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5 starke typen


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 07.01.2022

TCM FÜR PFERDE

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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 20/2022

Das Verhalten von Pferden wird aus Sicht der TCM durch ihren individuellen TCM-Typ bestimmt

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Jedes Pferd ist ein Individuum mit speziellen Stärken und Schwächen. Wer die Charaktereigenschaften seines Pferdes kennt, kann die Losgelassenheit und Durchlässigkeit verbessern und es lange gesund erhalten. Befindet sich das Pferd in seinem Gleichgewicht, ist es in der Lage, dem Reiter zu folgen und sich auf das Training einzulassen. Hingegen führen körperliche oder psychische Überlastung, eine falsche Haltung sowie ein falscher Umgang dazu, dass die Schwächen eines Typs in den Vordergrund treten. „Das Pferd reagiert zum Beispiel unwillig, ängstlich oder widersetzlich und wird in der Folge krank. Es entwickelt dann eine Disharmonie in seinem Typ“, erklärt die Tierärztin und TCM- Expertin Dr. med. vet. Ina Gösmeier.

Ein ganzheitliches System

Im Gegensatz zu unserer ...

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... westlichen Denkweise wirft die fernöstliche Medizin einen anderen Blick auf Gesundheit und Gesundheitsvorbeugung. „Im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) haben Erkrankungen stets einen geistigen und einen körperlichen Anteil“, sagt unsere Expertin. „Dies bezieht sich nicht nur auf den Gesamtorganismus, sondern auch auf einzelne Organe. Im Sinne der ganzheitlich ausgerichteten TCM gibt es also auch zu jedem Organ immer einen körperlichen und einen psychischen Aspekt.“ So sei die Leber (Gan) zum Beispiel für den harmonischen Fluss von Qi (Lebenskraft ) zuständig. Dadurch bewege sich das Pferd elastisch und könne die Reiterhilfen leicht umsetzen. Kommt es jedoch zu einer sogenannten Leber-Qi-Stagnation, also einer Disharmonie, entstehen Wut und Ärger, die beim Pferd wiederum zu Widersetzlichkeit, Steigen, Bocken oder Beißen führen können. Für Wachstum und Fortpflanzung ist die Niere (Shen) zuständig. Hier führt Disharmonie zu vermindertem Selbstbewusstsein, wodurch Pferde in der Traditionellen Chinesischen sehr ängstlich und schreckhaft werden können. Da Verhaltensänderungen häufig erste Anzeichen einer Vierbeiners zum Beispiel dem eines So können die Körpermerkmale des entstehenden Störung sind, wird ihnen in der TCM besonders viel Beachtung geschenkt. „Sie weisen Psyche sowie das Sozialverhalten auf Erkrankungen hin, bevor körper- liche Veränderungen auftreten“, betont Dr. med. vet. Ina Gösmeier. Begrüßt Ihr Pferd Sie plötzlich nicht mehr so freundlich wie gewohnt oder zeigt es andere Anzeichen von Unwohlsein? Der Schlüssel liegt darin, bereits kleine Disharmonien zu erkennen und entsprechend zu beheben.

Stärken und Schwächen erkennen

Dass Wut, Angst oder geistige Überforderung Ursachen für Erkrankungen wie Burnout sein können, ist auch in der westlichen Medizin kein Geheimnis mehr. Allerdings werden diese Emotionen in der Regel nicht hinsichtlich chronischer Erkrankungen differenziert. Die Bestimmung des Pferdetyps nach TCM bedeutet nicht, dass Ihr Pferd krank ist. „Die Typenbestimmung ermöglicht die Zuordnung des Pferdes zu einer der fünf Wandlungsphasen. Dadurch werden Schwächen, aber auch Stärken des Tieres erkannt“, erläutert unsere Expertin. „Die individuelle Reaktion eines Pferdes auf die Anforderungen des Menschen, auf Übungen und Behandlungen hängt vom Typ ab.“ Die Kriterien, nach denen die Zuordnung der Pferdetypen erfolgt, seien die Psyche, das Sozialverhalten, die Körpermerkmale und die Rittigkeit. Auch wenn einzelne Typen ihre Vor- und Nachteile haben, gibt es keine besseren oder schlechteren Typen, sondern einfach nur unterschiedliche Pferde- Persönlichkeiten.

Auch Mischtypen möglich

Neben den reinen Typen gibt es Medizin auch Pferdemischtypen. Milz-Pi-Typs entsprechen, die aber einem Nieren-Shen-Typ.

Dieser Typ wird der Wandlungsphase Holz sowie dem Frühling zugeordnet. Dazu gehören die Organe Leber (Gan) und Gallenblase.

typ 1 Der Leber-Gan-Typ

Körperliche Merkmale

Pferde des Leber-Gan-Typs haben meist einen harmonischen und ausbalancierten Körperbau, sind gut bemuskelt und tendieren zu einem hohen Muskeltonus. Selbst in Trainingspausen verlieren diese Pferde nicht schnell an Muskulatur. Zudem heilen Infektionen und Wunden in der Regel schnell. Der Leber-Gan-Typ hat häufig rote Schleimhäute, eine rötliche Zunge sowie ein fest geschlossenes Maul mit gespannten Lippen und vielen kleinen Falten. Pferde dieses Typs reagieren laut TCM empfindlich auf sogenannte Wind-Umstände: „Das heißt, dass sie dazu neigen, unter Atemwegserkrankungen zu leiden, besonders im Frühjahr. Einseitige Bindehautentzündungen sind auch typisch“, erläutert Dr. med. vet. Ina Gösmeier.

Die Leber

Während in der westlichen Medizin unter einer Lebererkrankung eine Erkrankung des Organs Leber verstanden wird und sich die Behandlung auf Veränderungen in der Leber richtet, bedeutet eine Lebererkrankung in der TCM dagegen eine Disharmonie in der Wandlungsphase Leber/Gallenblase. Diese kann zum Beispiel durch Reizbarkeit verursacht worden sein. „Denkbare Beschwerden sind ausgeprägte Muskelverspannungen im Genick, Hals und Rücken, weil das Leber-Qi für den reibungslosen Verlauf von Qi und für die Muskulatur zuständig ist“, erklärt Dr. med. vet. Ina Gösmeier. „Dazu gehören Probleme im Bereich der Sehnen und Gelenke, die zu Steifheit führen, aber auch der Huf und das Wachstum des Hufhorns und seine Beschaffenheit werden von der Leber beeinflusst.“ Wiederkehrende Augenentzündungen jeder Art weisen ebenfalls auf eine Leberdisharmonie hin. Die Leber spiegelt sich im Auge und speichert das Blut.

Psyche

Ausdrucksstark, dominant, mutig und unerschrocken – all diese Attribute kennzeichnen den ausbalancierten Leber-Gan- Typen. „Pferde, die diesem Typ angehören, sind ausgesprochen leistungsfähig, falls sie bereit sind, mitzuarbeiten“, sagt Dr. med. vet. Ina Gösmeier. „Sie müssen weniger gefördert, sondern eher ausgeglichen und harmonisiert werden.“ Eine gute, konsequente und faire Erziehung ist das A und O. Das erfordert Geduld, Geschick und Durchhaltevermögen seitens des Reiters. Auf unberechtigtes, inkonsequentes oder zu hartes Strafen reagieren Leber-Gan-Typen mit ausgeprägter Widersetzlichkeit. Diese Pferde haben ein sehr gutes Gedächtnis. Wenn uns sprichwörtlich eine Laus über die Leber gelaufen ist, sind wir zornig oder verärgert. Dieser Zustand kennzeichnet den Leber-Gan-Typ im unausgeglichenen Zustand. Nach der Vorstellung der chinesischen Lehre können Ärger und Wut die Ursache sein für Muskelreaktionen, die sich beim Pferd in Muskelverspannungen, Schmerzen und Unrittigkeit ausdrücken können. So mancher Leber-Gan-Typ baut bereits einen höheren Muskeltonus auf, wenn er nur neben einem ihm unsympathischen Boxennachbarn steht. Aus diesem Grund sollte viel Wert auf die passende Haltung gelegt werden.

Sozialverhalten

Ausbalancierte Leber-Gan-Typen sind geborene Anführer, die von den anderen Herdenmitgliedern allein durch ihre Präsenz akzeptiert werden. Auch wenn diese Pferde ihre Vorherrschaft verteidigen, streiten sie nicht einfach ohne Grund. Wird jedoch ihre Führung angezweifelt, kann es zu ernsteren Konflikten kommen. Gleiches gilt, wenn Leber-Gan-Typen aus der Balance geraten. „Ist die Herdensituation klar geregelt, spielt der unerschrockene Leber-Gan-Typ gerne mit den Artgenossen“, erklärt Dr. med. vet. Ina Gösmeier.

Rittigkeit

Harmonische Leber-Gan-Typen sind charismatisch und mutig. Sie haben keine Angst vor unbekannten Hindernissen. Doch ihr Ausdruck kann auch über kleine Probleme in Bezug auf die Durchlässigkeit hinwegtäuschen. „Probleme in der Ausbildung basieren hauptsächlich auf mangelndem Respekt vor dem Reiter oder zu harter Handhabung des Pferdes“, bemerkt unsere Expertin. Dieser Pferdetyp hat eine gute Auffassungsgabe, und ihm fällt es nicht schwer, neue Lektionen zu lernen. Allerdings sollte ein zu häufiges Wiederholen von Lektionen vermieden werden. Unsichere Reiter haben es nicht immer leicht mit einem Leber-Gan-Typen. Werden Hilfen ungenau oder zögerlich gegeben, kann der Vierbeiner versuchen, den Reiter auszutricksen. „Das Pferd springt beispielsweise bei einem routinierten Reiter den fliegenden Wechsel, ohne zu zögern. Bemerkt es aber bei einem nicht versierten Reiter eine undeutliche Hilfengebung, springt es die Wechsel nach kurzer Zeit nicht mehr“, so unsere Expertin. Auch in Bezug auf das Training und die Beschäftigung mit dem Menschen sind harmonische Leber-Gan-Typen verspielt. Unzufriedenheit drückt sich bei diesem Typ in einem erhöhten Muskeltonus aus. In Kombination mit sensibler Haut kann es zu einer höheren Empfindlichkeit auf Berührungen, Sättel und Gurte kommen. Bereits kleine emotionale Unausgeglichenheiten können körperliche Reaktionen zur Folge haben.

Anzeichen für eine Disharmonie des Leber-Gan-Typs:

• Das Pferd verteidigt seine Alpha- Position zu extrem.

• Es kommt zu Konflikten mit Artgenossen.

• Das Pferd wird schnell widersetzlich und nutzt Reiterfehler aus.

• Das Pferd ist leicht aufgebracht und neigt zu aggressivem Verhalten.

• Muskelverspannungen, Muskelkater, schmerzende Muskeln

• Rückenschmerzen

• Sehnenschaden

• Hufprobleme

• Bindehautentzündungen

Körperliche Merkmale

Ein zierlicher, graziler Körperbau mit kleinen Hufen ist charakteristisch für den Nieren-Shen-Typ. Die Gelenke können eher schwach und wenig stark ausgeprägt sein, die Muskulatur eher zart. Diese Pferde tendieren zu schmerzhaften Reaktionen im Lendenbereich. Im Winter sind Shen-Typen anfälliger für Atemwegserkrankungen, die sich bei ausbleibender Behandlung chronifizieren können. Generell frieren Nieren-Shen-Typen leicht. Selbst im Sommer fühlt sich die Lendengegend oft kühl an. „Wenn dies der Fall ist, stehen sie still und zittern, anstatt sich mit Bewegung oder ein paar Bucklern aufzuwärmen“, so Dr. med. vet. Ina Gösmeier. Sie rät: „Aufgrund seiner Abneigung gegen Kälte muss der Shen-Typ warm eingedeckt und vor Regen und Kälte geschützt werden.“ Diese Pferde weisen oft deutlich schlechtere Selbstheilungskräfte auf als Gan-Typen. So dauern auch Krankheitsperioden länger an. Die Schleimhäute des Nieren-Shen-Typs sind weißlich, die Zunge ist klein und hell. Das schmale Maul mit kurzer Maulspalte kann zu Problemen in Bezug auf das Gebiss führen. Auch haben solche Pferde häufiger mit dem Zahnwechsel zu kämpfen.

Psyche

Im Gegensatz zu dem Gan-Typ sind Nieren-Shen-Typen sensibler und ängstlicher mit einem eher schwach ausgeprägten Selbstbewusstsein. Neues kann sehr beunruhigend sein und zu Unruhe, Aufregung oder Scheuen führen. Dazu gehören zum Beispiel Veränderungen im gewohnten Umfeld. Pferde dieses Typs suchen und brauchen Unterstützung sowie Führung. Andere, erfahrene und selbstsichere Pferde können dem Vierbeiner helfen, Selbstvertrauen zu gewinnen. „Diese Vorsicht und Ängstlichkeit muss nicht negativ sein, solange sie durch eine vertrauensvolle Behandlung in Selbstbewusstsein umgewandelt werden kann“, rät unsere Expertin. Der Shen-Typ sei interessiert, sozial und hänge an seinem Menschen. Wenn er einmal Vertrauen gefasst hat, begrüßt er seinen Reiter gerne, ist freundlich und offen. Wenn der Mensch dem Nieren-Shen- Typ Sicherheit vermittelt und ihn bestärkt, kann eine tiefe und intensive Beziehung entstehen. Nieren-Shen-Typen zeigen oft einen großen Lernwillen, neigen allerdings zu Übereifer.

Die Niere

Die Niere beeinflusst Fortpflanzung, Geburt, Wachstum,und Entwicklung. Sie regiert das Wasser und empfängt das Qi von der Lunge.

Dieser Typ wird der Wandlungsphase Wasser und dem Winter zugeordnet. Dazu gehören die Organe Niere und Bla se.

Der Nieren-Shen-Typ typ 2

Sozialverhalten

Konflikten gehen Pferde im Nieren-Shen- Typ lieber aus dem Weg. Daher ordnen sie sich in einer Herde schnell unter. Sie sind sehr verträglich mit Artgenossen. Allerdings kann es zu Problemen kommen, wenn sich die Sozialpartner ändern. Der Reiter sollte dann beobachten, ob sein Pferd möglicherweise gemobbt oder unterdrückt wird. Körperliche Anzeichen wie Abmagerung, Lethargie, Magengeschwüre und Hauterkrankungen, aber auch psychische Symptome wie unerklärliche Angst und Schreckhaftigkeit können die Folge sein. Reiter eines Nieren-Shen-Typs sollten darauf achten, sein Selbstvertrauen zu stärken. Körperliche oder psychische Überforderung setzt dem ängstlichen Shen-Typ schnell zu. Daher neigen auch jüngere Pferde im Nieren-Shen-Typ eher dazu, krank zu werden. „Die Annahme, dass die Dinge sich von selbst regeln und ein paar Bisse keinen größeren Schaden anrichten, gilt nicht für Shen-Typen. Er muss immer unterstützt werden“, sagt Dr. med. vet. Ina Gösmeier. Probleme in der Herde können dazu führen, dass der Vierbeiner schlechter trinkt und frisst und Atemwegssowie Skeletterkrankungen nach sich ziehen.

Rittigkeit

Pferde im Shen-Typ sind eifrig, kooperativ und interessiert. Sie sind in der Lage, neue Lektionen schnell zu lernen. Übereifer kann jedoch dazu führen, dass der Vierbei-ner Übungen verwechselt oder Lektionen selbstständig ausführt, ohne auf die Hilfen zu warten. Bleibt dann auch noch das Lob aus, ist der Nieren-Shen-Typ möglicherweise verwirrt, schließlich war er sich doch sicher, alles richtig gemacht zu haben. Wut oder Strafe seitens des Reiters können die Angst und Unsicherheit verstärken. „Nur Geduld und eine korrekte Wiederholung der Hilfen und Übungen mit viel Lob werden das Pferd beruhigen und entspannen“, so unsere Expertin.

Anzeichen für eine Disharmonie des Nieren-Shen-Typs:

• Wenig ausgeprägtes Selbstbewusstsein

• Unterwürfigkeit in neuer Herde

• Unsicherheit bei Strafe oder Druck

• scheu, schreckhaft, überängstlich und „auf der Flucht“

• Tendenz zu Atemwegserkrankungen im Winter

• extremes Frieren

• kalter und schmerzhafter Lendenbereich

• nach Erkrankungen lange Rekonvaleszenz-Phase

• Wunden oder Verletzungen infizieren sich schnell

• geschwächtes Immunsystem durch Überanstrengung

Der Milz-Pi-Typ wird der Wandlungsphase Erde sowie dem Sommer zugeordnet. Dazu gehören die Organe Magen und Milz.

typ 3 Der Milz-Pi-Typ

Körperliche Merkmale

Im Vergleich zum Shen-Typ erscheint das Exterieur des Milz-Pi-Typs gröber und massiver. Die Gelenke und Hufe sind meist groß, ebenso wie das Maul. Bindegewebe und Muskulatur sind eher von weicherer Qualität, wobei diese Pferde bei ungenügendem Training zu einem Hängebauch neigen. Auch die Unterlippe kann nach unten hängen. Die Schleimhäute sind rosarot und mit viel Speichel überzogen.

Die Milz

Die Milz hält die Dinge in Körper an ihrem Platz und kontrolliert sowohl das Blut als auch die Muskeln und die vier Gliedmaßen. Sie herrscht über Ernährung sowie Umwandlung und sorgt für den Flüssigkeitstransport im Organismus. Kann sie ihrer Aufgabe nicht nachkommen, tritt Flüssigkeit ins Bindegewebe. Daher neigen Pi-Typen zu angelaufenen Beinen ohne Lahmheit. Diese Ödeme bessern sich oder verschwinden durch Bewegung, können anschließend aber erneut auftreten.

Psyche

Ängstliche Reiter finden im freundlichen Milz-Pi-Typ einen ausgezeichneten Partner: „Er ist ein gemütliches, ausgeglichenes Pferd, ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Unsicherheiten vom Reiter nimmt er gelassen in Kauf “, erläutert Dr. med. vet. Ina Gösmeier. Diese Pferdetypen werden weder ärgerlich wie der Gan-Typ, noch ängstlich wie der Shen-Typ. Zwar sind Pi-Typen auch leistungsbereit, jedoch ziehen sie die Gemütlichkeit der Anstrengung vor. Dafür gehört Fressen zur Lieblingsbeschäftigung. „Sein Appetit ist ausgeprägt, deshalb neigt er als guter Futterverwerter eher zu Übergewicht“, so unsere Expertin.

Sozialverhalten

Milz-Pi-Pferde stehen in der Hierarchie der Herde irgendwo in der Mitte. Sie sind keine Streithähne wenn es um den Sozialstatus geht sondern suchen sich meist einen Kumpel zum entspannten Grasen. Dennoch weiß sich der Pi-Typ bei Mobbing durch Artgenossen deutlich und klar zu verteidigen, ohne aus der Haut zu fahren. Sobald er in Ruhe gelassen wird, beruhigt er sich wieder und widmet sich der Futteraufnahme.

Rittigkeit

Milz-Pi-Typen müssen zu Beginn des Trainings oft angeschoben werden. Sie zeigen sich gern mal langsam und faul. Doch wenn diese Pferde warm gelaufen sind und über eine gute Kondition verfügen, können sie auch fleißig und schwungvoll vorwärtsgehen. Die braven und zuverlässigen Pi-Typen sind gute Anfängerpferde, die nicht vor den Hilfen des Reiters flüchten. „Häufig wird behauptet, diese Pferde seien stur oder unsensibel, dabei sind sie ausbalanciert mit einer harmonischen Mitte“, betont Dr. med. vet. Ina Gösmeier. Leider tendieren manche Reiter dazu, grob mit solchen Pferden umzugehen. Pi-Typen lernen langsam, haben jedoch ein hervorragendes Langzeitgedächtis. Wenn eine Lektion sitzt, dann kann sie immer und überall abgerufen werden. Manche Pferde im Milz-Pi-Typ erscheinen lethargisch bis phlegmatisch, wenn sie überfordert oder nicht fair behandelt werden. Das liegt an ihrer Introvertiertheit. Wird zu viel von einem Pi-Typ verlangt, neigt dieser zum Rückzug. „Seine Reaktionsschnelligkeit auf die Hilfen nimmt immer mehr ab, oder er bewegt sich gar nicht mehr“, berichtet unsere Expertin. Pi-Typen, die als Sportpferde eingesetzt werden, brauchen aufgrund der weichen Muskulatur und dem lockeren Bindegewebe eine höhere Grundkondition, um die gleichen Leistungen zu vollbringen. Dr. med. vet. Ina Gösmeier rät zu Intervall-Training im Gelände mit alternierenden Galopp- und Schrittphasen. Nicht hilfreich seien allerdings ausgedehnte Wiederholungen von Lektionen. „Auf Turnieren sollte die Vorbereitungszeit kurz gehalten werden, sonst wird der Milz- Pi-Typ zu müde“, sagt unsere Expertin.

Anzeichen für eine Disharmonie des Milz-Pi-Typs:

• sehr faul, extrem triebig und unmotiviert

• sehr introvertiert und apathisch

• Hängebauch und Adipositas

• umgekehrt aber auch Gewichtsverlust möglich

• Magengeschwüre

• Kotwasser

• Ungeschicklichkeit

• sehr langsam in den Bewegungen

• chronisch angelaufene Hinterbeine

Körperliche Merkmale

Herz-Xin-Typen weise keine typischen Merkmale im Körperbau auf. Auf Schleimhaut und Zunge ist ein bläulicher Schimmer zu finden. Pferde dieses Typs neigen zum Nachschwitzen. Zwar kann es sein, dass sie während des Cool-downs oder beim Absatteln trocknen, in der Box beginnen sie jedoch wieder am ganzen Körper oder nur an einzelnen Körperpartien zu schwitzen. „Aus Sicht der TCM kontrolliert das Herz nicht nur den Geist, sondern auch das Schwitzen“, erklärt Dr. med. vet. Ina Gösmeier. „Schwitzt ein Pferd nach, ist dies immer ein Hinweis darauf, dass das chinesische Herz und der Herz-Xin-Typ aus der Balance sind und daher durch Akupunktur behandelt werden sollten.“

Psyche

Das Herz steht in der chinesischen Medizin auch für die Gefühlsbewegung Freude. Manche Xin-Typen sind ausgesprochen kernig und lassen ihre Freude an der Bewegung durch Ausgelassenheit und Clownerie heraus. Häufiger als diese positive Form des Xin-Typs ist der normalerweise ruhige Herz-Typ anzufinden. Kommt es zu plötzlich auftretenden Erregungszuständen, können sich diese bis zur Hysterie steigern. Im Grunde ist der Herz-Xin-Typ aber nicht ängstlich und er kann im Umgang eher ruhig oder sogar robust wirken. Viel Zuwendung und Erziehungstraining tut dem Herz- Xin-Typ sehr gut. Dazu gehört vor allem auch, Neues ohne Aufregung zu erleben.

Sozialverhalten

Der Herz-Xin-Typ ist in der Herde mehr ein Einzelgänger, oder er sucht sich einen Pferdefreund aus, an dem er besonders hängt. Wird er von diesem Partner auch nur kurzfristig getrennt, kann er mit völliger Hysterie reagieren. Dabei achtet er weder auf seine eigene Gesundheit noch auf die des Pferdeführers. Er wiehert, schreit laut und drängt den Reiter ohne Rücksicht ab. Dabei kann er sich und andere verletzen.

Rittigkeit

Pferde des Herz-Xin-Typs sind oft sehr talentiert mit einer schnellen Auffassungs- gabe, aber gleichzeitig eine echte Herausforderung für den Reiter. Sie neigen zu geistigen Disharmonien und regen sich meist sozusagen aus dem Nichts auf. So mancher Vierbeiner arbeitet länger motiviert mit und fährt dann doch plötzlich aus der Haut. An einem Tag ist es der Schatten auf dem Boden, ein anderes Mal die offene Hallentür. Unerfahrene Reiter sind schwer in der Lage, die Situation zu händeln. Daher brauchen Xin-Pferde eine erfahrene Bezugsperson. Geduld und Konsequenz tun diesen Vierbeinern gut. Ist der Herz- Typ auf 180, beruhigt er sich meist am besten wieder in seiner Box oder in einem anderen vertrauten Umfeld.

Das Herz

Dem chinesischen Medizinverständnis nach ist das Herz der Sitz des Geistes und des Verstandes. Ist das Herz nicht im Stande, den Geist zu kontrollieren, kann es unter anderem zu Panik und Hysterie kommen. Das Herz regiert zudem das Blut und kontrolliert die Blutgefäße sowie das Schwitzen.

Der Herz-Xin-Typ wird der Wandlungsphase Feuer zugeordnet. Dazu gehören die Organe Herz und Dünndarm.

Der Herz-Xin-Typ typ 4

Anzeichen für eine Disharmonie des Herz-Xin-Typ:

• Das Pferd handelt unüberlegt.

• Das Pferd ist leicht erregbar.

• Das Pferd neigt zur Panik.

• Das Pferd ist unansprechbar.

• Das Pferd verletzt sich selbst.

Körperliche Merkmale

Zwar sind Lungen-Fei-Typen eher unauffällige Pferde, jedoch machen sie das schnell durch eine sehr gute Rittigkeit und strukturierte Gedanken wett. Solche Pferde sind kluge Köpfchen und arbeiten unermüdlich mit. Trockenheit prägt den Körperbau des Fei-Typs. Das zeigt sich durch trockene, klare Gelenke, eine etwas trockene Zunge und eine schmale Muskulatur. Auch die Schleimhäute neigen zu Trockenheit und sind weißlich-rosa. Da Lungen-Fei-Pferde versuchen, allen Anforderungen gerecht zu werden, daher werden bei ihm auftretende Krankheiten oder Verletzungen oft nicht ernst genommen. Der Reiter sollte die körperliche Gesundheit und Entwicklung seines Pferdes genau im Auge behalten.

Die Lunge

Die Lunge herrscht über die Lebenskraft Qi sowie die Atmung. Sie kontrolliert sowohl Meridiane und Blutgefäße als auch das Verteilen und Absteigen von Qi und Körperflüssigkeiten im Körper. Zudem fallen Haut und Haar unter die Kontrolle der Lunge, die außerdem die Stimme regiert.

Der Lungen-Fei-Typ wird der Wandlungsphase Metall sowie dem Herbst zugeordnet. Dazu gehören die Organe Lunge und Dickdarm

typ 5 Der Lungen-Fei-Typ

Psyche

Diese Pferde zeichnet ein ausgeglichenes, arbeitsfreudiges Temperament aus. Zudem haben und behalten sie in jeder Situation den Überblick. „Lungen-Fei-Typen sind freundlich und neugierig dem Menschen gegenüber, jeden Tag aufmerksam und arbeiten kontinuierlich mit. Neue Situationen werden mit Vorsicht und Intelligenz, mit Selbstvertrauen, aber ohne Angst gemeistert“, berichtet Dr. med. vet. Ina Gösmeier. Wobei die Leistungsbereitschaft dieser Typen häufig nicht ausreichend gewürdigt werde. Vermieden werden sollte das ständige Abfragen von Höchstleistungen. Pferde des Lungen-Fei-Typs laufen häufig auch trotz beginnender Schmerzen, was chronische Erkrankungen und Lahmheiten nach sich ziehen kann.

Sozialverhalten

Der Lungen-Fei-Typ ordnet sich in der Herde ein und zeigt ein hohes Sozialverhalten. „Ein Herdenwechsel ist für ihn im Allgemeinen kein größeres Problem. Meistens finden sie sich in der neuen Umgebung schnell zurecht“, sagt unsere Expertin. Auch hier zeige sich ihre Klugheit und Übersicht. Fei-Pferde sind kontaktfreudig. Abwechslung im sozialen Umfeld kann für diesen Typ sogar förderlich sein.

Anzeichen für eine Disharmonie des Lungen-Fei-Typs:

• durch Überforderung und Eintönigkeit entstandene Krankheiten

• Apathie

• Hautkrankheiten

• Atemwegserkrankungen

• Lahmheiten

Rittigkeit

Eine konsequente, zuverlässige Arbeitsbereitschaft zeichnet den Lungen-Fei-Typen aus. Hinzu kommt eine schnelle Auffassungsgabe. Diese Vierbeiner können Abfolgen von Lektionen rasch erfassen. Selbst wenn die Anforderungen steigen, sind sie stets bemüht, mitzuarbeiten und ihr Bestes zu geben. Gar nicht vertragen können die selbstständig denkenden Fei- Pferde ein ständiges Unterordnen. Der harmonisierte Lungen-Fei-Typ ist ein hervorragendes Reitpferd und häufig unter Vielseitigkeitspferden zu finden. Überforderung zeigt sich meist weniger im Nachlassen der Leistungsbereitschaft, sondern eher in körperlichen Symptomen wie Haut- und Lungenerkrankungen. „Pferde im Lungen-Fei-Typ neigen bei Überlastung zur oberflächlichen und kurzen Atmung. Sie verlieren ihre physiologische Atemtechnik“, so Dr. med. vet. Ina Gösmeier. „Lungenerkrankungen treten gepaart mit trockenem Husten oder Atemnot auf.“ Dann ist eine ausreichende Zeit zum Auskurieren enorm wichtig. Fei-Typen sollten körperlich langsam aufgebaut werden. Dabei ist in der Ausbildung besonderer Wert auf die Stärkung der Muskulatur zu legen. Ein Anerkennen der Leistungsbereitschaft und die Intelligenz dieser Pferdetypen mit entsprechendem Lob trägt zu einer sehr guten Beziehung bei.

UNSERE EXPERTIN

DR. MED. VET. INA GÖSMEIER führt seit 1990 eine tierärztliche Über weisungspraxis für Traditionelle Chinesische Tiermedizin (TCM). Von 2002 bis 2016 war sie im Auftrag des DOKR bei Weltmeisterschaften

BUCHTIPP

Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz bietet die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) neue Möglichkeiten, sein Pferd gesundheitlich zu stabilisieren. In ihrem Ratgeber beschreibt die Tierärztin und TCM-Expertin Dr. Ina Gösmeier die fünf Pferdetypen und ihre individuelle Behandlung. Sie zeigt, wie Sie Ihr Pferd einem Typ zuordnen und dementsprechend gesundheitliche und Verhaltensprobleme selbst lösen können.

Mit Rezepten für die Kräuterfütterung, Akupressurgriffen und Fallbeispielen. Kosmos, 136 Seiten, 22 Euro, EAN: 9783440154984