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A Beautiful Time


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Audio - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 12.05.2022

  POP & ROCK

ALBUM DES MONATS

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Willie Nelson ist 89 Jahre alt und produziert ungebrochen originelle Songs und Coverversionen der Extraklasse. Zu seinem Geburtstag am 29. April machte er sich mit diesem Album ein Geschenk. Zusammen mit seinem langjährigen Freund und Produzenten Buddy Cannon und vielen Studiogästen zwischen Jung und Alt fertigte der große Künstler eine berührende Kollektion aus eigenen Songs und Fremdtiteln. Es ist eine wechselvoll erfreuliche wie bedrückende Stimmung, die sich aus den 14 Songs herauslöst.Ungemein intensiv packt Willie seine Emotionen, Hoffnungen und Zweifel in die sorgfältigen Zeilen, die er mit seinem nasalen Bariton offenlegt.

Schon die eröffnende Ballade „I’ll Love You Till The Day I Die”, geschrieben von Rodney Crowell & Chris Stapleton, charakterisiert mit der gefühlvollen Instrumentierung und der innigen gesanglichen Erzählung die Stimmung des Albums. Im ...

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... Country-Groove bei „I Don’t Go To Funerals” bringt der altersweise Willie seine Empfindungen auf den Punkt. Er sinniert übers Alter, aber er brennt vor Lebenswillen.

Bei den Coverversionen traf er zwei gute Entscheidungen. Mit eigener vokaler Nuance interpretiert er den „With A Little Help From My Friends“ (Beatles), wobei seine Stimme kurz in unbekannter Höhe flattert. Noch überzeugender gleitet er durch Leonard Cohens „Tower Of Song“. Und beschert den Hörenden schließlich, was der Albumtitel ansagt: „A Beautiful Time“.

. Willi Andresen

✪ Last Man Standing (2018)

Klangtipp ab 4,5 Ohren

AUDIOPHILE CDS DES MONATS

Jens Kommick Stringed

Akustikgitarre

Stockfisch Records/In-Akustik (Hybrid-SACD: 15 Titel; LP 180g: 11 Titel)

In der Tradition der puren Gitarrenalben steht Jens Kommnicks viertes Solowerk, jetzt für Stockfisch. Der gebürtige Bremerhavener spielt neben der sechssaitigen Akustischen noch mehr „stringed“ Instrumente: Bouzouki, Mandoline, Cello, bundloser Bass – dazu Cembalo und Klavier. Alle Instrumente werden im schönen Booklet genannt. Stilistisch hat Kommnick vom Fingerpicking übers klassische Zupfen bis zum folkigen Akkordieren und jazzigen Slingern alles drauf, was ihn auch als Sideman begehrt macht. Mit Reinhard Mey verbindet ihn eine anrührende Geschichte – von dessen herzergreifendem Lied „Lass nun ruhig los das Ruder“ spielt Kommnick hier eine wehmütige Instrumentalversion. Günter Pauler und Inés Breuer haben alles im berühmten Gewölbe der Stockfisch-Studios in schöner Klangfülle konserviert: detailreich, nuanciert, mit natürlichem Raumanteil, wundervoll präsent.

Lothar Brandt

✪ Peter Finger: Acoustic Rock Guitar; Werner Lämmerhirt: Saitenzauber

Blues Company Songs With No Words

Instrumental Blues, Bluesrock

In-Akustik (CD, Doppel-LP 180g auch in Green Vinyl)

Klar, wer alle Alben der 1976 in Osnabrück gegründeten Blues Company um Toscho Todorovic und Co-Gitarrist Mike Titre hat, der kann sich die hier versammelten 15 Instrumentals auch zusammenpflücken. Alle schon mal veröffentlicht, alle große Klasse. Und deshalb sei die Kollektion wärmstens auch Nicht-Hardcore-Fans empfohlen. Handwerklich exzellent und inspiriert spielen die Jungs eigene und fremde („Albatros“ /Peter Green, „Hideaway“/Freddie King), harte wie butterweiche Klassiker, meist in superbem, stets überdurchschnittlichem Sound. Den bereichern sie immer mal wieder mit Flöte, Sax, Trompete, Orgel oder E-Drums. HiFi-Fans wissen, dass audiophil auch ohne Gesang geht. Dass audiophiler Blues nicht immer Stimme braucht, um Stimmung zu verbreiten, machen CD und gut gefertigte Doppel-LP aufs Angenehmste klar. Bei JPC gibt‘s die Doppel-LP limitiert auch auf grünem Vinyl.

Lothar Brandt

✪ Blues Company: Take The Stage; Freddie King: Selected Sides

SCHÄTZE DES MONATS

Tool Fear Inoculum

Progressive Metal

RCA (Box-Set: 5 LPs)

Mit ihrem fünften Album „Fear Inoculum“ (2019) eröffneten Tool aus Kalifornien neue Sphären der Monetarisierung. Die zum Release veröffentlichte CD mit Videoscreen kostete 80 Euro, eine einige Monate später nachgeschobene, technikärmere Version gab‘s für 50 Euro. Zweieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des Werks folgt jetzt die langersehnte Vinylversion. Fünf Scheiben, einseitig bespielt, mit Etchings auf der Rückseite. Verstaut in einem großen Buch mit Taschen für das Vinyl sowie hochwertig gedrucktem Booklet inklusive Texten. All das steckt in einer tollen Box (um 160 Euro). Für Vinyl von Chris Bellman neu gemixt, ist dieses Sammlerstück klanglich ohne Fehl und Tadel. Jedoch ist das Werk wie schon bei den CDs unvollständig: Eines von drei Zwischenstücken fehlt („Litanie contre la peur“), außerdem ist der Text zu „7empest“ als einziger nicht abgedruckt. Tool eben

. Alexander Rose-Fehling

✪ Meshuggah, The Mars Volta

Red Hot Chili Peppers Unlimited Love

Rock

Warner (CD, Doppel-LP)

Die Peppers sind die modernen Beach Boys: Sie leben in einer Welt aus Frauen, Autos und Strandkultur bzw. ignorieren politische wie musikalische Strömungen. Ihr zwölftes Album ist geprägt von der Gitarrenarbeit des Zweifach-Rückkehrers John Frusciante, der mit Finesse und Harmonien glänzt. Unter seiner Führung konzentriert sich die Band auf das Tiefentspannte, pendelt gekonnt zwischen Funk, Rock, Country, Jazz und New Wave und feiert das süße Leben in Kalifornien. Die stärksten Momente des 17-Song-Parcours sind jedoch die, in denen es auch mal energetischer zur Sache geht – etwa in „These Are The Ways“, das an The Who erinnert, oder im hymnischen „The Great Apes“. Schwachpunkte wie „Aquatic Mouth Dance“ werden vom guten Gesamteindruck und der staubtrockenen Rick-Rubin-Produktion aufgefangen. Das Sommer-Rockalbum 2022

. Marcel Anders

✪ George Clinton, Eagles

Yep Roc Records/Bertus (CD, LP)

Streicher schweben unter einer bedächtigen Stimme, eine akustische Gitarre verdüstert die Stimmung des Intros „A Sudden Place“. Grant-Lee Philipps sinniert über den Brand der Kathedrale von Notre Dame 2019. Ein überraschendes Thema für einen Alternativ-Rocker aus Kalifornien. Wie viele Kollegen tüftelte Philipps in der Pandemie an innigen Tönen und inhaltlichen Perspektiven, die meditative Ruhe ausstrahlen. Fragmente und Demos wurden zwischen Kollegen versandt, der Chef vervollständigte die Sessions dann im Heimstudio in Nashville. Mit keinem Ton oder Riff kommt hier Hektik auf. Speziell Songs wie „Peace Is A Delicate Place“ und „My Eyes Have Seen“ offenbaren Gefühle, die nachhaltig aus dem Wandel dieser Zeit resultieren.

Willi Andresen

✪ The Narrows (2016), Widdershins (2018)

BMG/Warner (Doppel-CD, Doppel-LP auch col. Vinyl)

Das Schöne am Hardrock ist ja, das er eben kein Metal ist. Metal ist vielfach abstrakte, hochkomplizierte, oft nihilistische Musik, während der beste Hardrock konservativ und freundlich an der Theke steht. Blues und Soul sind ihm nicht unbekannt. Thunder demonstrieren all das auf ihrem 14. Studiowerk: Gleich der erste Track „Dancing In The Sunshine“ macht mit dem Eingangsriff das Fenster sperrangelweit auf und lässt Sonne, Glück, gute Laune rein – alles, was vielen Menschen gerade fehlt. Klar, das Album heißt ja auch wie das Glückshormon. „Big Pink Supermoon“ nimmt Blues und Soul auf, während „Just A Grifter“ eine Top-Ballade ist. Die Londoner haben eine tolle Platte aufgenommen, die genau zur rechten Zeit kommt.

Sebastian Schmidt

✪ All The Right Noises (2020); Whitesnake

Upper Level Records (CD, LP)

Der Mann hat Power: Kurz nach seinem Debüt „The Soul Jazz Experience Vol. 1“ legt der Multi-Styler nach – und zieht uns unweigerlich in die Clubs der funky 70ies. Dort warten in seinen hüftenschwingenden Songs Stil-Verwandte wie James Brown, Sly & The Family Stone oder Chic. Bislang kollaborierte York Ostermayer mit Größen wie Phil Collins, Jazzkantine oder Spice. Solo lässt es der Hannoveraner klassisch gekonnt krachen. „Ain’t No Love“ geht ab wie der Soundtrack zur TV-Kultserie „Kojak“ mit Bläsern und souliger Begleitstimme, „The Funky 12“ becirct mit Querflöte und Saxofon, „I Don’t Care“ nähert sich smart dem Hip-Hop, „Fine Crime“ wird zum kriminell chilligen Jazz-Ausflug. Der Rest? Auch cool – wir freuen uns auf „Vol. „2“!

Claus Dick

✪ James Brown, Galliano, Sly & The Family Stone

Deutsche Grammophon/Rough Trade (CD, Doppel-LP)

Mit seinen elegant-unaufdringlichen Stücken gilt Erik Satie als einer der Vorreiter von Minimal Music, Ambient und Techno-Strömungen. Auch heutzutage beziehen sich zahlreiche Künstler aus Avantgarde, Rock und Electronica auf die inspirierende musikalische Herangehensweise des Franzosen. Im Rahmen der „Fragments“-Serie versuchen sich zwölf zeitgenössische Elektronikmusiker und Satie-Fans an Aufbereitungen, sprich rekontextualisierten Melodien, Versatzstücken und Zitaten aus dem Satie’schen Kanon. Die hörenswerten Resultate reichen von fließenden Clubsounds (Monolink) über melancholische Schwebungen (Snorri Hallgrimsson) hin zu flirrend-perkussiven 4/4 Kaskaden (Sascha Braemer).

Daniel Vujanic

✪ Music by Ravel & Mussorgsky – Recomposed by Carl Craig & Moritz von Oswald

Brain/Universal (CD, Doppel-LP Gatefold Cover)

50 Jahre Grobschnitt: Das Jubiläum der deutschen Vorzeige-Theatralik-Rocker hätte im Herbst 2021 mit einer ausgedehnten Akustik-Tour gefeiert gehört – wegen Corona gestrichen. Stattdessen gingen Ur-Sänger Stefan Danielak, genannt Willi Wildschwein, und Gitarrist Gerd Otto Kühn, viel besser bekannt als Lupo, zusammen mit Willis Sohn Nuki ins Studio und spielten einige englische und deutsche Grobschnitt-Klassiker in radikal reduziertem Klanggewand ein. Das unerhört intime Arrangement mit lediglich zwei akustischen Gitarren und ein wenig Perkussion zu Willis unverkennbarer Stimme klingt zwar ungewohnt, aber zuweilen auch richtig stark und funktioniert am besten mit Hymnen wie „Wir wollen leben“. Ein bisschen Lagerfeuer-Romantik statt gigantischem Pyro-Feuerwerk. Aber der Grobschnitt-Fan vermisst während der 75 Minuten zuweilen doch die große Bühne, Lupos melodische Flüge auf der Elektrischen über die Keyboard-Klangteppiche von Mist, zu Erocs treibenden Drums.

Lothar Brandt

✪ Grobschnitt: Rockpommel’s Land, Illegal; Heinz Rudolf Kunze: Wie der Name schon sagt – solo live

Compass (CD, LP auch Blue und Silver Vinyl)

Die Eröffnungstakte für dieses Album wurden getrommelt von Ringo Starr. Der Beatles-Drummer ist der richtige Taktgeber für das Projekt, bei dem der einstige Men-at-Work-Sänger Colin Hay den Spirit von „Rubber Soul“ einfangen wollte. Mal mit Hammond-Orgel und soul-jazzigem Bläsersatz, mal mit Mellotron und anderen psychedelischen Klangerzeugern. Sogar ein klassisch anmutendes Kammermusik-Ensemble tritt an. Überwiegend aber reichert Colin Hay seine Songs mit einer augenzwinkernd locker rockenden Folk-und Country-Verspieltheit an. Er singt zwar mit einer Stimme, die keinen unbedingten Wiedererkennungswert hat, aber „Now And The Evermore“ ist eine runde Sache, die nicht nur Beatles-Freunden gefallen wird .

Winfried Dulisch

✪The Beatles, James Taylor, Billy Joel, Paul Simon

Sonic Attack Records/SPV/The Orchard

Wucan aus Dresden tummeln sich irgendwo zwischen den Rock-Spielarten Psychedelic, Progressive und Kraut der späten Sechziger/ frühen Siebziger. Aber egal, was es nun eigentlich ist – es geht ab wie Luzie. Die Band steht rocktechnisch dermaßen im Saft, dass niemand auf die Idee kommen könnte, dass hier Deutsche am Werk sind. Die meisten Songs sind zwar auf Englisch, aber die Tracks „Fette Deutsche“ und „Zwischen Liebe und Zorn“ zeigen, dass es problemlos auch anders geht. Dem Quartett steht Bandgründerin Francis Tobolsky vor, eine zarte Frau, die nicht nur raumgreifend singt, sondern auch noch Rhythmusgitarre, Theremin, Flöten, Akustikgitarre, Syntheziser und Percussions bedient. Fast schon unglaublich. Wucan ist jeder Erfolg zu gönnen, denn diese packende, interessante Band hat ihn verdient.

Sebastian Schmidt

✪ Church Of The Cosmic Skull

MGL/In-Akustik (CD)

2015 zeigte Joscho Stephan auf seinem Studioalbum „Guitar Heroes“, wie sein großes Vorbild Django Reinhardt (1910– 53) mit Bossa-Nova-Feeling und rockigerem Anschlag „Hey Joe“ von Jimi Hendrix oder „Something“ George Harrison interpretiert hätte. Die Sinti-Jazzgitarristen Biréli Lagrène und Stochelo Rosenberg hatten damals mitgewirkt, beide sind nun auch auf dem Live-Album zu hören. Als weitere Gastmusiker brachten bei diesen Konzerten die Gitarristen Stochelo Rosenberg (Niederlande) und Olli Soikkeli (Finnland) ihre Spielfreude und Virtuosität ein. Für ihre Improvisationen verwendeten Joscho Stephan und seine Friends auch Material des Jazz-Urahnen Duke Ellington und von Country-Guitarpicker Chet Atkins.

Winfried Dulisch

✪ Django Reinhardt, Quint. du Hot Club de France

Verve/Universal (CD, LP)

Lyle Lovett kannte noch nie Grenzen, die er einhalten wollte. Der Sänger und Schauspieler aus Houston, Texas, startete wie Dwight Yoakam und Steve Earle in einer Country-Szene, die weniger auf Mainstream setzte denn auf Originalität. Zunehmend fügte er Tupfer aus Folk, Jazz und Blues in seine Musik ein. Dieser Mix strahlt auch aus der ersten Studioarbeit seit zehn Jahren. Mit dem Instrumental „Cookin’ At The Continental“ von Horace Silver startet der 64-Jährige einen unterhaltsamen Trip, in dem die Saiten swingen, die Pianomelodien funkeln und die Blechinstrumente jubilieren. Seine Stimme schmiegt sich durch Diana Kralls Ballade „Gee Baby, Ain’t Good To You“, und er peppt Nat King Coles „Straighten Up And Fly Right” hübsch auf.

Willi Andresen

✪ Lyle Lovett (1986), Release Me (2012)

Stockfisch Records/In-Akustik (Hybrid-SACD, LP 180g)

Für sein fünftes Album stellte Steve Folk neue und einige ältere, neu arrangierte Lieder zusammen, eines schöner als das andere. Folk besingt ewige wie vergängliche Werte, beobachtete wie erlebte Alltagsgeschichten. Mit heller Stimme transportiert der Liedermacher Einfühlungsvermögen – Wehmut und warmherziger Charme mischen sich. Labelmates wie Ian Melrose (Dobro, Gitarre, Low Whistle), Jens Kommnick (Bouzouki, Gitarre) oder Ulla van Daelen (Harfe) und Hans-Jörg Mauksch, dessen bundloser Bass eine Art Markenzeichen des Stockfisch-Sounds geworden ist, bereichern die Klangpalette. Lea Morris und Hanna Carlson singen engelsgleich im Chor. Günter Pauler und Inés Breuer haben warm und transparent aufgenommen.

Lothar Brandt

✪ Allan Taylor: There Was A Time

Anti-Records/Indigo (CD, Doppel-LP)

Die Magie des Moments strahlt auch nach elf Jahren noch. Wenn Mavis Staples den Gospel „Farther Along“ live, a capella und erstmals auf Tonträger anstimmt, dann heißt das Gänsehaut pur. Der Auftritt gehört zu den Highlights eines Konzerts in Levon Helms Studio-Scheune in Woodstock. Es war der letzte Auftritt des Band-Drummers, der 2012 dem Kehlkopfkrebs erlag. Wer hätte gedacht, dass die Ballade „This May Be The Last Time“ so bittersüßen Nachhall erhält. Mavis Staples groovte mit rauem Timbre durch R’n’B-Songs und Freiheitshymnen wie „This Is My Country“ oder Helms „When I Go Away“. Das Finale krönte dann der Kollege: Levon Helm erhob an jenem Abend erstmals seine Solostimme und sang die Band-Hymne „The Weight“.

Willi Andresen

✪ The Staples Singers, The Band

Ear Music (CD, 2 LPs 180g auch Orange, Pink, Purple)

Bereits mit seinem starken 87er-Debüt „Surfing With The Alien“ zog es den New Yorker Top-Gitarristen ins imaginäre Sound-Weltall, geprägt von Saiten-Springereien. Auf dem „Mars“ tanz der 65-Jährige nun wieder mit elefantösen sphärischen Klangkaskaden, an denen er selbst gerne die Lunte seiner blitzschnell entzündbaren Läufe legt – so im Opener „Sahara“ mit fragilem Nahost-Arab-Flair. Der Titeltrack tobt sich mit Industrial-Anleihen und E-Gitarren-Stakkatos aus, „Blue Foot Groovy“ spielt später groovig mit Funk & Blues, während „Tension And Release“ dem Rock frönt und „E 104th St Nyc 1973“ federleicht swingend-jazzy daher kommt. Ein abwechslungsreiches, beinahe perfekt produziertes Gitarrenwerk mit souveränem handwerklichen Talent.

Claus Dick

✪ Steve Vai, John Petrucci

Chocolate Frog Records (Doppel-CD)

Derek William Dick, Künstlername: Fish, ließ den letzten Gig seiner 2018-Tour mitschneiden. Neben vier Songs, die später auf seinem „Weltschmerz“-Album erschienen, präsentierte er an diesem Abend das komplette Repertoire von „Clutching At Straws“ der Progrocker Marillion. Auf dem Album war Fish 1987 zum letzten Mal als Marillion-Sänger zu hören. Bei diesem Live-Remake in Glasgow kostete der schottische Sänger die Heimspiel-Atmosphäre aus und alberte zwischen den Songs mit dem Publikum. Er wechselte dabei ständig zwischen Scat-Gesang, Rap und Dialekt-Storytelling hin und her. Der CD-Hörer ignoriert die musikalische und klangliche Mittelmäßigkeit der Begleitgruppe, denn Fish überzeugt als Chef im Ring.

Winfried Dulisch

✪ Genesis, Talking Heads

Freiräume

AUDIO-Mitarbeiter Winfried Dulisch hört Musikschaffende aus der Ukraine

Als die ukrainische Sängerin und Pianistin Tamara Lukasheva 2020 ihre avantgardistische „Gleichung“ einspielte, schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Doch in ihren Vertonungen von Texten deutscher Dichter wie Novalis, Brentano und Rilke schwingen düstere Vorahnungen mit: In all ihrem Flüstern und Schreien offenbaren sich Ungewissheit und Angst, denn sie entlarvt einige romantische Lyrikzeilen als Schreckensmeldungen.

Mit „Sonce u Serci” (dt: Sonne im Herzen) singt Viktoria Leléka. Die Ukrainerin verbindet Freiheiten eines fabulierenden Geschichtenerzählers mit jazziger Coolness und folkloristischer Sangesfreude. Westeuropäische Ohren erkennen vielleicht erst mit Verspätung den Reiz ihrer Melodien. Doch die hauchende, leicht rauchig klingende Stimme zwingt zum Hinhören. Ihr Trio (Piano, Kontrabass, Drums) webt für jeden ihrer Songs einen filigranen Klangteppich. Der Abwechslungsreichtum von traditioneller Musik aus der Ukraine zeigt sich in „Songs & Dances Of The Ukraine“. Das Volkslied-und Tanz-Ensemble Suzirya (Geigen, Akkordeon, Klarinette, Bass und ein Hackbrettartiges Cimbalom) spannt den Raum vom rustikal-deftigen Instrumentalstück bis zu religiösen Chorgesängen.

Die Folkloregruppe Veseli Muzyky klingt durchgängig tänzerisch heiter, wenn sie „From Kiev To The Black Sea“ mit flotten Schritten ihre Heimat durchwandert. Diese CD zeigt, welch schmerzhafte Lücke bleiben wird, wenn die ukrainische Volksmusik zwischen Kiew und dem Schwarzen Meer verstummen sollte.