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7 PÄSSE IN 7 STUNDEN


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 31/2022 vom 04.08.2022

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FOTOS: F. ROSCHKI (4)

DAS MIT DEN REIFEN tut uns echt leid. Ihr Zustand ist, na, sagen wir: benutzt. Die Noppen ab, auch einige Millimeter Lauffläche kleben auf Asphalt und nicht mehr auf dem Pneu. Wer konnte denn ahnen, dass ein einziger Michelin Sport 4S im Format 255/40 ZR 21 über 350 Euro plus Montage kostet und die Abnutzung parallel zum Spaß steigt? Hatte ja keiner auf dem Zettel. Auch wir nicht, als wir für unser First Date mit dem Kia EV6 GT einer Empfehlung von Motorradfans gefolgt sind. Dieses Auto ist nicht zu behandeln wie ein Auto, dieses Auto ist ein Motorrad mit zwei Rädern mehr. 7 Pässe in 7 Stunden.

Haben wir locker geschafft, wenn wir mal die Zeit rausrechnen, die der Fotograf selbstverliebt durch die Kamera gelinst, den GT immer und immer wieder durch enge Kurven dirigiert und auch noch seine Drohne rausgeholt hat. Eigentlich nerven uns Fotografen, die nie fertig ...

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... werden. In diesem 585-PS-Kia hätte er dagegen beinahe einen Heiratsantrag bekommen: Bitte knips weiter, ich hab noch nicht genug!

Wir spulen kurz zurück nach Österreich, an den Beginn unserer Expedition. In Sölden ist der 77-kWh-Akku voll. Der EV6 lädt wegen des 800-Volt-Bordnetzes wie der Porsche Taycan: Die ersten Schlucke sind auf ex, er saugt, wenn es die Ladesäule hergibt, mit 230 kW und mehr. Das macht er so bis 60 Prozent Akkufüllstand, danach fährt er runter auf immer noch ordentliche 150 kW, von 80 bis 100 Prozent nippt er nur noch.

Jetzt stehen wir ganz allein vor der Schranke am Timmelsjoch und hatten noch nie so ein gutes Gefühl bei der Geldübergabe wie heute. 17 Euro Maut, wir sind fast allein.

Da wir also unter uns sind, machen wir uns kurz bekannt. Vom Elektroauto EV6 könnten sie bei Kia mehr verkaufen, als sie haben; ein Jahr Lieferzeit, heiße Ware. Der mit 169 PS und Hinterradantrieb kostet 46 990 Euro, für 60 PS mehr kassiert Kia 4000 Euro Aufschlag, für 325 PS und Allrad 54 890 Euro. Jetzt also die Supersport-Variante. Der GT, 585 PS, Allrad.

TIMMELSJOCH 2474 METER

Diese 17 Euro Eintritt haben sich gelohnt!

Wir haben den Pass fast für uns allein, fahren einige Kurven dreimal und trauen uns weniger zu, als der 585-PS-Kia zulassen würde.

JAUFENPASS 2094 METER

Ja, wo isser denn? Übers Timmelsjoch geht’s von Österreich nach Südtirol, der Jaufenpass mit seinen 20 Kurven ist nicht ganz so anspruchsvoll.

Damals, am 25. März, als wir mit Kia-Chefdynamiker Albert Biermann auf der A 5 gedüst sind, kurz vor Darmstadt 260 auf der Uhr hatten, da presste die Magie der Schwerkraft die Locken ganz eng an die Lehne des Beifahrersitzes, der Magen rumorte, das Herz pochte. Ist das noch ein Kia oder schon ein Porsche? Jedenfalls sind 3,5 Sekunden von null auf 100 zwei Zehntel schneller als der Taycan GTS.

Jetzt könnte ich laut schreien vor Glück; wir brettern die Passstraße runter und wieder rauf und wieder runter, der GT und ich. Wie der bergauf anschiebt, wie bei 740 Nm Drehmoment die Gänsehaut in einen Entenpanzer übergeht, wie jedes einzelne Härchen um einen Stehplatz fleht vor Freude.

Wenn es hier nicht so steil bergab ginge, würde sich jetzt das Knöpfchen für den Drift-Modus anbieten; weil es so steil bergauf geht, ist die gelbe Taste im Lenkrad für volle Leistung im GT-Modus längst gedrückt. Irgendwelche Wankneigungen? Nee, über zwei Tonnen liegen wie ein Brett, das elektronische Sperrdifferenzial sorgt für Haftung, als wär’s Kukident.

GRÖDNER JOCH 2121 METER

Was für Berge!Die Dolomiten sind hier ein Highlight, die mehr als 3000

Meter hohen Spitzen leider im Nebel. Die Kias setzen bei der E-GMP-Plattform nicht nur auf 800 Volt Bordspannung für schnelleres Laden, sie bauen auch einen Inverter mit einem Halbleiter aus Siliziumcarbid ein, wodurch sie erst das volle Potenzial des Antriebs ausschöpfen können. Im GT arbeitet vorn ein 218-PS-E-Motor und auf der Hinterachse einer mit 367 PS, was eine Systemleistung von 585 Pferdchen ergibt. In Porsche-Sprech bedeutet das: Dieser Kia parkt zwischen Taycan GTS (517 PS) und Turbo (625), nur beim Preis nicht. Kia nennt ihn noch nicht, wir schätzen 70000 Euro. Dafür gibt’s nur ’nen halben GTS!

Erst mal gucken, was die Uhr sagt. Nach unseren Berechnungen sind es von Sölden in Österreich nach Cortina d’Ampezzo in Italien 271 Kilometer. Nach unseren Einschätzungen haut das nicht hin, wenn der Fotograf auf jedem Pass eine Passfoto-Orgie veranstaltet.

SELLAJOCH 2218 METER

Im Winter sind wir noch die Sellarunde mit Abfahrtsski gefahren – jetzt eben Carving mit dem EV6. Mit dem wedelst du aber auch ganz cool um die Kurven, davon gibt’s zum Glück reichlich.

Zumindest scheint eines zu klappen: Laden wollen wir erst am Ziel, nicht unterwegs. Und da fahren wir grade das richtige Profil. Ja, mit Karacho die Berge rauf, das geht voll AUF den Akku. Aber im iPedal-Modus und ohne zu bremsen die Berge runter, das geht voll IN den Akku. Das Timmelsjoch runter und unten fünf Prozent mehr in der Batterie, nur weil du verzögerst, indem du vom Gas gehst – musst du erleben! Spätestens wenn du am Ende von Jaufenpass, Grödner Joch und Sellajoch mehr Saft im Tank hast als ein paar Hundert Höhenmeter weiter oben, träumst du heimlich vom Bierglas, das sich von selbst nachfüllt, ohne dass einer Striche macht.

Schade eigentlich, dass wir nur den Motor haben bremsen lassen und nicht die neongelben Sättel.Innenbelüftete Scheiben, vorn 380 Millimeter, hinten 360, da sind wir gespannt auf zehn Bremsungen am Stück auf unserer Flughafen-Teststrecke. Wir haben auch schon eine Idee, was der Testfahrerkollege sagen würde: „Geht wie die Sau, steht wie ein Bock!“

PORDOIJOCH

2239 METER

Sommer in den Dolomiten, es hat geschneit! Zum Glück ist die Straße halbwegs trocken. Die Michelins im Format 255/ 40 ZR 21 haben tollen Grip, dank der innenbelüfteten Scheibenbremsen steht die Fuhre wie auf Kommando. Das Pedalgefühl ist konstant gut.

PASSO VALPAROLA

2168 METER

Immer schön auf den Scheitelpunkt der Kurve gucken, exakt einlenken! Wir könnten jetzt auch den Driftknopf drücken, aber dafür ist es zu nass, zu eng, zu steil.

Am Pordoijoch, 2239 Meter, fünf Stunden Kurvenhatz, steigen wir aus, nippen vor der Bar Funivia am Espresso. Es ist kalt, über uns auf der Wiese liegen Schneereste, vor uns auf dem Parkplatz Eisbrocken, wir wärmen uns also von innen und ziehen kurz Zwischenbilanz. Bei allem dynamischen Talent wäre mehr Glamour für den GT angebracht. Außer an den neongelben Bremssätteln kannst du ihn von außen nur als Superfan von der Basis unterscheiden. Und wir wünschen uns eine sensiblere Sitzverstellung. Ja, das Sportgestühl aus dem Hyundai i30 N bietet perfekten Halt, aber es gibt kein Drehrädchen für die Lehnenverstellung, nur einen Hebel zum Einrasten. Und dann wären da noch die wenigen Makel, die auch die Basis hat. Kofferraum seitlich mit Hartplastik verkleidet, Klavierlack schmutzanfällig, Senderverstellung umständlich, weil dreimal drücken, Shortcut für Ladestationen wäre klasse. Der Rest ist es.

Der Rest dieses Konzepts ist Spitzenklasse. Fahrwerksspreizung fast unendlich, von Komfort (soweit das mit 21-Zöllern geht) bis Performance, alles drin, Beinfreiheit herausragend, Sprachbedienung fast auf BMW-Niveau.

Dann geben wir noch mal Gas, der GT und ich. Campolongo mit 1875 Metern zählen wir nicht mit, pah, weniger als 2000 Meter, das ist höchstens ein Pässchen. Als wir so den Passo Valparola hinaufdüsen, als wir Kurve um Kurve nehmen, da hat es aufgeklart, Straße trocken, ich brabbel so vor mich hin: „Man darf die Gänsehaut der Ergriffenheit nicht durch Gaswegnahme abflachen lassen.“

PASSO DI FALZAREGO 2105 METER

Das Bergdorf Corvara liegt auf 1568

Metern und 20 Kilometer vom Passo di Falzarego entfernt, also noch 30 Minuten Fahrspaß.

Mit 14 Prozent Rest sind wir nach 298 Kilometern am Ziel, stöpseln den Kia an den 50-kW-Lader.Und überlegen seitdem, wie wir Kia das mit den Reifen beibringen sollen.