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55 Jahre Tatra-Geschichte in Karl-Marx-Stadt


Strassenbahn Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 20.09.2019

Die Stadt am Tor zum Erzgebirge hatte dank des komplett neu geplanten Netzes die Möglichkeit zum Einsatz der breiteren T3D. Inzwischen steht hier aber das Tatra-Ende bevor


Artikelbild für den Artikel "55 Jahre Tatra-Geschichte in Karl-Marx-Stadt" aus der Ausgabe 10/2019 von Strassenbahn Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Strassenbahn Magazin, Ausgabe 10/2019

Museumswagen 401, Dienst- und Partywagen 493 (jetzt 409) und Linienwagen 509 am 22. Juni 2014 im Museums-Depot Kappel


MARKUS BERGELT

D as nach dem Krieg arg verschlissene 925-Millimeter-Straßenbahnnetz sollte per Beschluss vom Oktober 1956 sukzessive einem Regelspurnetz mit 1.435 Millimeter Spurweite weichen. Am 8. Mai 1960 ging der erste, 2,31 Kilometer lange Abschnitt von der Endschleife Altchemnitz bis zur Uhlestraße (nahe des ...

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D as nach dem Krieg arg verschlissene 925-Millimeter-Straßenbahnnetz sollte per Beschluss vom Oktober 1956 sukzessive einem Regelspurnetz mit 1.435 Millimeter Spurweite weichen. Am 8. Mai 1960 ging der erste, 2,31 Kilometer lange Abschnitt von der Endschleife Altchemnitz bis zur Uhlestraße (nahe des Betriebshofes „DSF“) in Betrieb. Zum Einsatz kamen zunächst Zweiachser vom Typ T/B 57 des VEB Waggonfabrik Gotha. Recht bald sollten größere, dem Bedarf entsprechende, vierachsige Großraumwagen mit 2,60 Metern Wagenkastenbreite aus Gotha für den VEB Nahverkehr Karl-Marx-Stadt (NVK) beschafft werden. Dazu kam es aufgrund der Liefervereinbarung zwischen DDR und Cˇ SSR nicht mehr. Am 9. Mai 1967 schloss der NVK einen Liefervertrag mit Cˇ KD Tatra Prag über zunächst vier Fahrzeuge vom Typ T3D zum Stückpreis von 276.000 MDN ab. Diese Fahrzeuge trafen kurz vor Weihnachten 1968 per Eisenbahntransport im Bahnhof Karl-Marx-Stadt-Zwönitzbrücke ein. Für die effiziente Anlieferung der Neufahrzeuge ist im selben Jahr ein Anschlussgleis von der Annaberger über die Schneeberger Straße zur Kopframpe des Bahnhofs Zwönitzbrücke errichtet worden.

Der T3D nimmt Fahrt auf

Die nun in Karl-Marx-Stadt Einzug haltenden T3D unterschieden sich von den Vorgängern nicht nur optisch durch Größe und Farbschema, sondern aufgrund ihrer Konstruktion und des hochwertigeren Oberbaus der Neubaustrecken auch durch weitaus besseres Beschleunigungsvermögen und eine bessere Laufruhe. Nach der Erprobungsphase begann am 25. Februar 1969 der Fahrgastverkehr auf der Einsatzlinie 51 zwischen Scheffelstraße und Hauptbahnhof. Diese ersten Linieneinsätze absolvierten die T3D noch als Einzelwagen.

Das für die T3D ausschließlich nutzbare Normalspurnetz wuchs nur allmählich an. Erste Erweiterungen von der Uhlestraße Richtung Poststraße/Stadtzentrum gab es 1961, der Hauptbahnhof war zum Jahresende 1967 erreicht und am 15. Dezember 1973 ging die Verlängerung der Linie 2 zwischen Wartburgstraße und Sommerbad Bernsdorf in Betrieb. Gleichzeitig wurde der Beiwagenbetrieb im Großzugverband eingeführt. Die umgespurten Linien entstanden zumeist auf besonderem, straßenunabhängigen Bahnkörper. Mit weiteren T3D-Lieferungen konnten die Gothaer Zweiachser bis 1974 vollständig an andere Betriebe – vor allem Potsdam und Rostock – abgegeben werden. Seinerzeit umfasste der T3D/B3DBestand 52 Trieb- und 26 Beiwagen, maximal konnte der NVK damit 26 Großzüge bilden. Neben der nur träge fortschreitenden Umspurung übernahmen Omnibusse einen nicht unerheblichen Teil der Beförderungsleistung von den Vorkriegsstraßenbahnen. Erst 1976/77 erreichten die Tatras auf Regelspur-Linie 6 endlich Gablenz. Im Berufsverkehr fuhren die Großzüge hier in einer Zugfolge von drei Minuten, dies entspricht einem Platzangebot von rund 8.000 Personen pro Stunde.

Die heutigen Museumswagen 401 und 402 trugen zeitweise Einholmstromabnehmer, der abgestellte Tw 402 ist noch damit ausgestattet


Beiwagen 705 Bernsdorfer Straße/Turnstraße. Erst 1973 trafen mit drei Jahren Verspätung die ersten 15 Beiwagen B3D ein. Fortan war es möglich, Großzüge einzusetzen


WOLFGANG SCHREINER, SLG. SF CHEMNITZ

Schon früh zum Arbeitswagen wandelte sich Tw 1415 (heute Atw 405), der im Laufe der Zeit immer neue Umbauten erhielt


VOLKER DORNHEIM (3)

Ein Zug, geführt von Triebwagen 446, verlässt 1976 die Zentralhaltestelle Richtung Altchemnitz und überquert die Otto-Grotewohl-Straße (heute Bahnhofstraße)


WOLFGANG SCHREINER, SLG. STRASSENBAHNFREUNDE CHEMNITZ

Zu viele Tatras fürs Depot

In dieser Zeit erreichte der Betriebshof „DSF“ in Altchemnitz seine Kapazitätsgrenze, sodass 1978 mit dem Bau eines neuen regelspurigen Betriebshofes in Gablenz – nahe der Endstelle Carl-von-Ossietzky-Straße – begonnen wurde, was aber zunächst in einer reinen Freilichtabstellanlage mündete. Bis 1977 hatte man sich durch rechtzeitigen Fahrzeugtausch bei den regelspurigen Gothaern immer erfolgreich um Hauptuntersuchungen „herumgedrückt“. Diese standen nun bei den ersten T3D zwingend an. Schließlich erfolgten diese Revisionen in der Hauptwerkstatt Kappel, welche aber nach wie vor nur auf Schmalspurgleisen erreichbar war. Um dorthin zu gelangen, mussten die T3D-Wagenkästen zwecks Überführung auf schmalspurige Hilfsdrehgestelle gesetzt und zur Hauptwerkstatt geschleppt werden. Hierzu entstand unweit der Zentralhaltestelle eine Übergabestelle Schmalspur/Normalspur. Mit der Stilllegung des Schmalspurgleises in der Zwickauer Straße 1983 blieb nur noch der Straßentransport zur Werkstatt, ehe 1988 schließlich die Schönauer Neubaustrecke eine regelspurige Gleisanbindung ermöglichte.

Die Hauptwerkstatt Kappel, hier fanden die T3D-Hauptuntersuchungen statt. In Bildmitte ein 925-mm-spuriges Gestell für den Verschub der Normalspurtatras auf den Schmalspurgleisen


Wendemonate! Noch klassisches NVK-Signet an Tw 451, aber Morgenpost-Werbung an der Haltestelle. Und das „Robotron Buchungsmaschinenwerk“ wirbt am Wagen …


VOLKER DORNHEIM (3)

Mehr Strecken – mehr Wagen

Zum „Tag der Republik“ am 7. Oktober 1979 wurde die erste reine Neubaustrecke von der Annaberger Straße über den bis zu sechs Prozent steilen Abschnitt zur Schleife Morgenleite eröffnet und anlässlich des gleichen Feiertags drei Jahre später bis zum endgültigen Endpunkt Wohngebiet „Fritz Heckert“ (heute Hutholz) verlängert. Mit der letzten Neulieferung aus Prag erreichte der Chemnitzer T3D/B3D-Bestand 1988 seinen Höchststand von 132 Triebwagen (Nr. 401–432, wobei 415 bereits 1979 zum Arbeitswagen 1105 umfunktioniert worden war) und 62 Beiwagen (Nr. 701 bis 762). Alle Fahrzeuge trugen zunächst die Standardlackierung in Rot/Elfenbein.

Bald darauf folgten 1989/90 die politischgesellschaftlichen Umbrüche. Dies bedeutete für Karl-Marx-Stadt im Juni 1990 neben der Rückbenennung in Chemnitz die Transformation des „volkseigenen“ Nahverkehrsbetriebes in eine Kapitalgesellschaft – die Chemnitzer Verkehrs-Aktiengesellschaft, kurz CVAG.

Die Modernisierung beginnt. Unter Einsatz landwirtschaftlichen Geräts wird ein „neuer“ T3D-M in der Hauptwerkstatt Kappel rangiert


Modernisierung nach nur fünf Einsatzjahren

Die 36 jüngsten T3D (Nr. 497 bis 532) und 14 Beiwagen (749 bis 762) sind 1992/93 bei der Waggonbau Bautzen Gmb H (heute Bombardier) einer grundlegenden Modernisierung unterzogen worden. Für elektrotechnische Belange zeichnete die AEG-Westinghouse Transportsysteme Gmb H verantwortlich. Die fortan als T3D-M bezeichneten Fahrzeuge unterscheiden sich optisch stark vom Ursprungsfahrzeug durch neue, rechteckige Frontscheinwerfer und eine als Prallelement ausgeführte Frontschürze. Die Dachpartie ist kantiger ausgeführt und erhielt großflächigere, rechteckige Fahrtzielanzeigen (bei Tw mit geraden Nummern unterblieb dies im Stirnbereich). Das Fahrwerk ist nun auch seitlich komplett verkleidet. Die Doppelfalttüren wurden durch Außenschwenktüren mit jeweils einem großen und einem kleineren rechteckigen Fenster ersetzt. Neben der Komforterhöhung für den Fahrgast durch gepolsterte Bestuhlung verbesserten sich auch die Arbeitsbedingungen des Fahrzeugführers – beispielsweise durch elektromotorisch betätigte Stromabnehmer und einen Hilfsfahrstand im Heck für Rückwärtsfahrten zu Rangierzwecken. Zur Erhöhung der Sicherheit besitzen die Fahrzeuge eine Anfahrsperre bei geöffneten Türen. Ebenfalls neu war die Farbgebung: Die Dachpartie trug fortan lichtgrauen Lack, der Wagenkasten ist in der Stadtfarbe Himmelblau und die Fahrwerksverkleidung in Kanariengelb gehalten. Der Zugverband 499+500+750 trug bis zuletzt eine Ganzwerbung für die Chemnitzer Tageszeitung Freie Presse in der Grundfarbe Weiß.

Der erste modernisierte Großzug noch ohne Beschriftung in der Schleife Schönau. Dahinter die noch betriebene Abstellanlage


Eine Doppeltraktion, geführt von Triebwagen 425, hat 1972 die Endstelle Altchemnitz erreicht und steht am Ausstiegsbahnsteig der Wendeschleife. Noch gab es keine B3D-Beiwagen!


WOLFGANG SCHREINER, SLG. STRASSENBAHNFREUNDE CHEMNITZ

Konkurrenz für den Tatra

Doch schon kurz nachdem der T3D-M die Bühne betrat, kündigte sich im Dezember 1993 mit dem Eintreffen des Variobahn-Prototyps (6NGTLDE) eine abermals neue Fahrzeuggeneration an. Bis zur Serienlieferung der Variobahnen sollten aber noch fünf Jahre vergehen. Dennoch hatten die politisch-gesellschaftlichen Veränderungen nach 1990 den Fahrzeugbedarf merklich reduziert, sodass ab Mitte der 1990er-Jahre mehrere unmodernisierte T3D und B3D abgestellt bzw. verkauft werden konnten. Andererseits erhielten weitere Original-T3D noch eine „kleine“ Modernisierung in Form einer Fahrwerksverkleidung mit Schallschutzschürzen, der Aufpolsterung der Kunststoffsitzschalen und der Umrüstung auf nur einen Stirnscheibenwischer in Verbindung mit einer Scheibenwaschanlage. Außerdem wurden die meisten T3D mit Einholmanstelle der ursprünglichen Scherenstromabnehmer versehen. Abgesehen von diversen Ganzwerbungen behielten diese Fahrzeuge jedoch ihr altes Farbschema. Die letzten T3D dieser Art wurden am 31. Juli 2002 offiziell aus dem Linieneinsatz verabschiedet.

Tatra-Sonderwagen

Neben dem gelben Winterdienstwagen 403 und Schleifwagen 405 blieben zunächst die Wagen 407 bis 410 (ex-491 bis 494) klassisch lackiert im Bestand für Arbeits- und Sonderdienste. Offizielle Museumsfahrzeuge sind dagegen die Triebwagen 401, 402 und der Beiwagen 713, wovon aktuell Tw 401 betriebsfähig ist und für private Sonderfahrten gemietet werden kann. Die Triebwagen 407 und 408 folgten 2007 einigen Schwesterfahrzeugen nach Ufa (Hauptstadt der Republik Baschkortostan, Russland).

Bestandsentwicklung seit 2000

Im Einsatz standen die T3D-M stets in den Kombinationen Tw+Tw und Tw+Tw+Bw. Aufgrund der genannten Veränderungen im Frontbereich lassen sich ungerade Nummern nur als führendes Fahrzeug kuppeln. Neben dem erwähnten Prallelement unterscheiden sie sich von den geraden Nummern noch durch eine einteilige Schwenktür im Fahrerkabinenbereich. Alle anderen Zustiege sind als Doppeltüren ausgeführt. Im August 2004 begann mit der Außerbetriebnahme der Fahrzeuge 497, 498, 501–504 und dazugehöriger Beiwagen die Abstellung der T3D-M. Von 2007 bis 2008 wurden die Fahrtzielanzeigen von Rollfilm auf LED-Matrix umgestellt. Eine weitere, rein kosmetische Veränderung stellte die Neuerung der Eigentumskennzeichnung und der Fahrzeugnummernbeschriftung im Zuge des Corporate Designs der CVAG ab 2008 dar.

Nennenswerte Abweichungen von der Norm: Triebwagen 511 war 2004 zeitweise mit einem gelben Variobahn-Stromabnehmer ausgerüstet. Triebwagen 507 trug nach einer Reaktivierung im Herbst 2009 zeitweise noch die alte, gelbe Fahrzeugnummer, während darüber schon das neue CVAG-Logo auf der Stirn prangte.

Zuzeiten des Rumpfbetriebes der Linie 4 standen mehrere Tatra-Wendezüge in der Schleife Morgenleite


Haltestelle Robert-Siewert-Straße mit Tatra-Großzug auf der Linie 5 Richtung Hauptbahnhof


VOLKER DORNHEIM (2)

Am 6. Juli 2004 reiste eine ganze Güterzugladung mit unmodernisierten T3D von Chemnitz in Richtung Osteuropa ab


MARKUS BERGELT

Der T3D-M-Zug 519+509 trägt als Botschafter des Straßenbahnmuseums Retrolack und kann überdies auch Heck-an-Heck als Wendezug fahren


MARKUS BERGELT (4)

Seit 2010 fahren die Chemnitzer Tatras nur noch als Doppeltraktion ohne Beiwagen, hier Zug 525+526 am 9. August 2019 am Rosenhof


Auch auf die Neubaustrecke zum Technopark verirren sich als Linie 3 vereinzelt Tatrazüge, hier am 17. April 2019


Atw 405 (ex-1105, ex-1415), ursprünglich als Tw 415 in Dienst gestellt, wird wohl für Dienstzwecke noch länger im Einsatzbestand bleiben


Im Juni 2010 endete der Beiwageneinsatz und damit – abgesehen von wenigen Fahrschuleinsätzen – die Zeit der Großzüge in Chemnitz. Am 4. September 2011 organisierten die Chemnitzer Straßenbahnfreunde eine Sonderfahrt zur offiziellen Verabschiedung der Beiwagen. Dabei gab es die wohl einmalige Gelegenheit, die T3D-M in der Kombination Hängerzug Tw+Bw zu erleben. Während der Triebwagen 505 den Beiwagen 762 zog, war die Kombination des „ewigen Zweiten“ Tw 512 mit Beiwagen 760 noch ungewöhnlicher. Vorübergehend akuter Fahrzeugmangel brachte die T3D-M ab 2011 auch hin und wieder zu Linieneinsätzen als Einzelwagen.

Wendezug-Sonderausstattung

Die Triebwagen 507, 509, 517 und 519 erhielten 2011 eine zusätzliche Ausrüstung für den Zweirichtungsbetrieb (Heck-an-Heck). 507 und 509 bekamen im Zuge dessen wieder eine Frontkupplung, um im regulären Verkehr als zweites Fahrzeug eingesetzt werden zu können. Heck-an-Heck-Verkehr hatte es 1998/99 übrigens schon einmal planmäßig mit T3D auf der damals nur teilweise fertiggestellten und zunächst als Stichstrecke betriebenen Neubaulinie 4 gegeben. Seinerzeit waren die zweirichtungsfähigen Variobahnen (Nr. 901–910) noch nicht ausgeliefert beziehungsweise einsatzbereit. Aufgrund der nur in Fahrtrichtung rechts vorhandenen Einstiege konnte dabei je Fahrtrichtung nur der vordere Triebwagen im Fahrgastbetrieb genutzt werden.

Am 16./17. März 2015 verließ ein Großteil der teilweise schon mehr als ein Jahrzehnt im Betriebshof Adelsberg abgestellten T3D-M (497–504, 510, 511, 518 und 520) und B3D-M (752, 756, 757, 759–762) per Lkw den Betriebshof zur Verschrottung nach Espenhain.

Einzelne Beiwagen (749–751, 753II–755) sind bereits 2011 nach Barnaul und Bijsk (Westsibirien) verkauft und dort zu Triebwagen umgebaut worden. Auch einige unmodernisierte T3D fanden ab 1998 in Russland und Kasachstan neue Aufgaben. Die ins kasachische Almaty abgegebenen Wagen sind jedoch mittlerweile nahezu alle verschrottet.

Zukunftsaussichten

Zum Redaktionsschluss dieses Heftes umfasste der aktive Chemnitzer Tatrabestand noch 22 T3D-M (506–509, 513–517, 519, 521–532) und damit maximal elf Züge. Wochentags sind die T3D-M außerhalb der Schulferien noch auf allen Linien anzutreffen. Samstags und ferientags verkehren nur noch einzelne Umläufe hochflurig, sonntags kommen längst keine Tatras mehr zum Einsatz. Mit Stand Ende Juli 2019 befanden sich bereits fünf Triebwagen 35T For City Classic von Škoda Transportation in Chemnitz (Nr. 911, 913–916). Der Einsatz im Linienverkehr wird wohl noch für 2019 erwartet. Die vollständige Ablösung der T3D-M verläuft damit aller Voraussicht nach sukzessive bis 2020. Erstrebenswert erscheint der Erhalt zumindest einer vollständigen Großzugeinheit, prägten doch die himmelblauen Tatras ein reichliches Vierteljahrhundert das Stadtbild mit und bewährten sich ohne nennenswerte Schwierigkeiten im harten Liniendienst. Im Straßenbahnmuseum Chemnitz-Kappel läuft bis 15. Dezember 2019 eine Sonderausstellung zum Thema „50 Jahre Tatra“, die jedem ans Herz gelegt sei, der sich für das Thema Tatra-Großraumwagen interessiert. Geöffnet Donnerstag und Samstag, weitere Infos unter www.strassenbahn-chemnitz. De

Quellen

• Dönges, Peter:Bilder von der Chemnitzer Straßenbahn (2. Aufl.) , Röhr. 1992.
• Matthes, Heiner:Die Chemnitzer Straßenbahn (1. Aufl.) , Gera Mond. 1998.
• Einsteigen./CVAG-Journal Nr.2/2019, S.22-25
• www.tram-info.de/wagenp/chemnitz.php, zuletzt abgerufen am 14.07.2019
• eigene Aufzeichnungen des Autors