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44 PROFITIPPS ZU AUSRÜSTUNG UND AUFNAHME MAKRO mit WOW-Faktor


DigitalPHOTO - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 06.03.2020

Hallo Frühling! Endlich erwacht die bunte und faszinierende Welt der kleinen Dinge wieder zu neuem Leben und lässt das Makroherz mit Motiven in Hülle und Fülle höherschlagen. Lassen Sie sich von unseren 44 starken Tipps inspirieren und lernen Sie, wie Sie kleinste Motive in knackscharfen und eindrucksvollen Nah- und Detailaufnahmen festhalten.


PRAXIS MAKROFOTOGRAFIE

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Bildquelle: DigitalPHOTO, Ausgabe 4/2020

1.TAU AM MORGEN

Mit dem Einbruch des Frühlings ist auch Ihre Wintermüdigkeit von dannen gezogen? Wunderbar! Denn die frühen Morgenstunden sollten Sie als Makrofotograf keinesfalls verschlafen: So halten Insekten aufgrund der kühlen ...

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... am frühen Morgen in der Regel nicht nur länger still, sondern tragen oftmals auch noch einen – wie diese neugierig in die Kamera blickende (Lucilia sericata). Nutzen Sie dieses funkelnde Extra, um Ihren Detailaufnahmen das gewisse Etwas zu verleihen.

2.Die perfekte Makro-Blende

Das Spiel mit Schärfe und Unschärfe ist maßgebend für die Wirkung von Bildern und wird über die Blende bestimmt. Wir verraten Ihnen, welche Blendeneinstellungen Sie für Ihre Makromotive verwenden sollten.

Während hohe Blendenwerte eine große Schärfentiefe im Bild erzeugen, wird die Schärfentiefe mit kleinen Werten reduziert – das wissen wir. Zudem gilt: Umso geringer der Abstand zum Motiv beim Fotografieren, desto kleiner wird die Schärfentiefe. Vor allem bei Makros mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 ergibt sich so ein extrem geringer Schärfebereich. Auf den ersten Blick erscheinen kleine Blenden daher als die beste Wahl für Makros. Bei näherem Betrachten offenbart sich dies jedoch meist als Trugschluss: Denn auch wenn kleine Blenden eine größere Schärfentiefe erzeugen, lassen sich diese nur bis zu bestimmten Werten in der Makrofotografie einsetzen, da Details bei zunehmend kleinen Öffnungen verschwommen erscheinen. Dies basiert auf dem Phänomen der Beugungsunschärfe. Diese ist vor allem bei Blendenöffnungen ab f/16 und kleiner sichtbar. Vermeiden Sie bei Ihren Makroaufnahmen deshalb sehr hohe Blendenwerte. Mit einer mittleren Blendenöffnung wie f/9 bis f/11 erhalten Sie eine bessere Gesamtschärfe in Ihrem Makrobild. Fotografieren Sie am besten im manuellen Belichtungsmodus oder im Blendenprioritäts-Modus, um die Blende für Ihr Motiv selbst bestimmen und kontrollieren zu können.

3.KLEINES GANZ GROSS!

Echte Makroobjektive können das Motiv dank kurzer Naheinstellgrenze in Lebensgröße (sprich im Abbildungsmaßstab 1:1) auf dem Sensor abbilden. Darüber hinaus gibt es Ultra-Makroobjektive, die einen noch größeren Abbildungsmaßstab ermöglichen (z. B. 2:1) und so noch detailreichere Nahaufnahmen erlauben.

Nikon D7000 | 105mm | 1/250 s | F/11 | ISO 200

4.DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG

Die Makrofotografie ist ein technisch kniffliges Genre. Entsprechend wichtig ist das passende Equipment. Neben Kamera und Zubehör sollten Sie vor allem dem Objektiv Ihre Aufmerksamkeit schenken. Hierbei gilt es, den Blick auf eine möglichst kurze Naheinstellgrenze sowie große Offenblende zu richten. Aufgrund ihrer großen Naheinstellgrenze besitzen Standardobjektive den Nachteil, dass sie dem Fotografen nicht erlauben, ganz nah an das Motiv heranzukommen und es zu fokussieren. Mit Makroobjektiven hingegen gelingen sogar knackscharfe Aufnahmen mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 und mehr. Mehr Infos zu den Profilinsen erfahren Sie in Tipp 10 (s. u.).

MAKROZUBEHÖR FÜR JEDEN FALL

Halten Sie Ihre Fototasche zum Packen bereit: Wir erklären Ihnen, welches clevere Zubehör nicht fehlen sollte, um jede Situation gekonnt zu meistern.

5 Bohnensack: Um kleinste Blümchen oder Ähnliches in den Fokus zu nehmen, werden Sie ganz sicher viel am Boden arbeiten. Stabilisieren Sie die Kamera, insbesondere bei einer langen Brennweite, in diesem Fall mit einem Bohnen- oder Reissack.

6 Diffusor und Reflektor: Nutzen Sie einen Reflektor, um dunkle Bereiche aufzuhellen oder Licht zu lenken. Möchten Sie einfallendes Licht weicher gestalten, sollten Sie zum Diffusor greifen. Ein 5-in- 1-Faltreflektor wappnet Sie für alle Situationen.

7 Stativ: Mit einem kompakten und stabilen Stativ erhalten Sie auch bei langen Belichtungszeiten knackscharfe Ergebnisse. Zudem ist es eine Voraussetzung für Focus-Stacking (siehe Tipp 42).

8 Kabel- und Fernauslöser: Um auch kleinste Vibrationen und Unschärfen durch das Berühren der Kamera beim Auslösen zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen, einen Fern-oder Kabelauslöser zu verwenden.

9 Makroschlitten: Ein Makroschlitten hilft Ihnen dabei, präzise zu arbeiten – insbesondere, wenn Sie die Schärfentiefe in Ihrem Bild mittels Focus-Stacking erhöhen möchten (siehe Tipp 42).

10.MAKROOBJEKTIV – EIN MUSS?

Makroobjektive sind speziell für Nahaufnahmen entwickelt, besitzen besonders präzise Linsenelemente und können das Motiv in Lebensgröße auf dem Sensor abbilden – sprich, sie ermöglichen einen Abbildungsmaßstab von 1:1. Diese Spezialobjektive erlauben es, sehr nah an Ihr Motiv heranzugehen, um alle Details ganz fein, scharf und in bester Qualität abzubilden. Ohne Zweifel lassen sich mit solch professionellen Linsen am einfachsten und schnellsten die besten Ergebnisse erzielen. Wollen Sie jedoch gerade erst frisch mit der Makrofotografie starten, kann es eventuell Sinn machen, zunächst zu einem weniger spezialisierten Objektiv zu greifen und das Genre erst einmal kennenzulernen. Schauen Sie in diesem Fall bei Tipp 11 bis 13 vorbei, dort stellen wir Ihnen preiswerte Alternativen vor. Möchten Sie jedoch direkt professionell durchstarten, überlegen Sie sich vor dem Kauf, welche Motive Sie vermehrt fotografieren möchten und welche Brennweite sich dafür am besten eignet. Brennweiten ab 100mm eignen sich zum Beispiel gut für scheue Insekten und Tiere.

LOW-BUDGET-LÖSUNGEN

In Sachen Equipment kann die professionelle Makrofotografie ganz schön kostspielig sein. Preiswertere Alternativen finden Sie hier.

11 Nahlinse: Eine kompakte und insbesondere preiswerte Lösung, um die Naheinstellgrenze Ihres Objektivs zu verkürzen, stellt die Nahlinse (auch Vorsatzlinse oder Objektivvorsatz genannt) dar. Diese wird in das Filtergewinde Ihres Objektivs geschraubt, ist in unterschiedlichen Stärken beziehungsweise Dioptrien erhältlich und funktioniert quasi wie eine Lesebrille fürs Objektiv. Wichtig vor dem Kauf: Werfen Sie einen Blick auf die Durchmessergröße des Filtergewindes.

12 Zwischenring: Zwischenringe finden ihren Platz zwischen Kamera und Objektiv. Indem die lichtdichten Zylinder den Abstand zwischen der Fokusebene und dem Objektiv erweitern, wird entsprechend auch der Abbildungsmaßstab vergrößert und die Naheinstellgrenze reduziert. Im Vergleich zu Makrolinsen sind sie sehr günstig, jedoch ist mit Abstrichen bei der Bildqualität zu rechnen.

13 Umkehradapter: Eine womöglich gewöhnungsbedürftige Low-Budget-Lösung für den Einstieg in die Makrofotografie ist es, das Objektiv mit Hilfe eines Makro- Umkehrrings (oder Retroadapters) umgekehrt an die Kamera zu setzen – für einen Preis von um die zehn Euro aber durchaus einen Versuch wert.

14.MOTIVE ÜBERALL!

Eindrucksvolle Makrowelten lassen sich überall finden– auch vor Ihrer Haustür, schauen Sie nur genauer hin! Diesen hübschen Distelfalter zum Beispiel setzte Fotografin Marita Autering im Garten ihres Nachbarn in der Nähe von Osnabrück gelungen in den Fokus. Zum Einsatz kam das Makro- objektiv Canon EF 100mm f/2,8. Möchten Sie zur Abwechslung auch exotische Pflanzen- und Tierarten ablichten, besuchen Sie ein Schmetterlingshaus, einen botanischen Garten, ein Aquarium, ein Insektarium oder einen Zoo.

Canon EOS 5D Mark IV | 100mm | 1/160 s | F/8 | ISO 400

15.FOKUSSIEREN ÜBER DEN LIVE-VIEW

Umso kleiner das Motiv, desto kniffliger ist es in der Regel, den Fokuspunkt exakt zu setzen. Als echter Retter in der Not beim manuellen Scharfstellen kann sich – insbesondere, wenn Sie mit einem Stativ fotografieren – der Live-View-Modus Ihrer Kamera erweisen. Denn über den großen Monitor erhalten Sie nicht nur eine detailreichere Ansicht als beim Blick durch den Sucher, Sie haben auch die Möglichkeit, in den Bildausschnitt hineinzuzoomen und den Fokuspunkt so präzise zu bestimmen. Bewegen Sie hierzu den Vergrößerungsrahmen über den Bereich Ihres Motivs, den Sie scharf abbilden möchten, und drücken Sie die Vergrößerungstaste einmal, um den Ausschnitt fünffach, oder zweimal, um diesen zehnfach zu vergrößern. Drehen Sie nun am Fokusring, bis alle Details scharf erscheinen. Durch ein drittes Betätigen der Taste kehren Sie wieder ins Vollbild zurück.

16.PERFEKTE SCHÄRFE

Um knackscharfe Makrofotos zu erzielen, gilt es, neben der Blendenwahl und Fokussierung insbesondere auch der Belichtungszeit besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wie lang diese sein darf, um scharfe Ergebnisse zu erhalten, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen wird die Länge der Verschlusszeit durch das Motiv bestimmt: Haben Sie ein bewegtes Motiv vor Ihrer Linse, sollten Sie die Belichtungszeit in jedem Fall möglichst kurz halten, um dieses scharf im Bild einfrieren zu können. Da ein zu starkes Öffnen der Blende die Schärfentiefe im Bild reduzieren würde (siehe Tipp 2), erhöhen Sie dafür entweder den ISOWert oder Sie beeinflussen die Beleuchtung – beispielsweise mit Hilfe eines kleinen Reflektors. Ist Ihr Motiv hingegen statisch, können Sie die Verschlusszeit ruhig verlängern, um den ISO-Wert gering zu halten. Zur unabdingbaren Zutat für scharfe Resultate wird in diesem Fall das Stativ. Verwenden Sie zudem einen Fernauslöser zur Bedienung.

UNTERWEGS IN HEIMISCHEN GÄRTEN

Marita Autering www.instagram.com/maritamarialuisa


Bei Marita Autering vergeht kaum ein Tag, an dem sie sich nicht ihrer großen Leidenschaft, der Fotografie, widmet. Hierbei ist die Hobbyfotografin immer wieder erstaunt darüber, wie viele tolle Makromotive sich direkt vor ihrer Haustür und in ihrer Umgebung tummeln.

Marita, wie bist du zur Makrofotografie gekommen und was fasziniert dich so sehr daran?
Nach einer Fotopause von rund 20 Jahren habe ich vor vier Jahren damit begonnen, mich mit der digitalen Fotografie zu beschäftigen. Heute vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht mit meinem Hobby beschäftige. Ich habe festgestellt, dass Fotografen die Umwelt und die Natur in der Regel viel bewusster wahrnehmen – so auch ich. An der Makrofotografie fasziniert mich die Darstellung von feinsten Details wie Augen und Härchen – und die Schönheit, die diesen Dingen innewohnt.

Bereitest du dich auf deine Makroshootings vor?
Das ist unterschiedlich. Wenn ich mit meinen Hunden in der Frühe oder am Abend spazieren gehe und das Wetter mitspielt, habe ich mein Equipment inklusive LED-Taschenlampe meistens mit dabei. Es kommt aber auch vor, dass ich bei anderer Gelegenheit etwas sehe und dann noch mal gezielt an den Ort zurückkehre.

Wie war es bei dieser Aufnahme?
Auf dieses Motiv hat mich mein Nachbar aufmerksam gemacht, der meine Leidenschaft für die Makrofotografie kennt. In seinem Garten waren an dem Tag mehrere Distelfalter unterwegs. Das Bild ist letzten Sommer im Licht eines späten Vormittags entstanden. Da Schmetterlinge grundsätzlich sehr scheu sind, muss man wirklich schnell handeln. Dieses schöne Exemplar ließ tatsächlich nur dieses eine Foto zu und flatterte dann wieder eilig davon.

17.Licht und Beleuchtung

Die Ausleuchtung eines Motivs ist entscheidend für seine Wirkung. Hierbei gilt es, zwischen Tages- und Kunstlicht oder einer Mischung aus beidem zu wählen.

Ohne Licht kein Foto, das sagt schon das Wort. Doch ausreichendes Licht macht noch lange kein gutes Foto. Die Art des Lichtes, seine Richtung und seine Färbung prägen die Stimmung des Fotos. Vergessen wir nicht, dass es nicht nur die Landschaftsfotografen sind, die immer nach dem perfekten Licht Ausschau halten. Als Makrofotografen haben wir allerdings den großen Vorteil, dass wir auf engem Raum arbeitend das Licht häufig selbst gestalten können. Natürliches oder künstliches Licht oder beides zusammen – was soll man also wählen und wie gestaltet man das Licht?

Natürliches Licht

Obwohl es mit der Sonne nur eine Lichtquelle gibt, kann das natürliche Licht sehr viele Formen annehmen: direktes Sonnenlicht, bei Bewölkung oder im Schatten, zu unterschiedlichen Tageszeiten und verschiedene Lichtrichtungen. All das hat großen Einfluss auf die Qualität des Lichts. In der prallen Mittagssonne zu fotografieren, bringt meist nicht die besten Ergebnisse. Das Licht ist dann sehr kontrastreich und hart, da die Helligkeitsunterschiede zwischen Licht und Schatten sehr groß sind. 

BUCHTIPP

Weitere wertvolle Tipps und Tricks wie diese erhalten Sie in dem Praxisbuch „Makrofotografie – Naturmotive im Detail fotografieren“. Die Autoren, allesamt namhafte Naturfotografen und Fototrainer, zeigen, wie Sie sowohl mit neuen als auch mit etablierten Aufnahmetechniken und Tools optimale Ergebnisse erzielen können.

dpunkt.verlag | 206 Seiten | 29,90 € | ISBN: 978- 3-86490-560-5 | www.dpunkt.de

18.MORGEN- UND ABENDLICHT

Nikon D300 | 105mm | 1/30 s | F/16 | ISO 400

Direktes Sonnenlicht ist am frühen Morgen und abends günstig, besonders unmittelbar nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang bei unbedecktem Himmel. Die Sonne steht dann tief über dem Horizont, das Licht ist weich und erzeugt warme Farben. Damit diese warmen Farben erhalten bleiben, stellen Sie den Weißabgleich am besten auf „Wolken“. Ist die Kamera auf automatischen Weißabgleich eingestellt, werden die warmen Farben wegkorrigiert und gehen verloren. Abends haben Sie den Vorteil, dass Sie bei einem Motiv bleiben können, während das Licht langsam schöner wird. So können Sie den Moment genau abpassen. Frühmorgens haben Sie die Chance, Tau vorzufinden, wie auf diesem weiblichen Exemplar einer Feuerlibelle. Wollen Sie die ersten Sonnenstrahlen nutzen, müssen Sie Ihr Motiv schon vorher ausgemacht haben.

19.GEGENLICHT

Panasonic DMC-FZ18 | 5,7mm | 1/80 s | F/2,8 | ISO 100

Fotografiert man gegen die Sonne, ergeben sich häufig ganz besondere Lichtsituationen. Durch das Gegenlicht werden die Umrisse des Motivs stärker betont, was vor allem für feine Härchen gilt, wie sie bei manchen Pflanzen und Insekten vorkommen. Selbstverständlich gelingt auch dies am besten, wenn die Sonne noch tief steht, da das Licht dann nicht zu hart ist. Fällt bei Gegenlicht trotz Umgebungslicht kein Licht direkt aufs Objekt, wird es als Silhouette dargestellt. Vor allem wenn der Hintergrund dunkel ist, werden die Umrisse des Motivs durch das Gegenlicht betont – wie hier bei einer Großen Pechlibelle.

20.BELICHTUNG

Nikon D300 | 100mm | 1/2500 s | F/8 | ISO 400

Egal, mit welchem Belichtungsprogramm Ihre Kamera arbeitet, sie geht von bestimmten Richtwerten aus, so dass sich in der Summe ein mittleres Grau ergibt. Daraufhin wird die Belichtung ausgeführt. In vielen Fällen kommt das gut hin, weicht das Motiv aber in seiner Helligkeit nach oben oder unten deutlich vom mittleren Grau ab, ist das Ergebnis oft unbefriedigend. In solchen Fällen müssen Sie die Knöpfe für die Belichtungskorrektur bedienen. Mit der Belichtungskorrektur stellen Sie ein, um wie viele Blenden Sie überbelichten oder unterbelichten möchten. Bei diesem Bild sorgte eine Belichtungskorrektur von -2,67 Blenden für einen dunklen Hintergrund und starken Kontrast zu den Mohnblumen. Ohne diese Korrektur wäre der Hintergrund grau und die Mohnblumen überbelichtet.

21.BLITZLICHT

Canon EOS 7D | 100mm | 1/200 s | F/7,1 | ISO 100

Blitzgeräte lassen sich auf vielfältige Weise einsetzen. So kann man sie als alleinige Lichtquelle oder zusätzlich zum Umgebungslicht einsetzen. Auch lassen sich mit dem Blitz Bewegungen einfrieren. Speziell für die Makrofotografie werden Blitzgeräte angeboten, die mit meist zwei Blitzröhren direkt neben der Frontlinse arbeiten und das Motiv bei sehr geringen Abständen gut ausleuchten. Ein weiterer Typ dieser Kategorie arbeitet mit einer kreisförmigen Blitzröhre um das Objektiv. Das ist der sogenannte Ringblitz, der besonders gleichmäßig ausleuchtet – auch aus einem sehr geringen Aufnahmeabstand. Mit einem Aufsteckblitz würde das Objektiv einen Schatten auf das Motiv werfen. Die spektakuläre Lichtsituation links entstand durch den Einsatz eines Blitzgeräts als Gegenlicht – zu sehen darauf sind Pflanzenwespenlarven.

22.BLITZ-DIFFUSOREN

Um dem harten Blitzlicht entgegenzuwirken, kann man Diffusoren oder Softboxen einsetzen. Beide bestehen aus milchig durchscheinendem Material, das vor die Blitzröhre montiert wird. Der Effekt ist der Gleiche wie beim Diffusor, mit dem man hartes Sonnenlicht streut. Blitz-Diffusoren gibt es in zahlreichen Ausführungen zu kaufen – Sie können sich aber auch selbst einen Diffusor aus weißem Stoff, Papier oder Plastikbechern basteln. Durch den Diffusor wird das Blitzlicht nicht nur weicher, sondern auch dessen Abstrahlfläche vergrößert. So erhält man weniger Kontrast und eine gleichmäßigere Ausleuchtung.

23.Makros mit der Taschenlampe

Hans-Peter Schaub www.hanspeterschaub.de


Profi Hans-Peter Schaub zeigt Ihnen, wie Sie eine Taschenlampe kreativ einsetzen, um Ihr Motiv in unterschiedlichem Licht erstrahlen zu lassen.

Sie sind an einem bewölkten Tag im Wald unterwegs, möchten ein kleines Maiglöckchen stimmungsvoll im Bild festhalten, jedoch schenkt Ihnen das vorhandene Licht nicht die gewünschte Wirkung? Kein Grund, um nach Hause zu gehen: Hans- Peter Schaub zeigt Ihnen, wie Sie Kunstlicht kreativ einsetzen, um zauberhafte Lichtstimmungen einfach und schnell nachzustellen. Er verdeutlicht, wie entscheidend die Lichtwahl für die Wirkung Ihrer Bilder ist. Als künstliche Lichtquelle kommt eine LED-Taschenlampe zum Einsatz, deren Wirkung der professionelle Naturfotograf mit Hilfe eines 5-in-1-Faltreflektors sowie einer farbigen Filterfolie beeinflusst.
Um die künstliche Lichtquelle perfekt und standsicher auf dem Waldboden auszurichten, befestigt Schaub die Taschenlampe mit einer Schraubklemme auf einem Erdnagel. Zudem verwendet er ein Stativ ohne Mittelsäule nah am Boden, stellt das Hauptmotiv über den Live- View scharf und wählt eine offene Blende in der Zeitautomatik vor.

24.GOLDREFLEKTOR

Um ein sanftes und warmes Licht zu erzeugen, das an den frühen Morgen oder Abend erinnert, nutzt Hans-Peter Schaub die goldene Oberfläche eines Reflektors, strahlt diese mit der Taschenlampe an und leuchtet das Maiglöckchen mit dem zurückgeworfenen Licht aus. Einen schönen Lichteffekt erzielen Sie übrigens auch, wenn Sie den Goldreflektor als Fläche in den Hintergrund setzen. Dadurch entsteht eine leichte Gegenlichtsituation und die Struktur der Oberfläche führt – in Unschärfe getaucht – zu interessanten Lichteffekten im Bild. Entsprechend kühl wird die Bildwirkung, wenn Sie die Silberseite des Reflektors verwenden.

25.FARBIGE FILTERFOLIE

Canon EOS 5D Mark III | 90mm | 1/500 s | F/3,2 | ISO 800

Simulieren Sie warmes Abendlicht, indem Sie eine orangene Farbfolie direkt vor die Taschenlampe setzen. Experimentieren Sie hierbei mit unterschiedlichen Lichtrichtungen, um den Effekt zu unterstreichen. Dank des Erdnagels (siehe Text oben) können Sie die Position der Lichtquelle schnell und einfach verändern.

26.DIFFUSOR IM HINTERGRUND

Canon EOS 5D Mark III | 90mm | 1/320 s | F/3,2 | ISO 640

Canon EOS 5D Mark III | 90mm | 1/160 s | F/3,2 | ISO 620

Einen nahezu studioähnlichen Bildlook mit leuchtend weißer Fläche erzielen Sie, indem Sie einen Diffusor beziehungsweise die weiße Seite eines Faltreflektors in den Hintergrund Ihres Maiglöckchen-Motivs platzieren. Damit der Hintergrund in strahlendem Weiß erstrahlt, ist es wichtig, die Fläche aus relativ kurzer Distanz mit der Taschenlampe auszuleuchten. Wie glanzvoll das Weiß erscheint, hängt zudem von der Belichtung ab: Belichten Sie den Hintergrund ruhig ein wenig über, damit die Glöckchen weiß und die Pflanzen in intensiven Grüntönen abgebildet werden.

FotoTV

EIN MOTIV IN VIELEN LICHTERN
Noch mehr kreative Einsatzmöglichkeiten einer Taschenlampe im Bereich der Makrofotografie demonstriert Ihnen Naturfotograf Hans-Peter Schaub in dem entsprechenden Video unseres Kooperationspartners. Registrieren Sie sich dafür einfach auf FotoTV. und nutzen Sie folgenden Link, um das Video kostenlos anzuschauen:
https://www.fototv.de/dp042001

VOM LABORTISCH IN DIE NATUR

Julian Kiefer www.flickr.com/photos/skyjk


Biologe Julian Kiefer ist immer wieder fasziniert von der detailreichen Welt der kleinen Dinge. Worauf es ankommt, um quirlige Insekten zur Mittagszeit in scharfen Bildern einzufangen, verrät er im Interview.

Julian, erzähl uns kurz von dir: Wie bist du zur Makrofotografie gekommen und was fasziniert dich daran?
Durch mein Biologie-Studium bin ich es vom Arbeiten am Mikroskop gewohnt, sehr nah an meine Objekte heranzukommen und Details aufzudecken, die einem mit dem bloßen Auge verborgen bleiben. Mit der Makrofotografie möchte ich das Gleiche erreichen – nur eben an lebenden Objekten in ihrem natürlichen Lebensraum. Mittlerweile habe ich mich auf Insekten im wahrsten Sinne des Wortes eingeschossen, allen voran Libellen. Ich liebe es einfach, durch Makros neue Details an den Tieren zu entdecken und bin immer wieder aufs Neue erstaunt. Zudem lernt man so sehr viel über die Natur. Bevor ich mit dem Fotografieren begonnen habe, sah für mich jede Libelle aus wie die andere. Heute erkenne ich aber an den kleinsten Details, um welche Spezies es sich handelt und ob ich sie schon fotografiert habe.

Was ist im Umgang mit den winzigen Wesen besonders wichtig?
Auf jeden Fall Geduld! Auf den ersten Blick sieht ein Stück Wiese relativ verlassen aus, aber setzt man sich einfach mal hin und wartet ab, wird man nach und nach entdecken, was dort so alles kreucht und fleucht. Dann gilt: beobachten und auf die Lauer legen, bis sich ein interessantes Motiv ergibt und man dieses einfängt – aber natürlich nur mit der Kamera!

Planst du deine Motive im Vorfeld?
Nein, inzwischen lasse ich die Motive lieber auf mich zukommen. Anfangs bin ich immer mit einem gewissen Ziel vor Augen raus in die Natur und war dann enttäuscht, weil ich das eine bestimmte Motiv nicht so hinbekommen habe, wie ich wollte. Zudem habe ich durch diesen Tunnelblick viele andere schöne Motive links liegen lassen.

Und wie ist dieses Bild entstanden?
Zum Einsatz kam meine Nikon D5300 mit dem Sigma 105mm. Fotografiert man Insekten zur Mittagszeit, hat man meist das Problem, dass sie sehr aktiv sind. Gerade Marienkäfer sitzen eigentlich nie still. Dieser war gerade dabei, sich zu putzen, daher habe ich den ISOWert auf 1250 hochgeschraubt und bei Blende f/7,1 die Zeitautomatik verwendet. Meist bleibt einem nicht besonders viel Zeit zum Fotografieren, bis das Motiv auch schon wieder davonkrabbelt. Deshalb nehme ich oft lieber ein Bildrauschen in Kauf, anstatt ein unscharfes Ergebnis zu erhalten. Bei diesem Foto handelt es sich um eine Einzelaufnahme. Für gewöhnlich stacke ich meine Bilder, aber durch den putzwütigen Käfer wäre dies hier nahezu unmöglich gewesen. 

VIELSEITIGE MAKROWELT

Schauen Sie ganz genau hin und entdecken Sie, wie facettenreich die Motivwelt „Makro“ ist. In Flora und Fauna verstecken sich ungeahnte Bildwelten, die es mit der Kamera aufzudecken gilt, und die besonders im Frühling in den prächtigsten Farben und Formen erstrahlen.

27 Insekten und Kleintiere: Natürlich begeistern gelungene Aufnahmen von filigranen Schmetterlingen und eifrigen Bienen immer wieder aufs Neue. Jedoch hält die Natur noch sehr viel mehr Getier bereit, das durch die Wiesen, Wälder und Felder kriecht, fliegt und springt. Halten Sie neben Insekten auch Ausschau nach kleinen Säugetieren und Reptilien, die darauf warten, im Bild festgehalten zu werden. Bannen Sie ein Motiv auf den Sensor Ihrer Kamera, das der Betrachter vorher noch nie erblickt hat, ist das Staunen wahrscheinlich noch größer!

28 Pflanzen, Blumen und Blüten: Erstrahlt die Pflanzenwelt nach ihrem Winterschlaf in frischem Glanz, schlägt das Makroherz höher! So stellen Pflanzen und Blüten Motive dar, die sich wunderbar für kreative und kunstvolle Makros eignen. Zudem bieten die zarten Schönheiten vor allem Anfängern den Vorteil, dass sie sich nicht selbst bewegen und laden dadurch zum Üben und Experimentieren ein. So können Sie in aller Ruhe unterschiedliche Kompositionen und Blickwinkel ausprobieren und Ihrer Kreativität ohne Zeitdruck freien Lauf lassen.

29 Strukturen und Muster: Egal, ob Sie ein Tier oder eine Pflanze in den Fokus nehmen: Gehen Sie ganz nah heran und entdecken Sie die vielen Muster, Formen und Strukturen, die die Miniaturwelt für Sie bereithält. Bei der Umsetzung kommt es hierbei vor allem auf eine ansprechende Komposition, sprich die gelungene Wahl von Bildausschnitt, Perspektive und Lichtsetzung, an. Zudem sollten Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren, indem Sie einen engen Bildausschnitt wählen und die Umgebung ausklammern. So entstehen abstrakte Detailaufnahmen.

30.FARBKONTRASTE

Nikon D5300 | 105mm | 1/800 s | F/7,1 | ISO 1250

Diesen Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) entdeckte Julian Kiefer in der violett-leuchtenden Blüte eines Zierlauchs (Allium). In Kombination mit dem in Unschärfe getauchten grünen Hintergrund entsteht hierbei ein reizvoller Komplementärkontrast zwischen den intensiven Farben. Achten Sie bei Ihrer Motivsuche stets auf spannende Farbkontraste, die die Wirkung Ihrer Bilder maßgeblich steigern können.

31.RESPEKTVOLLES FOTOGRAFIEREN

Ist man auf Fotopirsch in der freien Wildbahn unterwegs, gilt es, diese zu schützen und einige Regeln zu beachten, damit die Natur auch weiterhin in ihrer vollen Pracht erstrahlen kann. Oberstes Gebot für einen solchen Besuch ist der verantwortungsvolle Umgang mit allen Bewohnern und Ihren Wunschmotiven, den Tieren und Pflanzen. Zeigen Sie Respekt, indem Sie sich angepasst verhalten, die Tiere nicht stören oder gar einfangen. Dazu gehört auch, Pflanzen nicht nur für ein Bild absichtlich rauszureißen oder umzuknicken – wechseln Sie im Fall von störenden Elementen im Bild lieber den Blickwinkel. Zudem gilt: Nehmen Sie alles, was Sie mit in die Natur bringen, nach Ihrem Aufenthalt bitte auch wieder mit.

32.UMGEBUNG MIT EINFANGEN

Fotografiert man ein Tier ganz ohne Umgebung, zeigt man im Grunde nur, wie es aussieht. Beziehen Sie jedoch Teile des natürlichen Lebensraums und der schönen Pflanzenwelt um das Motiv herum in den Bildausschnitt mit ein, verorten Sie das Motiv, stellen Verbindungen her und setzen es somit in einen Kontext. Um den Hintergrund zu verändern oder Elemente näher zueinanderzubringen, müssen Sie möglicherweise mit der Perspektive experimentieren.

33.DIE PERFEKTE TAGESZEIT

Die meisten Tiere haben eine relativ hohe Fluchtdistanz, deshalb sollte sich ein Makrofotograf vor allem in einem üben: Geduld! Um das Wunschmotiv in perfekter Position auf den Sensor der Kamera zu bannen, kann es teilweise ganz schön lange dauern. Fotograf Sven Damerow zieht deshalb grundsätzlich in den frühen Morgenstunden auf die Wiesen und Felder. Dann ist nicht nur das Licht besonders schön, sondern die Insekten, insbesondere Schmetterlinge, sind aufgrund der kühlen Temperaturen noch träge, fliegen nicht so schnell davon und lassen sich leichter fotografieren.

Nikon D850 | 105mm | 1/100 s | F/10 | ISO 200

34.ZUCHTTIERE FOTOGRAFIEREN

Diese Aufnahme von Sven Damerow ist zu Sonnenaufgang auf einer Wiese am Elbdeich entstanden und zeigt zwei Erdbeerbaumfalter. Das Besondere: Bei den Schmetterlingen handelt es sich um seine eigenen Zuchtfalter, die er auf www.actias.de als Puppen gekauft und zum Schmetterling geworden mit auf die Makrowiese genommen hat. Dafür platzierte er die filigranen Wesen vorsichtig auf der Blume und wartete etwa 15 Minuten, bis sie endlich beide stillhielten. Bei dem Bild handelt es sich sozusagen um ein „Mini-Stack“, bei dem Damerow einmal auf den oberen Falter und einmal auf den unteren Falter fokussierte und danach beide Bilder miteinander kombinierte. Dafür nutzte er das Sirui N-3004X Stativ mit einem Kugelkopf. Nach dem erfolgreichen Fotoausflug ging es für die exotischen Zuchttiere wieder in ihren Flugkäfig bei dem Züchter zu Hause.

Sven Damerow www.instagram.com/naturdahlhausen


35.Frühblüher im Wald

Nikon D500 | 200mm | 0,5 s | F/5,6 | ISO 400

Gehen Sie zusammen mit Markus Botzek auf einen Fotoausflug in den Wald und lernen Sie, zarte Frühblüher stark in Szene zu setzen.

Erwacht die Pflanzenwelt im Frühling zu neuem Leben und verwandelt einst karge Flächen in zarte und bunte Blumenmeere, ist der perfekte Zeitpunkt gekommen, einen Fotoausflug in den Wald zu machen. Um Buschwindröschen und andere Frühblüher vielseitig im Bild festzuhalten, packt Naturfotograf Markus Botzek eine ganze Auswahl an Objektiven in den Fotorucksack: Ein Weitwinkel für Übersichtsaufnahmen mit wäldlicher Umgebung sowie ein Makro- (60-200mm) und Teleobjektiv (200-400mm), um die Blüten als Hauptakteure abzulichten. Hierbei empfiehlt der Profi stets in Bodennähe zu arbeiten sowie mit selektiver Schärfesetzung, einer Blende von f/5,6 und dem manuellen Fokus bis zu zwei Blüten in den Fokus zu setzen. Tragen Sie hierbei eine Regenjacke und -hose, um Ihren Motiven trotz feuchtem Waldboden bequem auf Augenhöhe begegnen zu können. 

Markus Botzek www.botzek-naturfoto.de


FotoTV

NATURFOTOS VOR DER TÜR
Blicken Sie Naturfotograf Markus Botzek live über die Schulter, während er kleine Windbuschröschen auf unterschiedliche Weise in stimmungsvollen Makroaufnahmen festhält. Im entsprechenden Video verrät er Ihnen Profitipps und -tricks zu Aufnahmetechnik, Bildgestaltung und das Fotografieren im Wald generell. Registrieren Sie sich dafür einfach auf FotoTV. und nutzen Sie folgenden Link:https://www.fototv.de/dp042002

36.GLÄNZENDE LICHTEFFEKTE

Ebenfalls mit dabei auf seinem Ausflug ins Grüne hat Markus Botzek eine leere Süßigkeitenverpackung. Aufgrund ihrer reflektierenden Oberfläche lässt diese sich wunderbar einsetzen, um funkelnde Lichtreflexe ins Bild zu zaubern. Um die Struktur der Verpackung im Hintergrund in perfekter Unschärfe aufzulösen, experimentieren Sie mit der Distanz des kreativen „Low-Budget-Reflektors“ zum Hauptmotiv und öffnen Sie falls nötig die Blende. Besonders schöne Ergebnisse erzielen Sie an klaren Tagen, wenn sich Sonnenstrahlen in den Wölbungen einfangen und reflektiert werden.

Nikon D2X | 200mm | 0,5 s | F/5,6 | ISO 100

Ungewöhnliche Objektive

Entdecken Sie drei Objektive fernab der Makro-Standardausrüstung und erfahren Sie von Hans-Peter Schaub, wie Sie diese einsetzen, um einzigartige Bilder zu erzielen.

Hans-Peter Schaub www.hanspeterschaub.de


37.PROJEKTIONSOBJEKTIV

Mit einem Projektionsobjektiv – das ursprünglich für Diaprojektoren entwickelt und genutzt wurde – lassen sich Abbildungsmaßstäbe von bis zu 2:1 erzielen. Da das Objektiv keine Einstellschnecke besitzt, funktioniert das Scharfstellen durch Körperbewegung – oder beim Arbeiten mit Stativ mit einem Einstellschlitten. Der erzeugte Bildlook des Objektivs zeichnet sich durch eine fließende Unschärfe und milchig zarte Weichheit aus.

38.LENSBABY-OBJEKTIV

Das Lensbaby mit dem Objektiveinsatz Sweet 35 bietet Ihnen die Möglichkeit, durch einfaches Schwenken die Schärfe an jeden beliebigen Punkt frei in Ihrem Bild zu platzieren. Mit einer Brennweite von 35mm verleiht es Makromotiven eine besondere Tiefe samt buttrigem Bokeh im Hintergrund bei offener Blende. Um die Linse im Nahbereich einsetzen zu können, kombinierte Schaub das Objektiv mit einem 36mm-Zwischenring.

39.WEITWINKEL MAKROLINSE

Mit einem 15mm-Weitwinkelobjektiv mit Makrofunktion, wie zum Beispiel dem Venus Optics Laowa 15mm f/4 Macro, können Sie – wie bei einem normalen Makroobjektiv auch – einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:1 erzielen. Das Besondere am Fotografieren mit diesem Objektiv: Sie können sehr nah an Ihr Motiv heran und es groß im Bild zeigen, gleichzeitig aber auch viel von der Umgebung mit in Ihre Bildgestaltung einbeziehen.

FotoTV

AUF UMWEGEN IN DEN NAHBEREICH
Sie möchten noch mehr über die Eigenschaften und Anwendung der drei Objektive erfahren? Dann werfen Sie einen Blick in das entsprechende Video mit Naturfotograf Hans-Peter Schaub und profitieren Sie von seinen Tipps und Tricks direkt aus der Praxis. Nach erfolgreicher Registrierung auf FotoTV. können Sie das Video kostenlos unter folgenden Link schauen:
https://www.fototv.de/dp042003

40.MAKROS BEI NACHT

Nutzen Sie die milden Temperaturen des Frühlings aus und fangen Sie Makromotive in der Dämmerung oder Nacht ein. Ist das Umgebungslicht gering, lassen sich mit Kunstlicht besonders magische und geheimnisvolle Ergebnisse erzielen. Dieses Pilzpaar wurde bei Nacht mit Hilfe einer Taschenlampe und einer spannenden Perspektive (siehe Tipp 41) eindrucksvoll in Szene gesetzt. Durch das Gegenlicht werden die kleinen Waldbewohner zum Leuchten gebracht und die Details und Strukturen in ihren Hüten verdeutlicht. Nutzen Sie bei Nacht den Live-View zum Fokussieren und tauchen Sie den Hintergrund in schummrige Unschärfe, um die märchenhafte Stimmung nochmals zu unterstreichen.

41.FROSCHPERSPEKTIVE

Kamera vors Auge und auslösen: So einfach lässt sich die Makrowelt nur sehr selten mit ausdrucksstarken Ergebnissen einfangen. Stattdessen heißt es: ab in die Knie oder bäuchlings ins Gras, um die winzigen Wesen auf Augenhöhe oder mit leichter Obersicht im Bild einzufangen. Einen besonders effektvollen und überraschenden Blickwinkel auf die Welt der kleinen Dinge schenken Sie dem Betrachter, wenn Sie Ihr Motiv aus der Froschperspektive einfangen: Damit stellen Sie gewohnte Größenverhältnisse auf den Kopf und selbst kleine Motive wirken plötzlich erhaben und groß.

Canon EOS 80D | 60mm | 1/13 s | F/11 | ISO 100

42.DURCHGEHENDE SCHÄRFE

Sony Alpha 7R II | 1/3 s | ISO 100

Eine Hürde, die es in der Makrofotografie immer wieder zu überwinden gibt, ist die geringe Schärfentiefe. Um durchgehend scharfe Bildergebnisse zu erhalten, bedienen sich viele Makronisten deshalb einer speziellen Technik, mit der sich die Schärfe quasi „stapeln“ lässt: dem sogenannten Focus-Stacking. Als Basis für diese Aufnahmetechnik dient eine Serie von Bildern, die vom selben Standpunkt aus und bei identischer Belichtung aufgenommen wurden, während sich der Schärfepunkt Stück für Stück verschiebt. Die einzelnen Fokusebenen werden anschließend in einer speziellen Stacking-Software oder in Photoshop zusammengefügt. Um ein überzeugendes Ergebnis zu erhalten, sollten Sie den Fokusbereich in möglichst kleinen Schritten verändern, damit sich die Schärfentiefe überschneidet.

43.MIKROFOTOGRAFIE

Noch näher an das Motiv heran geht es in der Mikrofotografie: Offiziell beginnt diese bei einem Abbildungsmaßstab ab 10:1, das heißt, ein Motiv wird auf dem Sensor zehnmal so groß abgebildet, wie es in Wirklichkeit ist. Zum Einsatz kommen hierbei in der Regel Mikroobjektive, die auf Balgengeräte montiert werden. Um mit den speziellen Objektiven ein scharfes Bildergebnis zu erhalten, muss das Motiv aufgrund ihrer extrem geringen Schärfentiefe immer in viele Einzelbilder zerlegt und mittels Focus-Stacking zusammengefügt werden. Die Aufnahme (siehe oben) von Profifotograf Sven Klügl setzt eine Töpfergrabwespe (Trypoxylon figulus) überlebensgroß und knackscharf ins Porträt und zeigt faszinierende Details, die dem „unbewaffneten“ Auge verborgen geblieben wären. Durch den blauen Hintergrund in Kombination mit der extremen Vergrößerung erhebt sich die Abbildung zum ausdrucksstarken Porträt und erhält einen coolen Studiocharakter.

Sven Klügl www.500px.com/SvenKluegl


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MIKRO UND MAKRO: ARBEITEN AM LIMIT
Allround-Fotograf Sven Klügl beschäftigt sich seit Jahren mit der Makro- und Mikrofotografie und lässt Sie in seiner fünfteiligen Reihe auf FotoTV. an seiner Expertise teilhaben. Tauchen Sie in die Welt der Mikrofotografie ein und erhalten Sie unter folgendem Link eine kostenlose Einführung in den spannenden und zugleich faszinierenden Themenbereich:
https://www.fototv.de/dp042004

Sich möchten Ihre Makrofotos am Computer nachschärfen? Dann werfen Sie einen Blick in unseren Bildbearbeitungsworkshop ab Seite 122.

BLÄULING IM SPÄTEN ABENDLICHT

Fotografin Elena Hanak liebt die Natur – egal, ob im Großen oder ganz Kleinen. Setzt die Österreicherin Tiere und Pflanzen in den Brennpunkt ihrer Aufnahmen, ist es ihr besonders wichtig, auch ihren natürlichen Lebensraum in die Bildgestaltung miteinzubeziehen.

Elena, würdest du uns verraten, wo du dieses Bild eingefangen hast und was wir darauf sehen?
Die Aufnahme ist im Frühling, um genau zu sein Ende Mai, im Taubertal entstanden und zeigt einen Bläuling (Lycaenidae).

Zu welcher Tageszeit warst du unterwegs?
Es war schon ziemlich spät und die Schmetterlinge haben sich bereits zum Schlafen niedergelassen – so auch dieser Bläuling. Dank der langen Brennweite meines Objektivs, dem Sigma 2.8/150mm, konnte ich das scheue Insekt von weit weg fotografieren, ohne es zu stören.

Wie ist der malerische Hintergrund entstanden?
Zum Zeitpunkt der Aufnahme war die Sonne schon unter dem Horizont und die letzten Strahlen glitzerten mit weichem Licht durch die Gräser hindurch. Der Kontrast war nicht hoch und die Gräser im Hintergrund so weit entfernt, dass sie zwar gerade noch zu sehen waren, aber nicht sehr scharf abgebildet wurden.

Du hast eine sehr besondere Bildkomposition gewählt: Welche Idee steckt dahinter?
Ich versuche, Tiere und Pflanzen immer in ihrem natürlichen Lebensraum zu fotografieren und diese Umgebung dann auch zu zeigen, sprich in den Bildausschnitt zu integrieren. An diesem Abend erstrahlte die bezaubernde Wiese in einem weichen und warmen Licht und eine kraftvolle Stille legte sich über die Szenerie – genau diese märchenhafte Stimmung wollte ich im Bild einfangen und den Schmetterling fast wie eine kleine Fee im Bild erscheinen lassen. Zudem möchte ich mit der Aufnahme vermitteln, wie wichtig es ist, dass wir diese wunderschöne Welt schützen und ihre vielen kleinen Bewohner, wie zum Beispiel die Feen-Insekten nicht aussterben lassen!

Elena Hanak https://shz554a.myportfolio.com


44.KÜNSTLERISCHE MAKROS

Nikon D850 | 150mm | 1/200 s | F/5 | ISO 1000

Die Makrofotografie ist ein Genre mit hohem Anspruch und verlangt dem Fotografen sowohl technisches Können als auch viel Übung ab. Jedoch darf auch das künstlerische Potenzial, das die bunte und facettenreiche Welt der kleinen Dinge bietet, nicht außer Acht gelassen werden. So können Makrobilder durch eine gelungene Gestaltung viel mehr als „stark vergrößerte Nahaufnahmen“ sein. Gehen Sie also nicht nur technisch an die Makrofotografie heran, sondern experimentieren Sie mit kreativen und mutigen Kompositionen und Techniken, um Ihr Motiv auf eine künstlerische Ebene zu bringen.


Foto: Adobe Stock; Texte: Jill Ehrat

Fotos: Adobe Stock, Hersteller; Texte: Jill Ehrat

Fotos: Marita Autering, Hersteller; Texte und Interview: Jill Ehrat

Fotos: Hans-Peter Schaub; Inhalt: FotoTV.; Texte: Jill Ehrat

Foto: Julian Kiefer; Texte und Interview: Jill Ehrat

Fotos: Markus Botzek, Sven Damerow; Inhalt: FotoTV.; Texte: Jill Ehrat

Fotos: Hans-Peter Schaub, Hersteller, Adobe Stock; Inhalt: FotoTV.; Texte: Jill Ehrat

Fotos: Sven Klügl, Elena Hanak; Texte und Interview: Jill Ehrat