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Abenteuer IM ATLAS


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.12.2018

Der Phaeton ist Geschichte, das Volkswagen-Flaggschiff heißt längst Touareg. Generation drei des großen SUV ist deutlich nobler geworden, setzt in Sachen Infotainment neue Maßstäbe – und wurde in erster Linie für die Straße entwickelt. Das heißt aber nicht, dass man mit dem jüngsten Touareg besser kein Rad mehr abseits des Asphalts setzt. Im marokkanischen Atlas-Gebirge musste der Softroader zeigen, ob er auch noch kraxeln kann.


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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 1/2019

OFF ROAD-Autor Michael Gebhardt kam trockenen Fußes durch das Wadi


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AB AUF DIE PISTE

Das grüne Ourika-Tal verlassen wir nach knapp einer Stunde, biegen auf die kleiner werdende P2030 ab, die sich vorbei an Safran-Krokus-Feldern in die Höhe schlängelt. In Richtung Toubkal, des höchsten Bergs Marokkos und des gesamten Atlasgebirges, das sich von der Küste bis nach Tunesien zieht und den noch mehr oder weniger fruchtbaren Norden Afrikas von der staubtrockenen Sahara-Wüste im Süden trennt. Ganz auf den 4167 Meter hohen Gipfel kommen wir mit dem Touareg nicht, auf den letzten tausend Höhenmetern helfen nur Muskelkraft und Muli weiter; der Skiort Oukaïmeden in gut 2700 Meter Höhe ist aber problemlos zu erreichen. Für uns und für die fliegenden Händler auf ihren alten Mofas, die unseren Tross seit dem Tal ständig begleiten und bei jedem Stopp selbstgefundene Edelsteine und Devotionalien feilbieten.
Die Temperatur ist inzwischen von angenehmen 27 Grad, die uns in Marrakech das Frühstück auf der Terrasse versüßt haben, in den einstelligen Bereich gerutscht. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der erste Schnee fällt und die Wintersportjünger anlockt. Noch aber bieten sich die grünen Pisten und Hänge als naturgemachter Abenteuerspielplatz an, auf dem der Touareg zeigen kann, was in ihm steckt. Also schnell den Fahrmodus-Drehschalter auf dem breiten Mitteltunnel in Richtung Offroad bewegen, um Gaspedalkennlinie, Automatik, Allradantrieb und Stabilitätsprogramm darauf vorzubereiten, dass es gleich keinen Asphalt mehr unter den Rädern gibt, und das Luftfeder-Fahrwerk in die zweite, also die höhere der beiden Geländestufen (plus sieben Zentimeter) schrauben.

Keine Angst vor Schotter: Traktionsprobleme kennt der Touareg im Alltag nicht.


Marrakech: Millionenmetropole am Fuße des Atlas-Gebirges.


Minztee mit viel Zucker: Das Lebenselixier der Marokkaner.


KEIN HARDCOREOFFROADEN MEHR

Bergauf, bergab, über matschige Wiesen und loses Geröll macht der Volkswagen alles mit, was sich die Natur hier an Hürden ausgedacht hat – alles andere wäre auch ein Kündigungsgrund für die Ingenieure. Aber: Es wird auch deutlich, dass der Fokus bei Generation drei auf der Straße liegt. Die bislang verfügbare Getriebeuntersetzung wurde ebenso wie die mechanische Hinterachssperre ersatzlos gestrichen, zuletzt lag die Einbaurate im Ein-Prozent-Bereich. Zusammen mit dem bereits auf der Landstraße erfahrenen Turboloch bedeutet das, dass man teilweise ordentlich Gas geben muss, um das Schwergewicht über Stock und Stein zu bemühen. Und geht es richtig steil bergauf, ist auch ein überdurchschnittlich kräftiger Tritt aufs Gaspedal nötig. Dank der Elektronik kommt der Touareg zwar weiter, die Souveränität eines waschechten Geländegängers vom Schlage einer Mercedes GKlasse fehlt ihm allerdings.
Nun fahren die meisten Touareg-Käufer freilich selten über eine Skipiste. Häufiger werden im Alltag Schmankerl wie Allradlenkung und der Bergabfahrassistent zum Einsatz kommen, die wir auf dem Weg talwärts zu schätzen lernen. Der Weg in den Berber-Ort Asni führt uns von Oukaïmeden aus über einen Schotterpiste, auf der man schon zu Fuß kaum Grip hat und die häufig nur marginal breiter ist als der Touareg. Leitplanken? Sucht man hier vergebens. Wer in der Kurve zu weit ausholt, der rutscht Hunderte von Metern in die Tiefe.

Ab ins Wasser
Bis zu 55 Zentimeter Wattiefe sind auch für den neuen VW Touareg kein Problem. Der robuste Unterfahr- und Tankschutz sorgt bei Ausflügen ins Flussbett dafür, dass die empfindliche Technik nicht von spitzen Steinen beschädigt wird.


Gut eine Stunde dauert die Fahrt vom flachen Marrakech bis ins Gebirge.


Kostbare Pflanzen: In der Atlas-Region wird auch Safran angebaut.


KLEINER WENDEKREIS DANK ALLRADLENKUNG

Zum Glück verkleinern die gegenläufig einschlagenden Hinterräder den Wendekreis auf 11,19 Meter. Nur eine Handbreit mehr als beim VW Golf, der gut 70 Zentimeter kürzer als das knapp 4,90 Meter lange Flaggschiff ist. Zentimetergenau schiebt sich der Touareg so am Abgrund vorbei, und damit der Fahrer auf den gut eintausend zu überwindenden Höhenmetern nicht ständig auf der Bremse stehen muss, übernimmt die Elektronik die Kontrolle. Praktisch: Häufig muss das Abstiegstempo umständlich über Schaltpaddel oder Tasten eingestellt werden, beim Touareg regelt man das einfach per Gaspedal und Bremse. Nimmt der Fahrer den Fuß wieder weg, hält der VW das Tempo.
Prinzipiell würde auch die 360-Grad-Rundum-Kamera das Rangieren auf den engen Wegen erleichtern, vor allem in den kleinen Bergdörfern, wo sich der VW die Straße noch mit spielenden Kindern und vollbepackten Lasteseln teilen muss. Allerdings sind die Testfahrzeuge noch nicht mit dem erst jetzt erhältlichen Helfer ausgerüstet und wir müssen uns auf Augenmaß und den Beifahrer verlassen, um nicht aus Versehen einen der Marktstände mit traditionellem Ton-Geschirr mit dem groß dimensionierten Außenspiegel zu touchieren.

Feinarbeit: Die Safranfäden werden von Hand gepflückt.


Mahlzeit: Arabische Mezze sind ein absoluter Genuss.


Hoch das Bein: Selbst bei starker Verschränkung knarzt im Touareg nichts.


Praktischer Helfer: Die Allradlenkung macht Serpentinen zum Kinderspiel.


OPTIONAL MIT OFFROAD-PAKET

Ohne Kratzer an Mensch, Auto und Huftier erreichen wir unser Zwischenziel, die Kashba Tamadot, eine vom für seine Extravaganz bekannten Virgin-Magnat Richard Branson zum Hotel umgebaute Festung, wo wir uns mit arabischen Mezze stärken und dem Touareg vor dem Rückweg nach Marrakech die dicke Staubschicht von den Scheiben waschen. In die Millionen metropole führt von hier eine gut asphaltierte Landstraße. Wir aber wagen auf halbem Weg noch einen kleinen Abstecher in ein Wadi. Zwar können wir in dem friedlich mäandernden Qued Badja Djdid, den man auch problemlos durchschreiten könnte, die maximal 550 Millimeter Wattiefe des Volkswagen Touareg nicht auf die Probe stellen. Der Unterfahrschutz, der neben den Fahrprofilen Schotter und Sand, dem Tankschutz und zwei Abschlepp-Ösen zum 650 Euro teuren Offroadpaket gehört, leistet aber auch hier wertvolle Dienste und verhindert, das die spitz aus dem Wasser aufragenden Steine den Touareg zu heftig am Bauch kitzeln. Problemlos krabbelt das Wolfsbruger Flaggschiff so ausgestattet wieder aus dem Flussbett heraus und wir rollen gemächlich zurück nach Marrakech. Mit frisch gebadeten Reifen und um zwei Erfahrungen reicher: zum einen um die, dass das Atlas-Gebirge auf jeden Fall eine ausgedehnte Reise wert ist, und zum anderen, dass auch der neue, mit ein bisschen Ausstattung rund 80 000 Euro teure Luxusliner VW Touareg im groben Geläuf abseits der Straße weitaus mehr kann, als die meisten seiner Fahrer ihm (und sich) jemals zutrauen werden.

T | Michael GebhardtF | Volkswagen

Wüstenschiffe: Motorisiert und eher klassisch mit Höcker.