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3D: Vom Überflieger zum Reizwort


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HDTV Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 28.01.2022

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Bildquelle: HDTV Magazin, Ausgabe 1/2022

Als 2009 neugierige Technikfans das IFA-Messegelände in Berlin besuchten, staunten sie nicht schlecht: An zahlreichen Ständen konnten 3D-Fernseher begutachtet werden. Die Überraschung war umso größer, da der offizielle Start ins 3D-Zeitalter erst 2010 auf der CES in Las Vegas erfolgte.

Der Auslöser des 3D-Hypes im Jahr 2009 lässt sich in einem Wort zusammenfassen: „Avatar“. James Camerons Sci-Fi-Film sorgte für einen regelrechten 3D-Technologie-Boom, der von den Kinosälen auf die TV-Bildschirme überschwappte. Plötzlich reichte eine konventionelle 2D-Darstellung nicht mehr aus, stattdessen sollten Zuschauer in die plastischen 3D-Welten eines Films hineingezogen werden. Dass TV-Hersteller diesen Trend aufnahmen, ist keine Überraschung, doch die Geschwindigkeit, mit der 3D-Fernseher präsentiert wurden, war bemerkenswert. Die 3D-TV-Präsentationen auf der IFA 2009 verliefen mittels Prototypen und ...

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... bereits ein Jahr später kamen die finalen 3D-TV-Geräte auf den Markt.

Blu-ray als 3D-Maßstab

Im HDTV Magazin testeten wir zwischen 2010 und 2016 eine Vielzahl exzellenter 3D-Fernseher und zugleich explodierte das Angebot an 3D-Inhalten. Als Zugpferd galt die 3D-Bluray-Disc, die 3D-Bilder in Full-HD-Auflösung ermöglichte. Dies stellte eine besondere technologische Hürde dar, denn der bisherige Blu-ray-Standard erlaubte eine echte Full-HD- Auflösung (1 920 × 1 080 Pixel pro Einzelbild) nur bei einer 24-Hz-2D-Übertragung. Sollten mehr Bilder pro Sekunde übertragen werden (50 oder 60 Hz), zog dies eine Auflösungsreduzierung auf 720p- (1 280 × 720 Pixel pro Einzelbild) oder 1 080i-Niveau (1 920 × 540 Pixel pro Einzelbild) nach sich, um die vorgeschriebene Bandbreite einzuhalten. Der 3D-Blu-ray-Standard ging Hand in Hand mit der damals neuen HDMI-Version Version 1.4, um 3D-Kinobildsignale in Full-HD-Qualität übertragen zu können. Per Frame Packing wurden die Bilder für das linke und das rechte Auge in einem „Megaframe“ übertragen: Die Gesamtauflösung von 1 920 × 2 205 Pixel errechnet sich durch zwei Full-HD-Bilder pro Sekunde plus eines zusätzlichen Puffers von 45 Bildzeilen zwischen den beiden Full-HD-Bildern. Effektiv verarbeiteten die 3D-Fernseher damit 48 Bilder pro Sekunde, wobei für jedes Auge 24 Kinobilder pro Sekunde angezeigt werden. Die tatsächliche Bildwiederholrate der 3D-Displays war wesentlich höher, um ein Bildflackern gerade im Zusammenspiel mit 3D-Shutter-Brillen zu minimieren. Neben Plasma-TVs konnten sich die leistungsstärksten LCD-TVs auszeichnen, die im Full-HD-Zeitalter mit 200-/240-Hz-Panels auftrumpften. Auch im Videospielbereich wuchs 3D zum wichtigen Thema heran: Neben Sonys Playstation 3 waren auch PC-Grafikkarten von Nvidia in der Lage, 3D-Bilder mit den neuen 3D-Fernsehern anzuzeigen. Die technischen Einschränkungen erforderten allerdings eine Reduzierung der Auflösung (720p-Niveau), da 60 Bilder für das linke und rechte Auge übertragen werden sollten (effektiv 120 Hz). Selbst 3D-Fernsehinhalte z. B. über Sky wurden per Side-by-Side-Verfahren in 1080i- und 50-Hz-Qualität ausgestrahlt, um Dokus, Musikshows und Sportevents greifbar abzubilden.

Die Blütezeit von 3D

Um in die 3D-Welten abtauchen zu können, war ein neuer 3D-Fernseher inklusive 3D-Brillen notwendig – bisherige Fernseher zeigten mit 3D-Signalen nur eine schwarzes, verschwommenes oder geteiltes Bild an. Die Hürde, 3D nachvollziehbar präsentieren zu können, war deshalb hoch: Nur wer es selbst ausprobieren konnte, verstand die Faszination hinter der neuen Technik. Als besonderes Highlight blieben uns nach „Avatar“ das 3D-Remaster von „Titanic“, „Cirque du Soleil: Traumwelten“, „Life of Pi“, „Hugo“, „Gravity“, „Pina“, „Tron: Legacy“ und zahlreiche Action-Blockbuster („Hobbit-Trilogie“) sowie Animationsfilme im Gedächtnis hängen, die den 3D-Effekt auf innovative Weise in die Bildsprache integrierten. Für Aufsehen sorgten ebenfalls 3D-Blu-ray-Discs beliebter Marvel-Superheldenfilme, allerdings nicht aufgrund des 3D-Effekts, sondern weil Disney die Blu-ray-3D-Fassungen damals exklusiv mit dem IMAX-Bildformat ausstattete. Besitzer der 3D-Version sahen damit deutlich mehr vom Film als Käufer der 2D-Varianten. Da die 3D-Inhalte im Kinobereich zur Norm wurden und die Verbreitung von 3D-Blu-ray-Discs an Fahrt aufnahm, zeigte sich auch bei den TV-Herstellern eine Aufbruchstimmung. Fernseher wurden immer besser für die 3D-Wiedergabe optimiert und aufgrund der meist guten Panelqualität samt schneller Pixel-Schaltzeiten profitierte sogar die 2D-Wiedergabe von diesen Fortschritten. Apropos 2D: 3D-TV-Hersteller integrierten einen zusätzlichen Mehrwert für Gamer und machten sich die doppelte 2D-Bildausgabe der 3D-Fernseher zunutze. Statt der Wiedergabe eines 3D-Bildes konnten zeitgleich zwei unterschiedliche 2D-Bilder dargestellt werden, was mit 3D-Polfilter-TVs entsprechende 2D-Brillen mit identischen Filtern voraussetzte. Videospieler konnten auf diese Weise Games im Splitscreenformat über die Top-Bottom- oder Side-by-Side-3D-Einstellung im Vollbildformat genießen und jeder Spieler sah seinen eigenen Bildschirminhalt.

Doppelte Herausforderung

Die 3D-Blu-ray-Disc stellte eine nie dagewesene technologische Hürde dar. Lange Zeit waren einzig Full-HD-Fernseher mit aktiven Shutter-Brillen in der Lage, die Full-HD-3D-Auflösung für jedes Auge sicherzustellen. Die für Wohnzimmerverhältnisse besser geeignete Polfiltertechnik ermöglichte hingegen nur eine halbierte Full-HD-3D-Auflösung je Auge. Da es keinen technologischen roten Faden bei der 3D-TV-Vermarktung gab, war die Wiedergabe oftmals ein undurchsichtiges Chaos. Polfilter-3D-TV-Hersteller behaupteten, dass trotz halbierter Auflösung eine Full-HD-Qualität geboten wird, obwohl dies nicht der Wahrheit entsprach und nicht jeder 3D-Fernseher mit Shutter-Technologie zeigte die 3D-Blu-ray- Signale verlustfrei an, sondern es konnten selbst bei Shutter-3D- Systemen Auflösungsdefizite auftreten. Um die 3D-Bilder perfekt voneinander zu trennen, waren mit dem aktiven Shutter-System zudem sehr schnelle Pixel-Umschaltzeiten eine Grundvoraussetzung, sonst zeigten sich Doppelkonturen und Geisterbilder. Neben Plasma-TVs überzeugten vor allem High-End-LCD-Fernseher mit echten 200/240-Hz-Panels in unseren 3D-TV-Tests. Mit einem derartigen Aufwand war es möglich, eine exzellente 3D-Qualität ohne störende Doppelkonturen und Flimmereffekte sicherzustellen. Dem nicht genug, erlaubten viele Fernseher eine Zwischenbildberechnung mit 3D-Filmen, um den butterweichen „Hobbit“-Look aus dem Kinosaal nachzuempfinden. Zwischen 2012 und 2016 wurde die bestmögliche Blu-ray-3D-Wiedergabe dank neuer 4K-Panels erreicht: Die Full-HD-Qualität der Blu-ray-3D ließ sich in Kombination mit dem wohnzimmerfreundlichen Polfiltersystem ohne Qualitätsverluste umsetzen. Was zum damaligen Zeitpunkt noch niemand wusste: Just, als die neuen 4K-LED-LCD- und 4K-OLED-Fernseher optimal für die 3D-Blu-ray-Wiedergabe optimiert waren, wurden im Hintergrund die Pläne für einen technologischen Kahlschlag des 3D-Standards geschmiedet.

Der Niedergang von 3D

3D-TV-Fans wurden in den Jahren 2015 und 2016 eiskalt überrascht, denn es machten im Zuge der neuen 4K-HDR-Richtlinien Gerüchte die Runde, dass TV-Hersteller den 3D-Standard langfristig nicht mehr integrieren würden. Bereits 2017 verzichteten die meisten TV-Hersteller auf die 3D-Unterstützung und plötzlich blieb der Bildschirm mit 3D-Discs schwarz. Ein wesentlicher Hauptgrund für den 3D-Ausstieg vieler TV-Hersteller: Nach dem DVD- und Blu-ray-Disc-Zeitalter schien die Zukunft der Filmbranche plötzlich im Internet-Streaming-Segment zu liegen. Allerdings streamten keine Filmanbieter im 3D-Format und auch der Nachfolger der Blu-ray-Disc ließ aufhorchen: Für Ultra-HD-Blu-rays wurde kein 3D-Standard definiert, stattdessen wurden 4K und HDR zur neuen Norm. Die Konsequenz: 3D-Versionen von Filmen erschienen auf herkömmlichen Blu-rays neben der Ultra-HD-Disc-Variante oder innerhalb kostspieliger Sondereditionen mit mehreren Discs. Die 3D-Gaming-Welle war ebenfalls abgeebbt: Sony erlaubte die 3D-Bluray-Wiedergabe nach der Blütezeit mit der PS3 erst nach einem späteren Softwareupdate mit der Playstation 4 und weder PC-, noch Xboxnoch Playstation-Gamer interessierten sich für das Thema 3D. Die 3D-Blu-ray-Disc wurde mehr und mehr zum Sammelgegenstand für Technikliebhaber. Stattdessen fokussierten sich Spielehersteller wie Sony, Valve und Facebook auf das Thema der virtuellen Realität (VR). Immerhin: Wer sich mit der PS4 (Pro) und der Playstation-VR-Brille ausstattete, konnte seine 3D-Blu-ray-Filmsammlung weiterhin in einem virtuellen Kinosaal in 3D-Qualität erleben. Bezeichnend für den aktuellen Stand von 3D im Wohnzimmer: Die Blu-ray-3D-Funktion ist nicht mit der PS5 umsetzbar, weshalb die PS4 (Pro) zusammen mit der Playstation-VR-Brille vielerorts die letzte Möglichkeit bleiben dürfte, 3D-Blu-ray-Discs abzuspielen.

Sündenbock gesucht

Das Scheitern des 3D-Standards war keinesfalls neu. Bereits in der Vergangenheit, als Rot-Grün-Brillen eingesetzt wurden, versuchten Spielehersteller wie Nintendo mit dem „Virtual Boy“ vergeblich, den 3D-Standard zu etablieren. Somit überrascht es nicht, dass das Scheitern von 3D immer wieder mit der notwendigen 3D-Brille in Zusammenhang gebracht wird. Die neue 3D-Technologie mit aktiven Shutter- oder Polfilterbrillen war der alten Rot-Grün-3D-Technik zwar meilenweit voraus, doch 3D-Fernseher benötigten weiterhin 3D-Brillen. Leider einigten sich die TV-Hersteller nicht auf einen gemeinsamen Standard, sondern es kaum zum Technologie-Wirrwarr. Auf der einen Seite die Shutter-3D-Technik, die auf vergleichsweise klobige 3D-Brillen setzt, die aktiv über einen Akku oder eine Knopfzelle gespeist werden. Die vermeintlichen normalen Brillengläser sind bei 3D-Shutter-Brillen LC-Screens, die aktiv geöffnet und geschlossen werden. Ein kostspieliger Materialeinsatz und eine fragwürdige Ökobilanz gerade bei Brillen mit Knopfzellen lassen die Shutter-3D-Technik aus heutiger Sicht in keinem guten Licht erscheinen. Deutlich besser machte es die Polfilter-3D-Technik: Durch einen Zusatzfilter im TV-Screen konnten 3D-Polfilter-Fernseher das Licht für die beiden 3D-Bilder Bildzeile für Bildzeile unterschiedlich polarisieren und mittels 3D-Polfilter-Brille wurden die Bilder für das linke und rechte Auge exakt gefiltert. Der Vorteil: Die Brillen sind komplett passiv, leicht und komfortabel zu tragen und können sogar in vielen Kinosälen eingesetzt werden (umgekehrt kann auch die 3D-Kinobrille mit dem 3D-Fernseher genutzt werden). Die Nachteile: Lange Zeit war es nicht möglich, eine Full-HD-3D-Bildqualität mit einem Polfilter-3D-Fernseher zu erreichen und der Zusatzfilter erfordert eine korrekte Sitzposition. Wer bei einem Polfilter-Fernseher von zu weit ober- oder unterhalb auf das TV-Display schaut, erkennt nur noch Doppelbilder. 3D-TV-Hersteller, die auf die Shutter-Technik setzten, saßen zunehmend in einer Kostenfalle: Nur mit leistungsstarken und teuren Panels überzeugte die 3D-Qualität, während billigere 60-Hz-LCD-Panels mit langsameren Pixel-Schaltzeiten enorm lange Schwarzphasen notwendig machten, um Doppelkonturen zu unterdrücken. Das Ergebnis: Flackernde 3D-Bilder im Wohnzimmer, die zugleich viel zu dunkel erschienen oder extreme Doppelkonturen. Einige Anbieter eliminierten sogar Filter in den 3D-Shutter-Brillen, um die Lichtausbeute zu optimieren, was aber eine korrekte Kopfhaltung voraussetzte, sonst drohten ebenfalls Doppelkonturen. Zudem wählten viele 3D-TV-Hersteller unterschiedliche Shutter-Frequenzen, die 3D-Shutter-Brillen waren oftmals nicht untereinander kompatibel und die hohen Preise der Shutter- Brillen standen in keinem gesunden Verhältnis zum gebotenen Mehrwert.

3D floppt auch ohne Brille

Dass die 3D-Technik trotz enormer technologischer Verbesserungen aufgrund der 3D-Brillen floppte, ist nur die halbe Wahrheit, denn auch 3D-Lösungen ohne Brillenzwang erging es nicht viel besser. Allen voran Nintendo wollte es im 3D-Zeitalter noch einmal wissen: 2011 sollte es der Nintendo 3DS richten, doch die Verkaufszahlen des Handhelds mit 3D-Technik ließ stark zu wünschen übrig. Das Problem: Nintendo verlangte knapp 250 Euro zum Start, um den 3DS mit einem kostspieligen 3D-LC-Screen mit Gewinn verkaufen zu können. Der Clou: Der Filter ermöglichte die 3D-Betrachtung ohne Brille, doch dabei musste der Handheld in exakter Position gehalten werden, was mit actionreichen Videospielen keinesfalls komfortabel war. Die Verkaufszahlen waren dermaßen ernüchternd, dass der Preis umgehend auf 169 Euro gesenkt und ein Nachfolgemodell entwickelt wurde. Der New 3DS erfasste mittels Kameras die Augenpositionen und vergrößerte damit den 3D-Sweetspot beim Spielen. Langfristig wurde der 3DS zwar zum Erfolg, allerdings rückte die 3D-Funktion immer stärker in den Hintergrund und mit dem 2DS stampfte die Nintendo die 3D-Wiedergabe der Spiele vollständig ein. 3DS-Spielern erging es somit ähnlich wie den Blu-ray-3D-Sammlern zuvor: Ohne einen 3DS konnte die Spielesammlung nicht mehr in 3D-Qualität erlebt werden.

3D scheitert auf ganzer Linie

2012 wurde der erste 3D-Fernseher präsentiert, der vergleichbar zum Nintendo 3DS keine 3D-Brille erforderte. Der Toshiba 55ZL2 sorgte für die wohl längsten Schlangen auf der IFA in Berlin, denn es war der erste 4K-LCD-Fernseher, der mit einem komplexen Filtersystem ausgestattet wurde, das es erlaubte, 3D-Bilder ohne Brille zu genießen. 3D ohne Brille galt als der Türöffner, um das 3D-Format langfristig im Wohnzimmer zu etablieren. Doch der Toshiba 55ZL2 zeigte eine derart schlechte 3D-Qualität, dass jegliche Hoffnung auf eine brillenlose 3D- Zukunft vorzeitig schwand. Die 3D-Faszination schlug in den nächsten Jahren schnell in Resignation um: Die praktische 3D-Polfiltertechnik bedeutete einen höheren Aufwand für die Display-Hersteller, während die Shutter-Technik durch die aktiven 3D-Brillen zu umständlich für den Wohnzimmereinsatz im Familienkreis war.

Angesichts dieser trostlosen Bilanz erscheint es nachvollziehbar, dass TV-Hersteller die Lust an der 3D-Technik zunehmend verloren. Zunächst preschte Samsung 2016 vor und eliminierte die 3D-Funktion aus den eigenen Fernsehern und später sogar aus den Blu-ray-Playern. Nur ein Jahr später folgten nahezu alle TV-Hersteller diesem Beispiel, sodass bereits 2017 das Ende von 3D im TV-Segment besiegelt wurde. Vor fünf Jahren mussten wir in unserer Ausgabe 1.2017 ernüchternd festhalten: „Der Technologiefortschritt bedeutet in mancher Hinsicht auch einen Rückschritt. Das 3D-Format scheint spätestens mit der Einführung der 2017er-Modelle komplett auszusterben und häufig zeigen neue Fernseher nur noch ein schwarzes Bild, sobald eine 3D-Blu-ray eingelegt wird. Inhalteanbieter und TV-Hersteller arbeiten somit nicht immer Hand in Hand und beim Kunden wächst die Unsicherheit, ob aktuelle Technik eine sichere Investition für die Zukunft darstellt.“ In unseren TV-Tests spielt 3D schon seit einigen Jahren keine Rolle mehr, während wir dem 3D-Format zur Blütezeit mit dem 3D-TV-Magazin sogar eine eigene Plattform widmeten. Nur manchmal überprüfen wir aufgrund nostalgischer Neugierde, wie sich 3D-Blu-ray-Signale mit modernen Fernsehern verhalten. Meist bleibt der Bildschirm dabei schwarz, doch manchmal flackert die Faszination der 3D-Vergangenheit auf: nicht als 3D-Bild, sondern als übereinandergestapelte 2D-Bilder – der „Röntgenblick“ auf das Blu-ray-3D-Frame- Packing-Format. Der Geist von 3D lebt somit weiter. Deshalb unser Tipp: Bewahren Sie Ihre 3D-Blu-ray-Sammlung in Ehren, man kann schließlich nie wissen, wann die 3D-Geister das Wohnzimmer erneut heimsuchen.

CHRISTIAN TROZINSKI

Die besten 3D-Fernseher aller Zeiten