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AB IN DEN PARCOURS: EXTREME TRAIL: Über Stock und über Stein


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Es muss nicht immer ein Springoder Vielseitigkeitsparcours sein. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Extreme Trail? Bestehendaus Naturhindernissen ist dieser einespannende Herausforderung für Pferd und Mensch


Artikelbild für den Artikel "AB IN DEN PARCOURS: EXTREME TRAIL: Über Stock und über Stein" aus der Ausgabe 100/2018 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 100/2018

Die Cross Bucks, ein Baumstammhindernis mit wechselseitig erhöhten Stämmen, werden meist zu Beginn des Trainings in Angriff genommen


Der Weg führt zuerst über eine Reihe von Baumstämmen, bevor er über einen schmalen Pfad zu einer Hängebrücke gelangt. Nachdem diese Herausforderung gemeistert ist, muss der Quarter Horse-Wallach noch das für ihn anspruchsvollste Hindernis bestehen: einen ...

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... Wassergraben. Dieser soll nicht etwa übersprungen, sondern durchquert werden. Schnaubend nähert sich der Wallach dem Graben, zögert kurz, vertraut schließlich doch auf seine Reiterin und watet zügig durch den Wassergraben. Dieser Weg hört sich nach einem abenteuerlichen Ritt in einer wilden Bergregion, beispielsweise den Rocky Mountains, an. Knapp daneben: Es ist ein kleiner Ausschnitt des Extreme Trails Pauwels in Hilchenbach (NRW). Der knapp 7.500 Quadratmeter große Park ist mit seinen unterschiedlichen Herausforderungen ein wahrer Abenteuerspielplatz für Pferde.

An der Gestaltung hat kein Geringerer als Mark Bolender mitgewirkt, einer der Gründer der International Mountain Trail Challenge Association (IMTCA) und Vorreiter dieser Disziplin. „Durch ihn kam ich überhaupt erst auf die Idee, einen solchen Park in Deutschland bauen zu wollen“, erzählt Noémie Pauwels, die Inhaberin des Extreme Trails Pauwels. Nachdem sie verschiedene Videos von Bolender und seinem Pferd Checkers bei der Bewältigung eines Extreme Trails im Internet gesehen hatte, war für Pauwels schnell klar: An so etwas hätten ihre Pferde sicherlich auch Spaß. „Außerdem züchtet meine Familie die amerikanische Gangpferderasse Missouri Foxtrotter, die für ihre Trittsicherheit und Nervenstärke bekannt ist. Durch einen Extreme Trail lassen sich die Vorzüge dieser Rasse in der Ausbildung noch besser trainieren und für potenzielle Interessenten hervorheben.“ Im Jahr 2015 setzte Noémie Pauwels ihren Wunsch in die Tat um und eröffnete den Extreme Trail in Hilchenbach.

Das Wort „Extreme“ ist dabei irreführend, da es in einem solchen Park nicht darum geht, die Naturhindernisse möglichst schnell oder möglichst spektakulärer zu überqueren. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd. Noémie Pauwels erklärt: „Durch die Arbeit im Park wird nicht nur das Vertrauen zwischen Mensch und Pferd verbessert, sondern die gesamte Beziehung gestärkt. Mit jedem Hindernis wachsen beide mehr zusammen, sodass später anspruchsvollere Hindernisse kinderleicht erscheinen.“

Zwischen Baumstämmen und Wassergräben

Ein Extreme Trail hat große Ähnlichkeit mit den Begebenheiten in wilden Gegenden wie den weiten Gebirgsketten in den USA. Diese Ähnlichkeit ist gewollt – und die Pferde sollen einige der Vorzüge der dort ansässigen Pferde trainieren: Ausdauer, Trittsicherheit und Mut. Dafür gibt es laut Noémie Pauwels drei Phasen – sowohl vom Boden als auch vom Sattel aus: Teaching (die Lernphase), Instructing (die Anleitung) und Guiding (das Ziel). In der ersten Phase wird das Pferd vor neue Herausforderungen gestellt und soll diese – möglichst alleine und mit wenig Druck durch den Menschen – lösen. „Dadurch werden die Pferde mutiger und selbstbewusster“, erklärt die Expertin. Die Voraussetzung für die zweite Phase ist, dass das Pferd bereits alle Hindernisse und Aufgabenstellungen kennt und überwunden hat. „Nun bekommt das Pferd sozusagen den stilistischen Feinschliff. Das bedeutet, der Reiter beeinflusst zunehmend, wie und in welcher Manier das Pferd die Hindernisse überwindet. Das Pferd soll aufmerksam und sensibel auf die feinen Hilfen des Menschen reagieren“, sagt Noémie Pauwels. Die dritte Phase ist die letzte Stufe der Ausbildung in einem Extreme Trail und erfordert das Bestehen der vorherigen Stufen, so die Trainerin: „Das Pferd soll aufmerksam und willig in korrekter Manier an alle Herausforderungen herantreten und durch feinste Gewichts- und Schenkelhilfen des Reiters zu dirigieren sein. Ziel ist es, dass das Pferd die Aufgaben weitestgehend alleine löst und dennoch aufmerksam auf seinen Reiter reagiert.“

ENTSTEHUNG

Ein Extreme Trail ist angelehnt an die gleichnamige Disziplin aus dem Nordwesten der USA. „Extreme Trail ist eine reitweisen- und rassenübergreifende Disziplin bei der Pferd und Mensch gemeinsam anspruchsvolle Naturhindernisse, wie sie beispielsweise in den Rocky Mountains in den USA vorkommen, überwinden“, erklärt Noémie Pauwels, die Inhaberin des Extreme Trails in Hilchenbach (NRW). Vorreiter auf dem Gebiet des Extreme Trails sind das Ehepaar Mark und Lee Bolender, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, diese Disziplin zu fördern und weltweit bekannt zu machen. Zu diesem Zweck wurde die „International Mountain Trail Challenge Association“ (IMTCA) gegründet, die unter anderem einen internationalen Standard für Hindernisse und ein Regelwerk bietet.

Zunächst werden alle Hindernisse vom Boden aus erarbeitet, bevor es in den Sattel geht


Pferde müssen sich erst an das wacklige Gefühl und den hohlen Klang bei der Brückenüberquerung gewöhnen


Damit sich das Pferd selbstständig den bestmöglichen Weg suchen kann, wird die Führung – sowohl vom Boden als auch vom Sattel aus – relativ lang gelassen. Zudem bekommt das Pferd genug Zeit, um den den Untergrund zu erkunden. Fordert man Eigenverantwortung und das Mitdenken des Pferdes, muss die Ausführung der Aufgaben auch an dessen individuelles Tempo angepasst werden. Außerdem werden durch die Hindernisse auch Rhythmus, Takt und Durchlässigkeit des Pferdes trainiert, allesamt Punkte der Ausbildungsskala. Neben diesen positiven Auswirkungen bietet der Besuch im Extreme Trail eine spaßige Abwechslung – und kann auch für unerfahrene oder ängstliche Pferd-Mensch-Teams ein sicheres Trainingsumfeld als Vorbereitung für verschiedene Geländesituationen darstellen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Hindernisse eines Extreme Trails nicht nur viele positive Auswirkungen auf die Psyche und die Ausbildung des Pferdes haben, sondern ein sehr gutes Muskeltraining sind – insbesondere für den Rücken und die Hinterhand. Noémie Pauwels erklärt, warum nicht nur der Vierbeiner von der Arbeit im Extreme Trail profitiert: „Der Mensch erhält eine bessere Koordination, ein exakteres Timing in der Arbeit mit dem Pferd und wird vor allem eines gelehrt: Geduld. Jedes Pferd hat sein eigenes Lerntempo und braucht mal kürzer, mal länger, um sich bei manchen Aufgaben zu überwinden.“

Viel Spaß und wenig Bedingungen

Ein Extreme Trail eignet sich für alle Pferde und Reiter – unabhängig von der Reitweise, dem Ausbildungsstand oder dem Alter. Mit einem gesunden Pferd können alle Hinder-nisse bewältigt werden. Bei gesundheitlichen Einschränkungen, beispielsweise Arthrose oder ausgeheilten Sehnenverletzungen, wird auf die Vorerkrankung Rücksicht genommen und dementsprechend einige Hindernisse ausgelassen. „Vom Minishetty über Mulis bis zu einem 1.200 Kilogramm schweren Giganten hatten wir schon alle möglichen Pferde im Park“, erzählt Noémie Pauwels. Grundvoraussetzung für ein Training im Extreme Trail Park ist lediglich die Halfterführigkeit des Pferdes. In den Jungpferdekursen können bereits Jährlinge spielerisch einige der Hindernisse kennenlernen.

AUSRÜSTUNG

Zunächst werden alle Hindernisse vom Boden aus erarbeitet. Zu diesem Zweck eignet sich am besten ein Knotenhalfter oder ein gut sitzendes Stallhalfter mit einem Arbeitsseil. Es dürfen keine Longen oder Seile mit Panikhaken verwendet werden. Für den gerittenen Teil gibt es keine vorgeschriebene Ausrüstung: gebisslos oder mit Gebiss, Western- oder Springsattel, jede Reitweise und Ausrüstung ist willkommen, solange sich Pferd und Reiter damit wohlfühlen. Empfehlenswert sind Gamaschen, um Verletzungen an den Beinen zu verhindern. Ebenso wird das Tragen eines Reithelms empfohlen – für Reiter unter 18 Jahren besteht Helmpflicht. Pferde dürfen barhuf, beschlagen oder mit Hufschuhen den Park betreten, verboten sind jede Art von Stiften oder Stollen im Hufschutz.

Ausprobieren lohnt sich!

Durch eine schrittweise Steigerung der Anforderungen für Mensch und Pferd wird die Verletzungsgefahr so gering wie möglich gehalten. „Bislang gab es nur ein paar leichte Abschürfungen an den Beinen, wenn keine Gamaschen verwendet wurden“, beruhigt die Betreiberin. Dazu trägt auch die wetterfeste Gestaltung des Parks bei, da die Untergründe und Böden auch bei schlechtem Wetter sicheren Halt geben. Lediglich bei hohen Minusgraden werden die Wasserhindernisse gesperrt, da eine dicke Eisschicht gefährlich werden könnte. Der Extreme Trail Park in Hilchenbach hat eine Vielzahl an Hindernissen zu bieten – von Baumstämmen über Wassergräben bis hin zu unterschiedlichsten Brücken. Unter anderem befindet sich dort die mit acht Metern längste Hängebrücke für Pferd in Europa. Hat man diese gemeinsam mit seinem vierbeinigen Partner überwunden, schafft man auch alle anderen Herausforderungen. Fast jedes Hindernis lässt sich in verschiedenen Schwierigkeitsgraden überwinden, sodass sowohl fortgeschrittene als auch unerfahrene Pferd-Mensch-Paare voll auf ihre Kosten kommen. „Bei einigen Hindernissen ist es erforderlich, das Pferd genau zu manövrieren und auch Lektionen wie eine Vor- oder Hinterhandwendung oder Schenkelweichen können erforderlich werden“, fasst Noémie Pauwels zusammen.

Noémie Pauwels bietet sowohl Einsteiger- als auch Fortgeschrittenenkurse auf der Anlage an, auch Einzelstunden sind möglich. Sie selbst hat bei Mark Bolender in den USA eine Trainerausbildung absolviert und steht den Teilnehmern zur Seite. Nach einem Tag auf diesem Abenteuerspielplatz“ werden Sie und Ihr Pferd sicherlich leicht erschöpft und mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen ins Bett beziehungsweise in die Box fallen.

Auch Ponys können die Hindernisse im Park problemlos absolvieren


UNSERE EXPERTIN

NOÉMIE PAUWELS hat bereits seit ihrer Kindheit mit Pferden zu tun und hat sich stets vielseitig weitergebildet: Unter anderem ist sie geprüfte Gelände- und Wanderreiterin, Ausbilderin für Richter im Extreme Trail der IMTCA sowie studierte Pferdefachwirtin. Seit 2015 leitet sie ihren eigenen Extreme Trail Park in Hilchenbach (NRW).
www.extreme-trail-pauwels.de


Fotos: Madith Pauwels