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AARON GORDON BEI DEN NUGGETS: DAS LETZTE TEIL IM CHAMPIONSHIP-PUZZLE?


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 20.05.2021

ANALYSE

Artikelbild für den Artikel "AARON GORDON BEI DEN NUGGETS: DAS LETZTE TEIL IM CHAMPIONSHIP-PUZZLE?" aus der Ausgabe 6/2021 von Basket. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Basket, Ausgabe 6/2021

In den ersten 15 Partien für die Nuggets traf Gordon 52% seiner Würfe – Karrierebestwert!


Nach der phänomenalen Playoffreise in Orlando kamen die Denver Nuggets in dieser Spielzeit nur schwer in Tritt. Die wilde, erfrischende Spielweise aus der Bubble ließ sich nur selten in der heimischen Ball Arena beobachten. Zu schnell kam die neue Saison, zu groß war die Erschöpfung nach der kräftezerrenden Corona-Spielzeit. Die Mannschaft, die nur wenige Monate zuvor mit fesselndem Offensivbasketball begeisterte, wirkte plötzlich müde und leer. Die atemberaubenden Playoff-Abende scheinen in weiter Ferne. ...

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Nach der phänomenalen Playoffreise in Orlando kamen die Denver Nuggets in dieser Spielzeit nur schwer in Tritt. Die wilde, erfrischende Spielweise aus der Bubble ließ sich nur selten in der heimischen Ball Arena beobachten. Zu schnell kam die neue Saison, zu groß war die Erschöpfung nach der kräftezerrenden Corona-Spielzeit. Die Mannschaft, die nur wenige Monate zuvor mit fesselndem Offensivbasketball begeisterte, wirkte plötzlich müde und leer. Die atemberaubenden Playoff-Abende scheinen in weiter Ferne. Verletzungen, Corona-Ausfälle und Formschwächen warfen die Franchise aus Colorado immer wieder zurück. Bis auf einen Mann: Nikola Jokic, der die verkürzte Offseason trotz seines nur minder athletischen Erscheinungsbildes kurioserweise spurlos an sich vorbeigehen ließ, hielt die zahnlose Nuggets-Truppe quasi im Alleingang auf Kurs.

Spiel für Spiel lässt er in dieser Spielzeit gestandene NBA-Verteidiger aussehen wie orientierungslose Kleinkinder und legt dabei Zahlen auf als würde er im heimischen Serbien die lokale Dorftrup-pe vermöbeln. Ein möglicher MVP auf einsamer Reise. Denn auch der übermächtige Joker kann nicht alles richten. Ende Februar findet sich Denver auf Platz acht wieder und muss sogar um die Playoffs bangen.

Bei den Nuggets soll Gordon vor allem defensiv gegen Forwards glänzen.


Bis dato eine alles andere als optimale Saison. Und doch wird man zu diesem Zeitpunkt das Gefühl nicht los, dass trotz allem immenses Potential in diesem Team schlummert. Das Talent ist da, die Offensive hochkarätig besetzt und mit Jokic hat man gar einen MVP-Kandidaten in den eigenen Reihen. Was hält dieses Team auf? Wo ist der Haken? Viel fehlt definitiv nicht. Ein Trade, eine Neuverpflichtung könnte diesen ohne jede Frage hochtalentierten Kader von heute auf morgen wieder in die richtige Spur zurückführen. Ein kleiner Energieschub, der den trägen Nuggets-Dampfer wieder in Schwung bringt.

Sieben Siege zum Start

Am 25. März kommt genau dieser Energieschub. Und mit 2,05 Meter Körpergröße und 100 Kilogramm reiner Muskelmaße fällt der zugegebenermaßen gar nicht so klein aus. Mit Aaron Gordon lotst Nuggets-GM Tim Connelly genau den Spieler in die Rocky Mountains, den die Franchise so dringend benötigt. Ein physischer Vierer, der defensiv den Unterschied ausmacht und sich offensiv nahtlos einfügt. Der traumhafte Fit ist vom ersten Tag an nicht zu übersehen. Mit dem 25-Jährigen an Bord gewinnt Denver sofort sieben Spiele in Folge und insgesamt elf der ersten 13 Partien. Gordon überzeugt dabei nicht mit außergewöhnlichen Scoring-Auftritten, beeindruckenden Highlight-Reels oder einem prall gefüllten Statsheet.

Gordon nimmt bei den Nuggets nur 2,9 Dreier pro Spiel–Career-Low!


Der ehemalige Go-to-Guy der Orlando Magic übernimmt die unangenehmen, schmutzigen Aufgaben. Hier ein harter Off-Ball-Block, da ein forciertes Offensivfoul. Gordon füllt den „unsichtbaren Statistikbogen“, ist für die Aufgaben zuständig, die der Gelegenheitszuschauer vor dem TV meist gar nicht wahrnimmt. Es sind genau die Aufgaben, die bei den Nuggets seit seiner Ankunft den Unterschied ausmachen. „Es spricht für Aaron, dass er nicht hierhergekommen ist, um herauszustechen“, lobt Headcoach Michael Malone. „Er ist hierhergekommen, um sich einzuordnen. Er will Teil eines Championship-Teams sein. Wir haben eine Mannschaft, die besonders offensiv zu den besten der Liga gehört, das hat er von Anfang an verstanden und für diese selbstlose Art verdient er großen Respekt.“

Gordons Rolle hat sich vom einen auf den anderen Tag schlagartig verändert. Während er in Orlando zumeist als Spielmacher agierte und neben Nikola Vucevic Führungsspieler war, ist er in Denver gerade mal Option Nummer fünf. Statt Iso-Plays und Post-Ups gehören nun Cuts und knallharte Defense zu seinen Hauptaufgaben. Eine ungewohnte Position, nach sieben Jahren als Hoffnungsträger in Orlando. Doch Gordon hat sich überraschend schnell mit der neuen Rolle angefreundet. Fast wirkt es so, als wäre er erleichtert, nicht mehr die Hauptlast auf seinen Schultern tragen zu müssen. Seine Spielweise passt ohnehin viel besser in eine Funktion als „Schweizer Taschenmesser“. Der sogenannte Glue-Guy, der die Mannschaft wie fester Klebstoff zusammenhält.

83 Prozent direkt am Korb

„Er rückt uns alle auf unsere ursprünglichen Positionen zurück“, bestätigt Shooting Guard Will Barton. „Besonders in der Defense kann ich wieder gegnerische Guards verteidigen, anstatt gegen größere Forwards andauernd im Mismatch agieren zu müssen. Das nimmt uns einerseits Druck, andererseits können wir mit ihm alles problemlos und flexibel switchen.“ Doch nicht nur Will Barton profitiert von Gordons Defensivqualitäten, sondern insbesondere Youngster Michael Porter Jr.

Auch wenn sich Porter mittlerweile vom defensiven Totalausfall zur Kategorie „stets bemüht“ gemausert hat, ist er weiterhin die Achillesferse der Nuggets-Verteidigung. Durch Gordons Athletik und physischer Präsenz kann sich Porter nun allerdings den ein oder anderen Fehltritt erlauben, ohne dass das Verteidigungskonzept direkt in seine Einzelteile zerfällt. Außerdem kann Gordon die schwergewichtigen Power Forwards übernehmen, während der schmalere Porter sich auf die gegnerischen Dreier fokussiert. Das hilft den Nuggets nicht nur defensiv, sondern verschafft „MPJ“ gleichzeitig mehr Energie für sein aufstrebendes Offensivspiel. Seit Gordons Ankunft hat der 22-Jährige seinen Scoring-Average auf 22,1 Punkte gehoben, liefert zudem im Schnitt acht Rebounds und einen Block pro Partie – gepaart mit exzellenten Wurfquoten.

Ein weiterer unbemerkter Nebeneffekt, der Gordons Bedeutung für die Franchise, trotz der erst kurzen gemeinsamen Zeit, einmal mehr unterstreicht. „Seine größte Stärke sind für mich die defensive Flexibilität und seine Athletik“, gerät Headcoach Malone, angesprochen auf seinen neuen Schützling, abermals ins Schwärmen. „Mit seiner Größe und Power kann er zu jederzeit den Unterschied ausmachen.“

Während Gordon defensiv den Ton angibt, ordnet er sich offensiv der großen Jokic-Show unter. Ob in der Funktion der Stretch-Four als Shooter aus den Ecken oder als Cutter in der fein geölten Jokic-Passmaschinerie. Im Mittelpunkt steht Gordon nicht, doch seine Aufgaben erfüllt er bravourös. Die Anzahl der Corner-Threes, wo er mit 43 Prozent Trefferquote seinen allgemeinen Dreierschnitt deutlich übertrumpft (30%), hat sich im Vergleich zu seiner Zeit in Florida verdreifacht. In unmittelbarer Korbnähe schließt er durch die perfekt getimten Zuspiele des Jokers sogar mit 83 Prozent ab. Ebenfalls ein großer Fortschritt, verglichen mit 66 Prozent Trefferquote zu Orlando-Zeiten.

„In der Kabine erzählt er uns immer wieder, dass er noch nie so leicht zu Punkten kam wie hier“, erzählt Aufbauspieler Monte Morris mit breitem Grinsen. „In unserem Team kannst du alleine durch gut getimte Cuts problemlos 15 bis 20 Punkte auflegen. Wir haben den besten Passing-Center der gesamten Liga, er findet dich immer und überall.“

Man merkt: Aaron Gordon und die Denver Nuggets, das passt einfach. Umso erstaunlicher, dass General Manager Tim Connelly mit Gary Harris, R.J. Hampton und einem geschütz ten Erstrundenrundenpick im Jahr 2025 nicht besonders viel abgeben musste, um Gordon aus Orlando loszueisen. Den Nuggets soll es recht sein, denn der Franchise bietet sich so in den kommenden Jahren möglicherweise eine einmalige Chance. Es passiert nur sehr, sehr selten, dass einem Small-Market-Team wie Denver drei Franchise-Player zur selben Zeit und dann auch noch in ihrer Prime zur Verfügung stehen. Mit Jokic, Murray und Porter Jr., hat man in Denver gleich drei Riesentalente die alle unter 26 Jahre alt sind. Schafft es GM Tim Connelly um das Trio herum ein konkurrenzfähiges Team aufzubauen, könnte den Nuggets die größte Zeit in ihrer Franchise-Geschichte bevorstehen.

Der perfekte Glue-Guy

Den „Big Three“ einen Glue-Guy an die Seite zu stellen, kann dabei der entscheidende Unterschied im Kampf um die Meisterschaft sein. Die letzten Jahre haben es gezeigt: Draymond Green in Golden State, Kyle Lowry in Toronto oder Rajon Rondo bei den Lakers.

Neben dem Star-Trio braucht es diesen einen Typen, der sich nicht scheut sich die Hände schmutzig zu machen. Aaron Gordon könnte genau dieser Spieler für die Zukunft der Nuggets sein. In dieser Saison wird es mit dem bitteren Verlust von Jamal Murray zwar schwer, doch für die kommenden Jahre könnte die Verpflichtung von Aaron Gordon im Rückblick das entscheidende Teil im Championship-Puzzle der Denver Nuggets sein.

Bei den Nuggets steht Gordon seit dem Trade 26,5 MIN auf dem Feld.

DER GORDON-EFFEKT

Von Tag eins an wirken die Denver Nuggets mit Aaron Gordon wie ausgewechselt. Besonders in der Defensive ist die Franchise aus den Rocky Mountains seit der Ankunft des 4. Pick des 2014er Drafts sofort spürbar besser. Gordon nimmt die Rolle des so lange gesuchten „bulligen Stretch-Vierers“ ein, der Michael Porter Jr. in der Defense entlastet und sich offensiv nahtlos einfügt. Das Ergebnis: Bis zu Murrays tragischer Verletzung outscorte die neue Starting-Five der Nuggets ihre Gegner um schwindelerregende 16,8 Punkte pro Spiel!