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33 FRAGEN AN DIE NEUE NUMMER EINS


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The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 08.03.2022

Formel 1

Artikelbild für den Artikel "33 FRAGEN AN DIE NEUE NUMMER EINS" aus der Ausgabe 4/2022 von The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe, Ausgabe 4/2022

MAX VERSTAPPEN, DER TITELVERTEIDIGER Ein selbstbewusster Rennfahrer, 24 Jahre jung, viersprachig und tiefenentspannt. Er sagt: ?Nach den meisten Rennen schlafe ich gut.?

Um einen fliegenden Holländer zu treffen, ist der Flugplatz Zell am See kein schlechter Ort.

Diese Gegend ist seit jeher Startrampe so mancher Vollgas-Karriere: Der Innsbrucker Otto Mathé hat hier beim Eisrennen in den Vierziger- und Fünfzigerjahren mit einem selbst gebauten Porsche Geschichte geschrieben. Harald Ertl, einer von Niki Laudas Lebensrettern bei dessen Feuerunfall 1976 am Nürburgring, wurde in Zell geboren. Und Nico Rosberg ist ums Eck in den Kindergarten gegangen – also jener Rennfahrer, der es 2016 geschafft hatte, Lewis Hamilton in einem Formel-1-WM-Finale zu besiegen. Als Letzter bis zu dem denkwürdigen Sonntag im Dezember 2021, als es Max Verstappen in der allerletzten Runde des letzten Rennens einer 6409 Kilometer langen Saison gelang, mit dem letzten Überholmanöver gegen Hamilton diesen als Weltmeister zu entthronen.

Und genau hier in Zell treffen wir Max, die neue Nummer ...

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... 1 der Formel 1, nun zu seinem ersten Interview im Jahr 2022. In 33 Fragen versuchen wir, den puren Max aus dem maximal begnadeten Rennfahrer zu destillieren.

Wir treffen auf einen in sich ruhenden Wirbelwind, der die kalte Jahreszeit nach einer überhitzten Saison dazu genutzt hat, neue Energie zu laden. Das aber, typisch für ihn, mit einem klaren Blick nach vorne. Der verschmierte Rückspiegel der Sentimentalität ist seine Sache nicht. Denn er ist erst 24 Jahre alt und somit um fast 13 Jahre jünger als Hamilton, der ihm – wie Michael Schumacher – noch sechs WM-Titel voraushat.

Es gibt niemanden im Fahrerlager, der es Verstappen nicht zutraut, der erfolgreichste Rennfahrer in der Geschichte der Formel 1 zu werden.

1 Wie oft bist du diese berühmte letzte Runde in Abu Dhabi im Kopf noch einmal gefahren?

Gar nicht so oft. Ich habe mir natürlich die Bilder angeschaut, aber dann hatte ich Ferien – und da habe ich nicht so viel über die Formel 1 geredet. Am Ende dieser langen Saison war ich einfach nur eines: müde.

2 Deine letzte Runde aus deiner Perspektive?

Ich hatte plötzlich Krämpfe im Gasfuß (in der rechten Wade; Anm). Aber in so einem Moment vergisst du alles.

Es war der Moment, auf den ich mein ganzes Leben hingearbeitet hatte. Mein Vater und ich haben immer davon geträumt. Aber ich hoffe, das war erst der Anfang.

3 Rallye-Star Sébastien Ogier hat am Anfang seiner Karriere gesagt: „Lieber werde ich einmal gegen Sébastien Loeb Weltmeister als dreimal ohne ihn.“ Ist es für dich ähnlich wichtig, Lewis Hamilton in einem direkten Duell der Giganten noch am Höhepunkt seines Schaffens besiegt zu haben?

Nein, dieser Umstand allein ist es nicht für mich. Das Ziel ist immer: die Weltmeisterschaft zu gewinnen! Dafür muss man so viele gute Fahrer besiegen, jeden für sich. Da geht es nicht nur darum, Lewis zu schlagen.

4 Dein Verhältnis zu Lewis Hamilton?

Wir hatten unsere Kämpfe, aber da ist auch ganz viel Respekt. Er ist einer der größten Rennfahrer, die es je gab.

5 Michael Schumacher, ein enger Freund deines Vaters, war für dich als Kind so etwas wie ein Onkel. Wie fühlte sich das an?

Da sind schon viele schöne Erinnerungen. Wir waren gemeinsam in den Ferien, im Sommer in Frankreich, aber auch im Winter. Im Nachhinein ist das etwas sehr Schönes und ganz Besonderes, obwohl mir damals natürlich nicht so bewusst war, mit wem ich da spiele.

6 Wer ist für dich der größte Sportler aller Zeiten?

Ich finde es immer schwierig, so etwas zu sagen, es hat in der Formel 1 so viele große Rennfahrer gegeben. Und was Sportler insgesamt betrifft, gilt für mich erst recht: keine A hnung.

7+8 Wie erklärst du einem plötzlich auftauchenden Marsmenschen die Formel 1?

Als Erstes hoffe ich, dass wir dieselbe Sprache haben, das ist das Wichtigste, sonst geht gar nichts (lacht).

Aber wie würdest du dem Außerirdischen deinen Sport erklären?

Die coolsten Momente in der Formel 1 würde ich jedenfalls so erklären: schnell auf der Geraden, gut auf der Bremse zu sein – und natürlich auch die Fliehkräfte zu spüren, die in der Kurve wirken.

9 Deine klare Entscheidung war, als Weltmeister künftig mit der Nummer 1 zu fahren – von diesem Vorrecht hat Lewis Hamilton nie Gebrauch gemacht: Warum wechselst du die Startnummer?

Das ist ganz einfach. Die Eins ist die schönste Nummer in der Formel 1, und die Chance, sie zu wählen, hast du in nicht so vielen Saisonen. Daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich sie nehme. Meine bisherige Nummer 33 war ursprünglich auch nicht meine Lieblingsnummer, das wäre die Drei gewesen. Die hatte aber schon Daniel Ricciardo, als ich in die Formel 1 kam.

Zeit, um den Sportler Max Verstappen langsam hinter sich zu lassen – und sich dem Menschen anzunähern. Vielleicht, indem man über sein liebstes Werkzeug redet: Autos.

10 Du bist der erste Formel-1- Weltmeister, der seine Kindheit im neuen Jahrtausend erlebt hat. Welches Auto war das erste, das dich geprägt hat?

Das erste, an das ich mich erinnern kann, ist der Arrows (oben rechts; Anm.), mit dem Vater in der Formel 1 gefahren ist, Anfang der Nullerjahre.

Das war ein oranger Rennwagen – ein schönes Auto!

11 Wie viele Autos stehen in deiner Garage? Genug.

Max ist kein Protz, er definiert sich nicht über seinen Besitz, würde nie damit angeben.

Man weiß aber, dass er einen Porsche GT3 RS sehr schätzt, den er jüngst auch auf einer Rennstrecke in Portugal für eine schnelle Spritzfahrt verwendet hat. Auch mit Sportwagen der Marken Aston Martin (DB 11), Ferrari (488 Pista) und Honda (NSX) wurde er schon gesichtet.

12 Du bist der erste Mensch, der einen Vertrag als Formel-1-Pilot unterschrieben hat (mit sechzehn in Graz; Anm.) – und der erst danach den Führerschein gemacht hat. Wie hat sich das denn angefühlt?

Ich war natürlich nervös bei der Prüfung, denn ich hatte nur eine Chance. Danach wäre ich nämlich zwei Monate nicht zu Hause gewesen, und da wollte ich unbedingt davor noch meinen Führerschein bekommen. Da war ordentlich Druck drauf. Der Fahrlehrer war streng und hat mich natürlich so behandelt wie alle anderen auch. Aber es hat geklappt.

13 Welche Verkehrsregel würdest du abschaffen?

Keine. Ich denke, das passt schon. Ich fahre sowieso nicht allzu viel, und ich verstehe natürlich auch, dass du ein Limit hast auf normalen Straßen. Für mich passt alles. Es ist okay, so wie es ist.

So manch Vierundzwanzigjähriger hat schon (zu) viel Geld in Autos investiert, Max dagegen verdient mit Autos Millionen. Reden wir also mal kurz übers Business.

14 Wie viel Bargeld hast du bei dir?

Nicht viel. Manchmal habe ich auch kein Bargeld mit, keinen Cent. Nur die Kreditkarte ist immer dabei.

Kein Bargeld mitzuhaben hat in Formel-1-Fahrerkreisen Tradition. Berühmt ist die Geschichte, die Niki Laudas einstige PR-Chefin Agnes Carlier erzählt. Sie war nach dem WM-Finale 1984 mehrere Wochen mit Lauda und seinem Teamkollegen Alain Prost auf Promo-Tour für Marlboro.

Sparfuchs Lauda wettete am Anfang der Reise mit Prost, dass er keinen einzigen Dollar ausgeben würde. Er gewann und bekam von Prost noch den Wetteinsatz, 100 Dollar oder so.

15 Investierst du eher in Aktien oder in Kryptowährungen?

Keine Krypto bis jetzt!

16 Was war deine erste Siegesprämie?

Das war ganz früh, vielleicht 100 Euro. Oder 200? Es könnte aber auch so etwas wie ein Satz Reifen gewesen sein.

17 Wie hast du dich für den Titel belohnt? Etwa mit einem Luxusgeschenk?

Eigentlich gar nicht. Erst war ich ein paar Wochen nicht daheim, und dann bin ich wieder auf den Simulator gegangen, wie ich das immer mache.

Ich habe trainiert, mir aber nichts gekauft.

Ein aufwendiger Lebensstil liegt Max nicht besonders. Er lebt zwar in Monaco, dies aber recht zurückgezogen und vor allem aus logistischen Gründen. Man kann dort gut trainieren. Das Jet-Set-Leben seines Rivalen Lewis Hamilton ist Max’ Sache nicht.

Seine Freundin Kelly Piquet, die Tochter des dreifachen Formel‐1-Weltmeisters Nelson Piquet, und die Familie – Vater Jos fuhr 107 Grands Prix, Mutter Sophie Kumpen war eine der schnellsten Kart-Fahrerinnen der Welt, sie besiegte sogar Jenson Button in einigen Rennen, und Schwester Victoria, die eben ihr zweites Baby bekommen hat – haben bei ihm Vorrang gegenüber Partys.

18 Wie schläfst du nach einem Rennen?

Manchmal gut, manchmal schlecht. Das hängt natürlich auch vom Resultat ab. Aber meistens gut.

19 Kochst du manchmal selbst?

Nein.

20 Wie kommst du wieder in deine Mitte, wenn du mal nicht gut drauf bist?

Dann mache ich etwas ganz anderes. Zum Beispiel fahre ich dann mit dem Simulator. Oder ich rede mit meinen Freunden oder der Familie.

21 Hast du eine Lieblingsserie im Fernsehen?

Aktuell gar keine, als Kind jedes Jahr eine andere.

22+23 Sein Teamchef Christian Horner erzählt, dass Max allein beim USA-Grand-Prix 2021 rund 14 Stunden lang „FIFA“ spielte. Es ist seine Art, sich von der knallharten Formel‐1- Realität zu lösen. Und das macht der Ehrgeizling wieder mit dem, was er braucht und liebt: dem Wettkampf.

Im Internet erzählt man sich, dass du auch im Computerspiel „FIFA“ Weltklasse seist – Nummer 21 des weltweiten Rankings des Spielmodus „FIFA Ultimate Team“ im Januar 2019. Kannst du das bestätigen?

Auf „FIFA“ geht es schon ganz gut. Ich bin kein Pro, aber es macht Spaß.

Wie würdest du dich selbst bewerten?

Gut. Nicht schlecht. Nein, doch: gut!

24 Wenn man von Beruf Rennfahrer ist, kann man sich ja kaum eine Freizeitbeschäftigung vorstellen, die einen ähnlichen Adrenalinkick bringt als der eigene Job. Was machst du denn in der Freizeit am liebsten?

Mein liebstes Hobby ist eigentlich Simulatorfahren.

25 Wir gehen davon aus, dass dein Leben eines Tages verfilmt wird – und auch dein episches Duell gegen Lewis Hamilton 2021. Wer soll dich spielen?

Ich hoffe erst mal, dass das nie passiert. Das brauche ich nicht! Aber wenn doch und jetzt, dann könnte mich Leonardo DiCaprio spielen.

Das wäre schön.

Für Max gilt die alte Weisheit: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Wie sonst wäre er technisch so kompetent und so sprachgewandt. Er spricht Limburgisch (seine Muttersprache, verbreitet im deutsch-holländisch-belgischen Grenzgebiet), Niederländisch, Deutsch und Englisch fließend, auch Italienisch, Französisch und Portugiesisch beherrscht er in gewissem Umfang.

26 Schule war nie so dein Ding?

Die mochte ich überhaupt nicht, gar kein Fach. Am ehesten noch Geschichte.

27 Welche Sprache würdest du noch gerne lernen?

Chinesisch.

28 Deine liebste App?

WhatsApp.

29 Noch Fragen, die der Reporter Verstappen dem Weltmeister Verstappen stellen würde?

Nein, ich denke, es passt und es ist genug gesagt.

30 Okay, dann aber noch je eine Frage, zwei deiner wichtigsten Mentoren betreffend – die Österreicher Helmut Marko und Franz Tost. Was fällt dir zu ihnen ein?

Das Jahr mit Franz als Teamchef bei Toro Rosso war ein super Jahr. Franz hat sehr viel Erfahrung in der Formel 1, wir haben bei jedem Rennen viel geredet – und tun das immer noch, auch wenn ich jetzt in einem anderen Team bin, haben wir Kontakt.

31 Und Helmut Marko?

Und mit Helmut Marko, der mir meinen ersten Vertrag in der Formel 1 gegeben hat, habe ich sehr viele coole Sachen erlebt – und mein Wunsch ist es, dass das noch viele Jahre so bleibt.

Zeit für eine kleine Zwischenfrage, die wir von Max an seinen Mentor weiterreichen.

32 Herr Dr. Marko, wie hat sich Max in diesen bislang sieben gemeinsamen Jahren verändert?

Er ist erst 24, hat einen stattlichen Reifeprozess hinter sich. Das ist von außen gar nicht so sichtbar. Früher ist er immer explodiert, wenn wir im Training technische Probleme hatten. Heute bleibt er ruhig. Und er ist auch in den Jahren zum Team gestanden, als klar war, dass wir keine Chance auf den Weltmeistertitel haben. Was ihn aber, wie andere Champions auch, auszeichnet, das ist diese totale Fokussierung, man kann es auch Rücksichtslosigkeit nennen. Es gibt für ihn nichts anders als: „Ich will gewinnen und mache alles dafür!“

33 Max, deine Lehren aus der bereits legendären Saison 2021 fürs echte Leben?

Dass man dranbleiben und bis zur letzten Runde an seine Chance glauben muss.