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50 Die besten Superhe Idenfilme


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Rolling Stone - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 25.08.2022

DER SUPERHELD WAR ETWAS früher dran als die politische Bewegung: Black Panther feierte sein Comic-Debüt schon im Juli 1966, die amerikanische Black Panther Party wurde im Oktober desselben Jahres gegründet. Die linksmilitante Gruppierung kämpfte für die Selbstbestimmung der Afroamerikaner, der Schwarze Comic-Panther, auch bekannt als König T’Challa, für Wakanda, dessen Feinde das fiktive afrikanische Land zerstören wollen.

Zwar behauptete Black-Panther-Erfinder und Marvel-Comics-Chef Stan Lee, das auffallend ähnliche Raubkatzen-Logo seines Helden sei nicht von dem der Panther- Vorgängerpartei Lowndes County Freedom Organization (LCFO) beeinflusst – doch womöglich war diese Trademark-Ähnlichkeit den Aktivisten sowieso egal. Black Panther war der erste afrikanische Superheld. Er gab, wie kurz nach ihm die Gründer der Partei, den Unterprivilegierten eine Stimme: Ich bin hier, wir sind hier, wir ...

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... kämpfen für uns und wir kämpfen für euch, wir haben Kräfte, die unsere Unterdrücker nicht erahnen können. Der Wakanda-König mit der übernatürlichen Stärke und Laufgeschwindigkeit steht für das Idealbild eines Menschen, der Gleichberechtigung erkämpft. Und sein Land für eines, in dem Schwarze leben können, ohne diskriminiert zu werden, wie es in der amerikanischen Gesellschaft an der Tagesordnung ist.

Texte von David Fear, Brian Hiatt, Alan Sepinwall, Mosi Reeves, Joe Gross und Stephen Garrett

1 Black Panther

2018

Ryan Cooglers Porträt von T’Challa – teils Avenger, teils Regent des afrikanischen Königreichs Wakanda – ist mehr als das Kronjuwel des Marvel Cinematic Universe. Es ist ein altmodisches Epos, das Breitwandabenteuer sowohl mit moralischem Tiefgang verbindet als auch mit einer atemberaubenden afrofuturistischen Ästhetik und einem tollen Soundtrack von Kendrick Lamar. Der Film bewies zudem, dass man die spezifischen Sensibilitäten eines Filmemachers ins MCU integrieren kann, ohne dabei die hohen kommerziellen Erwartungen aus den Augen zu verlieren.

„Black Panther“ war eine Shakespeare-Tragödie im Kostümrausch und zeigte uns einen zerrissenen Helden (den 2020 verstorbenen Chadwick Boseman) im Kampf mit einem komplexen Bösewicht (Michael B. Jordan als Erik Killmonger). Vor allem aber demonstrierte „Black Panther“, dass Superhelden-Filme mehr sein können als nur oberflächliche Unterhaltung. Sie können uns zur Reflexion und Neuorientierung bewegen, sie können in unserem Alltag grundiert sein, uns gleichzeitig aber auch an exotische Orte entführen. Sie sind mehr als nur eine Achterbahnfahrt, denn sie kommen dem nahe, was man sich ursprünglich vom Kino versprochen hatte. Wakanda forever!

DF

2 Spider-Man 2

2004

Green Goblin und Doctor Octopus sollten ursprünglich gemeinsam im ersten „Spider-Man“-Film vertreten sein, doch Sam Raimi zog die Notbremse, da er den Film nicht mit unnötigem Personal überladen wollte. Stattdessen sparte er sich Doc Ock für das meisterliche Sequel auf, in dem sich der Regisseur nun konsequent an die Vorlage hält, von Spideys existenziellen Selbstzweifeln bis hin zu Alfred Molina, der seinen diabolischen Gegner mit den mechanischen Tentakeln spielt, einen der besten Comicstrip- Bösewichte, die es je gab. Und der Kampf in der U‐Bahn (mitsamt seinen Folgen) gehört zu den emotionalsten Szenen, die das Genre bis dahin zu bieten hatte.

AS

3. Logan

2017

In den Achtzigern entwickelten die Comicstrip-Macher ein Subgenre, das mit bedrückenden, oft extrem gewalttätigen Storys der alltäglichen Realität erschreckend nahekam. James Mangolds exzellenter Film bringt die gleichen Stilelemente auf die Leinwand und kreiert ein dystopisches, mit Enthauptungen gespicktes Szenario, das sich mit den letzten Tagen von Hugh Jackmans „Wolverine“ beschäftigt. Nicht zuletzt mit seinen Verweisen auf klassische Western („Shane“ im Besonderen) beschwört „Logan“ ein Phänomen, das nicht auf die „X‐Men“ beschränkt ist: Der Tod der Superhelden geht einher mit dem Ende des großen amerikanischen Traums. Und: Patrick Stewarts atemberaubende Performance als ein 1978 Es F zu von Demenz zerrüttetes Genie hätte ihm mindestens eine Oscar-Nominierung einbringen müssen.

BH

4. Avengers: Endgame

2019

Wer dieses letzte Kapitel von Marvels mehrteiliger „Infinity Stones“-Saga zufällig am ersten Wochenende sah, dürfte mit einer extremen Publikumsreaktion konfrontiert worden sein: Die Rückkehr von T’Challa, Spider-Man und all den anderen Helden, die Thanos am Ende von „Avengers: Infinity War“ pulverisiert hatte, wurde von den Zuschauern mit begeistertem Beifall gefeiert. „Endgame“ war das emotional überwältigende Finale einer langen, komplizierten, enorm unterhaltsamen Story, deren Erzählung mehr als ein ganzes Jahrzehnt beanspruchte. Sie ließ noch einmal einige der größten Marvel-Helden gemeinsam aufmarschieren und lieferte eine finale Schlacht gegen Thanos, die für eine unvergessliche Gänsehaut sorgte.

AS

5. Superman

1978

Es war der Film, der die Menschheit davon überzeugte, tatsächlich fliegen zu können.

Und doch war es ein anderer Special Effect – auf den wir 90 Minuten warten mussten –, der Richard Donners Film zum Big Bang des gesamten Genres machte: Clark Kent steht in Lois Lanes Wohnzimmer, während sie sich für die Verabredung fertig macht, die sie fast vergessen hätte. Wir sehen, wie Clark seine Brille abnimmt, ein Ruck durch seinen Körper geht und einen unscheinbaren Nerd in einen Man of Steel verwandelt. Christopher Reeve spielte seine beiden Rollen so meisterhaft – von Margot Kidders Lois und Gene Hackmans größenwahnsinnigem Lex Luthor kongenial unterstützt –, dass selbst Zweifler verstummten: Ja, die Helden der billigen Comichefte, jahrzehntelang belächelt, waren für die große Leinwand wie geschaffen.

AS

6. Spider-Man: Into The Spider-Verse

2018

Die computeranimierte Ergänzung zum Spider-Man-Universum – richtiger: ‐Universen, Plural – sprüht nur so vor Farben, Fantasie, Spider-Men, sogar Spider-Women – nebst einem Schwein, das die Wand hinaufkraxeln kann. Die Story: Der puerto-ricanische Graffitisprayer Miles Morales (Shameik Moore) erbt das Spidey-Kostüm. Schon bald trifft der Teenager seine Kollegen aus den anderen Universen (gesprochen u. a. von Jake Johnson, Hailee Steinfeld und, jawohl, Nicolas Cage) und macht sich daran, gemeinsam mit ihnen das Multiverse zu retten. Ein völlig neuer Ansatz, um eine alte Story erneut zu beleben.

AS

7 The Dark Knight

2008

„Du stirbst entweder als Held oder lebst so lange, dass du als Bösewicht endest.“ Christopher Nolans zweiter Film seiner Trilogie, ein würdiger Kandidat für den besten Batman-Film aller Zeiten, baut auf dem launischen, grüblerischen Batman auf, wie ihn Christian Bale in „Batman Begins“ 2005 interpretiert hatte. Aber es ist der von Heath Ledger gespielte Joker – der unberechenbar und bedrohlich aussieht, zwischenzeitlich aber auch komisch ist –, der „The Dark Knight“ zu einem der besten Superhelden- Filme aller Zeiten macht. Unschlagbare Momente – wie Batmans schwindelerregende Attacke auf den Wolkenkratzer in Hongkong – lassen Nolans Ziel realistisch erscheinen, „James Bond“ als erfolgreichsten Franchise-Film zu entthronen.

BH

8 Thor: Ragnarok

2017

Regisseur Taika Waititi treibt den selbstironischen Humor der MCU-Produktionen auf die Spitze und zeigt uns ein komödiantisches Element, das Chris Hemsworth in seinen bisherigen Thor-Filmen gänzlich abging. Es ist ein perfektes Gegengewicht zu den schicksalsschwangeren Legenden von Göttern, die gegeneinander kämpfen, aber auch eine spöttische Anspielung auf den eigenen Pomp der Marvel-Welt. Zusatzpunkte gibt es für Waititis Entscheidung, die entscheidende Schlacht mit Led Zeppelins „Immigrant Song“ zu unterlegen.

AS

9. Wonder Woman

2017

Sie mag eine Amazone sein, doch Gal Gadot verströmt als Wonder Woman eine Menschlichkeit, der man bei männlichen Superhelden seit Christopher Reeve nicht mehr begegnet ist. Möglicherweise lag das auch daran, dass der von Patty Jenkins inszenierte Film im Ersten Weltkrieg spielt – allseits bekannte Charakteristika erschienen in einem neuen Licht. Die Tatsache, dass endlich eine Superheldin einen eigenen Film bekam, wirkte sich sicher ebenfalls positiv aus. Die Schlacht im No Man’s Land, bei der ihr Kostüm vor einem grauen Hintergrund übernatürlich leuchtet, während sie mühelos Geschosse abwehrt und feindliche Soldaten vernichtet, hat sich in unser kollektives Bewusstsein eingebrannt.

BH

10. Die Unglaublichen

2004

Brad Birds erster Pixar-Film ist eine Verneigung vor den Familien-Sitcoms der Fünfziger (wie „Ozzie und Harriet“), gleichzeitig aber auch vor den unterkühlten, stylischen Spionagefilmen der Sechziger. Natürlich orientierte Bird sich auch an Superhelden-Cartoons, die im US-Fernsehen omnipräsent waren – und nahm dabei eine dysfunktionale, „Fantastic Four“- ähnliche Familie auf die Schippe, die sich nur noch gegenseitig an die Gurgel geht. Der Retro-Look und mitreißende Action- Szenen lieferten weitere Bonuspunkte, doch letztlich muss man sich bei den Sprechern bedanken, die diesen computeranimierten Film zuallererst zum Leben erweckten: Holly Hunter und Craig T. Nelson als Ma & Pa Incredible, Samuel Jackson als verheirateter Superheld („Honey! Where’s my supersuit?“). (Im Deutschen sind immerhin Markus Maria Profitlich, Felicitas Woll, Kai Pflaume, Barbara Schöneberger, Herbert Feuerstein und Wilhelm Wieben dabei.)

AS

11. Iron Man

2008

Tony Stark und seinen metallischen Maßanzug gab es bereits seit den frühesten Marvel- Tagen, doch außerhalb der Comics hatte Stark nie echtes Star- Potenzial entwickelt. Der einzige Grund, ihn mit einem eigenen Film zu betrauen, war Marvels Entschluss, die Rechte an Spider- Man und X-Men an Sony bzw. Fox zu verkaufen. Auch Robert Downey Jr.s Karriere hatte schon bessere Tage gesehen. Doch der knochentrockene Humor, der sich zwischen Schauspieler und Rolle bildete, war Kino-Alchemie der ersten Klasse – und erlaubte es MCU, die erfolgreichste Filmmarke aller Zeiten zu etablieren. Ebenso auf der Plusseite: die wahnwitzige Post-Credits-Sequenz, die uns einen Vorgeschmack auf das gab, was noch kommen sollte.

AS

12. Spider-Man: Homecoming

2017

Als Tom Holland 2016 in „Captain America: Civil War“ einen Gastauftritt als netter Spider-Junge von nebenan hatte, ahnte man bereits, dass es nicht bei der Nebenrolle bleiben würde. In seinem ersten Solo- Abenteuer lässt Holland den Peter Parker aus Stan Lees Sixties-Strips wieder aufleben und kreiert so einen neuen Spidey für die nächste MCU-Generation. Er ist der klassische Nerd mit Pickeln und Teen Angst, dem aber auch Worte wie „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ über die Lippen kommen. Wirft man dazu noch Zendaya als zickige Freundin MJ in den Topf, Robert Downey Jr.s respekteinflößenden Iron Man und Michael Keaton als technologisch aufgepeppten Vulture, hat man einen außergewöhnlichen Superhelden-Film.

DF

13 X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

2014

20th Century Fox, die 1994 die Rechte an X‐Men erworben hatten, gingen mit ihrer Version von „Infinity Wars: Endgame“ lange vor MCU an den Start – und das ambitionierte Projekt „Zukunft ist Vergangenheit (Days Of Future Past)“ bewies tatsächlich, dass man mit dem Comic-Crossover- Konzept an der Kinokasse massive Erfolge feiern konnte. Der Film schaffte es auch, die ursprünglichen X‐Figuren mit ihrem jugendlichen Reboot zu vereinen und sie gemeinsam auf die Aufgabe auszurichten, die weltweite Auslöschung der Mutanten zu verhindern. Man schaffte es sogar, die damals so populäre Mystique (von einer nackten, blau angemalten Jennifer Lawrence gespielt) in den Mittelpunkt der Handlung zu manövrieren, ohne die Logik der Handlung übermäßig zu strapazieren.

BH

14. Spider-Man

2002

Allein das wild schwingende Spinnennetz, mit dem CGI bewies, dass sie die Visuals der Comicstrips perfekt nachempfinden konnte, hätte „Spider-Man“ den Status eines Klassikers eingetragen. Wichtiger noch: Sam Raimi nahm den Seifenopern-Kern der Geschichte ernst, den Stan Lee und Steve Ditko einst zu Papier gebracht hatten, und konzentrierte sich auf die zentrale Liebesgeschichte zwischen Peter Parker (Tobey Maguire) und Mary Jane Watson (Kirsten Dunst), dem sprichwörtlichen Mädchen von nebenan. In diesem Zusammenhang schenkte er der Welt auch den ersten vertikalen Kuss.

BH

15 Guardians Of The Galaxy

2014

Wer hätte gedacht, dass sich zusammengewürfelte Statisten aus einem alten, obskuren Sci-Fi-Cartoon als Retter des Marvel-Universums erweisen würden? James Gunn, Veteran der Troma Studios, injizierte einen Schuss Wahnsinn in die Geschichte der interstellaren Outlaws, angeführt vom verwegenen Peter Quill alias Star-Lord und bereichert von dem rüpelhaftesten Racoon, das je mit einem Ballermann herumfuchtelte, dazu Dave Bautista als Zerstörer Drax. Ein echter Trip, vom altmodischen AM-Radio- Soundtrack bis hin zu den Sticheleien zwischen Quill (Chris Pratt) und Gamora (Zoe Saldaña), die nach dem Blau in „Avatar“ nun eine grüne Haut trägt.

DF

16. Avengers: Infinity War

2018

Kritiker, die die Dominanz des MCU beklagten, übersahen gern, dass Marvel mit der Kunst der verschränkten Erzählstränge ein unerreichtes Niveau erklommen hatte. 2018 verfügte es über ein filmisches Personal, das zu den gewagtesten Paarungen zusammengestellt werden konnte: Captain America und Groot, Thor und Star- Lord, Dr. Strange und Spider-Man. Darüber hinaus glänzt „Infinity War“ mit beeindruckenden Actionszenen und großen Gefühlen, als es keine Zweifel mehr gibt, dass Thanos (Josh Brolin) gewillt ist, mit einem Fingerschnippen Millionen Menschenleben auszulöschen. Zum ersten Mal hat man das Gefühl, als könne der Bad Guy tatsächlich gewinnen.

BH

17. X2

2003

„Hast du sie gefunden? Hast du sie alle gefunden?“ Das Sequel zu „X-Men“ beinhaltet eine hochgradig alarmierende Szene, in der ein bösartiger Homo superior Professor X (Patrick Stewart) dazu bewegt, Jagd auf unschuldige Kreaturen zu machen. Und das ist nur einer von vielen überraschenden Twists – angefangen mit dem Angriff auf das Weiße Haus bis hin zu der Szene, in der Wolverine allein eine schwer bewaffnete Armee auf Distanz hält –, die die Latte für Actionszenen weit nach oben schrauben.

BH

18. Captain America: The Return Of The First Avenger

2014

Das erste der Captain- America-Sequels greift ein Genre auf, das mit Seventies-Thrillern wie „Die drei Tage des Condor“ popularisiert wurde. Robert Redford spielt auch diesmal den patriotischen Helden, der nicht nur gegen seine eigene Regierung kämpfen muss, sondern auch gegen einen „Super- Soldaten“ aus seiner Vergangenheit. „The Winter Soldier“, so der Originaltitel, ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass sich unter dem MCU-Zelt auch Storys integrieren lassen, die nicht unbedingt im Superhelden-Kosmos angesiedelt sind.

AS

19. Batman und das Phantom

1993

Ernstzunehmende Bat-Nerds halten die 85-teilige Fernsehserie „Batman: The Animated Series“ für die beste Bildschirm-Adaption aller Zeiten. Dieser Kino-Ableger liefert zumindest ein überzeugendes Argument, dass dieser Ehrenplatz durchaus verdient sein könnte. Sprecher Kevin Conroy nimmt Bruce Waynes grenzenlosen Schmerz todernst und kreiert dadurch einen Batman, den wir noch nie so grimmig und wild entschlossen erlebt haben wie hier. Es ist Mark Hamill – genau, der Mark Hamill –, der uns als Joker mit ein paar lichten Momenten versorgt. Das Design von Gotham City, dem wechselnden Stadtbild angepasst, ist auf der Leinwand absolut atemberaubend. Und Dana Delany als Frau aus Bruce’ Vergangenheit beschwört ein Finale hinauf, das zu den tragischsten aller Bat- Storys zählt.

AS

20. Superman II

1980

Selbst der „Man Of Steel“ hat seine empfindsamen Seiten. Richard Lesters Sequel zeigt unseren Weltenretter bei dem Versuch, das ruhige und bescheidene Leben zu genießen, das er sich an der Seite von Lois Lane verdient hat. Dummerweise muss er die häuslichen Pläne gleich wieder über Bord werfen, als drei kryptonische Super- Villains aus der Phantom- Zone ausbrechen und die Menschheit zu unterjochen versuchen … Das Trio Christopher Reeve, Margot Kidder und Gene Hackman gibt dem augenzwinkernd menschlichen Ansatz die notwendige Plausibilität, ebenso die Fokussierung auf Superman und die Frau, die er wirklich liebt.

AS

21 Doctor Strange

2016

Wir treffen Stephen Strange, im früheren Leben ein selbstgefälliger Chirurg, der inzwischen ein Master of the Mystic Arts ist. Benedict Cumberbatch spielt ihn mit der richtigen Mischung aus verletztem Stolz und spöttischem Humor, während sich Regisseur Scott Derrickson erfolgreich bemüht, all die surrealen, psychedelischen „Strange“-Strips von Steve Ditko zum Leben zu erwecken. Die M.‐C.‐Escher-ähnliche Jagdszene ist noch immer einer der beeindruckendsten visuellen Eyecatcher, zu denen das MCU fähig ist. Es war auch nicht überraschend, dass Strange nach 2016 als übernatürlicher Gaststar in praktisch allen Marvel-Filmen einen Kurzauftritt hatte.

DF

22. RoboCop

1987

Paul Verhoevens süffisante Karikatur der amerikanischen Law-and-Order-Mentalität ist eine in sich schlüssige Satire, gleichzeitig aber auch ein klassischer Superhelden-Film (oder eher ein Sittengemälde mit einem klassischen Antihelden?). Nachdem der von Peter Weller gespielte Polizist im dystopischen Detroit der Zukunft ermordet wurde, wird er in seine Einzelteile zerlegt, um aus diesen einen Cyborg zu bauen, der als die Verbrechensbekämpfung der Zukunft vermarktet wird. Doch schon bald hat der Roboter- Polizist den dunklen Verdacht, dass er seinen Strippenziehern nicht mehr trauen kann … Die Brutalität wird derart überzogen in Szene gesetzt, dass sie fast schon wie eine Parodie der Comicstrips wirkt, in denen der Stärkere grundsätzlich im Recht ist. Kein Wunder, dass der Comicbook-Schreiber und ‐Illustrator Frank Miller („The Dark Knight Returns“) die Figur später assimilierte, um sie in seinen eigenen, nicht minder subversiven Comic einzubauen.

DF

23. Deadpool

2016

Vielleicht erinnert man sich noch an Wade Williams in „X‐Men Origins: Wolverine“ von 2009. Es war die Version des geschwätzigen Killers Deadpool („The Merc with a Mouth“), der für die meisten Fans viel zu zahm und weinerlich war. Als Regisseur Tim Miller die Figur in den Mittelpunkt eines eigenen Films rückte, sahen wir gleich eine vulgäre und weitaus gewalttätigere Version. Ryan Reynolds verstand instinktiv, warum der Killer mit der großen Klappe beim Publikum so gut ankam: Er war perfekt, wenn es ans Killen ging, konnte dabei aber nie seinen Mund halten. Reynolds wie auch der Film ließen sich vom rotzigen Wade Wilson inspirieren und scheuten sich auch nicht, die Grenze zum Zotigen zu überschreiten. Im Vergleich zu Deadpool wirken die vermeintlich „schwierigen“ Superhelden jedenfalls eher wie unbeschwerte Disney- Cartoons.

DF

24 Batman Returns

1992

Tim Burtons „Batman“ von 1989 war filmhistorisch sicher der wichtigere Film – vor allem was das kommerzielle Potenzial der Superhelden-Projekte betraf –, doch dieses ungeniert derangierte Sequel war mit Sicherheit der unterhaltsamere Streifen. Danny DeVito als grotesker Penguin-Mutant, Christopher Walken als Trump’scher Politiker und Michelle Pfeiffer als wundervoll perverse Catwoman lieferten ein Highlight nach dem anderen. Zudem fühlte sich dieser Versuch auch eher wie ein echter Tim-Burton-Film an, von der melancholischen Grundstimmung über die billige Goth-Kids-Ästhetik bis hin zu der seltsamen Spannung zwischen Burtons exaltiertem Stil und dem braven Gut-Böse-Kontrast der alten Comicstrips. Er war in jedem Fall eine der gelungeneren Hommagen an den Caped Crusader.

AS

25. Rocketeer – Der Raketenmann

1991

Die meisten Superhelden- und Pulp- Adaptionen, die auf „Batman“ folgten, waren nicht der Rede wert, doch Joe Johnstons Geschichte eines WW2-Piloten, der mit seinem Raketenrucksack Gangster und Nazis jagt, ist ein seltenes Schmuckstück. Und: Hat es je ein prächtigeres Super-Paar gegeben als Billy Campbell und Jennifer Connelly? Später, als er seinen Beitrag zum Marvel Cinematic Universe lieferte (siehe Nr. 38), verwendete Johnston ähnliche Retro-Stilmittel, um die Heldentaten der 30er-Jahre heraufzubeschwören, doch diese gelungene Hommage erschien immerhin schon zwanzig Jahre zuvor.

AS

26. Darkman

1990

Bevor er das MCU mit „Spider-Man“ eröffnete, „Doctor Strange In The Multiverse Madness“ mit Momenten echten Terrors würzte, schuf Sam Raimi seinen eigenen Superhelden – auch wenn dieser Held in gewisser Weise sein eigener Antiheld war. Der Hautspezialist Peyton Westlake (Liam Neeson), von Gangstern brutal zugerichtet, überlebt nur mithilfe einer experimentellen Prozedur, die seine Schmerzen lindert, gleichzeitig aber auch Adrenalinschübe auslöst, die ihm übernatürliche Kräfte verleihen. Ein unerwünschter Nebeneffekt ist eine als existenziell empfundene Entfremdung von sich selbst. Die von ihm getragenen synthetischen Masken – von der natürlichen Haut kaum unterscheidbar – machen ihn zum perfekten Rächer, doch seine psychische Instabilität erweist sich als unberechenbares Manko. „Darkman“ bewies, dass selbst moralisch komplexe Stoffe durchaus mit der gröberen Sensibilität eines Comicstrips vereinbar sind.

SG

27.Hellboy

2004

Guillermo del Toros Interpretation von Mike Mignolas gleichnamigem Superhelden – ein zigarrenkauendes Monster mit großem Herzen – trifft den Ton der Buchvorlage perfekt, weil er ständig mit übersinnlichem Horror, Fantasy, Kriegsmanövern und dunklem Zynismus jongliert, oft genug innerhalb weniger Sekunden. Der Erfolg des Films verdankt sich aber nicht zuletzt auch Ron Perlman, der dieses Monster mit der gleichen praktischen Intelligenz spielt, die schon den Grey Hulk auszeichnete. Selma Blairs Performance als psychokinetische Liz Sherman und David Hyde Pierce, der dem amphibischen Abe Sapien seine Stimme leiht, sind nicht weniger beeindruckend. Aber letztlich ist dies ein Del-Toro-Feuerwerk, das mit seinen filmischen Extravaganzen – Hellboy und Rasputin treten beispielsweise in einem Zweikampf an – sowohl die alten Comicstrip-Leser anspricht als auch die Fans seiner anspruchsvolleren Filmografie.

MR

28. Batman Begins

2005

Der Startschuss zu Christopher Nolans revolutionärer Trilogie war der erste Batman- Film, der sich die psychologischen Nuancen zu eigen machte, die neue Batman-Comics in der Evolution unseres Helden entdeckt zu haben glaubten. Werke wie die von Frank Miller und David Mazzucchellis „Batman: Year One“ leuchteten die Hintergründe so sorgfältig aus, dass wir sogar Einblicke in die Entstehungsgeschichte der sogenannten Batarangs bekamen. (Die metallischen Wurfgeschosse in Fledermausform hatten ihren Namen bekommen, als man die Wörter „bat“ und „boomerang“ zusammensetzte.) Christian Bale ist ein angemessen psychotischer Bruce Wayne, doch es ist vor allem die Besetzung der Nebenrollen – Michael Caine als väterlicher, aber auch sarkastischer Alfred, Morgan Freeman als verschwörungssüchtiger Lucius Fox, Cillian Murphys angsterregender Scarecrow, Gary Oldmans erschlaffter Jim Gordon –, die diese psychologisierende Apotheose zum Leben erweckt.

BH

29. The Crow

1994

Wer den Filmset-Tod von Brandon Lee (Sohn der Martial- Arts-Legende Bruce Lee) noch immer nicht verarbeitet hat, findet vielleicht Trost in der Story eines ermordeten Musikers, der zum untoten Superhero mutiert und ewige Rache schwört. Der Film ist jedenfalls sowohl ein würdiges Tribute an den verstorbenen Schauspieler als auch ein Highlight seines Genres. James O’Barr schrieb und illustrierte den Comic, nachdem seine Verlobte von einem betrunkenen Fahrer getötet worden war. Regisseur Alex Proyas übernahm das Goth- Trash- Ambiente, gab dem tristen Thema aber auch eine Tonalität, die optimistischer und definitiv unterhaltsamer war. Es half, dass ein brillanter Michael Wincott den Verbrecherboss aus Detroit spielte und der Soundtrack den Geist des Nineties-Alt- Rock ebenso perfek t repräsentierte.

JG

30 Shang-Chi A nd The Legend Of The Ten Rings

2021

Endlich: die erste Produktion eines etablierten US-Studios, das einen asiatischen Superhelden in den Mittelpunkt stellt! Gespielt wird der Held von dem chinesisch-kanadischen Star Simu Liu, der sich mit seiner bodenständigen Performance eng an die Comicvorlage aus den Siebzigern hält. Shang-Chi kämpft darin gegen kriminelle Organisationen, außerweltliche Bedrohungen und sein eigenes Schicksal. Wie in jedem Marvel-Film gibt’s natürlich Action bis zum Abwinken (etwa eine beeindruckende Szene, in der sich Shang-Chi der Angreifer erwehrt, die ihn in San Francisco in einem Bus überfallen wollen). Doch den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt die problematische Beziehung zwischen Liu und seinen Angehörigen, meisterlich gespielt von den Hongkong-Legenden Tony Leung und Michelle Yeoh.

MR

31. V wie Vendetta

2005

„Remember, remember, the fifth of November …” Alan Moores dystopische Geschichte des maskierten Rächers – die Guy-Fawkes-Maske sollte das visuelle Erkennungsmerkmal aller Underground- Aktivisten werden – ist eine radikale Neuinterpretation der Superhero-Mythologie, in der ein maskierter Held die Welt vor der faschistischen Gewalt rettet, die uns alle in den Abgrund zu reißen droht. Die Adaption von Regisseur James McTeigue und Lilly & Lana Wachowski (Buch und Produktion) kommt dem Geist der britischen Graphic Novel erschreckend nahe und unterstreicht die Tatsache, dass es vom Befreier zum Terroristen nur ein kleiner Schritt ist. Lange bevor sie in die Dienste von Thor trat – bzw. den Hammer selbst zu schwingen begann –, unterstützte die kahl geschorene Natalie Portman einen Mann namens V, der eine Armee gegen die totalitären Mächte aufbaute. „V wie Vendetta“ ist einer der wenigen Superhelden-Filme, die mit jedem Jahr aktueller wirken.

AS

32. Unbreakable

2000

David Dunn (Bruce Willis), der mürrische Security-Mann eines Stadions, durchläuft eine Sinnkrise, nachdem er gerade ein schreckliches Zugunglück überlebt hat. Der firmeneigene Intellektuelle (Samuel L. Jackson) hilft ihm dabei, legt im Lauf ihrer Gespräche aber einen stählernen Kern frei, der dem Security-Mann selbst nicht bekannt war. M. Night Shyamalan, dem Meister der übernatürlichen Überraschung, gelingt das Kunststück, aus einer tragischen Geschichte mit alltäglichen Akteuren die Geburtsstunde eines Superhelden zu machen. Es ist obendrein eine psychologische Studie des symbiotischen Tanzes, der zwischen Protagonist und Antagonist stattfindet – und der erste Teil einer unerwartet originellen Filmtrilogie, die sich über zwei Jahrzehnte erstreckt.

SG

33 Blade II

2022

Es konnte Guillermo del Toro nicht verborgen geblieben sein, dass Wesley Snipes Vampirjäger mit einem Bein in der Superhelden-Welt stand, mit dem anderen in den Horror-Comics der Siebziger – und dass sein Sequel (das deutlich besser war als das Prä-MCU-Original von 1998) beiden Genres die gleiche Zeit einräumte. Eine neue Spezies von Blutsaugern, Reaper genannt, richtet unter Menschen wie Zombies ein Blutbad an. Blade muss wohl oder übel eine Gruppe von Zombie-Rebellen rekrutieren, um die extrem gefährliche Subvariante auszuschalten. Das ist eine nihilistische Interpretation des Superhelden-Modells, das später durchaus populär werden sollte, 2002 aber noch Neuland war. Man spürt indes, dass es Guillermo del Toro eine wahre Freude ist, sich in den Niederungen des Genres zu suhlen, etwa wenn er drei Reaper bewusst so positioniert, dass Blade sie mit einem einzigen Hieb aufschlitzen kann.

DF

34. The Suicide Squad

2021

Die Materialien des DC Extended Universe schienen nie dazu gemacht, mit den Vorstellungen von Mastermind Zack Snyder eine harmonische Ehe einzugehen. Zu den vorhandenen DC-Stoffen zählten beispielsweise Superdog oder ein riesiger violetter, intergalaktischer Seestern namens Starro. Als er „Guardians Of The Galaxy“ drehte, nahm Regisseur James Gunn zum Glück Abstand davon, Figuren wie Krypto oder Batmite in die Gruppe der Super-Bösewichte aufzunehmen, er ließ es sich aber nicht nehmen, besagten Starro zum Leben zu erwecken. Auch „The Suicide Squad“ agiert mit einer Gruppe weniger bekannter Protagonisten (allein die von Margot Robbie dargestellte Harley Quinn sticht heraus), arbeitet dafür aber mit einem galoppierenden Wahnsinn, dem bislang kein anderer Superhelden-Film das Wasser reichen konnte. Bonuspunkte gibt es für eine clevere Eröffnungssequenz (eine ganze Gruppe von Akteuren, die gerade erst eingeführt wurden, kommt grausam zu Tode) sowie John Cenas Rolle als Peacemaker, die unter dem gleichen Titel eine wunderbare TV-Serie abwarf.

BH

35. Ant-Man

2015

Als das Marvel Cinematic Universe vor fünfzehn Jahren aus der Taufe gehoben wurde, war die Tonalität der ersten Filme erstaunlich vielseitig. Der komödiantische Ansatz von Peyton Reeds „Ant-Man“ galt sogar als eines der vielversprechendsten Experimente, zumal man mit dem unverwüstlichen Paul Rudd einen Hauptdarsteller hatte, der einer der charmantesten Protagonisten war, die man sich vorstellen konnte. Der cleverste Schachzug aber bestand darin, dass man den von Rudd gespielten Scott Lang zum zweiten Ant-Man machte – was den Machern unter anderem die Möglichkeit gab, dem für 2023 geplanten Sequel eine immanente Vorgeschichte mit auf den Weg zu geben. Das wiederum bedeutet, dass nun auch Michael Douglas (als ursprünglicher Ant-Man) und Michelle Pfeiffer (als seine Frau) in der Welt der Superhelden mitmischen dürfen.

BH

36. Tank Girl

1995

Rachel Talalays Film, der Jamie Hewletts postapokalyptische Comicstrips auf die Leinwand brachte, war an der Kinokasse kein Erfolg und lag zunächst auch Kritikern schwer im Magen. (Hewlett gelang wenig später der Durchbruch, als er mit Damon Albarn die Gorillaz gründete, die ebenfalls audiovisuelle Ansätze verfolgten.) „Tank Girl“ ist ein reißender Bilderstrom in der Machart, wie MTV sie Mitte der Neunziger mit „Alternative Nation“ propagierte. Courtney Love steuerte den Soundtrack bei, Iggy Pop glänzte in einer Minirolle als „Rat Face“, während ein kaum identifizierbarer Ice-T ein Känguru namens T-Saint spielte. Lori Petty ist die perfekte Wahl als punkige Protagonistin und vermittelt den Eindruck, als wäre sie gerade einem schrillen Hewlett-Cartoon entstiegen. Ob sie nun einen Fiesling verführt, ihm anschließend in die Eier tritt und ihn dann mit einer Granate in die Luft sprengt oder ob sie sich mit einer Gespielin für ein Techtelmechtel in die Büsche verdrückt: Die subversive Wirkung, die „Tank Girl“ auf die Welt der Superhelden hatte, wird vor allem in feministischen Kreisen bis zum heutigen Tag bis zum heutige diskutiert.

MR

37. The Batman

2022

Wir gestehen ein, ungläubig aus der Wäsche geschaut zu haben, als Matt Reeves ankündigte, einen weiteren Batman-Film ins Rennen schicken zu wollen. Und mit wem in der Hauptrolle? Robert Pattinson?! Es stellte sich heraus, dass es ein begnadetes Casting war, da Pattinson die gleiche Desorientierung, Unsicherheit und krankhafte Intensität, mit der er gerade in Filmen wie „The Lighthouse“ und „Tenet“ geglänzt hatte, nun auch in die frühen Tage des Dark Knights injizierte, der zu diesem Zeitpunkt bekanntlich noch der „World’s Greatest Detective“ war. Es ist ein Batman, der ständig kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht – was ihn in gewisser Weise dafür prädestiniert, den nicht minder neurotischen Riddler zu jagen. (Paul Dano glänzt in der Rolle des extremen Widerlings.) Zoe Kravitz’ extrem aufreizende Catwoman und ein kaum erkennbarer Colin Farrell als grotesker Penguin runden das Panoptikum des Bösen ab. Das Personal der Batman-Darsteller wächst mit jedem Jahr weiter, doch diese Version zählt eindeutig zu den besten.

DF

38 Captain America: The First Avenger

2011

Wenn es ein filmisches Juwel im Marvel-Kosmos gibt, das sträflich übersehen wird, ist es dieser retrolastige Film, der wie eine Mischung aus „Indiana Jones“ und „The Rocketeer“ wirkt. Die Assoziation kommt nicht einmal überraschend, da der von George Lucas protegierte Joe Johnston nicht nur bei den beiden ersten „Indiana“-Filmen Regie führte, sondern auch bei „The Rocketeer“. Zum Glück scheint zudem das Tempo des Films aus einer früheren Epoche zu stammen. Wir verbringen die ersten 37 Minuten mit einem (digital) abgespeckten Steve Rogers, bevor er mithilfe eines Super-Serums zu Captain America mutiert. Die traditionelle Vorgehensweise schafft nicht nur Raum für Nervenkitzel und klassische Effekte, sondern liefert auch eine der gelungensten Szenen der ganzen Captain-America-Saga: Ein kraftloser Rogers wirft sich mit dem Mut der Verzweiflung auf etwas, das er für eine scharfe Granate hält. Wir lernten in diesem Moment einen geborenen Helden kennen, der schon bald aus dem Marvel-Kosmos nicht mehr wegzudenken war.

BH

39. Doctor Strange In The Multiverse Of Madness

2022

Auf ein Neues, Sam Raimi! Der „Spider- Man“-Regisseur kehrt zu dem Genre zurück, dem er wichtige neue Impulse gab – nur um dieses Sequel mit einigen altmodischen „Evil Dead“-ähnlichen Horror-Effekten aufzupeppen. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) und eine junge Frau namens America Chavez (Xochitl Gomez) streifen durch diverse Paralleluniversen, um Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) davon abzuhalten, die Strukturen der gemeinhin akzeptierten Realität zu zerstören. Man muss schon ein Doktorand in fortgeschrittenen Marvel-Studien sein (oder alternativ die TV-Serie „WandaVision“ aus dem Effeff kennen), um dem Plot folgen zu können, kann Raimis Beiträge aber auch ohne jede Vorbildung würdigen. Vor allem im letzten Drittel macht er aus einem Superhelden-Epos ein filmisches House of Horrors und flirtet obendrein mit einigen Was-wäre-wenn-Szenarien, was aus einigen Marvel-Figuren wurde – nur um das gesamte Konzept im nächsten Moment in die Luft zu jagen. Sprichwörtlich! Respekt, Sir!

DF

40. The Dark Knight Rises

2012 Sucht man im Finale von Christopher Nolans Trilogie nach einem besonders haarsträubenden Augenblick, dann ist es die Szene, in der Batman und Terrorist Bane in den Nahkampf gehen. Miterleben zu müssen, wie der Super-Villain unseren Dark Knight zur Schnecke macht, ist für jeden Fan eine bittere Erfahrung. Nicht minder einprägsam auch die Rede, in der Bane zu gesellschaftlicher Anarchie aufruft. Die Vergleiche zur Gegenwart und zu antidemokratischen Gruppen wie den Proud Boys liegen auf der Hand. Das deprimierende Finale, mit dem Christopher Nolan Batman neu positioniert, ist ein erschreckendes Omen. Der Film porträtiert eine Gesellschaft, die so gebrochen ist wie Batmans Rückgrat. Wir werden mit deprimierenden Szenarien konfrontiert, denen kommerzielle Blockbuster gewöhnlich lieber aus dem Weg gehen.

MR

41 The Avengers

2012

Es war weniger der Plot (Alien-Invasion in Manhattan) als die schiere Megalomanie des Films, die auch rückblickend noch ihresgleichen sucht: Nie wurden so viele Superhelden in einem einzigen Film in den Kampf geschickt. Der schauspielerischen Qualität der Protagonisten war es denn auch zu verdanken, dass dieses Super-Spektakel nicht in infantiler Lächerlichkeit endete. Mark Ruffalo als Bruce Banner/The Hulk und Jeremy Renner als Hawkeye gaben ihr Superhelden-Debüt, während Scarlett Johansson, Samuel L. Jackson und Tom Hiddleston für prominente Kontinuität standen. Die Schlacht von New York ist zwar einer der Höhepunkte im Marvel-Universum, doch nicht zuletzt der augenzwinkernde Witz machte den Film aus. Wenn etwa Hulk den Bösewicht Loki unangespitzt in den Boden rammt oder die Black Widow durch die Innereien des Hellicarriers jagt, bleibt kein Auge trocken.

BH

42. The Lego Batman Movie

2017

Wir bedanken uns bei Regisseur Chris McKay und den Produzenten Phil Lord und Christopher Miller für die Erkenntnis, dass Batman keineswegs ein Vollzeitmuffel ist, sondern durchaus seine lichten Momente hat. Das Triumvirat schaffte es auch, aus einem Gastauftritt in „The Lego Movie“ einen abendfüllenden Spielfilm zu machen, in dem Will Arnett seinem Batman eine würdevolle Aura verleiht und Michael Cera als Robin so gravitätisch ernst ist wie nie. Vollgepackt mit bislang weniger bekannten Bösewichtern und vielen Überraschungseiern für die fortgeschrittene DC-Comics-Gemeinde und ein Batman-Film für alle Altersgruppen. Ein Instant Bat Classic sozusagen.

JG

43. Thor

2011

Regisseur Kenneth Branagh, ursprünglich im Theater zu Hause, konnte seine Erfahrung nutzen, um die nordische Heldensaga mit einem Schuss Shakespeare zu veredeln. Wir reden hier von Thor, Odins Sohn, dem größten Donnergott aller Zeit, der mit seinem Hammer die Welt in Schutt und Asche legen kann. Nachdem er von seinem Vater aus dem mythischen Asgard auf unseren blauen Planeten verbannt worden ist, lebt sich der blonde Gott – von Chris Hemsworth göttlich gespielt – recht schnell ein und wird mit der Astrophysikerin Jane Foster (Natalie Portman) sogar häuslich. Sein tückischer Bruder Loki (Tom Hiddleston) hat mit ihm jedoch andere Pläne … Der Film ist eine erste Einführung in die von Jack Kirby kreierte nordische Götterwelt, in der sich die neuen Superhelden sichtlich wohlfühlen. Hiddlestons Interpretation des Super- Villain ist obendrein so gelungen, dass er schon bald fester Bestandteil des Marvel-Universums wird.

BH

44 Batman hält die Welt in Atem

1966

POW! WHAP! TWACK! Batman und Robin nehmen es mit einer ganzen Horde Super-Villains wie dem Joker, Penguin und Catwoman auf – und das in einem Ambiente, das mit seinen pastellfarbenen Requisiten die Pop-Art- Sensibilitäten der erfolgreichen TV-Serie fortsetzt. Das Leinwanddebüt von Adam Wests Batman war gleichzeitig die abgefahrenste Filmversion, die man bislang kannte: Explodierende Haie, Polaris-Raketen, die kryptische Witze auf das Himmelszelt schrieben, eine peinliche Fülle von Batman-affinem Merchandise – an verrückten Ideen mangelte es jedenfalls nicht. Dieser „Batman“ war eine Mischung aus DC Comics und „Mad“-Magazin, der seine Herkunft aus den Swinging Sixties nicht verbergen konnte und bereits einen Vorgeschmack auf die kreative Leichtigkeit gab, mit der man die Superhelden des 21. Jahrhunderts in Szene setzen würde.

SG

45 The Old Guard

2020

Neue Imperien mögen kommen und gehen, doch eines wird sich nie ändern: Immer wird es eine Handvoll unsterblicher Krieger geben – hier angeführt von Charlize Theron, die Haare auf den Zähnen hat –, die als Superhelden in die Comicgeschichte eingehen wollen (oder auch als Super-Bösewicht, je nach Vergütung und moralischer Veranlagung). Die alten Krieger lernen aber schnell, dass es eine junge Marine namens Nile (Kiki Layne) gibt, die die gleichen übernatürlichen Kräfte besitzt wie sie. Die alte Garde, verstärkt durch den neuen Rekruten, sehen sich umgehend mit einem Bösewicht konfrontiert, der versucht, die genetische Quelle ihrer übernatürlichen Kräfte zu finden … Autor Greg Rucka schrieb selbst das Drehbuch für einen Film, den Regisseurin Gina Prince-Bythewood adäquat mit viel Blut und atemberaubenden Gefechten in Szene setzte. Ein Sequel ist bereits in Arbeit.

DF

46. Scott Pilgrim Vs. The World

2010

Der Held von Bryan Lee O’Malleys Comicromanen ist ein liebeskranker Musiker aus Toronto namens Scott Pilgrim, der die sieben früheren Liebhaber seiner Traumfrau Ramona Flowers besiegen muss, bevor er sie erobern kann. Für die Verfilmung griff Edgar Wright auf einige nerdtypische Geschmacksverstärker zurück – von Neo-Grunge-Rock über japanische Anime-Figuren bis hin zu „Mortal Kombat“-ähnlichen Videospielen –, er verneigt sich aber auch vor klassischen Superhero-Comics und ‐Filmen. Wenn man sieht, wie sich Pilgrim (Michael Cera) durch die Phalanx seiner Widersacher kämpft, weiß man bereits, dass er eigentlich nur noch eine Maske und ein Cape braucht.

DF

47. Infra Man

1975

Inspiriert vom Erfolg der japanischen TV-Serie „Ultraman“, kreierte Runme Shaw, Hongkongs legendärer Filmproduzent, seine eigene Version eines Wissenschaftlers (Danny Lee), der bionische Kräfte entwickelt und es mit einer dämonischen Prinzessin aufnimmt, die ihm alle nur erdenklichen Monster auf den Hals hetzt. Sicher, der Camp-Faktor ist hier ebenso ausgeprägt wie in den Godzilla-Filmen der Siebziger, doch ein Riesenspaß ist es allemal. Man beginnt darüber hinaus zu verstehen, wie dieser atomsprühende, Kung- Fu-kickende, blitzeschleudernde Verteidiger des Universums nachfolgende Supermänner-Generationen beeinflussen sollte – von den Power Rangers bis „Pacific Rim“.

DF

48. Megamind

2010

Die Macher des Zeichentrickfilms wagten es, eine ketzerische Frage zu stellen: Was wäre passiert, wenn Lex Luthor ein eierköpfiger, blauhäutiger Alien wäre, der sich in Lois Lane verguckt – und dann plötzlich ein Heimspiel hat, weil Superman die nötige Motivation zur Konfrontation fehlt? Megamind, Will Ferrells heimtückischer Bösewicht, macht den von Brad Pitt gesprochenen Metro Man zur Schnecke, Tina Fey ist die perfekte semierotische Gegen- spielerin – und David Cross wurde dazu geboren, in die Rolle des ernsten, aber stets unterwürfigen Bösewicht-Sidekicks zu schlüpfen, der in diesem Fall ein Fischkopf ist, der auf einem Roboter-Torso sitzt. „Megamind“ ist eine witzige Parodie auf Superhelden und ihre Rivalitäten – und eigentlich genauso logisch und lebensnah wie ein echter Superhelden-Film.

JG

49. Ghost Rider

2007

Eines muss man dem viel gescholtenen Nicolas Cage schon lassen: Wie er als Johnny Blazer mit seinem Motorrad stürzt und in Flammen aufgeht, sich unter unmenschlichen Schmerzen und von einem schrägen Opern-Musical-Soundtrack begleitet in den makabren Antihelden aus den Seventies verwandelt, ist schon großes Kino. In jedem Fall ist es eine Szene, bei der kein Auge trocken bleibt. Doch Cage hat durchaus auch seine Momente als Partner von Eva Mendes, die ihrerseits für beträchtliches Leinwandknistern sorgt. Unterm Strich Good Clean Fun für Leute, die ohne überzogene Erwartungen ins Kino gehen und sich gern unterhalten lassen. Und: Wer vergeblich auf Cage als Superman wartete, bekommt ihn zumindest als Ghost Rider zu sehen.

MR

50. Zack Snyder’s Justice League

2021

Vergessen wir einen Moment die hysterischen Internetkampagnen und die gehässigen Fan-Scharmützel, die Agonie der Studiobosse und – im Namen von Jor-El! – auch die gekürzte Kinoversion, zu der man sich schließlich zusammenraufte. Zack Snyders Extended Version ist ein offenkundiges Upgrade der Kurzversion, nimmt auch die Figuren aus der zweiten Linie ernst, liefert essenzielle Hintergrundinformationen und schickt das geballte DC-Superhelden-Kollektiv in die Schlacht gegen einen potenten Bösewicht. (Darkseid, Herrscher des Planeten Apokolips, ist eine Nummer für sich!) „Justice League“ ist ein Sturm- und- Drang-Epos, das sich so ernst nimmt wie eine Wagner-Oper, in Slo- Mo-Action-Sequenzen schwelgt, ausufernden Erzählsträngen folgt und einem für mindestens vier Stunden das Gefühl gibt, dass es da draußen einen Filmregisseur gibt, der die DC-Figuren mit dem Respekt behandelt, den sie sich auf Papier verdient haben.

DF