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»70.000 TONS OF METAL« Alle Mann an DECK!


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 07.02.2020

Unser Autor Dirk Brand kehrte soeben mit seiner Band Axxis von einer etwas anderen Kreuzfahrt zurück: Auf sein Konto gingen dabei zumindest einige Kilo der »70.000 Tons of Metal«. In der folgenden Reisereportage gibt er exklusive Einblicke in diese besondere Form des Musiktourismus’.


Artikelbild für den Artikel "»70.000 TONS OF METAL« Alle Mann an DECK!" aus der Ausgabe 2/2020 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 2/2020

Zielpunkt der Reise: Cozumel in Mexiko - ein Luxusliner kommt selten allein


Anfang Januar stach die »Independence of the Seas« in See. An Bord waren 40 Bands und rund 3.000 Metalheads. Nach neun ausverkauften Touren dieser Art in Folge seit der ersten Metal-Kreuzfahrt im Jahr 2011 bot das Event den Fans wieder die einmalige ...

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... Gelegenheit, Seite an Seite mit ihren Bands zu feiern: Jede Band spielt zweimal an Bord, und man erhält uneingeschränkten Festivalzugang zu rund 120 Konzerten inklusive »Jamming In International Male bei »70.000 Tons of Metal« dabei und kann euch verraten: Es ist schon eine Art Klassenfahrt, die ihresgleichen sucht!. Los ging es am 6. Januar von Düsseldorf über Atlanta nach Fort Lauderdale, um an Bord zu gehen.

Einfach unkompliziert

So eine Kreuzfahrt mit Metalheads ist schon etwas ganz Besonderes. Die Kabinenpreise fangen bei ca. 850 Euro an und gehen je nach Ausführung und Ausstattung bis ca. 2.500 Euro. Darin ist Essen und Trinken enthalten - alle Getränke mit Kohlensäure wie Cola, Bier und Mixgetränke sowie härtete alkoholische Getränke müssen gekauft werden. Um eine Vorstellung zu geben: Eine 0,75-Liter-Dose »Fostex«-Bier liegt bei 12 US-Dollar. Da gibt man eigentlich mehr Geld aus, als man verdient. Das Besondere an den Metalheads ist für mich die Tatsache, dass sie unkompliziert, total offen für jeden und einfach sympathisch dabei sind. Egal wie man aussieht, ob man ob dünn, dick oder groß, klein ist, ob man als Elfe, Ritter, Pokemon, Pirat, Prinzessin, total tätowiert, halbnackt oder vermummt auf dem Schiff rumläuft, keiner wird in irgendeiner Art und Weise dafür schräg angemacht. Eher freut sich jeder für den Anderen, gemeinsam auf dem Schiff eine Party zu feiern.

Fotos: Dirk Brand

Dirk Brand mit Axxis beim Pool-Konzert nachts um drei Uhr


Foto: Nikolas Krofta

Heftiges zum Frühstück

71 Nationen haben das Schiff in eine einzige Metalparty verwandelt: Von morgens 10 bis zum anderen Morgen um 5 Uhr gibt es nonstop Konzerte! Überall auf dem Schiff läuft 24 Stunden lang Metalmusik, und das in einer ganzen schönen Lautstärke: Frühstück mit Cannibal Corpse - puh, das ist schon anstrengend! Die Konzerte _ nden auf vier Bühnen statt: »Royal Theater« (ca. 1.500 Personen), »Star Lounge« (ca. 500 Personen), »Stu- dio B - Ice Rink« (ca. 1000 Personen) und auf dem Pool-Deck (über 1.500 Personen). Der Anteil an Death-Metal-, Metal-Core-, Black-Metal- oder Doom-Metalbands, _ nde ich, ist extrem hoch, der Anteil an reinen Hardrock- oder Heavybands eher überschaubar. Man sieht also ein bisschen, wo der Trend hingeht. Verweilt wird zwischen den Konzerten in der Shopping-Mall (Wahnsinn, und das auf einem Schiff!), im Casino oder in einer der unzähligen Bars auf dem Schiff. An Bord kann man ebenso Golf spielen, sich an einer riesigen Kletterwand zum Schornstein, beim Surfen, im Pool oder in der riesigen Wasserrutsche austoben.

ƒFür Drummer gab’s gar eine Clinic auf hoher See mit Matan Shmuely von Orphaned Land.


ƒDirk Brand (l.) beim Meet-&-Greet-Termin von Axxis; für die Dose Bier zahlte man 12 US-Dollar.


Hektik vorm Gig: Für den Change- Over bleiben gerade mal 30 Minuten Zeit.


Kaum Zeit fürs Set-up

Es ist schon ein großes Metal-Klassentreffen: Immer wieder trifft man alte Bekannte von Grave Dinger, Kissin’ Dynamite, Michael Schenker Fest oder Leaves Eyes. Mein erster Auftritt mit Axxis ist in der »Star Lounge« um 23.15 Uhr. Die Bühne ist sehr beengt - 30 Minuten Zeit für den Change-Over, und der Monitorsound ist so lala. Aber im Laufe der Zeit lernt man, mit solchen Gegebenheiten klarzukommen. Für das Schlagzeug hat man auch kaum Zeit, sich das Set so zusammenzubasteln, wie man es denn gerne möchte. Am besten ist, vom Vormann das meiste zu übernehmen und sich auf Hihat, Snare und Bassdrum zu konzentrieren. In Sachen Equipment habe ich bei Shows mit Fluganreise meistens nur Drummaschine und einen kleinen Mischer dabei. Früher habe ich noch die Doppelfußmaschine mitgenommen, aber im Laufe der Zeit lernt man, sich auf alles Mögliche einzustellen. Manchmal ist es allerdings etwas tricky, wenn man Kette gewöhnt ist und auf einmal ein exzentrisches Blatt oder ein Direct-Drive-Pedal vorgesetzt bekommt


DIE BÜHNE IST SEHR BEENGT - 30 MINUTEN FÜR DEN CHANGE-OVER, UND DER MONITORSOUND IST SO LALA


Jede Menge Trigger

Auffällig ist, wie viele Bands, egal welchen Genres, mit Zuspielern arbeiten. Da kommt die »Wall of Sound« - also Keyboards, Chöre und Orchester - sehr häu_ g vom Band. Zudem haben unheimlich viele Drummer Bassdrums und Snare getriggert, sehr häu_ g mit den Roland-RT-Triggern in Verbindung mit dem TM-2, was natürlich eine sehr kompakte und reisefreundliche Lösung ist. Interessant ist für mich dann oft der Soundcheck: Die Drummer der eigentlich sehr harten Bands ›streicheln‹ zum Teil ihre Drums, und der Drumsound wird durch Triggering fett gemacht, während die Oldschool-Drummer durch richtiges, ef_ zientes ›Reinlangen‹ auch ohne Elektronik einen akustisch fetten Sound erzielen. Aber das ist natürlich alles Geschmackssache - und bei Extreme- Metal-Doppelbassdrum-Attacken geht es auch fast nicht anders.

Es braut sich was zusammen…

Am dritten Tag der Cruise legt das Schiff in Cozumel/Mexiko an - es ist Sightseeing angesagt, aber ehrlich gesagt emp_ nde ich das als große Touristenfalle: In dem kleinen Hafen liegen sechs von diesen riesigen Kreuzfahrtschiffen, und der Ort ist überlaufen von Touristen und Verkäufern, die einem auf fast jedem Schritt Diamanten und Rum verkaufen wollen. Nach einer Stunde heißt es für mich daher: Ich will nicht mehr. Also zurück aufs Schiff und in den Pool. Am Nachmittag merkt man schon, dass sich wettertechnisch etwas zusammenbraut: Der Himmel wird zusehends dunkler und der Wind frischt auf. Cozumel haben wir gegen 16 Uhr verlassen, es wird immer stürmischer, und selbst unser großer, 15-stöckiger Pott kommt immer mehr ins Schwanken. Der nächste Axxis-Auftritt ist auf dem Pool-Deck um 2.15 Uhr früh. Uff! Der Wind wird immer stärker, um ca. 1 Uhr wird der Auftritt von At the Gates abgesagt und das Pool-Deck wegen Unwetter für eine Stunde geschlossen. Immer wieder hat man mit PA-Ausfällen oder umstürzenden Cymbalständern zu kämpfen.

Metal als Völkerverständigung: partywütige Kreuzfahrtgäste aus Südamerika


Spielen bei Sturmböen

Um zwei Uhr darf man bei starken Windböen wieder auf Deck, und schließlich wird der Auftritt von Axxis um ca. 3 Uhr angekündigt. Beim Set von At the Gates mit Drummer Adrian Erlandsson sehe ich allerdings schon, wie ihm seine ›moving‹ Cymbals zu schaffen machen. Hinterher kommt er zu mir und bestätigt, wie schwierig es war, das Drumset in Position zu halten (wie stürmisch es tatsächlich war, könnt ihr in einem Video auf https:// drumsundpercussion.de/media/webtv anschauen). Beim allerletzten Song passiert es dann: Eine Böe ›löst‹ die Schraube eines Cymbals, und dieses _ iegt mir direkt, zum Glück mit der _ achen Seite, ins Gesicht. Das hat schon etwas von Final Destination. Das Ganze könnt ihr übrigens ebenfalls auf einem Video sehen, da ich den Auftritt mit einer Gopro-Cam mitge- _ lmt habe. Aber das alles ging so schnell, dass ich eigentlich erst hinterher richtig realisiert habe, was da gerade passiert war. Nach Axxis kamen dann noch zwei Bands - Party all night long!

Highlight zum Ausklang

Der letzte Tag der Cruise ist für mich noch einmal etwas Besonders, denn ich spiele bei der »Jamming In International Waters All Star Jam« mit: Mit Musikern wie Asim Searah (Wintersun), Rob van der Loo (Epica), Michael Spencer (Flotsam and Jetsam) zu spielen ist ein Fest. Immer wieder kommt man während der Cruise mit den verschiedensten Drummern der anderen Bands ins Gespräch. Einige Eindrücke von diesen Unterhaltungen habe ich euch aufgeschrieben (s. Kasten »Statements «). Besonders aufgefallen sind mir Wintersun und ihr neuer Drummer Heikki Saari, ein technisch sehr cooler Musiker, der auch bei Finntroll (Norwegian Folk Death Metal) gespielt hat. Der Drummer von Venom, Danny Needham, spielt mit einer unheimlich coolen Showpräsenz.

Metalheads Go Shopping: die Ladenstraße auf dem Schiff ƒDas Pool-Deck der »Independence of the Seas«


Widrigen Umständen trotzen

Bei Devin Townsend sitzt kein Geringerer als Dirk Verbeuren (Megadeath, Soilwork) hinterm Drumkit. Die Show hat mir sehr gut gefallen, denn trotz widriger Wetterumstände - immer wieder sind Playbacks oder Gitarren ausgefallen - verkauft Herr Townsend dies fast als Teil der Show. Beispiele: Playback fällt aus, er bricht den Song ab und ruft »Was meint ihr, können wir den Song auch ohne Playback spielen?« ins Publikum. Gesagt, getan! Oder: Er stoppt einen Song und ruft: »Der B-Teil war nicht so gut, den machen wir noch mal und besser!« Wohlgemerkt, dies alles mit einer unglaublichen Präzision. Der Auftritt hat einfach Spaß gemacht. Trollfest ist auch eine Band, bei der es sich zuzuschauen lohnt und die mit einem hohen Entertainmentfaktor spielt. Und, schwups: Schneller als man denkt, ist man schon wieder im Hafen von Fort Lauderdale in Florida. Mein Fazit: Wer auf Metal steht, die _ nanziellen Möglichkeiten und Lust auf Spaß, Spannung und Spiel hat, der sollte sich so eine Reise nicht entgehen lassen…

Band-Line-up

(Auswahl) »70.000 Tons of Metal« 2020: Axxis, Emperor, Epica, Wintersun, Venom, At the Gates, Trollfest, Leaves Eyes, Exodus, Michael Schenker Fest, Flotsam & Jetsam, Emperor, Devin Townsend, Soilwork, Brujeria, Candlemass, Origin, Possessed, Haggard, Grave Digger, Archon Angel, Kissin’ Dynamite, Orphaned Land u. v. a.

Devin Townsend mit Band beim Gig.


DRUMMER-STATEMENTS

Generell ist die Cruise immer gut, um neue Kontakte mit Musikern und Technikern zu knüpfen. Auch den Fans gegenüber ist man nicht so abgeschottet wie sonst auf einem regulären Festival. Positiv fällt mir dabei immer auf, dass die Fans keineswegs aufdringlich wirken.

Marcus Kniep (Grave Digger):


Über »70000 Tons Of Metal«

»70.000 Tons Of Metal« ist die größte Heavy- Metal-Kreuzfahrt der Welt (fünf Nächte, vier Tage), bei der 60 Bands auf vier Bühnen performen, darunter der weltgrößten die Meere befahrenden Open-Air-Bühnenkonstruktion: eine Kombination aus Metalfestival und Karibikkreuzfahrt für 3.000 Metalheads. An Bord der »Independence of the Seas«, einem der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt gibt’s Restaurants, Theater, Pool-Decks, Bars und Lounges, die niemals schließen, sowie einen 24-Stunden-Zimmerservice. Jede Band spielt zweimal, jeder Gast erhält uneingeschränkten Festivalzugang zu 120+ Liveauftritten, inklusive »Jamming In International Waters All Star Jam«, Meet & Greet mit jeder Band, Clinics und Workshops sowie Listening-Sessions für Albumpremieren. Startpreis ab 833 US-Dollar pro Person ohne Steuern und Gebühren. Info: www.70000tons.com

Andi Schnitzer (Kissin’ Dynamite):


Auf der Cruise hat man ein ganz anderes Lebensgefühl als auf Tour. Es geht darum, mit den Fans Urlaub zu machen und Spaß zu haben. Auf fremdem Equipment zu spielen, ist nicht immer ganz easy, aber dafür reduziert sich der Gig wieder auf das Wesentliche, das Spielen. Das fördert den Spirit der Band ungemein!

ƒBodo Schopf (Michael Schenker Fest):


Es ist fantastisch, mit so vielen Bands hier auf dem Schiff zu sein - und interessant zu sehen, wie viele unterschiedliche Richtungen es im Metal gibt. Besonders das macht den Reiz aus.

ƒDirk Verbeuren (Devin Townsend, Megadeath, Soilwork):


Die Cruise ist wie eine Party, bei der man viele Kollegen trifft - die Metal- Family halt. Ich war schon oft mit dabei, und jedes Mal ist es ein bisschen wie nach Hause kommen. Es ist ein Riesenspaß!