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LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 05.07.2019

Keine Frage: 1.000 Euro sind viel Geld und auch ein Euro weniger macht das Ganze nur optisch ein bisschen besser. Aber in Sachen HiFi ist die Zahl eben die magische Grenze – das Ziel eines Herstellers muss es sein, so viel Ausstattung und Verarbeitungsqualitat aus diesem Preisrahmen herauszuholen wie nur moglich. Wie das geht, zeigt uns Technics


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Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 5/2019

Wie es sich für einen traditionellen Technics-Plattenspieler ziemt, gehört eine Haube zum Lieferumfang


Wie bei jedem Testbericht eines aktuellen Technics-Plattenspielers kommen wir nicht umhin, einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit zu unternehmen. Vor allen ...

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Wie bei jedem Testbericht eines aktuellen Technics-Plattenspielers kommen wir nicht umhin, einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit zu unternehmen. Vor allen anderen Modellen fällt uns bei Technics natürlich der legendäre Technics SL-1200 ein, der wohl das am längsten verkaufte HiFi-Gerät aller Zeiten ist. Zurückgehend auf die 70er-Jahre, wurde er in diversen Iterationen immer weiter angeboten.
Und selbst, als alle anderen großen Namen der HiFi-Szene sich schon aus dem analogen Geschäft zurückgezogen hatten, war die Nachfrage nach dem Dj-Plattenspieler schlechthin ungebrochen. Manche Eingeweihte munkeln bis heute, dass es die DJs mit „ihrem“ Technics waren, die überhaupt das endgültige Aus der Schallplatte verhindert haben. Das kann man wohl kaum noch kontrollieren – zumindest waren die professionellen Plattenaufleger in den ganz düsteren Zeiten der 90er-Jahre ein stabiler Abnehmer für Vinyl, sodass zumindest nicht alle Presswerke schließen mussten.
Just zu dem Zeitpunkt, als die ganz große Krise vorbei war und die Renaissance der Schallplatte Fahrt aufnahm, hat National Panasonic, Inhaber der Marke Technics, dann Schluss gemacht. Die Trauer war groß, war mit dem SL-1200 nicht nur das legendäre Gerät, sondern auch die Marke Technics begraben worden.
Einen Hoffnungsschimmer gab es dann 2015, als die Marke neu belebt wurde. Neben einigen modernen HiFi-Komponenten war der SL-1200 wieder da, zunächst in einer exklusiven und recht teuren Variante, dann in einer etwas abgespeckten Version für 1.500 Euro.
Und nun im Jahre 2019 führt Technics diese Entwicklung weiter und präsentiert mit dem SL-1500 die „zivile“ Variante der Produktfamilie – vom edlen und sündhaft teuren SL-1000R sprechen wir jetzt mal nicht.
Dass es hier keine DJ-Ambitionen gibt, zeigt uns die Abwesenheit einer Geschwindigkeitsregulierung – dazu passend gibt es auch keinen Teller mit Stroboskop-Markierungen. Ansonsten ist der SL-1500 dem SL-1200GR technisch sehr ähnlich. Das kann man schon an der Masse der beiden Dreher erkennen: Den 11,5 Kilo Gesamtgewicht des 1200GR stehen immerhin noch 9,9 Kilo beim 1500C gegenüber. Von der Gewichtsersparnis fällt ein Pfund auf den Plattenteller und rund zwei Pfund auf das Chassis, das aber auch beim 1500C aus hochwertigen und vibrationsarmen Verbundmaterialien besteht.
Der Teller ist ein Aluminium-Druckguss-Formteil mit einer dämpfenden Gummischicht an der Unterseite. Bewegt wird der Teller über einen eisenlosen Direktantrieb, der sich ständig selbst regelt, und das natürlich quarzgesteuert. Tatsächlich hat es hier bei Technics gegenüber den alten Modellen eine komplette Neuentwicklung gegeben, die die Präzision der Steuerung auf die Spitze treibt und für Gleichlaufwerte sorgt, von denen alle riemengetriebenen Plattenspieler nur träumen können.
Ein klassisch kardanischer S-Tonarm mit präzisen Lagern und Standard-SME-Bajonett ist in der Zarge fest montiert, ein Tonarmwechsel ist nicht vorgesehen. Braucht man auch nicht: Der Technics-Tonarm ist bekannt dafür, dass er einer großen An-zahl verschiedener Tonabnehmersysteme ein adäquates Zuhause bietet. Die Justage – inklusive Höhenverstellung – ist denkbar einfach und geht auch dem Anfänger leicht von der Hand.

Der untere Teil der Antriebseinheit mit der Elektronik-Platine samt Spulen


Unter dem recht massiven Teller sitzt direkt der Magnetring, der bereits zum Motor gehört


Auch ohne Stroboskopmarkierungen kann der SL-1500C seine DJ-Gene nicht verheimlichen


Mitspieler

Tonabnehmer:
・ Ortofon SPU Century
・ Phase Tech PP-300
・ Audio-Technica AT-VM95ML

Phonoverstärker:
・ Quad Twentyfour P
・ EAR 324

Verstärker:
・ Accuphase E-650

Lautsprecher:
・ Nubert Pyramide 717
・ Audio Physic Avantera III

Gegenspieler

Plattenspieler
・ Luxman PD-151
・ Goldnote Mediterraneo

Technische Anmutung und doch ein optisch gefälliges Design: der neue Technics SL-1500C


Der klassisch kardanisch gelagerte Tonarm war noch nie eine Schönheit, ist aber hervorragend verarbeitet


Die Vertiefung rund um das Tonarmlager erlaubt den schnellen Zugriff auf die Höhenverstellung


Das Tonabnehmersystem ist vormontiert und hört auf den Namen Ortofon 2M Red. Das ist aus zweierlei Gründen erfreulich: Zum einen handelt es sich bei Ortofon um den traditionsreichsten Tonabnehmerhersteller der Welt – man kann sich also sicher sein, ein hochwertiges System zu haben, für das es noch eine sehr lange Zeit Ersatznadeln geben wird. Zum anderen kann man innerhalb der 2M-Tonabnehmerserie upgraden, das heißt, einen hochwertigeren Nadeleinschub ganz ohne Neujustage verwenden.
Die üblichen Bedienelemente sind alle da: Umschalter für die beiden Geschwindigkeiten, und der Ein-und Ausschalter. Für den Heim-HiFi-Betrieb hat man dem SL-1500C eine kleine Extrafunktion gegönnt: Erreicht die Nadel die Auslaufrille, dann wird der Tonarm automatisch angehoben, sodass sich der Verschleiß in Grenzen hält. Können wir das noch als nette Zusatzfunktion einstufen, so gibt es ein weiteres Ausstattungsmerkmal, das wir gar nicht genug loben können: Es gibt eine eingebaute Phonovorstufe für MM-Systeme. Damit ist der SL-1500C auch in einer modernen Anlagen-Umgebung, die eigentlich keinen Bezug mehr zum Thema Schallplatte hat, sofort integrierbar und einsatzfähig.
Und „einsatzfähig“ ist dabei noch weit untertrieben: Der SL-1500C ist ein richtig guter Plattenspieler. Einfach und robust in der Bedienung und ganz weit vorne im Klang: Ultrastabil im Bassbereich, wo der kräftige Direktantrieb für ein solides und kräftiges Fundament sorgt, und unbestechlich im Mitteltonbereich, der zudem eine große Spannweite klanglicher Facetten zeigt. Der Technics ist im besten Sinne ein neutraler Plattenspieler: Das Sounding überlässt er gerne den „Künstlern“ unter den Plattenspielern – hier wird einfach genau das wiedergegeben, was ins Vinyl gepresst wurde, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Bedienung erfolgt über einige wenige Tasten – Pitch Control gibt es beim HiFi-Plattenspieler nicht


Die einfach zu bediendende Höhenverstellung des Tonarms im Detail


Zum Lieferumfang des Sets gehört ein spielfertig montierter Ortotfon-Tonabnehmer


Zwei Cinchausgänge bedeutet: Einmal ein Phonoausgang und einmal der Lineausgang der eingebauten Phonostufe


Beim Teller handelt es sich mitnichten um ein Blechteil: Er ist ein komplett aus Aluminium gefrästes Schwergewicht


Die eingebaute MM-Phonostufe macht ihren Job ziemlich gut – die handelsüblichen externen Phonostufen in der Preisklasse bis 200 Euro können es definitiv nicht besser – erst ab einer größeren Investition dankt der Technics mit noch etwas feinerer Auflösung und noch etwas größeren dynamischen Fähigkeiten.
Will man sich in Sachen Tonabnehmer verbessern, so kann man dies bis zum Exzess betreiben: Selbst mit Systemen, die ein Mehrfaches des SL-1500C kosten, habe ich noch deutlich heraushörbare klangliche Verfeinerungen hören können, die bewiesen, dass die Grundqualität des SL-1500C schlicht und ergreifend stimmt.
Thomas Schmidt