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Abenteuer AFRIKA


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 41/2021 vom 08.10.2021

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 41/2021

Nah dran: Gesa Neitzel begrüßt einen Elefanten vor ihrem Zelt

Das Löwenpärchen streift durchs hohe Gras. Als sie die Großkatzen entdeckt, stockt Rangerin Gesa Neitzel in ihrem Versteck hinter einem Termitenhügel der Atem: Die beiden strotzen vor Kraft. Nur 30 Meter sind die Raubtiere, die bis zu 80 Stundenkilometer schnell werden, entfernt. So nah ist Neitzel ihnen zu Fuß noch nie gekommen. Ihr Glück, dass die Löwen miteinander beschäftigt sind. Sie streifen ihr Fell anei nander, beschnuppern sich. Sie sind auf der Suche nach einem Plätzchen für ihr Paarungsritual.

Für Naturerlebnisse wie dieses hat die frühere TV-Redakteurin ihr Leben umgekrempelt, Berlin verlassen und sich auf nach Afrika gemacht. In ihrem neuen Buch „Löwenherzen“ (s. Buchtipp S. 17) beschreibt die 37-Jährige die faszinierende Natur des Kontinents. Hier erzählt sie, wie man im Busch überlebt, wo die Wildnis noch wirklich unberührt wirkt und warum die Coronapandemie auch für die Tiere eine ...

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... große Gefahr ist.

Wildnis statt Großstadtdschungel

Es war die Sehnsucht nach Natur und Entschleunigung, die Neitzel vor knapp zehn Jahren nach Südafrika führte. Wie heißt es so treffend? Die Europäer haben die Uhren, die Afrikaner die Zeit. Bald entwickelte sie die Idee, sich im Kruger-Nationalpark zur Rangerin ausbilden zu lassen. Gut ein Jahr dauerte das damals etwa 10.000 Euro teure Training, das sie mit Ersparnissen und einem Buchvorschuss finanzierte. Für Südafrikaner gibt es vergünstigte Preise, mitunter auch Stipendien.

In der Ausbildung lernte sie Wichtiges über Tiere, etwa wie man ihre Spuren liest. Oder was es bedeutet, wenn Elefanten die Ohren aufstellen: Das tun sie bei Gefahr! Hinzu kommen Sternen- und Pflanzenkunde und Zusatzkurse, in denen es unter anderem um den Umgang mit dem Gewehr geht. Schießen darf man aber nur in absoluter Notlage, etwa wenn ein Löwe keine fünf Meter mehr entfernt ist. Generell sind Waffen nur auf sogenannten Bush Walks erlaubt, wenn man zu Fuß unterwegs ist, nicht auf einer Tour im Jeep. Nach Abschluss der Ausbildung kann man etwa als Safari-Guide arbeiten oder als Ranger in Nationalparks Tiere schützen. Wieder andere machen es wie Neitzel, sammeln Erfahrungen und schreiben Bücher darüber.

"Am schönsten ist der Morgen in der afrikanischen Wildnis. Da passiert am meisten.“

GESA NEITZEL, RANGERIN

Immer wieder zieht es Gesa Neitzel nach Botsuana, Namibia, Sambia, Simbabwe. Unweit des botsuanischen Ortes Nata liegt eine der geradezu magischen Gegenden, die sie so begeistern. Vor rund 200.000 Jahren streiften dort die frühesten gemeinsamen Vorfahren aller Menschen durch eine grüne Landschaft. „Mit meinem Mann Frank wagte ich mich vor in einen Teil Afrikas, der sich der modernen Welt fast gänzlich entzieht“, sagt Gesa Neitzel. „Der Gedanke ist faszinierend, dass hier, inmitten eines Flickenteppichs aus riesigen Seen, bereits vor Zehntausenden Jahren Frauen und Männer ihr Essen jagten und sammelten, um ihre Familien zu versorgen.“ Durch Erdbeben und Klimaveränderungen trocknete die Region im Lauf der Zeit aus. Was vom einst üppigen Feuchtgebiet übrig blieb, sind die Makgadikgadi-Salzpfannen, die zu den größten Salz wüsten der Welt gehören.

Ein rosaroter Himmel voller Flamingos

In der feuchten Jahreszeit erscheinen dort rosafarbene Wolken am Himmel, die aus bis zu 30.000 Flamingos bestehen. Herden von Zebras und Gnus tauchen auf, angezogen vom üppig wachsenden Gras. Für mehrere Monate wimmelt es in der Wüste von Wildtieren wie Elefanten oder Löwen.

Auf ihren Touren haben Gesa und ihr Mann einen treuen Begleiter: ihren Jeep, den sie „Elli“ nennen. „Wir haben zwar immer zwei Extrakanister Benzin dabei, aber wenn ich etwas gelernt habe, dann drei Dinge. Erstens: Wann immer es Benzin gibt – volltanken. Zweitens: Wann immer es Essen gibt – zuschlagen. Drittens: Wann immer es ein Klo gibt – gehen“, sagt Neitzel.

Wichtigste Grundregel: Ruhe bewahren

"Die Tiere haben nur eine Chance, wenn wir sie nicht vergessen.“

GESA NEITZEL, RANGERIN

Auch für den Umgang mit der Tierwelt gibt es Grundregeln. „Begegnet man einem wilden Tier im Busch, ist das Allerwichtigste, nicht wegzulaufen. Jedes Tier da draußen ist schneller als du“, sagt Gesa Neitzel. „Gerade bei Raubtieren löst schnelle Bewegung eher eine Attacke aus. Bei Elefanten darf man nicht schreien oder klatschen, sondern sollte ruhig bleiben und Ausschau nach einem Baum halten, auf den man klettern könnte, oder einem Zelt, in das man krabbelt.“

Unerwartetes passiert im Busch ständig. „Ich bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich an den Moment zurückdenke, als plötzlich ein Spitz maul nashorn vor uns stand. Es beäugte uns argwöhnisch aus sicherer Entfernung, schnaubte kraftvoll durch die Nase und hob seinen schweren Kopf“, erinnert sich Gesa Neitzel. Es war ein Männchen mit einem stattlichen Horn. „Einem der wenigen Exemplare einer vom Aussterben bedrohten Art leibhaftig gegenüberzustehen ist etwas Besonderes. Es fühlt sich fast so an, als würde man einem Dinosaurier in die Augen schauen.“

Comeback einer fast ausgerotteten Art

Weil sie rücksichtslos gejagt wurden, ging die Anzahl der Spitzmaulnashörner im 20. Jahrhundert dramatisch zurück, zwischen 1960 und 1995 sank sie um 98 Prozent, bis es nur noch weniger als 2500 Individuen hab. Die Art stand am Rande der Ausrottung – und schaffte in letzter Minute so etwas wie ein Comeback. Dank anhaltender Schutzbemühungen hat sich die Zahl von ihrem historischen Tiefstand vor 20 Jahren bis heute auf rund 5500 verdoppelt. Kein Grund zur Entwarnung, das Spitzmaulnashorn gilt immer noch als stark gefährdet. Es bleibt viel zu tun, um den Bestand auch nur auf einen Bruchteil dessen zu bringen, was er einmal war.

Es ist der Schwarzmarkthandel mit dem Horn, der die Existenz der seltenen Wildtiere weiterhin stark bedroht. Wilderer schlachten sie brutal ab, um ihre Hörner dann in pulverisierter Form als Allheilmittel zu verkaufen, für horrende Summen, meist nach China oder Vietnam.

„Durch die Coronapandemie hat sich die Situation weiter verschärft“, berichtet Gesa Neitzel. „Weil die Touristen ausbleiben, gelangen Wilderer leichter in die Nationalparks. Zudem sind sehr viele Jobs der Einheimischen weggefallen, ohne dass es Alternativen für sie gibt. Darum verdienen manche ihr Geld nun als illegale Wilderer – oder tun dies schlichtweg, um ihren Familien abends ein Stück Fleisch auf den Teller legen zu können.“ Ein guter Freund aus Botsuana habe in seinem Dorf kürzlich eine Metzgerei aufgemacht, in der er Rindfleisch anbietet, um die Tiere in der Wildnis zu schützen. Die Nachfrage dort sei groß.

Als die Coronapandemie begann, mussten Gesa Neitzel und ihr Mann, der ebenfalls Ranger ist, wie alle internationalen Gäste über Nacht den Kontinent verlassen. Die beiden entschieden sich, in Franks australische Heimat zu f liegen. Nördlich der Stadt Cairns warten sie nun auf den Tag, an dem sie zurückkehren können. Ende des Jahres, so hoffen sie, sollte es so weit sein. Dann wollen sie in Botsuana ein Safari-Unternehmen gründen.

„Ich habe die letzten Monate genutzt, um ,Löwenherzen‘ und weitere Bücher zu schreiben. Je mehr die Menschen über die Einzigartigkeit der Natur dort erfahren, umso mehr sind sie bereit, sie zu schützen“, berichtet die gebürtige Hildesheimerin. Ihre Wahlheimat Afrika vermisst sie jeden Tag. „Wenn ich an den frühen Morgen in der Wildnis denke, werde ich ganz wehmütig. Da ist die Natur am aufregendsten und schönsten, weil am meisten passiert. Wenn die Sonne aufgeht, sind die nachtaktiven Tiere noch unterwegs, die tagaktiven wachen auf. Ein Meer aus Vögeln beginnt zu zwitschern. Sie teilen sich mit, verständigen sich. Man meint zu hören, sie würden f löten: ,Ich habe die Nacht überlebt, du auch? Wie geht es dir heute Morgen?‘“

BUCHTIPP

Gesa Neitzel Löwenherzen: Zwei unterwegs in Afrika Ullstein, 304 S., 16,99 ¤ Die Fortsetzung von Frühstück mit Elefanten aus dem Jahr 2016

Berührende Momente wie diesen kann es nur geben, wenn der Mensch nicht gleichgültig ist, sondern alles gibt, um die Natur zu schützen. Auch aus über 10.000 Kilometern Entfernung setzt Gesa Neitzel sich aktiv dafür ein. „Spenden an gut ausgewählte Tierschutzorganisationen sind unendlich wichtig. Darüber hinaus hilft vor allem eines: laut werden. Petitionen unterschreiben, Beiträge in den sozialen Medien teilen“, sagt sie. „Das Schlimmste, was diesen fantastischen Tieren passieren kann, ist, dass sie in Vergessenheit geraten. Wenn sich niemand mehr um die Existenz der Nashörner, Elefanten oder Löwen schert. Dann haben sie verloren.“

MIRJA HALBIG