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5000 Jahre Schmuck im architektonischen Juwel


LebensArt Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 32/2019 vom 06.12.2019

Schmuck ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Mitten in der Goldstadt steht ein Gebäude, das wegen seiner Architektur, aber auch wegen der Schätze, die es im Innern birgt, einen ganz besonderen Platz einnimmt. Hier werden solche Geschichten erzählt: Sie führen vor Augen, wie eng Schmuck und unterschiedliche Kulturen miteinander verwoben und wie vielfältig die Facetten der Goldschmiedekunst sind.

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Fotos: Günther Meyer

Schlangenarmreif, Gold, Granat griechisch-hellenistisch, 3. - 2. Jh. v. Chr

rechts: Brosche »Octopus und Schmetterling« Gold, Perlen, Diamanten, Rubine, Amethyste, Topas, Emaille, Entwurf Lucas von Cranach, Berlin, 1899/1900 Ausführung Louis Werner, Berlin, 1900

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Besucher in der modernen Sammlung des Schmuckmuseums Pforzheim,


Foto: Winfried Reinhardt

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Cornelie Holzach, Leiterin des Schmuckmuseums Pforzheim,


Foto: Petra Jaschke

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Foto Brigida Gonzalez

Das Pforzheimer Reuchlinhaus beherbergt mit rund 2000 Exponaten aus fünf Jahrtausenden ein weltweit einzigartiges Museum zur Geschichte des Schmucks. Was hier gezeigt wird, entwickelt schnell eine Faszination über das Optische hinaus. Selbst weniger Schmuck begeisterte Besucher verlassen die Säle mit den gut gesicherten Vitrinen mit leuchtenden Augen.
Wo könnte ein solches Museum besser platziert sein als in der Goldstadt Pforzheim? Hier, wo die Goldschmiedekunst zuhause ist, wurde 1961 nach Entwürfen des Architekten Manfred Lehmbruck im »International Style«, einer Hommage an Ludwig Mies van der Rohe, ein Haus eingeweiht, das damals wie heute zu den interessantesten Museumsbauten Europas gehört. „Ein Juwel“, sagt Museumsleiterin Cornelie Holzach und schlägt dabei die Brücke zu dem, was im Inneren des Hauses gezeigt wird – eine bereits Ende des 19. Jahrhunderts angelegte Schmuck-Mustersammlung, die über die Jahrzehnte ständig gewachsen ist. Dafür hat einmal die Stadt mit einem entsprechenden Etat gesorgt, aber auch Sponsoren und Förderer greifen in die Tasche, um dem Museum weitere Exponate zu sichern. Meist keine preiswerte Angelegenheit – und manchmal, weiß Mitarbeiterin Isabel Schmidt-Mappes, „muss man schnell zugreifen. Sonst hat man keine Chance.“ Immer wieder ein Glücksfall der besonderen Art: Hin und wieder kann das Museum seine Exponate auch durch Schenkungen erweitern. Leihgaben bereichern ebenso die Sammlung – so etwa die Taschenuhrensammlung Philipp Weber. Aber zurück zu den Geschichten. „Es steht so viel hinter jedem Schmuckstück – damit rechnet man zunächst nicht“, macht Cornelie Holzach darauf aufmerksam, dass sich die Menschheit von Beginn an mit Schmuck beschäftigt hat und dass ihm weit mehr als nur eine ästhetische Funktion zukommt.
Materialien und Formen änderten sich, immer aber waren es auch geschichtliche Entwicklungen, soziale Bedingungen und Ausrichtungen, die prägend mitgewirkt haben. Das belegen eindrucksvoll die Kostbarkeiten, die im Schmuckmuseum von der Antike bis zur Gegenwart reichen und stets ein untrennbarer Begleiter der verschiedenen Kulturen waren.

Ein Museumsbesuch ist immer auch ein Gang durch die Geschichte – der sind im Schmuckmuseum allerdings blitzende Lichter aufgesetzt worden. Schmuck, das wird klar, hat viel mit der Verschönerung des Menschen zu tun.
Schwerpunkte der Dauerausstellung liegen auf der Antike, Renaissance und dem Jugendstil. Hinzu kommt eine bedeutende Ringsammlung. Aber auch die Entwicklung des aktuellen internationalen Schmuckschaffens wird aufgegriffen und zeigt sich in einer vielfältigen Kollektion modernen Schmucks. „Es hat sich etwas geändert in den Köpfen der Schmuckschaffenden“, weist Schmidt-Mappes auf einen Wandel hin. „Man sieht sich nicht mehr allein als Goldschmied und entdeckt neue Materialien“. Plastik, Kork, Papier, Acryl – kreativ genutzt wird vieles, um den Begriff Schmuck von seinem Materialwert zu lösen. Eines der auffälligsten Teile im Bereich „Internationale Moderne“ ist zum Beispiel ein Collier aus weißen Joghurtbechern: Unglaublich schön und elegant hat es der junge Pforzheimer Schmuckdesigner mit vietnamesischen Wurzeln – Sam Tho Duong – gestaltet.

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Brustschmuck, Gold, Diamanten, Emaille, Spanisch, um 1700.


Foto: Günther Meyer

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Schatzsuche mit Schmucki, der Perlsau.


Foto: Petra Jaschke

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Besucher in der modernen Sammlung des Schmuckmuseums


Foto: Winfried Reinhardt

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Brosche, um 1904/05.


Foto: Günther Meyer

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Armreif, Bergkristall, Platin, Saphire, Diamanten, um 1925,


Foto: Günther Meyer

Aber auch im Bereich der historischen Sammlung gibt es Exponate, die den Blick besonders auf sich ziehen: Ein goldener, mit Granat besetzter griechisch-hellenistischer Schlangenarmreif, der paarweise am Oberarm getragen wurde und Unheil abwenden sollte, Schmuckstücke der Etrusker, durch die Technik der Granulation veredelt, der Totenkranz – ein Grabfund aus Kleinasien –, Kreuze mit typisch byzantinischer Ornamentik und der Bisamapfel – eine mittelalterliche Riechkapsel, die um den Hals getragen wurde. Auffallend auch ein Reliquiaranhänger aus Burgund, der große barocke Brustschmuck, die klaren Formen des Klassizismus, schließlich der filigrane Berliner Eisenschmuck und – kaum zu glauben – wunderschöner Schmuck aus Haaren. Jugendstil und Art déco suchten dann auch im Schmuckschaffen neue Inspirationsquellen – allen Exponaten aber ist eine faszinierend feine Bearbeitung und Ausformung der Materialien in immer weiter fortschreitender Entwicklung verschiedener Technologien zu eigen.
Immer wieder neu entdecken lässt sich das Schmuckmuseum durch die regelmäßigen Sonderausstellungen. Gegenwärtig widmet man sich hier den Schätzen aus der Zeit Napoleons. Viel Schmuck, aber auch ganz viele andere Dinge – vom Ehrensäbel bis zur goldenen Zahnbürste. (Ausstellung bis 1. März 2020)

Fotos: Schmuckmuseum Pforzheim

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