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4X4-CAMPER AUF DER GRENZKAMMSTRASSE ?


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Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 12.10.2021

WESTALPEN

Artikelbild für den Artikel "4X4-CAMPER AUF DER GRENZKAMMSTRASSE ?" aus der Ausgabe 11/2021 von Off Road. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Off Road, Ausgabe 11/2021

Wenn es um allradgetriebene Camper-Vans geht, wird sofort von Böschungswinkeln, Verschränkung und Radstand philosophiert, und meistens steht am Ende dieser Unterhaltungen ein mitleidiges Lächeln und die Feststellung, dass es sich dabei ja gar nicht um „richtige“ Geländefahrzeuge handle. So weit, so wahr. Für einen 3,5 Tonnen schweren und sechs Meter langen Kastenwagen ist es schließlich rein physikalisch unmöglich, die gleichen Hindernisse zu überwinden wie ein quirliger Suzuki Jimny. Das liegt in der Natur der Sache. Diese völlig unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte wurden ja auch für völlig unterschiedliche Zwecke erdacht. Daraus ergeben sich also die Fragen: Wo möchte ich eigentlich hin? Und wie viel Ladung möchte ich dabei transportieren? Wenn meine Passion ist, die steilsten Geröllauffahrten in einem Offroad-Park zu bezwingen, setze ich mit einem 4x4-Van auf das komplett falsche ...

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... Pferd. Ist mein Anliegen aber eher von der Art, dass ich, wenn schon nicht auf menschenleeren, so doch wenigstens auf abgelegenen Pfaden unterwegs sein will, und das nach Möglichkeit sogar für einige Tage, muss es kein reinrassiges Offroad-Monster sein. Hat man also diese Fragen für sich selbst beantwortet, mit dem Ergebnis, dass ein klobiges, aber dafür wohnliches Kfz in der Auffahrt steht, bleibt nur noch zu klären, wie der praktische Einsatz abseits des Asphalts aussieht. Wie verhält sich so ein Fahrzeug, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes eng wird? Genau da setzt der nun folgende Erfahrungsbericht an.

ANFAHRT

Zugegeben, ein wenig mulmig ist uns schon, als wir an einem ungewöhnlich frischen Augustabend die letzten Kilometer in der Ebene zurücklegen und sich am Horizont fast drohend erste Berggipfel in Regenwolken hüllen. Mit Witzen versuchen wir die Situation aufzulockern und diese bedrückenden „Was wäre, wenn“-Gedanken loszuwerden, aber so richtig klappen will es nicht. Wir erreichen Limone Piemonte erst in der Dunkelheit und machen uns gleich noch daran, auf dem schmalen Asphaltband die steilen Serpentinen hinauf zum Chalet le Marmotte auf 1800 m hinter uns zu lassen. Hier, noch in Sichtweite der letzten Hotels, machen sich bereits die Dimensionen dieses Allrad-Kastens bemerkbar. Um einige der Haarnadelkurven müssen wir bereits herumrangieren. Niemand spricht über den Elefanten, der im acht Quadratmeter großen Raum steht: Was passiert in solchen Situationen auf losem Untergrund? Nahe der Gastwirtschaft verbringen wir eine unruhige, vom Wind geschüttelte Nacht, die unsere Bedenken nicht gerade kleiner werden lässt. Doch als endlich der Tag anbricht und die Wolken wenigstens ihre Farbe von Grau zu Weiß wechseln, gibt es kein Zaudern mehr, wir fahren los. An der Gabelung direkt nach dem Marmotte folgen wird der Beschilderung nach links zur Alta Via del Sale. Schon nach wenigen Metern beginnt der Schotter und ein paar etwas tiefere Auswaschungen quer zum Weg würden die Weiterfahrt allzu flacher Pkw mit Sicherheit verhindern.

DER EINSTIEG

Etwa drei Kilometer später erreichen wir das Mauthäuschen, wo uns nach Bezahlung von 15 Euro ein schöner Tag gewünscht wird. Das gibt uns Aufwind! Wir hatten nämlich beinahe damit gerechnet, dass sich der Mautwart an die Stirn tippt und uns umkehren lässt angesichts dieser gelben Monströsität. Wir stellen unseren Kilometerzähler auf null und verabschieden uns mit einem letzten Blick zum Fort Central endgültig auf die alte Militärpiste. Schon nach wenigen Minuten Fahrt die erste sandige und sehr steile Spitzkehre. Hier macht sich die Längssperre bei eingelegtem Allrad unschön bemerkbar. Der Wendekreis erweitert sich damit von groß auf größer und mir blutet das Herz angesichts der Verspannung im Antriebsstrang, aber ohne die zugeschaltete Vorderachse ginge es nicht. Beim Rangieren ist hier schnell klar, dass auch der Wandler unserer Viergangautomatik sein Fett wegbekommt. Vor meinem inneren Auge kocht das Getriebeöl be- grund , während rechts die über- reits und ich mache drei Kreuze für das Getriebeöl bereits und ich mache drei Kreuze für den Ölkühler. Mit feuchten Händen erreichen wir das Colletto Campanin auf 2142 m und damit bis auf Weiteres unsere Reisehöhe. Hier können wir erstmal verschnaufen. Vor uns öffnet sich der Blick auf die Grenzkammstraße, die sich nun mehr oder weniger eben am Hang entlangschlängelt. Die nächsten Kilometer sind zum Genießen. Bis auf ein paar Autos, die uns auf der engen Piste entgegenkommen, droht keine Gefahr, zumindest bis wir bei Kilometer 4,5 den ersten ausgesetzten Teil der Route erreichen.

ES WIRD ENG

Links von uns gähnt direct neben der Fahrspur ein Abgrund, während rechts die überhängende Felswand mit jedem Meter näher und näher und noch ein Stückchen näher rückt. Ich halte meinen Kopf aus dem Fenster auf der Fahrerseite und beurteile jedes Grad Lenkeinschlag direct am Reifen. Auf der anderen Seite muss die Co-Pilotin mangels Helm mehr aus dem Fenster schielen als den Kopf hinaushalten. Jetzt heißt es Nerven bewahren, sehr, sehr langsam fahren und lieber einmal zu oft tief durchatmen! An manchen Stellen wäre die einzige Möglichkeit das Auto zu verlassen die Heckklappe. Zwei Horror-Szenarien geistern durch unsere Köpfe. Erstens: Die äußeren 20 Zentimeter der Straße brechen unter den linken Reifen weg und wir fallen für den Rest unseres Lebens. Oder zweitens: Eine schlechte Furche unter unseren rechten Reifen führt zu einem Schaukeln des Autos und damit zu dem fürchterlichen Geräusch einer brechenden Markise auf Fels. Zum Glück bleibt uns beides erspart und wir werden für die nervlichen Strapazen mehr als fürstlich entlohnt.

TORNANTE DELLA BOARIA

Nämlich mit dem Erreichen der Tornante della Boaria. Diese völlig surreal anmutende Kehre liegt auf 2120 m und lässt Straßenbauer noch heute die Köpfe schütteln. Majestätisch hängt sie im sich lichtenden Nebel an der Bergflanke wie das Normalste von der Welt. Als wir aussteigen, ist außer dem Rauschen des Windes nichts, aber auch gar nichts zu hören. Wolkenfetzen treiben vorbei und geben dem Bild fast etwas Gespenstisches. Die frische Bergluft tut gut und wir sind beide berührt von der Anmut dieser Szenerie. Nun liegt der wildeste Teil der Strecke hinter uns. Auf den nächsten Kilometern passieren wir hochalpines Gelände ohne viel Vegetation, dafür mit Schotter und Fels in allen nur vorstellbaren Grauschattierungen. Am Colle del Lago dei Signori bei Kilometer 11,6 liegt schließlich eine Verpflegungsmöglichkeit. Das Refugio don Barbera, eine bewirtete Berghütte, lädt uns zu deftigem Essen ein. Leider sind wir etwas spät und die Küche ist bereits kalt, aber Paninis aus selbstgebackenem Brot, Schinken, Tomaten und Käse sind hier jederzeit zu bekommen. Erst jetzt bemerken wir, wie sehr uns diese Fahrt bereits zugesetzt hat. Die Leckerbissen tun unseren etwas flauen Mägen wohl und so setzen wir, leidlich wieder hergestellt, unseren Weg fort. Zunächst wird noch der schöne Talkessel umfahren, in dem das Refugio liegt. Auch hier geht es teilweise wieder eng zu, aber mit vollem Bauch und der vorangegangenen Erfahrung im Rücken fühlt es sich nicht so arg an. Einige etwas übermotivierte Enduro-Fahrer kommen uns an einer unübersichtlichen Kurve entgegen und enden beinahe als Kühlerfiguren. Für sie gibt es hier keine Chance an uns vorbeizukommen und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als auf kleinstem Raum zu wenden und bis zur nächsten Möglichkeit vor uns her zu fahren. Langsam, aber sicher senkt sich nun die Straße dem Tal entgegen und wir vermissen die fehlende Untersetzung mehr als beim Aufstieg, da manch steile Abschnitte eine so langsame Fahrt erfordern, dass sich kein Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe herstellen lässt und wir voll und ganz auf unsere über 20 Jahre alten Bremsen vertrauen müssen. Ein sehr mulmiges Gefühl angesichts des Gefälles vor der Frontscheibe. Endlich an der Mautstation bei Briga Alta angekommen, fällt uns dann auch ein großer Stein vom Herzen, heil durchgekommen zu sein. Der Mautwart kontrolliert unser Billett und fragt nach der Fahrzeughöhe. Auf die Antwort 2,80 Meter erleben wir schlussendlich doch noch ein Tippen an die Stirn. 2,50 Meter sei die Maximalhöhe für die Alta Via del Sale! Na servus, wie der Bayer sagt.

DAS FAZIT

Dass die Befahrung dieses Teils der Ligurischen Grenzkammstraße so funktioniert hat und wir nicht abgestürzt sind oder sonstigen Schaden davongetragen haben, ist leider nicht ausschließlich der Qualität des Autos und unserer Fahrkünste zu verdanken, sondern war zu einem Gutteil einfach Glück. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätten wir an der falschen Stelle zu sehr geschaukelt, wäre eine Bremsleitung geplatzt oder hätte es auch einfach nur begonnen zu regnen. Guten Gewissens empfehlen kann man so eine Fahrt also niemandem, ganz abgesehen davon, dass es für Fahrzeuge mit einer Höhe von über 2,50 Meter eigentlich gar nicht erlaubt ist. Aber der Versuch hat bewiesen, das ein vierrädrig angetriebener Kastenwagen mit etwas Bodenfreiheit für so gut wie alle schlechten Wege zwischen hier und Kapstadt mehr als ausreichend ist, will man sich unterwegs nicht absichtlich in extreme Situationen begeben, sondern nur die Ankunft möglichst sicherstellen.

T/F | | August Auer