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693 AF-Punkte


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 11.04.2018

Sony Autofokussysteme im Praxistest: Die COLORFOTO Praxis-Serie nimmt verschiedene Autofokus-Konzepte der Kamerahersteller unter die Lupe. Hier geht es um Sonys Vollformater Alpha 9 mit 693 Phasen-AF-Punkten und das APS-C-Modell Alpha 6500 mit immerhin 425. Dazu kommt jeweils der Kontrastteil des Hybrid-AF.


In der Vergangenheit nutzten Spiegelreflexkameras ein externes Phasenmodul, um per Phasendetektion scharfzustellen. Spiegellose Systemkameras dagegen fokussierten direkt auf dem Sensor und werteten hierzu das Sensorbild per Kontrastmessung aus. Das sparte die zusätzliche Technik, war aber langsamer. ...

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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 5/2018

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... Das ist schon lange kein Thema mehr. Heute realisieren Systemkameras eine Phasen detektions- und gleichzeitig eine Kontrastmessung auf dem Sensor. Moderne Sensoren und die deutlich gestiegene Rechenleistung aktueller spiegelloser Kameras machen es möglich. Auch Sony geht diesen Weg.

Der Kontrast-AF
arbeitet nach dem „Versuch und Irrtum“-Prinzip. Dank der hohen Rechenleistung agiert er trotzdem sehr flott.


Klassiker: Der Phasen-AF berechnet, schon im ersten Schritt die wahrscheinliche Motiv-Distanz.


Zwei Autofokus-Welten

Die Kontrastmessung ist dem Fokussieren von Hand sehr ähnlich: Am Einstellring stellt man von unscharf nach scharf, bis das Optimum erreicht ist. Um sicher zu gehen, dreht man über die gewählte Schärfenebene hinaus, bis das Objekt wieder unscharf wird, und dann wieder zurück. Optimal scharfgestellt ist, wenn der Kontrast des beurteilten Motivdetails das Maximum erreicht hat. Beim Phasenkontrast-AF gibt es unterschiedliche Varianten. Während SLRs im Sucherbetrieb mit einem eigenen Phasen-Modul arbeiten, wird bei spiegellosen Systemkameras wie unseren beiden Sony-Modellen ein Teil der Pixel auf dem Bildsensor so ausgelesen, dass sie wie ein Phasen-AF-Modul genutzt werden können. Die AF-Sensoren werten Teilbilder aus und geben der AFSteuerung vor, wie zu fokussieren ist, damit der anvisierte Bereich scharf ist. Die Fokussierung ist abgeschlossen, wenn die beiden Teilbilder in Deckung gebracht sind. Die Kamera ermittelt mit einer einzigen Messung, in welche Richtung und wie weit die Linsen verschoben werden müssen, um ein scharfes Bild zu erzeugen.
Hybrid-AF-Systeme kombinieren beide Verfahren, um schnell und präzise zu arbeiten. Moderne CMOS-Sensoren und leistungsfähige Prozessoren werten die Informationen extrem schnell aus. Darauf abgestimmte Objektive nutzen für viele kleine Schritte optimierte Linearoder Schritt-Motoren und fahren so die berechneten Positionen blitzschnell an. Hinzu kommen aus der Videotechnik gerade Verstellwege statt der gekrümmten Bahnen des MF-Zeitalters. Es ist wichtig, die Unterschiede zu verstehen, da nicht alle Funktionen mit beiden Systemen gleichwertig funktionieren. Der reine Kontrast-AF ist prima, wenn Sie eine Brennweite im Normal- oder Weitwinkelbereich verwenden und die Verstellwege kurz sind. Bei Telebrennweite und langen Wegen kommt er aber schnell an seine Grenzen. Hier haben kombinierte Systeme deutliche Vorteile. Die Phasenpunkte sind nicht als Kreuzsensoren ausgelegt, sondern erkennen nur vertikale Kontrastunterschiede – das sollte man im Kopf behalten. Bei bewegten Motiven spielt die abgedeckte Fläche eine große Rolle, auch dies ist eine Stärke von Sensor-Lösungen.

Umfassend
Die gehobenen Sony-Modelle bieten Hunderte von AF-Messfeldern, die große Sensorbereiche abdecken. Eine feinfühlige Steuerung ist daher wichtig.


Schematischer Aufbau des A9- Sensors. (1 ) Pixelbereich, (2 ) integrierter Speicher, (3 ) Schaltkreis für die High-Speed-Signalverarbeitung, (4 ) Bildprozessor


Bild: Sony

Echt scharf
Beim direkten manuellen Fokussieren (DMF) lassen sich händische Scharfstellung und AF kombinieren. Das geht flotter von der Hand als komplett manuelles Fokussieren. Drückt man den Auslöser halb nieder, wird automatisch fokussiert. Lässt man ihn länger halb gedrückt, kann man die Schärfe manuell nachjustieren, drückt man den Auslöser durch, wird fotografiert. Den AF-Modusknopf sichert eine Taste gegen versehentliches Verstellen.


Flächendeckend
Die 693 AF-Felder der Sony A9 sind in 21 Reihen mit je 33 Feldern angeordnet und decken fast das gesamte Motiv ab.


Professionelle Tele-Objektive wie das FE 100-400 mm G Master bieten die Möglichkeit, den Fokussierbereich einzuschränken.


Die einfachen, älteren E-Mount-Objektive (v. a. Pancake- und Kit-Objektive) sind auf reine Kontrastmessung ausgelegt. Die neueren E-Mount-Objektive sowie die FE-Objektive für das Vollformat sind für beide Systeme geeignet.

93% Bildfeldabdeckung

Mit der A9 hat Sony einen 24-MP-Vollformatsensor im mehrschichtigen Design eingeführt, der im integrierten Speicher große Datenmengen zwischenspeichern und schnell an den BIONZ-X-Prozessor weiterreichen kann. Der Sensor-Hybrid-AF der A9 stellt einen neuen Rekord auf: 693 Phasen-AF-Punkte decken laut Sony 93 % des Bildfelds ab, dazu kommt ein Kontrast-AF mit 25 Feldern. Dem Hy brid-AF der Alpha 6500 stehen zur Kontrastmessung 169 Felder zur Verfügung, zur Phasenerkennung 425. Die Phasenerkennung der A9 ist aus zwei Gründen herausragend: Erstens hat sie mehr Phasendetektions-AF-Punkte als jede andere Kamera, und zweitens hat man nie Probleme mit dem Frontfokus oder dem Backfokus, da das AF-Array in der Sensorebene liegt. Maximale Empfindlichkeit der Messung wäre bei offener Blende zu erwarten – Sony misst stattdessen aber bei einer festgelegten „Messblende“. Warum, wissen wir – noch – nicht. Sony-Deutschland konnte die Frage bis jetzt nicht beantworten. Beim nächsten Treffen mit japanischen Sony-Ingenieuren werden wir erneut nachfragen.
Der Autofokus der A9 ist spür- und messbar schneller als in den A7-Modellen: 0,25/0,27 s bei 300/30 Lux ermittelte das Labor für die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit. Die A6500 ist mit 0,29/0,3 s (300/30 Lux) etwas langsamer, aber trotzdem flott.

Einstellungen für AF-Funktionen

Mit dem AF-Modusknopf wird die Fokussiermethode ausgewählt, die für die Bewegung des Motivs geeignet ist:
• AF-S (Einzelbild-AF): Die Kamera speichert den Fokus, sobald die Fokussierung abgeschlossen ist. Für statische Motive die richtige Wahl.
• AF-C (Nachführ-AF): Die Kamera führt den Fokus nach, während der Auslöser halb niedergedrückt gehalten wird. Benutzen Sie diese Option, wenn sich das Motiv bewegt.
• DMF (Direkte manuelle Fokussierung): ermöglicht eine manuelle Feinjustage nach der automatischen Fokussierung. Praktisch bei Makro aufnahmen.
• MF (Manueller Fokus): Der Fokus wird komplett manuell eingestellt.
Professionelle Tele-, Makro- und Zoomobjektive mit weiten Verstellwegen bieten die Möglichkeit, den Fokussierbereich einzuschränken. Dann muss der AF etwa nur zwischen 3 m und unendlich statt zwischen 1,2 m und unendlich suchen und gewinnt Sekundenbruchteile, die entscheidend sein können – vor allem in der Sport- und Actionfotografie. Die Alpha 6500 lässt sich ähnlich bedienen wie die Alpha 9, die Details liegen in den Menüs. Hier werden die Fokusmodi über die Funktionstaste aufgerufen, zweite Schaltfläche in der oberen Zeile. Damit legen Sie fest, wie die Fokussierung erfolgen soll. Die Einstellungen lassen sich mit der SET-Taste anpassen. Neben den bereits besprochenen AF-Modi AF-S, AF-C, DMF und MF bringt die A6500 auch AF-A – automatischer Autofokus. In diesem Modus analysiert die Kamera das Motiv und entscheidet selbst, ob sie AF-C oder AFS verwendet. Es ist eine praktische Einstellung, wenn während eines Shootings schwer vorauszusehen ist, wann die Motive sich bewegen und wann still stehen. Oder dann, wenn man nicht über die Wahl des Modus nachdenken möchte.

Fokusfeld Verriegelung / Tracking

Der AF-C Fokusmodus bietet fünf verschiedene Fokusverfolgungsstufen von „Verriegelt“ bis „Reaktionsfähig“ (1 ). Bei „Verriegelt“ hält die Kamera den Fokus auf einem bestimmten Motivdetail, etwa auf einem ausgewählten Fußballspieler, auch wenn andere Objekte sich davor bewegen. Bei „Reaktionsfähig“ fokussiert sie schnell auf Motivdetails in der Nähe, anstatt ein anderes zu verfolgen. Auf dem Fußballplatz geht der Fokus dann z. B. auf einen anderen Spieler über. Die Einstellungen 2 und 3 (Standard) (1 ) sind am praxistauglichsten und versprechen unserer Meinung nach in den allermeisten Situationen sehr gute Ergebnisse. Insgesamt hat das AF-System eine Komplexität, die eingehende Beschäftigung damit erfordert. Auf der Website gibt Sony Empfehlungen für die Einstellungen bei verschiedenen Anforderungen. Vorgefertigte Cases, wie etwa bei Canon, gibt es dagegen nicht.

1


2


AF-Reaktionsfähigkeit / Auslösepriorität
1 Die Empfindlickkeit des AF-C lässt sich in 5 Stufen an die verschiedenen Aufnahmesituationen anpassen.
2 Die Priorität kann auf AF, Aus lösen oder einer Mischung aus beidem liegen.

3


4


AF-Verriegelung
3 Mit der „AF-Verriegelung“ führt die Kamera die Schärfe auf den gewählten Motivbereich – eine gute Option, wenn das Motiv sich frontal auf die Kamera zubewegt oder die Amplitude der Bewegungen klein ist.
4 Bei diagonal oder quer zur optischen Achse beweglichen Motiven empfiehlt sich die Kombi-Option „AF-Verriegelung und Flexible Spot“. In diesem Fall visiert man sein Motiv an, indem der Auslöser halb niedergedrückt gehalten wird, und startet die Aufnahmen – daraufhin verfolgt der AF das Motiv bis zum Ende der Serie.

5


6


7


Reaktionsfähig
In der Einstellung „Reaktionsfähig“ wechselt der AF den Fokus. Als AF-Feld war hier die Anzeige der Straßenbahn gewählt (Bild5 und7 ), zwischendurch (6 ) wurde aber kurz auf die Ampel fokussiert.

AF-Verriegelt
In der Einstellung „Verriegelt“ behält der AF die Schärfe auf einem gewählten Motiv. Das AF-Feld war hier auf das entgegenkommende Auto gestellt. Der Fokus wird trotz dazwischen fahrender Autos gehalten.

Die Matrix
Diese Einstellungen empfiehlt Sony auf der Website.


Die Möglichkeit, die Empfindlichkeit und die Geschwindigkeit des Autofokus im AF-C-Betrieb anzupassen, bietet die A6500 nur für Video – selbst hier in nur wenigen, 2-3, Stufen. In diesem Punkt ist die professionelle A9 klar vorne.
Im AF-Praxistest konnten beide Kameras voll überzeugen. Die A9 erfordert eine gewisse Einarbeitungszeit, um in Sachen AF den Überblick zu bekommen. Dann liefert sie auch bei bewegten Motiven tolle Serien mit hoher Präzision. Die A6500 kann da erwartungsgemäß nicht ganz mithalten, punktet aber mit ultrakompakter Form und verliert die deutlich größere und teurere A9 nicht aus den Augen.

Flexible Spotmessung

Flexible Spot
In diesem Modus lässt sich der Fokussierrahmen zu einem gewünschten Punkt auf dem Display verschieben, auch auf kleine Motivdetails kann man so präzise fokussieren, bei der A9 auch bequem per Joystick.


Erweit. Flexible Spot
Falls die Kamera den ausgewählten Punkt nicht fokussieren kann, wählt sie als zweiten Prioritätsbereich die Fokussierpunkte, die rund um den flexiblen Punkt liegen.


Schnell geschaltet
mit „Erweitertem Flexible Spot“: Sobald sich der Fahrradfahrer in den Spotbereich bewegt, stellt die Kamera auf ihn scharf.


Flexible Spot S
Bei vorhersehbaren Bewegungen flott und zuverlässig bis zur Naheinstellgrenze.

Fokusfeld-Größe

Motive, bei denen es auf die exakte Festlegung des zu fokussierenden Punkts ankommt (z. B. Porträts, Makro), fotografiert man in der Regel nicht mit der Automatik. Man wählt im Menü „Fokusfeld“ bei den Kameraeinstellungen 1 die passende Funktion:

1


2


3


Breit: Die Kamera nutzt mehr AF-Felder und deckt damit ein breites Feld ab. Wenn Sie den Auslöser halb niederdrücken, markiert ein grüner Rahmen den sich im Fokus befindlichen Bereich (Bild1 ).

Feld: Wählen Sie die Zone auf dem Display, auf die fokussiert werden soll (Bild2 ).

Mitte: Die Fokussierung auf die Bildmitte eignet sich in Verbindung mit dem Fokusspeicher zur bequemen Bildkomposition: Sie zielen mit der Suchermitte auf das entscheidende Detail, speichern und schwenken erst dann die Kamera zum gewünschten Bildausschnitt (Bild3 ).

In der Praxis gilt es bei schnell bewegten Motiven und Serienaufnahmen auch immer, Tempo und Genauigkeit des AF gegeneinander abzuwägen. Diese beiden Faktoren sind klassische Antipoden, und immer ist ein Kompromiss nötig. Über die verschiedenen Modi legt der Fotograf die Richtung fest: Wird überhaupt nachfokussiert oder nicht? Soll der AF lieber schätzen, um mit einer – meist ziemlich hohen – Wahrscheinlichkeit zu berechnen, wie sich das Motiv bewegt? Oder soll er permanent messen und dabei vielleicht zu langsam sein. Das lässt sich nach Bedarf einstellen, der entsprechende Punkt ist im gleichen Menü zu finden wie das Fokusfeld. Wir haben im Test mit der ausgewogenen Gewichtung gute Erfahrungen gemacht.

Wurde die Gesichtserkennung aktiviert, bevorzugt die Kamera das Messfeld, in dem sich das erkannte Gesicht befindet, und stellt darauf scharf. Dabei wird nicht nur der Autofokus nachgeführt, sondern auch die Belichtung. Zur Straßenfotografie oder für eine lebhafte Kinderschar ist diese Einstellung ohne Frage die bequemste.

Fokusfeld Breit
Hier entscheidet sich der AF trotz verschiedener bewegter Motivteile in der Regel für das richtige Feld.


Fotos: Hersteller, Reinhard Merz