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Ab 2019 erste resistente Sorten


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 40/2018 vom 06.10.2018

Rund 70 Buchsbaumexperten aus dem In- und Ausland, viele aus bekannten Parks und Gärten (Herrenhäuser Gärten, Planten und Blomen, Großsedlitz, Schwerin, Lütetsburg, Weilburg), hatten sich am 30. August zum Bad Zwischenahner Buchsbaum-Symposium in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Bad Zwischenahn eingefunden. VonRenate Dierks


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Bildquelle: TASPO, Ausgabe 40/2018

Ein Rundgang über die Versuchsfelder rundete die Veranstaltung ab.


Von links: Björn Ehsen, Dr. Thomas Brand, Dr. Gerlinde Michaelis, Peter Houska, Didier Hermans und Heinrich Beltz.


Weitere Besucher des Buchsbaum-Symposiums waren Vertreter der Deutschen ...

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... Buchsbaumgesellschaft, des Bundessortenamtes und Spezialisten aus dem Pflanzenschutzbereich. Leider waren nur sehr wenige GaLaBau-Unternehmer der Einladung gefolgt.

Die Produzenten selbst scheinen zum Teil schon mit dem immerwährenden Thema der Buxus-Problematik abgeschlossen zu haben. „Es hätten ein paar mehr Baumschuler (mit BluZie-Buchsbaumproduzenten etwa 20, davon zehn aus dem Ammerland) sein können“, bemerkte Heinrich Beltz von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn angesichts der Gästestruktur.

Im ersten Beitrag befasste sich Dr. Thomas Brand von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit den Hintergründen und dem aktuellen Stand zum Thema Buchsbaumblattfall durch den PilzCylindrocladium buxifolia und dem Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis ).

„Immer wieder kontrovers diskutierte Themen, die noch vor 15 Jahren niemanden hierher gelockt hätten“, erklärte Brand und weiter: „Der Pilz lässt sich niemals komplett ausrotten, sondern nur managen“. Besonderer Schwerpunkt sei auf gesundes Material und insbesondere auch auf Hygienemaßnahmen wie auch auf das sofortige Eliminieren befallener Pflanzen zu legen. Allerdings sind aufgrund der augenblicklichen Trockenheit und Wärmeperioden in diesem Jahr aktuell keine Pilzschäden zu vermelden.

Eingeschleppt durch Buxusimport

Der Buchbaumzünsler entwickelt sich mit seinem weiteren Vormarsch in den Norden Deutschlands mittlerweile zu einem immer größeren Problem. „Was der Pilz nicht schafft, der Zünsler frisst es auf “, fasste Brand zusammen.

Ursprünglich stammt der Zünsler aus Südostasien, China, Korea, Japan und dem Fernen Osten und gelangte wahrscheinlich überBuxus -Importe im Jahr 2006 über Rotterdam nach Europa. Mittlerweile ist der Zünsler in allen Bundesländern vertreten und seit 2013 vereinzelt auch im Ammerland zu beobachten. Der Zünsler bewegt sich derzeit nach Osten und ist 2015 bereits in der Ukraine aufgetreten.

Bei denBuxus -Arten und -Sorten scheint es Unterschiede im Fraßbefall zu geben, so werden bevorzugtBuxus sempervirens -Arten befallen, wenn allerdings diese nicht vorhanden sind, geht der Zünsler auch aufBuxus microphylla- Sorten. Der Schabefraß ist typisch für den Zünsler, in kurzer Zeit sind komplette Pflanzenbestände kahl gefressen.

Keine Buxussorte wird verschont

Heinrich Beltz ging in seinem Vortrag nochmals auf die Sortenunterschiede beim Befall durch Schaderreger wie den Buxuspilz ein. „Sorte, Standort, Pflege, Witterung, Zufall – 1.000 andere Gründe können zum Befall beitragen“, beschrieb Beltz.Buxus microphylla- Sorten zeigten sich in den Praxisversuchen allgemein widerstandsfähiger gegen Schaderreger, seien aber vom Gärtner aufgrund der Wuchseigenschaften nicht unbedingt gewollt. In ersten Versuchen im Pflanzenschutzamt Niedersachsen wurden schon 2005 deutliche Unterschiede in der Sortenempfindlichkeit gegenüber dem Erreger des BlattfallsCylindrocladium buxifolia (C.pseudonaviculata beziehungsweiseCalonectria henricotiae ) festgestellt, weshalb größere Versuche notwendig erschienen. Im Frühjahr 2007 wurde in der LVG Bad Zwischenahn der erste dortige Versuch zur Empfindlichkeit verschiedener Buchsbaumsorten gegen den Blattfall angelegt. Die Gesundheit der Pflanzen wurde bis zum Herbst 2011 jährlich benotet.

Das Fazit: KeineBuxus -Sorte werde völlig verschont, aber es gebe deutliche Unterschiede in der Widerstandskraft gegen die Pilz-Infektionen. Wie auch Beobachtungen in Praxispflanzungen bestätigen, können manche Sorten wie ‘Falkner’ oder ‘Herrenhausen’ auf nicht zu feuchten Standorten trotz leichten Blattfalls einen akzeptablen Zustand bewahren.

Resistente Sorten in Belgien

Im Vortrag von Didier Hermans, Baumschule Herplant aus Beerse (Belgien), ging es um die Züchtung resistenter Sorten gegen den Buxuspilz. „Es klingt, als hätte derBuxus keine Zukunft. Er hat aber sehr wohl eine Zukunft!“, erklärte Hermans. Wichtig sei es, bei der Züchtung die genetischen Hintergründe möglichst breit zu legen. „Bei der Bekämpfung des Pilzes müssen wir wirksame Fungizide verwenden, um mit weniger Spritzungen im richtigen Moment auszukommen.“

Überträger der Infektionen ist vor allem der Mensch, aber auch Vögel oder andere Tiere. Feuchte Witterung und ein durchgehender Wasserfilm auf den Blättern begünstigt den Verlauf der Pilzerkrankung. Neue, resistenteBuxus -Hybriden können die Lösung des Problems sein. Didier Hermans hat mittlerweile über 150 Kreuzungen durchgeführt. Es wurden über 100 Kreuzungskombinationen geprüft.

Aus über 10.000 Sämlingen im Jahr 2007 sind bis zum heutigen Tag vier Typen für unterschiedliche Ansprüche selektiert worden. Durch DNA-Analysen wurden die Verwandtschaftsverhältnisse dieser Sämlinge festgestellt. „Jede Sorte hat einen unterschiedlichen genetischen Hintergrund“, beschrieb Hermans. Es handelt sich um einen flachwachsenden Typ in der Art eines Bodendeckers sowie drei aufrecht wachsende Selektionen.

Die kommerzielle Markteinführung der Pflanzen soll mit einer Gesamtmenge von 200.000 Stück im Jahr 2019 erfolgen. Die Sorten sind zum internationalen Sortenschutz angemeldet. Erste Pflanzen werden auf der Messe GrootGroenPlus in Zundert (Niederlande) in diesem Jahr vorgestellt. Es wird vorerst eine Alleinvermehrung durch Herplant geben, zu einem späteren Zeitpunkt sollen auch Lizenzvermehrungen vergeben werden. Ob sich diese Züchtungen in der Praxis bewähren, muss die Zukunft zeigen.

Steine statt Buxus?

Peter Houska von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Hannover- Ahlem bezeichneteBuxus allgemein als die Lieblingspflanze der Friedhofsgärtner. Entwicklungen und Trends in der Grabgestaltung und Veränderungen in der Begräbniskultur verdrängen aber mittlerweile in vielen Fällen die Pflanze. „Hartnäckig hält sich das Gerücht, Kies- und Schotterflächen seien pflegeleicht“, sagte Houska. Steine ersetzenBuxus als geometrisches Gestaltungselement. Feinde desBuxus seien also heute vor allem der Zünsler und die Steine!

Durch den Strukturwandel hält derzeit eine andere Art von Natur Einzug auf die Friedhöfe. Rasengräber, Urnenfelder, Friedwälder nehmen immer mehr zu. Informationen für Verbraucher seien wichtig, um der Vermulchung und Versteinerung der Friedhöfe entgegenzuwirken. Buchsbaum-Alternativen sind möglich. Es müsse aber von den Ausführenden mehr Bereitschaft entwickelt werden, wieder wie ein Gärtner zu denken. Auch sei ein besseres Verständnis für kleinere Kunden mit Bedarf an geringeren Stückzahlen erforderlich. „Alle, die hier sitzen, können nur über gutes Marketing und über ein zuverlässiges Produkt am passenden Standort dafür sorgen, dass die Versteinerung aufhört“, so Houska.

Kein Ersatz ist perfekt

Auf mögliche Alternativen mit ihren Vorund Nachteilen ging Björn Ehsen ein. Während bei der Verwendung vonBuxus als immergrüner Alleskönner“ kaum Fehler zu machen seien, sind bei vielen der vorgestellten Ersatzpflanzen unterschiedliche Kriterien wie Winterhärte, Standort und Wuchscharakter zu beachten.Ilex -Sorten, immergrüneBerberis ,Euonymus- Sorten,Lonicera ,Taxus -Sorten und Koniferen sowie flachwachsende Staudenarten wieTeucrium undThymus waren einige der vorgestellten Alternativsorten. Aber auch Markennamen wie Bloombux (Rhododendron micranthum ), Buxilex, Robustico oder Buxbol standen zur Diskussion als Ersatz für denBuxus .

Die Autorin

Renate Dierks ,
Gärtnerin Fachrichtung Baumschule, Marketing für Baumschule Bruns


Fotos: Renate Dierks