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40 Jahre für Natur und Umwelt


natur - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 18.09.2020

Im Oktober 1980 ist unser Magazin erstmals erschienen. Heute wichtige Themen wie Wilderei und Artenschwund, Chemie auf dem Acker und die Gier nach fossilen Brennstoffen prägten bereits die Erstausgabe. Welche Aspekte das Magazin seither aufgegriffen hat, war oftmals durch große Ereignisse vorgegeben - im Guten wie im Schlechten. Eine Zeitreise in Episoden


Artikelbild für den Artikel "40 Jahre für Natur und Umwelt" aus der Ausgabe 10/2020 von natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: natur, Ausgabe 10/2020

Vielfältiger Protest: Sei es gegen die WAA in Wackersdorf oder bei Aktionen gegen das Waldsterben - die Umweltbewegung meldete sich lautstark zu Wort. Und errang einige Etappensiege


Vierzig Jahre. Das ist mehr als eine Generation. In dieser Zeit ist ...

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... durch gute Zeiten gegangen und durch weniger gute. 13 Chefredakteure und -redakteurinnen haben dem Blatt ihren Stempel aufgedrückt. Natürlich nie allein; immer waren es die Redakteure, Autorinnen und Fotografen, die Natur und Umwelt für die Leser im Auge hatten. Vieles ist passiert, was das Team berichtet hat und einzuordnen wusste. Die vier Jahrzehnte sind geprägt von den größten Umwälzungen, die der Planet seit der Eiszeit erlebt hat. Hier ist eine Auswahl.

1980 Greenpeace stoppt Verklappung

Noch bevor Greenpeace in Deutschland einen eigenen Landesverband gründete, machten die Aktivisten bundesweit Schlagzeilen, indem sie das machten, was sie schon immer gut konnten: Die Regenbogenkämpfer banden sich mit Schlauchbooten am 13. Oktober im Hafen von Nordenham an der Unterweser an die „Kronos“ und verhinderten damit ihr Auslaufen. Das Schiff war voll beladen mit Dünnsäure verschiedener Chemiekonzerne und sollte die Säure in der Nordsee verklappen, sprich: einfach ins Meer kippen. Seinerzeit ein vollkommen legaler Vorgang. Die Proteste zeigten Wirkung. Der Bayer-Konzern beendete bald darauf die Praxis, Dünnsäure auf diese billige Art zu entsorgen, in Deutschland ist sie seit 1990 grundsätzlich verboten.

Waldsterben

Es gibt kein einzelnes Ereignis oder Jahr, an dem sich das Sterben von Fichten, Tannen oder Kiefern festmachen lässt. Spätestens in den 1980er Jahren traten in Mittel- und Nordeuropa teilweise großflächig neuartige Waldschäden auf. Als Hauptverursacher wurde Schwefeldioxid ausgemacht, das vor allem durch die Abgasschlote der Stahl- und Kohlekraftwerke über Hunderte von Kilometern an die Umwelt abgegeben wurde. Mit dem nächsten Regen verband es sich zu H2S04 - schwefliger Säure - und sorgte für den sogenannten sauren Regen. Das war nicht nur für die Wälder pures Gift, sondern auch für Kulturdenkmäler wie das Freiburger und Konstanzer Münster oder den Kölner Dom. Deren filigrane Sandsteinornamente und Figuren wurden im wahrsten Sinne des Wortes zerfressen. Die Politik erließ strenge Emissionsgrenzwerte, Kraftwerksfilter lösten das Problem. Lag die Schwefeldioxid-Konzentration in der Luft im Rhein-Main-Gebiet Ende der 1970er Jahre noch bei 120 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, so sank sie bis zum Anfang des neuen Jahrtausends auf weniger als ein Zwanzigstel.

1985-1989 Der Kampf um Wackersdorf

Am 4. Februar 1985 entschied sich die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen für Wackersdorf als Standort für eine Wiederaufarbeitungsanlage (WAA). Bereits zwei Wochen später gingen 40 000 Menschen im nahe gelegenen Schwandorf auf die Straße. Mütter, Hausfrauen, Beamtinnen stritten dafür, ihre Heimat als lebenswerte Region zu erhalten. Bislang „staatstreue“ Männer solidarisierten sich mit sogenannten „Chaoten“, die in den Augen der bayerischen Staatsregierung nur angereist waren, um Randale zu machen. Hans Schuierer, von 1972 bis 1996 Landrat in Schwandorf, wurde zur Symbolfigur dieses Widerstands. Die Atomindustrie hat 1989 schließlich entschieden, dass es angesichts des nicht enden wollenden Widerstands besser sei, den Atommüll in die französische WAA La Hague zu bringen, und gab Wackersdorf als Standort auf. Die bereits investierten 2,5 Milliarden D-Mark waren buchstäblich in den Sand gesetzt.

Das Titelbild der natur ist immer auch dem Zeitgeist geschuldet. Die ersten Cover wurden alle noch extra gemalt


Der Atomausstieg kam und ging und kam, jetzt ist er da. Rot-Grün hatte die Abkehr von der Atomkraft auf den Weg gebracht. Aber erst Fukushima hat ihr Ende besiegelt


Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks schien alles möglich und wichtige Entscheidungen für den Planeten wurden getroffen. Sie fanden ihr Echo in der natur


1986 Die Katastrophe von Tschernobyl

Am 26. April passiert in Tschernobyl das, was die Atomindustrie jahrzehntelang als unmöglich beschrieben hat: Block 4 des Atomkraftwerks explodiert, weil ein Experiment außer Kontrolle geraten ist. Brennende Graphitblöcke schleudern tagelang radioaktives Material in hohe Luftschichten. Erst nach Wochen kann der Brand gelöscht werden. Die radioaktive Wolke zieht über halb Europa und offenbart der ganzen Welt in erschreckender Weise das Katastrophenpotenzial der Atomenergie. Wie viele Menschen an den Folgen des Unglücks inzwischen gestorben sind, ist umstritten: Nach Angaben der Liquidatorenverbände sind aber allein von den mehreren 100 000 Liquidatoren, die abkommandiert wurden, um die Katastrophe einzudämmen, 90 Prozent schwer erkrankt oder bereits gestorben. Wegen des langen Vorlaufs bei der Heftproduktion konnte natur erst Wochen nach der Katastrophe über die Ereignisse berichten.

Bundesumweltministerium gegründet

Es war ein PR-Desaster, das sich die damalige Bundesregierung angesichts der Tschernobyl-Katastrophe leistete: Der für Reaktorschutz zuständige Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) schließt drei Tage nach dem Reaktorunglück eine Gefährdung hierzulande „absolut aus“. Sie „besteht nur in einem Umkreis von 30 bis 50 Kilometern um den Reaktor herum“. Und: „Wir sind 2000 Kilometer weg.“ Zunächst sollte der Minister Recht behalten, die radioaktive Wolke zieht nach Norden. Doch dann dreht der Wind und trägt radioaktives Jod-131 und Caesium- 137 nach Deutschland. Niemand weiß, ob er noch Frischmilch trinken oder Salat essen kann. Fußballspiele werden abgesagt, Freibäder und Spielplätze gesperrt. In Oberschwaben, am Alpenrand und im Bayerischen Wald führen Anfang Mai 1986 heftige Gewitter dazu, dass die radioaktiven Spaltprodukte aus der Luft in den Boden gelangen. Vor allem Cäsium- 137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren sorgt bis heute für hohe Strahlenwerte. Am 6. Juni und nur wenige Wochen später wird das Bundesumweltministerium gegründet, damit es den Menschen Halt und Orientierung in Sachen Umwelt- und Naturschutz gibt. natur ist dabei ein wichtiger Partner.

1987 Montreal-Protokoll stopft Ozonschicht

Es war ein Meilenstein internationaler Umweltpolitik. Weil Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) die Ozonschicht zu zerstören drohen, unterzeichnen am 16. September 1987 24 Staaten und die Europäische Gemeinschaft das sogenannte Montrealer Protokoll. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, Produktion und Verbrauch von acht wichtigen FCKW und Halonen zu verringern. 30 Jahre später schreibt das Umweltbundesamt: „Durch die weltweite Umsetzung des Montrealer Protokolls werden die ozonschichtzerstörenden Stoffe wie FCKW heute kaum noch verwendet.“ In der Atmosphäre geht deren Konzentration zurück, „das Ozonloch wird kleiner“. Das erfolgreiche Abkommen wird oft mit dem Ziel verglichen, in vergleichbarer Weise das Klima zu schützen. Entscheidender Unterschied: Bei FCKW handelt es sich um eine einzelne Chemikalie, die durch eine andere ersetzt wurde, bei Erdöl und Kohle um die Treibstoffe der Industriegesellschaft.

1990 Fünf neue Nationalparks gegründet

Es war die letzte Sitzung. Am 12. September - drei Wochen vor der Deutschen Einheit - beschließt der DDR-Ministerrat, 14 neue Schutzgebiete einzurichten, darunter die Nationalparke Vorpommersche Boddenlandschaft, Sächsische Schweiz, Jasmund, Hochharz und Hainich. In den Jahren des Kalten Krieges waren es Sperrgebiete, in denen sich die Natur mehr oder minder ungehindert entwickeln konnte. Mit dem Beschluss haben Baulöwen und Straßenplaner das Nachsehen, dafür Seeadler, Kraniche, Luchse und Wildkatzen dauerhaft geschützte Lebensräume, an denen sich seither jedes Jahr Hunderttausende Besucher erfreuen. Drahtzieher im Hintergrund ist Michael Succow. Der damalige Umweltminister Klaus Töpfer bezeichnet die Naturlandschaften als „das Tafelsilber der Deutschen Einheit“. Daran hat sich bis heute nichts geändert.


Mit der Wende erhielt Deutschland fünf neue Nationalparks


Der Erdgipfel in Rio gilt als weltweites Signal für eine gemeinsame Anstrengung, unsere Lebensbedingungen zu erhalten; Umweltorganisationen und Indigene hatten genauso eine Stimme wie die Politik


1992 Der Erdgipfel in Rio

Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung treffen sich Politiker, Naturschützer und Medienvertreter aus 178 Ländern, um das Thema „nachhaltige Entwicklung“ auf allen Ebenen voranzubringen. Zwei Jahre vorher war der Eiserne Vorhang gefallen. Alles schien plötzlich möglich und machbar: die Bekämpfung der Armut, der Schutz des Klimas, der Ressourcen Wasser, Boden, Wald und nicht zuletzt der Artenvielfalt. Ein Ruck scheint durch die Menschheit zu gehen. Unser Magazin begleitet diesen Prozess als Sprachrohr der Umweltbewegung und mit einer Auflage von rund 200 000 Exemplaren.

Handstreichartig ist die neue Bundesrepublik zu einer ganzen Reihe von Schutzgebieten gekommen. Unter anderem an der Ostsee


Die Atomkatastrophe von Fukushima hat nicht nur die Heimat vieler Menschen zerstört; sie hat in Deutschland zu einem Umdenken in Sachen Atom geführt (l.)


Begleiten und Erklären war immer Teil des Konzepts; mal den Zauber des Herbstlaubs, mal die Rückkehr des Wolfs


1997 Kyoto-Protokoll verabschiedet

Auf der dritten UN-Klimakonferenz beschließen die Vertragsstaaten am 11. Dezember das sogenannte Kyoto-Protokoll. Es schreibt erstmals rechtlich verbindliche Begrenzungs- und Reduzierungsverpflichtungen für die Industrieländer fest, tritt aber erst 2005 in Kraft. 191 Staaten haben es inzwischen ratifiziert, darunter alle EU-Mitglieder sowie wichtige Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien und Südafrika. Die USA sind bis heute nicht dabei, Kanada ist im Jahr 2013 ausgetreten.

2001, 2010, 2011 Zickzackkurs um Atomausstieg

Im Konsens mit den großen Energieversorgern beschließt die rot-grüne Bundesregierung 2001, dass spätestens Ende 2021 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland stillgelegt werden soll. CDU/CSU und FDP stimmen der „Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen“ nicht zu und kassieren sie im Oktober 2010. Acht 1980 in Betrieb genommene Atomkraftwerke erhalten eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren, die übrigen eine von weiteren 14 Jahren. Nur wenige Monate später verändert der Super-GAU von Fukushima die politische Stimmung. „Die dramatischen Ereignisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt, ein Einschnitt für mich ganz persönlich“, betont Kanzlerin Angela Merkel in einer Regierungserklärung. Mit großer Mehrheit legt der Bundestag fest, einige ältere Meiler sofort stillzulegen und 2022 das letzte AKW abzuschalten. Den Steuerzahler kommt der Zickzackkurs voraussichtlich teuer zu stehen: Das Bundesumweltministerium geht 2018 davon aus, dass die Atomkonzerne „einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag“ als Schadensersatz erhalten werden. Die endgültige Höhe steht immer noch nicht fest.

2007 EU-Chemikalienverordnung REACH

Mit der Verordnung (EG) 1907/2006 bringt die EU eines der strengsten Chemikaliengesetze der Welt auf den Weg. Die Verordnung „Regulation concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals“, kurz REACH, nimmt Hersteller, Importeure und Anwender in die Verantwortung. „Sie müssen sicherstellen, dass Chemikalien, die sie herstellen und in Verkehr bringen, sicher verwendet werden“, so das Umweltbundesamt. Bislang wurden 181 Chemikalien identifiziert, die schwerwiegende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben. Die Substitution besonders gefährlicher Stoffe wird staatlich gefördert - und notfalls verboten. Die EU hat beispielsweise Chrom, Nickel und Blei in Verbraucherprodukten untersagt und seit 2020 auch das Umwelthormon Bisphenol-A in Kassenzetteln. Die Alternative BPS ist allerdings auch umstritten.

2011 Fukushima explodiert

Hatten westliche Atomtechniker nach Tschernobyl immer wieder die schlechte sowjetische Technik kriti- siert und darauf verwiesen, dass die eigenen Sicherheitsstandards einen solchen Unfall mit absoluter Sicherheit ausschließen würden, so belehrt sie Fukushima eines Besseren. Am 11. März 2011 zerstört ein 15 Meter hoher Tsunami das Kühlsystem des Kernkraftwerks. Innerhalb von vier Tagen werden vier der sechs Reaktorblöcke zerstört, in den Blöcken 1 bis 3 kommt es zu einer Kernschmelze. Millionen Zuschauer verfolgen Explosionen und Kernschmelze an ihren Bildschirmen mit. Die Atomindustrie kann das Ausmaß der Katastrophe weder vertuschen noch verschleiern. Alle 54 Reaktoren in Japan werden nach der Katastrophe vom Netz genommen, nur neun sind inzwischen wieder hochgefahren. Und nicht nur Deutschland hat entschieden, sich von Atomkraft zu verabschieden. Belgien, Spanien, die Schweiz und Südkorea haben den Ausstieg ebenfalls beschlossen.

2013 CO20-Konzentration über 400 ppm

Am 9. Mai 2013 misst die Nationale Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung in Mauna Loa im Bundesstaat Hawaii einen CO2-Tagesdurchschnittswert von 400,03 Teilen pro Million (ppm) - neuer Rekord. In vorindustrieller Zeit lag der Wert noch bei 280, im vergangenen Jahr bereits bei 411 ppm. Allen Klimakonferenzen und Absichtserklärungen zum Trotz konnte der Anstieg des klimaschädlichen Gases bisher nicht gebremst werden. Im Gegenteil, er beschleunigt sich sogar: In den 1960er Jahren lag er jährlich noch bei 0,9 ppm, in den 1990er Jahren bereits bei 1,5 ppm und in den vergangenen Jahren sogar deutlich über 2 ppm. Dieses Jahr dürfte Corona für einen geringeren Anstieg sorgen.

2015 Das Pariser Klimaabkommen

Am Abend des 12. Dezember verkünden Frankreichs Präsident François Holland, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und UN-Klimachefin Christiana Figueres Hand in Hand Historisches: Alle 195 Mitgliedsstaaten der UN haben sich auf ein Klimaabkommen geeinigt, das diesen Namen auch verdient. Die Weltgemeinschaft hat sich verpflichtet, bis zur Mitte des Jahrtausends weitgehend auf Kohle, Öl und Gas zu verzich verzichten. Wie schwer es allerdings werden wird, den Vertrag umzusetzen, zeigt bereits ein Blick auf Deutschland - in Sachen Klima eigentlich ein Musterschüler. Zwischen 1990 und 2015 hat es das wiedervereinigte Land geschafft, seine CO2-Last von 1250 auf 908 Millionen Tonnen zu verringern. Pro Jahr sind das 13,6 Millionen Tonnen. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass mit einem Weiter-so die selbst gesteckten Klimaziele katastrophal verfehlt werden. Schon gar, wenn die falschen Weichen gestellt werden: In Hamburg geht 2015 das Kohlekraftwerk Moorburg ans Netz.

2018 Hitzesommer als Zeichen des Klimawandels

Die Monate April bis August sind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes die wärmsten und sonnigsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 und gleichzeitig so niederschlagsarm wie nie zuvor. Den Landwirten beschert das anhaltend gute Wetter Rekordschäden und die Wälder sind seither in einem jämmerlichen Zustand, die Kronen so licht wie noch nie. Vielleicht nicht zufällig beginnt im gleichen Jahr Greta Thunberg ihren „Skolstrejk för klimatet“, den Schulstreik für das Klima, und löst damit die weltweite Fridays-for-Future-Bewegung aus. Die ungeheure Resonanz hat vielen Menschen die Hoffnung zurückgegeben, dass Wirtschaftsführer und Staatenlenker ernsthaft umdenken werden und die Weltgemeinschaft es doch noch schafft, die drängenden (Klima-)Probleme zu lösen. Wir werden das im Auge behalten.

Wie sich die Bilder gleichen: In den 1980er Jahren sorgte der saure Regen für braune Wälder, heute sind es Trockenheit und der aufziehende Klimawandel


Foto: Konradin Medien (3), Istvan Bajzat / dpa-Report, Reinhard Kemmether / picture alliance / dpa

Foto: Stephanie Pilick / dpa - Fotoreport, Konradin Medien (2), Allan Tannenbaum / Polaris / laif, Jens Büttner / dpa-Zentralbild

Foto: DigitalGlobe / dpa, Hidenobu Nishikawa / Panasia / dpa, Konradin Medien (2), C. Wermter / blickwinkel / picture alliance