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300-MILLIARDEN-MARKT WEIN: INVESTMENT AUS DER FLASCHE?


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Sachwert Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 02.06.2022
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Bildquelle: Sachwert Magazin, Ausgabe 3/2022

In den vergangenen Jahren hat Südafrika seinen Ruf als eine der interessantesten Weinregionen der Welt gefestigt. Die Weine von bekannten und alteingesessenen Erzeugern wie Kanonkop und Klein Constantia, aber auch junge Betriebe, die jeweils nur wenige Fässer produzieren, werden von britischen Verkostern in Superlativen beschrieben. In »Vinous«, einem von dem bekannten Weinkritiker Antonio Galloni herausgegebenen Online-Weinmagazin, werden einzelne Qualitäten mit Spitzenweinen aus dem Burgund und Bordeaux verglichen.

Und Tim Atkin, ein weiterer renommierter Kritiker, gibt der Cuvée 2015 Paul Sauer von Kanonkop die Bestnote von 100 Punkten. Die bedeutendsten Winzer des Landes, wie unter anderem Eben Sadie, Andrea Mullineux und Matt Day haben mittlerweile internationales Format. Aus Sicht des Autors sind neben den zuvor aufgeführten, mittlerweile etablierten Winzern auch noch weitere »Hidden ...

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... Champions« wie Alheit, Creation, David & Nadia, Thelema, Kershaw und Keermont – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zu nennen.

DAS AUKTIONSHAUS STRAUSS & CO VER-STEIGERTE IM JULI 2020 EINE VERTIKALE ÜBER DREI JAHRZEHN- TE VON KANONKOPS PAUL SAUER FÜR EINEN REKORDPREIS VON 30.811 EURO.

Nicht nur die Bewerter sind sich einig, auch die Auktionäre haben das Potenzial der südafrikanischen Weine bereits erkannt. Kanonkop Paul Sauer führt gemäß Roland Peens, dem Geschäftsführer des Online-Weinhändlers Wine Cellar in Kapstadt, die Liste der »investitionswürdigen« südafrikanischen Weine der letzten 20 Jahre an, die bei einer der verschiedenen Strauss & Co Fine Wine Auctions beziehungsweise bei der Cape Fine & Rare Wine Auction (CFRW) in Stellenbosch verkauft wurden. Das Auktionshaus Strauss & Co versteigerte im Juli 2020 eine Vertikale über drei Jahrzehnte von Kanonkops Paul Sauer für einen Rekordpreis von 30.811 Euro.

Im Zuge dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob die südafrikanischen Weine für interessierte Käufer bereits einen Investmentcharakter besitzen.

Geraint Carter vom renommierten Londoner Weinhändler BI ist beeindruckt von der hervorragenden Qualität der Weine sowie den großen Talenten der jungen Winzer-Garde, sieht jedoch aktuell noch zu wenig Reputation und Marktperformance für sein Investmentportfolio. »Wir würden viele der südafrikanischen Spitzenweine als sehr sammelbar, aber nicht als sehr investierbar bezeichnen«, merkt er an. Somit ist zwischen sammelbaren und investierbaren Weinen zu unterscheiden. Es gibt eine wachsende Zahl von Erzeugern, die man sammeln kann, aber das bedeutet nicht, dass sie eine attraktive Investition sind. Was kann der Leser respektive Sammler aus diesen ersten Informationen folgern?

»PRODUKTIONSMENGE IST DER FAKTOR, DER ZUR SAMMELBARKEIT FÜHRT – UND DAS IST DAS SCHWACHE GLIED IN SÜDAFRIKA, WAS DIE GESCHICHTE VON WIRKLICH SAMMELWÜRDIGEN WEINEN ANGEHT.«

Bisher sind die Strukturen im Markt für südafrikanische Weine noch nicht mit den etablierten Märkten vergleichbar. Die individuelle Auswahl von Weinen, die über den emotionalen Sammlerstatus hinausgeht, ist aus der Ferne für den Endverbraucher noch nicht möglich. Das wird mit der nachfolgenden Aussage von Peens unterstrichen: »Es gibt noch nicht genug Blue-Chip-Weine und jene, die es gibt, haben ein anderes Problem: die Menge.«

»Zu viele große südafrikanische Weine sind binnen weniger Tage ausverkauft, es bleiben keine Weine auf dem Markt verfügbar, sodass es nichts in der Pipeline gibt«, erklärt ein Berater der CW Wine GmbH & Co. KG. »Produktionsmenge ist der Faktor, der zur Sammelbarkeit führt – und das ist das schwache Glied in Südafrika, was die Geschichte von wirklich sammelwürdigen Weinen angeht. Es wird einfach nicht regelmäßig und ausreichend davon hergestellt.«

»Die Lösung besteht darin, dass die Erzeuger ihr Inventar selbst in die Hand nehmen und Wein zurückhalten«, heißt es bei Vilafonté, einem Premiumerzeuger aus Stellenbosch. Man werde zukünftig 20 Prozent eines Jahrgangs zurückhalten, um später Tranchen von gereiften Weinen auf den Sekundärmarkt bringen zu können. Interessanterweise wird der Vin de Constance, der beste und erfolgreichste Süßwein aus Südafrika, jetzt über den Place de Bordeaux vertrieben und kann so die weltweiten Netzwerke der Bordeaux-Weinhändler für den Vertrieb dieses Weines nutzen.

Ein weiterer südafrikanischer Winzer im Weißweinbereich, der aktuell nicht genannt werden möchte, will seinen Sauvignon Blanc auf das Niveau der Loire-Weine heben: »Wir können nicht glauben, dass es außer Sancerre und Pouilly-Fumé niemanden auf der Welt gibt, der wirklich Wert auf reinen Sauvignon Blanc legt. Wir gehen so weit wie möglich, um mit großen Sancerre-Erzeugern wie Dagueneau mithalten zu können.« Er ist zuversichtlich, dass seine Sauvignon Blancs – von denen die besten bereits einen internationalen Ruf genießen – einen hohen Sammlerwert haben werden. Was investierbare Weine betrifft, so gibt es seiner Meinung nach aktuell nur zwei, die ein ernsthaftes Investitionspotenzial aufweisen: Vin de Constance und Paul Sauer. Er warnt auch vor jenen Erzeugern, die versuchen, Sammlerstücke zu schaffen, indem sie einfach ein hohes Preisschild für den Wein definieren und ihn als südafrikanische Ikone bezeichnen. »Man muss sich einen Ruf aufbauen.«

Mittlerweile gibt es einen wachsenden Sekundärmarkt für südafrikanische Weine. Die Online-Handelsplattform Liv-ex meldet einen Anstieg von 15 Prozent der Handelsaktivitäten und der Markt für Live-Auktionen entwickelt sich entsprechend. Südafrika kann ein spannendes Feld für Sammler und potenzielle Investoren sein, die ihr Portfolio diversifizieren oder Lücken in ihrem Weinkeller füllen wollen, ohne ein zu großes Risiko einzugehen, aber auch ohne die Chance – analog zu der Preisentwicklung etablierter Weinregionen –, an einer überproportionalen Wertsteigerung zu partizipieren. Klarer Vorteil ist aktuell die Kapitalbindung: Der Paul Sauer von Kanonkop aus einem guten Jahrgang kostet beispielsweise rund 50 Euro pro Flasche.

Der Autor

Investitionswürdige Weine werden als solche definiert, die den Markenwert, die Qualität und die Alterungsfähigkeit besitzen, welche zu Preissteigerungen führen. Auf dieser Grundlage wurden von »Top Wine SA« folgende ausgewählte südafrikanische Top-Weine aufgeführt:

• Alheit Cartology

• Alheit Magnetic North Makstok

• Kanonkop Paul Sauer

• Klein Constantia Vin de Constance

• Mullineux Strohwein

• Mullineux Syrah

• Mvemve Raats de Compostella

• Porseleinberg Syrah

• Sadie Columella

• Sadie Old Vines Series

• Sadie Palladius

Wie bereits zuvor erwähnt, gibt es neben dieser Auflistung noch weitere »Hidden Champions« beziehungsweise besondere Einzellagen. Nach der letzten Verkostungsreise im Herbst 2021 sind exemplarisch Creation Art Series, David & Nadia Single Vineyards, Thelema, Boekenhoutskloof Syrah, Kershaw Deconstructed Lake District Cartref SH22 Syrah und Keermont Single Vineyards ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu nennen.

Um das Bild für den Investor beziehungsweise Sammler abzurunden, ist ein Blick auf die realen Marktzahlen hilfreich. Die Vereinigung südafrikanischer Winzer, Wines of South Africa, schätzte den internationalen Weinmarkt im Jahr 2020 auf 300 Milliarden Dollar, wovon 8 Milliarden Dollar auf Sammlerweine entfallen. Leider produziert Südafrika auch nach wie vor die preisgünstigsten Weine bei einem Volumen von 4 Prozent des Weltmarktes.

»Der sekundäre Markt für feine Weine ist noch sehr klein«, so Peens. »Aggregiert man die Cape Winemakers Guild Auction, die Cape Fine & Rare Wine Auction und die Strauss & Co Fine Wine Auctions, die Wine Cellar Brokerage Plattform und die Jahrgangsveröffentlichungen der Produzenten, ergibt sich ein Sekundärmarkt von insgesamt 30 Millionen Rand.« Peens betont, dass einer der wichtigsten Faktoren für die Wertsteigerung auf dem Sekundärmarkt der Markenwert ist. »Während Qualität an erster Stelle steht, hängt der wahrgenommene Kundenwert von hohen Bewertungen und Wettbewerbserfolgen sowie einem klaren und konsistenten Marketing ab.«

Südafrika produziert Weine mit Charakter und Langlebigkeit mit authentischen Terroirs. Darunter findet man bereits Sammlerstücke. Südafrika hat definitiv das Potenzial, in den Fokus von Investoren und Sammlern hineinzuwachsen.

INVESTITIONSWÜRDIGE WEINE WERDEN ALS SOLCHE DEFINIERT, DIE DEN MARKENWERT, DIE QUALITÄT UND DIE ALTERUNGSFÄHIGKEIT BESITZEN, WELCHE ZU PREISSTEIGERUNGEN FÜHREN.