten Aufschlag-vonunten-Episode 1989 im Achtelfinale gegen Ivan Lendl. Und genau wie sein Landsmann Chang gelang auch Donaldson der Punktgewinn. Allerdings: Am Ende verlor der Ami.

11COURT 18: Neues Juwel

Man muss ein bisschen laufen, aber es lohnt sich. Hinter dem Court Suzanne Lenglen liegt der neue Court 18. Wenn alle Bauarbeiten im Jahr 2020 vorbei sind, wird er Court 14 heißen. Exakt 2.158 Sitzplätze gibt es auf dem viertgrößten Showcourt von Paris. Die Atmosphäre ist grandios. Andrea Petkovic spielte auf diesem Platz bei ihrer 5:7, 0:6-Niederlage gegen Simona Halep einen starken ersten Satz. Dominic Thiem bezwang Stefanos Tsitsipas (19) in einem ansehnlichen Match in vier Sätzen. Der Clou von Court 18: Von hier kann man den Eiffelturm sehen.

12 JUAN MARTIN DEL POTRO: Eine Hürde zu hoch

Jede Menge Breakchancen hatte der Argeninier gegen Rafael Nadal im ersten Satz. Dann ging es schnell – 4:6, 1:6, 2:6. Die Story vom sympathischen Hünen, der sich nach Verletzungen wieder auf Platz vier gekämpft hat, war trotzdem fantastisch. Del Potro war einer der wenigen Spieler, denen man eine Überraschung gegen den „King of Clay“ zutraute. Nach der Partie konstatierte der weltweite Publikumsliebling mit treuem Blick: „Sein Spiel ist einfach zu gut für mich.“ Und weiter: „Auf meinem schlimmsten Belag bin ich ins Halbfinale gekommen.“

13 ALEXANDER ZVEREV: Marathon-Mann

Es schien, als wolle Deutschlands Superstar in spe sich und der ganzen Welt beweisen: Ich kann Fünf-Satz-Matches spielen! In seinem ersten Match gegen Ricardas Berankis gab er Gas (6:1, 6:1, 6:2). Dann folgten drei Fünf-Satz-Thriller, bei denen er jeweils mit 1:2-Sätzen zurücklag und die Nerven der Fans reichlich strapazierte. Zverev litt, schrie, zertrümmerte einen Schläger, wehrte einen Matchball ab (gegen Damir Dzumhur in Runde 3). Erstmals erreichte der 1,98-Meter-Mann das Viertelfinale bei einem Major. Gegen Dominic Thiem war sein Tank leer.

14 HERBERT/MAHUT: Doch noch ein Titel

Im Einzel klappte es nicht – Yannick Noahs Triumph von 1983 bleibt der letzte Sieg eines Franzosen an der Seine –, aber im Duett triumphierte Les Bleus. Nicolas Mahut und Pierre-Hugues Herbert bescherten Frankreich den dritten Doppeltitel in der Open Ära. Die Vorgänger: Henri Leconte/Noah (1984) und Julien Benneteau/Edouard Roger-Vasselin (2014). Die rührendste Szene trug sich nach dem Matchball zu. Mahuts Sohn, Nathaniel (6), stürmte auf den Platz, herzte seinen Vater, der Ende 2018 seine Karriere beenden will, und tanzte mit ihm.

15 MONEY, MONEY, MONEY: Fette Schecks

Jedes Jahr wächst das Preisgeld um rund zehn Prozent bei Damen und Herren. 40.000 Euro kassiert ein Erstrundenverlierer, 2,2 Millionen der Champion. Insgesamt wurden in den Wettbewerben Einzel, Doppel, Mixed, Legenden und Rollstuhltennis 39.197.000 Euro ausgeschüttet. Auch für Qualifikanten lohnte sich die Reise nach Paris. Wer es in die letzte (dritte) Runde schaffte und dort verlor, kassierte 21.000 Euro. Vielen Spielern ist das zu wenig. Sie argumentieren: Die Grand Slams generieren Multimillionen. Nur rund sieben Prozent fließen ins Preisgeld.

16 MARCO TRUNGELLITI: Autofahrt ins Glück

Es war die Story der ersten Woche: Der Argentinier scheidet in der Quali aus, reist zurück in seine Wahlheimat Barcelona, erhält einen Anruf vom Veranstalter, dass ein Platz im Hauptfeld frei ist (als achter Lucky Loser), verlädt Mutter, Oma und Bruder ins Auto, fährt nachts 900 Kilometer nach Paris, schläft sechs Stunden und schlägt Bernard Tomic. Was für ein sympathischer Typ, dieser Marco Trungelliti aus dem Ort mit dem malerischen Namen Santiago del Estero, 28 Jahre alt, die Nummer 190 der Welt – und auf ewig verbunden mit Paris 2018.

17 ANGELIQUE KERBER: Happy Slam auf Sand

Noch nie war sie so gut auf roter Asche. Sie spielte sich ins Viertelfinale (zum zweiten Mal nach 2012), verlor dort in einer teilweise begeisternden Partie gegen Simona Halep (6:7, 3:6, 2:6). Kurios: Die deutsche Nummer eins blieb bis zum Match gegen die Rumänin im Schatten von Zverev. Eine Rolle, in der sie sich wohlfühlt. Die vielen Termine mit Medien und Sponsoren nach dem Bilderbuchjahr 2016 hatten sie genervt. Jetzt zählt: Auf dem Platz. „Ich glaube, die beste Angie haben wir noch nicht gesehen“, sagt Trainer Wim Fissette. Gut möglich.

18 DOMINIC THIEM: Austrias Hoffnung

Wenn Nadal nicht mitgespielt hätte, wäre er der Beste gewesen. Zweimal stand der 24-Jährige schon im Halbfinale (2016 gegen Djokovic, 2017 gegen Nadal), diesmal führte die Leiter eine Sprosse höher. „Ich bin mir sicher, dass er in den nächsten Jahren noch öfter hier stehen wird“, lobte Nadal. Schon jetzt versetzte der Wiener, der es gar nicht so mag, im Fokus zu stehen, Österreich in einen Ausnahmezustand. 1995 gewann Thomas Muster auf der Terre Battue. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis sich sein „Tennisenkel“ die Trophäe schnappt.

20 CORI GAUFF: Die neue Serena

Als sie das Finale der Juniorenkonkurrenz bei den US Open erreichte, war das Girl aus Delray Beach, Florida, die jüngste Finalistin aller Zeiten. In Paris kam sie zu Grand Slam-Meriten. Im rein amerikanischen Junior-Finale schlug Gauff (14) Cate McNally (16) 1:6, 6:3, 7:6. Jüngere Paris-Siegerinnen waren nur Martina Hingis (1993, 1994 zwölf bzw. 13 Jahre), Jennifer Capriati (1989, 13) und Gabriela Sabatini (1984, 14). Die Argeninierin war einen Monat jünger als Gauff, die in der Mouratoglou Academy trainiert. Ihr Prädikat: kommender Superstar.

21 ZAHLEN, ZAHLEN, ZAHLEN: 224 km/h

So hart servierte Dominic Thiem in der Spitze. Es folgen John Isner, Lucas Pouille (beide 222 km/h), Kevin Anderson, Sam Querrey (220) und Alexander Zverev (217). Bei den Damen führten drei Amerikanerinnen die Liste der Hardhitter mit 194 km/h an – Caroline Dolehide, Madison Keys und Venus Williams. Die besten Deutschen: Mona Barthel (188) und Julia Görges (181). Championesse Simona Halep kam auf 175 Kilometer pro Stunde. Der Herrensieger Rafael Nadal schlug maximal mit 192 Sachen auf – Tempo ist nicht alles.

22 DEUTSCHE BILANZ: Ein Hauch von 1996

13 deutsche Profis traten an – sechs Damen und sieben Herren (darunter erstmals Lucky Loser Oscar Otte). Sprach man in den letzten Jahren vom „Sandfluch“, so war das Abschneiden anno 2018 mehr als ordentlich: Drei Damen (Kerber, Görges, Petkovic) und drei Herren (beide Zverev-Brüder, Marterer) erreichten die dritte Runde. Zwei scharz-rot-goldene Vertreter kamen ins Viertelfinale (A. Zverev, Kerber). Das hatte es zuletzt 1996 gegeben. Damals ging die Reise für Deutschlands Beste aber weiter – Titel für Steffi Graf, Finale für Michael Stich.

19 SLOANE STEPHENS: Amerikanerin in Paris

Eigentlich mag man in den USA keine rote Asche. Madison Keys, die Halbfinalgegnerin von Stephens sagte, sie sei 17 gewesen, als sie das erste Mal auf diesem Belag spielte. Bei Stephens, der Achterbahnfahrerin der Tour, hat man den Eindruck: Nicht der Untergrund ist entscheidend, sondern ob sie Lust hat. In Roland Garros hatte sie Lust. Panierte ihre Gegnerinnen. Gab bis zum Finale nur einen Satz ab (gegen Camila Giorgi). Auch ohne Happy End – ihre Story ist ein Märchen. 2017 rangierte sie nach einer Fußverletzung auf Platz 934, jetzt ist sie die 4!

23 DIE SAITEN DER STARS: Materialschlacht

Den wichtigsten Job im Hintergrund haben die Bespanner von Roland Garros. 18 „Stringer“ aus zwölf Ländern besaiten, bis buchstäblich die Finger wund sind. „Wir sind erst am Donnerstag in der ersten Woche und haben schon 4.300 Rackets bespannt“, hieß es von Babolat während des Sandplatz-Klassikers. Gesamtlänge der verbrauchten Saiten am Ende des Turniers: rund 60 Kilometer. Der angebotene Service: alte Bespannungen herausschneiden, Rackets reinigen, nach Wunsch präparieren und in durchsichtige Plastiktüten packen – voilà.

24GARBINE MUGURUZA: Titeltraum geplatzt

Im heißersehnten Viertelfinale gegen Maria Sharapova siegte die Spanierin leicht – 6:2, 6:1. Benötigte gerade einmal 70 Minuten. Danach gab es den Kampf um Platz eins. Hätte Muguruza Simona Halep geschlagen und nach Paris 2016 wieder den Titel geholt, wäre sie die neue Nummer eins gewesen. Die Chancen bei den Wettanbietern standen auch vor Turnierbeginn nicht schlecht. Quote: 1:4. Nur Haleps Quote war besser (1:1,9). „Ich hätte besser aufschlagen sollen“, analysierte eine tiefenttäuschte Muguruza.

25 GAME, SET UND MAMPF: Champagner & mehr

Wer in den zwei Wochen über die Anlage spazierte, sah neben den Matches vor allem eins – Schlangen vor den Fressbuden. Oder, etwas gediegener, sich zuprostende VIPs im neuen „Le Village“, einer Wohlfühloase auf drei Etagen mit Blick über Roland Garros. Insgesamt wurden konsumiert: 7.100 Flaschen Champagner, 48.000 Crepes und Waffeln, 215.000 Softdrinks, 130.000 Sandwiches und 87.500 Kaffee-Getränke. Wer genug gegessen und getrunken hatte, konnte shoppen gehen. Ein Regenschirm (Knirps) beispielsweise kostete 45 Euro – mon Dieu!

26 NOVAK DJOKOVIC: Weiter Rätselraten

Nach vier Runden und nur einem Satzverlust (gegen den an Position 13 gesetzten Roberto Bautista Agut) galt der zuletzt schwächelnde Serbe schon als Mitfavorit auf den Coupe des Mousquetaires, aber dann schockte ihn Überraschungs-Mann Marco Cecchinato (siehe nächste Seite) im Viertelfinale (3:6, 6:7, 6:1, 6:7). Djokovics Auftritt hinterher: bizarr. Direkt nach der Partie nahm er in einen kleinen Interviewraum Platz, wusste nicht, ob er auf Gras spielen werde. Wirkte seltsam verloren. Das Gesicht leer, die Stimme monoton. Kommt er noch einmal zurück?

27 MARCO CECCHINATO: Forza Italia

Mit ihm hatte niemand gerechnet. Die Nummer 72 der Welt, 25 Jahre alt aus Palermo, spielte sensationell. Stürzte den eiffelturmhohen Favoriten Novak Djokovic in die nächste Krise. Seit Corrado Barazzutti 1978 war er der erste Italiener im Halbfinale von Paris. Nie zuvor hatte der Mann mit den furiosen Treibschlägen ein Match auf Grand Slam-Niveau gewonnen. „Ich weiß nicht, ob ich träume oder schlafe“, stammelte Cecchinato. Wermutstropfen: Der neue italienische Volksheld war 2015 in einen Wettbetrug verstrickt – das Verfahren wurde eingestellt.

28 ANDREA PETKOVIC: Die Liebe ist zurück

Mit der auf der Rangliste abgestürzten Deutschen (schlechter als Platz 100 vor dem Turnier – jetzt 87) musste man nicht rechnen, aber „Petko“ gewann die Herzen im Sturm zurück – mit couragierten Auftritten gegen Dominic Thiem-Freundin Kristina Mladenovic, Simona Halep (im ersten Satz hielt sie glänzend mit) und mit Off-Court-Storys in den Katakomben des Stade Roland Garros. Über ihre Liebe zum Schreiben (u.a. für das US-Racquet Magazine) monologisierte sie minutenlang. Die Liebe zum Tennis kehrte ebenfalls zurück.

29 FERNSEHEN: Senden ohne Ende

89.000 Stunden wurden in 190 Länder übertragen. Gesamtvolumen weltweit: 381 Millionen Stunden. Bis 2020 haben Eurosport und das französische Fernsehen (France Télévisions) einen Vertrag mit Roland Garros – der Fan verpasst keine Minute des Turniers. Insgesamt wurden 836 Matches von Damen, Herren im Einzel, Doppel und Mixed übertragen (davon 196 Quali-Partien). Dazu kommen Legenden-, Junioren- und Rollstuhltennis-Matches. Der Clou in diesem Jahr: zwei Kameras im Netz auf dem Court Philippe Chatrier – völlig neue Perspektiven.

30 DIEGO SCHWARTZMAN: Riesiger Zwerg

Offiziell ist er 1,70 Meter – aber so groß ist er nie und nimmer. Egal – Diego Schwartzman, 25 Jahre alt, benannt nach Maradona, ist ein Riese. Wie stark er spielt, konnte man schon vor Paris an seinem Ranking ablesen – Platz zwölf. Wieviel Herz und Leidenschaft er mitbringt, konnte man auf dem Court Suzanne Lenglen bestaunen. Gegen Kevin Anderson lag er 1:6, 2:6, 3:5 zurück und drehte die Partie. „Ich musste an David und Goliath denken“, sagte Schwartzman, Star der jüdischen Gemeinde in Buenos Aires. Ach ja: „Goliath“ Anderson ist 33 Zentimeter länger.