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80 JAHRE: KILLESBERGPARK UND KILLESBERGBAHN


Journal Dampf & Heißluft - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 17.01.2020
Artikelbild für den Artikel "80 JAHRE: KILLESBERGPARK UND KILLESBERGBAHN" aus der Ausgabe 1/2020 von Journal Dampf & Heißluft. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Killesbergbahn in voller Fahrt bergwärts.


Foto: Jürgen Wagner.

Eigentlich lautete der interne Arbeitstitel: Dampfl okfest auf dem Killesberg mit Dreizugbetrieb und Teilnahme von Modell-Dampftraktoren. Natürlich galt es auch, den 80. Geburtstag der beliebten und attraktiven Liliputbahn zu feiern. Doch das mit den 80 Jahren stimmt nicht ganz, denn schon 1928 bis 1938 gab es in Gaisburg, jenem Stuttgarter Stadtteil, das dem berühmten schwäbischen Eintopfgericht „Gaisburger Marsch“ (Kartoffelschnitz und Spatzen) seinen Namen gab, eine Parkbahn mit der Spurweite 15 Zoll oder 38,1 cm.

Am 22. April 1939 öffnete ...

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... die Reichsgartenschau Stutt gart ihre Pforten. In einem ehemaligen Steinbruch entstand in über vierjähriger Bauzeit ein prächtiger Park. Die Gaisburger Liliputbahn wurde umgesiedelt und erhielt in diesem Gelände einen neuen attraktiven Standort mit einer Streckenlänge von 3,5 Kilometern und einem Höhenunterschied von 21 Metern. Selbst die Stuttgarter Straßenbahn (SSB) beschaffte sich in Erwartung höherer Fahrgastzahlen neue moderne Fahrzeuge mit gepolsterten Sitzen, die sogenannten „Gartenschau-Wagen“. Nur zwei Tage nach Kriegsbeginn, am 2. September 1939, schloss die Gartenschau. In diesen vier Monaten besuchten 4,5 Millionen Besucher den Killesberg. Das war ein sensationeller Erfolg. Und es zeigte sich, dass nicht nur die blühende Flora, sondern auch die Liliputbahn ein Besuchermagnet erster Güte war.

Rendez-vous für Fotografen. Foto: Gerhard Kieffer.


Bundespräsident Theodor Heuss eröffnete 1950 am gleichen Ort die „Deutsche Gartenschau“. Die Liliputbahn war abermals fester Bestandteil, musste sich aber mit einer reduzierten Streckenlänge von 2,1 Kilometern begnügen. Da in Stuttgart keine Lokomotiven mehr vorhanden waren, lieferte die berühmte Münchner Lokfabrik Krauss-Maffei zwei neue Schlepptender-Lokomotiven der Achsordnung 2C1 im Maßstab 1:3,8. Sie erhielten die Namen „Tazzelwurm“ und „Springerle“. Nun erhielt das Bähnle seinen heute üblichen Namen Killesberg-Bahn.

Aber nun zum Jubiläum 80 Jahre. Das Fest war ein voller Erfolg. Schon bei der Eröffnung am Samstagmorgen drängte eine große Besucherschar auf das Gelände. Für die Sponsoren und den Förderverein Killesbergbahn gab es an der Südseite der Lokremise an weiß gedeckten Tischen einen separaten Empfang.

Wasserfassen vor dem Start.


Foto: Gerhard Kieffer.

Unter den mächtigen schattenspendenden Bäumen am Eingang Lenbachstraße hatten die Straßendampfer ihr Domizil.

Das Stuttgarter Gartenbauamt hat im vergangenen Jahr im letzten Moment aus Sicherheitsgründen die Straßendampfer von einer Teilnahme ausgeschlossen. Im Jubeljahr wurden sie willkommen geheißen, allerdings durfte eine vorgeschriebene Fahrtroute nicht verlassen werden. So war die Tour zum Egelsee, dem tiefsten Punkt, tabu. Es hat sich in der Praxis aber schnell gezeigt, dass die für den Straßendampf extra markierte Strecke immer noch genügend lang und attraktiv war. Auf der zu bewältigenden Höhendifferenz von rund 50 Metern ist der Fahrer nach wie vor gefordert. Es ist sowieso erstaunlich, mit welch scheinbarer Leichtigkeit die Traktoren den anspruchsvollen Kurs bewältigen. Es sind Maschinen dabei, die einen Hänger mit zehn erwachsenen Personen im Schlepp haben.

Sympathische Fracht.


Foto: Jürgen Wagner.

Mitten im Publikum.


Foto: Jürgen Wagner.

Wolfgang Wiegands kleiner Tazzelwurm.


Foto: Gerhard Kieffer.

Traktoren sind für Kinder ohnedies ein ganz besonderer Anziehungspunkt. Ein Blick in die Feuerbüchse mit den lodernden Flammen oder das Spiel der Pleuelstangen macht die Dampfmaschine irgendwie begreifbar. Im Zeitalter von Computer und ICE haben Dampfl okomotiven, und noch mehr Dampfmaschinen Seltenheitswert erlangt.

Die Züge der Killesbergbahn und die Anhänger der Straßenfahrer waren durch die hohe Besucherfrequenz stets voll besetzt. Die Bahn fuhr vormittags in Doppeltraktion. Das war so ganz nach dem Geschmack der Fotografen und Video-Filmer. Nachmittags zogen die „Santa Maria“ und der „Tazzelwurm“ eigene Züge. Dies ermöglichte eine dichtere Zugfolge. Bergauf mussten die Lokomotiven kräftig arbeiten. Besonders die „Santa Maria“ hatte mit vollbesetztem Zug mitunter „hörbare“ Mühe. Das „Springerle“, die dritte Dampfl okomotive, steht in der Werkstatt, weil die Hauptuntersuchung ansteht, deshalb übernahm eine Diesellokomotive deren Dienst.

Wohlverdiente Pause.


Foto: Jürgen Wagner.

Führerstand der S 3/6.


Foto: Gerhard Kieffer.

Anheizplatz der Traktoren.


Foto: Gerhard Kieffer.

Wolfgang Wiegand aus Freiburg im Breisgau sorgte beim Jubiläum für einen weiteren Höhepunkt. Hier zeigte er erstmals sein Glanzstück der Öffentlichkeit. In elfjähriger Bauzeit erstellte er die berühmte bayerische S 3/6 im Maßstab 1:2 für die Spur 7 ¼ Zoll (184 mm).

Die Daten dieses Meisterwerkes:
Länge: 3.600 mm
Breite: 490 mm
Höhe: 710 mm
Leergewicht: 698 kg
Hub: 72/98 mm
Druck: 8 bar
Vakuumbremse
Heusingersteuerung

In den nächsten Tagen soll die Maschine unter Dampf ihre ersten Runden drehen. Allzeit gute Fahrt wünschen wir dem stolzen Erbauer.
Das Treffen war ein erlebnisreicher Höhepunkt für alle aktiven Teilnehmer. Offensichtlich hat die Veranstaltung auch den vielen Besuchern gefallen, denn die als sparsam geltenden Schwaben bedachten mitunter die Traktorfahrer aus purer Begeisterung mit einem schönen Sackgeld.
Wir logierten wie immer im B&B Hotel Stuttgart-Feuerbach, gesponsert von der SSB. Unser Betreuer Carlo Buschle war immer für uns da. Ganz besonders ihm, aber auch der SSB ein herzliches Dankeschön für ein unvergessliches Wochenende.
Zum Schluss noch eine Bemerkung. Allein im Schwabenland gab es dieses Jahr sechs Straßendampf-Treffen. Das führt leider da und dort zu rückläufigen Teilnehmerzahlen. Das ist schade und von den Veranstaltern sicher nicht gewollt.