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Abenteuer AFRIKA


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TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 21/2021 vom 01.10.2021

DOKU

Artikelbild für den Artikel "Abenteuer AFRIKA" aus der Ausgabe 21/2021 von TV Digital XXL-Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
NAH DRAN Gesa Neitzel begrüßt einen Elefanten vor ihrem Zelt

TV TIPP

Faszination Afrika

DOKU Die Reihe präsentiert die beeindruckende Tierwelt des Kontinents SA 9.10. 21.00 PHOENIX

Das Löwenpärchen streift durchs hohe Gras. Rangerin Gesa Neitzel stockt der Atem, als sie die vor Kraft strotzenden Großkatzen von ihrem Versteck aus beobachtet. Nur 30 Meter sind die Raubtiere noch entfernt, so nah ist sie ihnen zu Fuß noch nie gekommen. Ihr Glück, dass die Löwen miteinander beschäftigt sind. Sie streifen ihr Fell anei nander und beschnuppern sich auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen für ihr Paarungsritual.

Für Naturerlebnisse wie dieses hat die ehemalige TV-Redakteurin Berlin verlassen und sich auf nach Afrika gemacht. In ihrem Buch „Löwenherzen“ (siehe Seite 14) beschreibt die 34-Jährige die faszinierende Natur des Kontinents. In TV DIGITAL erzählt sie, wie man im Busch überlebt, wo die Wildnis noch unberührt wirkt und warum die Coronapandemie ...

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... auch für die Tiere eine große Gefahr bedeutet.

Wildnis statt Großstadtdschungel

Es war die Sehnsucht nach Natur und Entschleunigung, die Gesa Neitzel vor knapp zehn Jahren nach Südafrika führte. Wie heißt es so treffend? Die Europäer haben die Uhren, die Afrikaner die Zeit. Bald hatte sie die Idee, sich im Kruger-Nationalpark zur Rangerin ausbilden zu lassen. Gut ein Jahr dauerte das damals etwa 10.000 Euro teure Training, das sie mit Ersparnissen und einem Buchvorschuss finanzierte. Für Südafrikaner gibt es vergünstigte Preise, mitunter auch Stipendien.

In der Ausbildung lernte sie Wichtiges über Tiere, etwa wie man ihre Spuren liest oder was es bedeutet, wenn Elefanten die Ohren aufstellen (das tun sie bei Gefahr!). Hinzu kommen Sternen- und Pflanzenkunde und weitere Kurse. Als Ranger kann man zum Beispiel als Safari-Guide arbeiten oder in Nationalparks. Wieder andere machen es wie Gesa Neitzel, sammeln Erfahrungen und schreiben Bücher darüber.

Am schönsten ist der Morgen in der afrikanischen Wildnis. Da passiert am meisten.“

GESA NEITZEL, RANGERIN

Immer wieder zieht es Gesa Neitzel nach Botswana, Namibia, Sambia, Simbabwe. Unweit des botswanischen Ortes Nata liegt eine der magischen Gegenden, die sie so begeistern. Vor rund 200.000 Jahren streiften dort die frühesten gemeinsamen Vorfahren aller Menschen durch eine grüne Landschaft. „Mit meinem Mann Frank wagte ich mich vor in einen Teil Afrikas, der sich der modernen Welt fast gänzlich entzieht“, sagt Gesa Neitzel. „Der Gedanke ist faszinierend, dass hier, inmitten eines Flickenteppichs aus riesigen Seen, bereits vor Zehntausenden Jahren Frauen und Männer ihr Essen jagten und sammelten, um ihre Familien zu versorgen.“

Durch Erdbeben und Veränderungen des Klimas trocknete die Region im Laufe der Zeit aus. Was von dem einst üppigen Feuchtgebiet übrig blieb, sind die Makgadikgadi- Salzpfannen, die zu den größten Salzwüsten der Welt gehören. In der feuchten Jahreszeit erscheinen dort rosafarbene Wolken am Himmel, die aus bis zu 30.000 Flamingos bestehen. Herden von Zebras und Gnus tauchen auf, angezogen vom nun üppig wachsenden Gras. Für mehrere Monate wimmelt es in der Wüste von Wildund Raubtieren wie Elefanten oder Löwen.

Wichtigste Grundregel: Ruhe bewahren

Auf ihren Touren haben Gesa und ihr Mann einen treuen Begleiter: ihren Jeep, den sie „Elli“ nennen. „Wir haben zwar immer zwei Extrakanister Benzin dabei, aber drei Dinge habe ich gelernt. Erstens: Wann immer es Benzin gibt – volltanken. Zweitens: Wann immer es Essen gibt – zuschlagen. Drittens: Wann immer es ein Klo gibt – gehen“, sagt Gesa Neitzel.

Auch für den Umgang mit der Tierwelt gibt es Grundregeln. „Begegnet man einem wilden Tier im Busch, ist das Allerwichtigste, nicht wegzulaufen. Jedes Tier da draußen ist schneller als du“, so Gesa Neitzel. „Gerade bei Raubtieren löst schnelle Bewegung eher eine Attacke aus. Bei Elefanten darf man nicht schreien oder klatschen, sondern sollte ruhig bleiben und Ausschau nach einem Baum halten, auf den man klettern könnte, oder einem Zelt, in das man krabbelt.“

Die Tiere haben nur eine Chance, wenn wir sie nicht vergessen.“

GESA NEITZEL, RANGERIN

Gänsehaut-Momente und ein Comeback

Unerwartetes passiert im Busch ständig. „Ich bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich an den Moment zurückdenke, als plötzlich ein Spitz maul nashorn vor uns stand. Es beäugte uns argwöhnisch aus sicherer Entfernung, schnaubte kraftvoll durch die Nase und hob seinen schweren Kopf“, erinnert sie sich. Es war ein Männchen mit einem stattlichen Horn. „Einem der wenigen Exemplare einer vom Aussterben bedrohten Art gegenüberzustehen ist etwas Besonderes. Es fühlt sich fast so an, als würde man einem Dinosaurier in die Augen schauen.“

Weil sie rücksichtslos gejagt wurden, ging die Population der Spitzmaulnashörner im 20. Jahrhundert dramatisch zurück, zwischen 1960 und 1995 sank sie um 98 Prozent, bis es weniger als 2500 Individuen gab. Die Art stand am Rande der Ausrottung – und schaffte in letzter Minute so etwas wie ein Comeback. Dank anhaltender Schutzbemühungen hat sich die Zahl auf heute rund 5500 verdoppelt. Kein Grund zur Entwarnung, das Spitzmaulnashorn gilt immer noch als stark gefährdet. Es ist der Schwarzmarkthandel mit dem Horn, der die Existenz der Tiere weiterhin bedroht. Wilderer schlachten sie brutal ab, um ihre Hörner in pulverisierter Form als Allheilmittel für horrende Summen nach China oder Vietnam zu verkaufen.

„Durch die Coronapandemie hat sich die Situation weiter verschärft“, sagt Gesa Neitzel. „Weil die Touristen ausbleiben, gelangen Wilderer leichter in die Nationalparks. Zudem sind sehr viele Jobs der Einheimischen weggefallen, ohne dass es Alternativen für sie gibt.

Darum verdienen manche ihr Geld nun als illegale Wilderer – oder tun dies schlichtweg, um ihren Familien ein Stück Fleisch auf den Teller legen zu können.“ Ein Freund aus Botswana habe in seinem Dorf kürzlich eine Metzgerei eröffnet, in der er Rindfleisch anbietet, um die Tiere in der Wildnis zu schützen.

Die Nachfrage dort sei groß.

Als die Coronapandemie begann, mussten Gesa Neitzel und ihr Mann, der ebenfalls Ranger ist, wie alle internationalen Gäste über Nacht den Kontinent verlassen. Die beiden entschieden sich, in Franks australische Heimat zu fliegen. Nördlich der Stadt Cairns warten sie auf den Tag, an dem sie zurückkehren können. Ende des Jahres, so hoffen sie, ist es so weit. Dann wollen sie in Botswana ein Safari-Unternehmen gründen.

BUCHTIPP

„Löwenherzen – Zwei unterwegs in Afrika“ ist die Fortsetzung von „Frühstück mit Elefanten“ aus dem Jahr 2016. Ullstein Buchverlage, 304 Seiten, 16,99 Euro

Laut werden, damit die Wildtiere überleben

„Ich habe die letzten Monate genutzt, um ,Löwenherzen‘ und weitere Bücher zu schreiben. Je mehr die Menschen über die Einzigartigkeit der Natur dort erfahren, umso mehr sind sie bereit, sie zu schützen“, sagt Gesa Neitzel. Ihre Wahlheimat Afrika vermisst sie jeden Tag. „Wenn ich an den frühen Morgen in der Wildnis denke, werde ich ganz wehmütig. Da ist die Natur am aufregendsten und schönsten, weil am meisten passiert“, sagt die gebürtige Hildesheimerin. „Wenn die Sonne aufgeht, sind die nachtaktiven Tiere noch unterwegs, die tagaktiven wachen auf. Ein Meer aus Vögeln beginnt zu zwitschern. Man meint zu hören, sie würden f löten: ,Ich habe die Nacht überlebt, du auch? Wie geht es dir heute Morgen?‘“

Berührende Momente wie diesen wird es nur weiterhin geben, wenn der Mensch nicht gleichgültig ist, sondern alles tut, um die bedrohte Natur zu schützen. „Spenden an gut ausgewählte Tierschutzorganisationen sind unendlich wichtig“, findet Gesa Neitzel. „Darüber hinaus hilft vor allem eines: Laut werden. Petitionen unterschreiben, Beiträge in den sozialen Medien teilen“, sagt sie. „Das Schlimmste, was diesen fantastischen Tieren passieren kann, ist, dass sie in Vergessenheit geraten. Wenn sich niemand mehr um die Existenz der Nashörner, Elefanten oder Löwen schert, dann haben sie verloren.“

MIRJA HALBIG