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ABENTEUER & REPORTAGE: EIN TAG MIT …: DEM PFERDEFACHTIERARZT: Zwischen Schrauben & DICKEN BEINEN


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2019 vom 06.09.2019

Eine Berufung – so betitelt Dr. Matthias Bangen seine Arbeit als Pferdefacharzt. 24 Stunden erreichbar sein, anstrengende körperliche Arbeit und wenig Freizeit. All das ist nur machbar, wenn das Herz für Pferde schlägt. Wir haben den Tierarzt einen Tag lang begleitet


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 100/2019

Es ist früh, als der Wecker klingelt und der erste Termin des Tages schon wartet. Etwa 60 Stunden die Woche ist Dr. Matthias Bangen für seine Patienten und deren Besitzer im Einsatz. Sein Telefon ist nie ausgeschaltet, er ist 24 Stunden täglich zu erreichen. Die erste Patientin an diesem Morgen ist die Warmblutstute einer Freizeitreiterin. ...

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... Am Hof werden wir von mehreren Jack-Russel-Terriern erwartet, die sich über den fremden Besuch freuen. Fremd bin hier jedoch nur ich, nicht Dr. Bangen. Ich erlebe einen Tag lang, was es heißt, Pferdefachtierarzt zu sein. Er ist häufig hier, denn die Reiterin hat nicht nur ein Pferd, sondern ein paar Dutzend, die sie teilweise bei sich zu Hause eingestallt hat, teils an einem anderen Stall. Während wir noch alle Instrumente und Koffer zusammensuchen, die für das Zähneraspeln benötigt werden, holt die Pferdebesitzerin den Neuzugang, einen 14-jährigen Rappen, von der Weide. Der Stute scheint es nicht zu gefallen, dass sie nun von ihren Weidekollegen getrennt wird, und sie versucht, ihnen dies durch Wiehern zu signalisieren.

Doch zu hören ist rein gar nichts – nur das aufgesperrte Maul und die angespannten Lippen deuten darauf hin, dass dies wohl ein Wiehern werden sollte. „Ein operierter Kehlkopfpfeifer“, erklärt mir der Pferdefacharzt, der meinen verwunderten Blick gesehen hatte. Normalerweise drehen die Muskeln im Kehlkopf die Stellknorpel beim Einatmen so, dass die Stimmbänder gespannt und nach oben außen gezogen werden. Dadurch wird die Bahn frei für den Luftstrom zur Lunge. Beim Kehlkopfpfeifen ist die Muskulatur, die den Stellknorpel dreht, gelähmt. Das Stimmband bleibt also immer schlaff und fällt nach unten. Damit ist ein Teil des Luftstroms zur Lunge blockiert, was das typische Kehlkopfpfeifen verursacht. Um das Pfeifgeräusch zu eliminieren und einen optimaleren Luftweg zu schaffen, werden Pferde am Kehlkopf operiert.

Schöne Beißerchen

Ich schaue ihn verdutzt an: „Warum hat er denn gar keine Stimme und warum atmet es so schwer im sedierten Zustand? Was ist bei der Operation schiefgelaufen?“, will ich wissen. „Um das genau beantworten zu können, müsste ich hineinschauen. Bei der Operation wird ein Faden zwischen Ringund Stellknorpel eingebracht, welcher die gelähmte Kehlkopfhälfte nach außen zieht. Im weiteren Verlauf wird die Schleimhaut der Stimmtasche der gelähmten Seite des Kehlkopfs entfernt. Dabei kann es zu Komplikationen gekommen sein, welche zu einer Dysphagie, also Schluckstörungen, geführt haben. Die Folgen sind Husten und eine chronische Entzündung der Luftröhre. Ich könnte mir vorstellen, dass dies bei unserem Patient der Fall ist.“

Ich nicke und versuche, bei der Zahnbehandlung des Hannoveraners wenigstens ein wenig behilflich zu sein; Kopf in Position bringen, das Kabel justieren usw. Dabei versuche ich, mir alles zu merken, was mir zur Zahnstellung und der notwendigen Behandlung erklärt wird. Während ich noch fasziniert die Arbeit mit dem Werkzeug auf den Pferdezähnen beobachte, verschluckt sich der sedierte Wallach und zieht viel Luft ein, die er in einem hohen Bogen mit viel Speichel und Grasresten auf mich spuckt. Die Behandlung der Zähne sieht körperlich ziemlich anstrengend aus, weil der Rappe immer wieder in Position gebracht werden muss. „Das Raspeln der Zähne kann auf Dauer schon ermüdend sein. Wenn ich mehrere Zahnbehandlungen nacheinander hatte, dann bin ich platt“, erklärt der Arzt. Nun etwas verschmutzt, aber doch zufrieden, der Stute mit den Haken auf den Zähnen geholfen zu haben, steigen wir wieder in den Van, in dem alle Medikamente und Instrumente verstaut sind, die für den jeweiligen Fall nötig sein könnten. „Ich versuche seit Jahren, es zu schaffen, dass ich mal zwei Tage in Folge die gleiche Jeans tragen kann. Wie du jetzt schon feststellst, klappt es nie“, sagt der Mediziner grinsend.

Routiniert lenkt er den großen Wagen in Richtung des nächsten Termins. Wir fahren durch Straßen mit endlos großen Wiesen und Feldern neben uns, durch Wälder und kleine Dörfer. „Ich liebe die Natur und das Land hier“, sagt Dr. Bangen. „Ich denke, ohne eine enge Verbundenheit zu Tieren, Natur und vor allem den Pferden kann man den Beruf nicht ausführen.“

Ein steiniger Weg

Schon immer hatte der Tierarzt, der seinen Sitz in Wuppertal hat, einen engen Draht zu Tieren und insbesondere zu Pferden. Als Kind ritt er sehr oft mit seinem Vater aus und liebte die Freiheit, die ihm der Umgang mit dem Pferd ermöglichte. Nach dem Abitur wollte er Tiermedizin studieren, um seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Viele Stunden, die er mit einem befreundeten Tierarzt verbrachte, bestärkten ihn zusätzlich in seinem Wunsch. Fünfeinhalb Jahre lang quälte er sich durch die Prüfungen in Chemie, Physik und Biologie und dann durch das Examen. Im Anschluss an das Studium promovierte er in Gießen, um anschließend in der Pferdeklinik Dr. Cronau in Bochum und in der Pfedeklinik auf Boyenstein in Beckum als Assistenztierarzt zu arbeiten. 2015 absolvierte er erfolgreich die Prüfung zum „Fachtierarzt für Pferde“ an der Tierärztekammer Westfalen-Lippe. 2017 machte er sich dann selbstständig. Seither steuert er täglich bis zu 15 Pferde und ihre Besitzer an.

Es juckt!

Die nächsten Patienten und ihre Besitzer warten schon an dem 30 Kilometer entfernten Stall: „An das Autofahren muss man sich natürlich gewöhnen. Ich fahre etwa 70.000 Kilometer im Jahr, um vom einen Pferd zum anderen zu gelangen“, erzählt der Tierarzt. Während der Fahrt klingelt dauernd das Telefon, und Dr. Bangen muss in kürzester Zeit von der Analyse eines Blutbildes zu einer Ferndiagnose eines schlechten Fellzustands switchen – zwischendurch vergibt er telefonisch noch Termine. Ganz schön stressig, denke ich. „Bis zu 70 Anrufe beantworte ich täglich“, berichtet er lächelnd. „Ich finde es wichtig, dass meine Kunden immer das Gefühl haben, dass sie mich erreichen können, wenn sie Fragen oder natürlich auch Notfälle haben.“

Ein Einschuss passiert schnell. Gerade im Sommer wird der Tierarzt häufig aufgrund von Weideverletzungen gerufen


Die Besitzerin des ersten Patienten kommt auf den Van zu und beschreibt gleich, wie schlecht es ihrem Kleinpferd geht: „Er juckt sich den ganzen Tag, hat überall Pickel, und außerdem ist er lahm“, klagt die besorgte Besitzerin. Der braune Wallach steht schon angebunden in der Stallgasse und sieht wirklich nicht glücklich aus. Schweifschlagend und mit unruhigem Kopf versucht er, der Insektenplage Herr zu werden. Nach kurzer Untersuchung ist klar, dass Fliegen, Mücken und Bremsen schuld sind. „Die Haut reagiert sehr empfindlich auf die Stiche, und das Pferd hat keine Ruhe vor den Insekten“, erklärt der Facharzt ruhig. Selbst am Schlauch sind schon Fliegeneier abgesetzt worden, so groß ist die Fliegenkonzentration in diesem Stall. Der Wallach wird mit einem Mittel behandelt, das die fliegenden Insekten für mehrere Tage fernhält, bis die nächste Behandlung erfolgen muss. Außerdem sollen die juckenden Stellen mit einer speziellen Lotion eingerieben werden. Das lahme Bein wird untersucht und schnell ist klar, was die Ursache dafür ist, dass der Braune das Bein nicht belasten kann: „Er hat eine deutliche Pulsation und die Hufzange ist positiv. Er hat ein Hufgeschwür“, erklärt Dr. Bangen der Eigentümerin. Der Arzt schneidet vorsichtig in das Horn neben dem Strahl bis eine unangenehm riechende Wundflüssigkeit herausläuft. „Ich lege jetzt noch einen Hufverband an und dann sollte es dem Wallach bald wieder gut gehen.“

Direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Die Diagnostik und die Therapie von Rückenproblemen gehören zu den Spezialgebieten von Dr. Matthias Bangen


Koliken – immer noch eine der häufigsten Todesursachen bei Pferden. EIn frühzeitiges Rufen des Tierarztes kann Leben retten


Der nächste „Juckkandidat“ ist eine Kaltblutstute. Sie steht traurig in der Paddockbox, und schnell zeigt sich auch, warum: „Ach, du Kacke“, rutscht es dem Mediziner heraus, als er die handgroßen, offenen Stellen auf der Kruppe entdeckt. „Wie konnte es denn dazu kommen?“, fragt er die Besitzerin. „Sie hat sich so extrem gescheuert, dass sie sich heute diese offenen Wunden zugefügt hat. Die Mähne und der Schweif sind auch angegriffen, aber nicht so blutig“, versucht sich die Dame an einer Erklärung. „Wo stand die Stute denn?“, möchte der Tierarzt weiter wissen. „Sie steht immer auf der Weide und wird dort gestochen.“ Die Ursache des Sommerekzems bei Pferden ist die Überempfindlichkeit auf ein bestimmtes Eiweiß im Speichel der Culicuides Spezies, also Kriebelmücken, Gnitzen oder Stechmücken, welche zu starkem Juckreiz führt. Die Sommermonate bedeuten für Ekzemer bei nicht richtiger Versorgung und geeigneten Vorbeugemaßnamen großes Leid. Dr. Bangen verordnet für die offenen Stellen eine juckreizlindernde Salbe und auch für diese sich scheuernde Patientin ein Präparat, welches die Quälgeister zumindest eine Weile auf Abstand hält. Außerdem soll sie 24 Stunden eine Decke tragen: „Es reicht nicht aus, wenn man nur die schon gescheuerten Stellen versorgt. Die Mücken müssen auf Abstand gehalten werden, damit ihr Speichel gar nicht erst in den Organismus des Pferdes gelangt, und das bedeutet Decke“, klärt er auf. Während wir die Sachen zusammenpacken, nimmt die Besitzerin nochmals die Wunden in Augenschein: „Schmerz ist wohl besser auszuhalten als Juckreiz, wenn ich mir das so anschaue.“ Da müssen wir ihr leider zustimmen. Ich hoffe insgeheim, dass die Ansprache des Arztes gereicht hat, damit es die Ekzemerin nicht noch mal so schlimm trifft.

„Schöne Schraube haben Sie da“

„Sieht super aus!“, sagt Matthias Bangen zufrieden, als er auf das Röntgenbild des ehemaligen S-Dressurpferdes blickt, das eine große Schraube im Knochen zeigt. Der hübsche Fuchswallach hatte sich aus unerfindlichen Gründen vor vier Monaten einen Haarriss im vorderen rechten Fesselbein zugezogen. Da er längere Zeit immer mal wieder lahmte, auf einem angefertigten Röntgenbild jedoch nichts zu sehen war, beschloss die Besitzerin, in die Klinik zu fahren und ein MRT anfertigen zu lassen – irgendetwas musste ja schließlich der Grund für die Lahmheit sein. Ergebnis: Gerade noch mal Glück im Unglück gehabt, denn wenn die Fraktur nicht schnell erkannt worden wäre, hätte das Ganze in kürzester Zeit auch den Tod für den Hannoveraner bedeuten können. Der Haarriss wurde mit einer Schraube fixiert, und dann hieß es: abwarten. Oder vielmehr abwarten, Schritt führen, Schritt führen und noch mal Schritt führen. Mittlerweile ist die Besitzerin bei stolzen 60 Minuten Führen pro Tag angelangt. Das geht nicht nur dem 12-jährigen Pferd, sondern auch der Besitzerin langsam ziemlich auf die Nerven. Heute ist die entscheidende Untersuchung, die darüber entscheidet, ob noch weitere zwei Wochen Schritt geführt werden muss, oder ob eine Minute Trab unter dem Sattel möglich ist. „Trab ihn mir mal vor“, bittet mich der Tierarzt, der mir den Strick in die Hand drückt. Ohne Taktfehler trabt der Wallach neben mir her, bevor die Beugeprobe gemacht wird, die darüber entscheidet, wie es weitergeht. Beim zweiten Trab ist der Fuchs schon deutlich wacher und freut sich über die Bewegung, weshalb das spezielle „Kontrollhalfter“ Gold wert ist. Doch neben dem munteren Pferd nehme ich vor allem eines wahr: Ich höre keine Unregelmäßigkeit in den Hufschlägen auf dem Asphalt, und Dr. Bangen bestätigt: „Super! Er läuft klar, und die Besitzerin darf ihn antraineren.“ – Gute Schraube, würde ich sagen!

„Auch wenn der Beruf extrem stressig ist – wenn es dem Pferd durch mein Zutun besser geht, ist es das wert.“


Mobiler Pferdefacharzt zu sein bedeutet auch, extrem viel Auto zu fahren


Familien-Galopper & dicke Beine

Während wir schon bei unserem nächsten Termin angekommen sind, einem ausgemusterten Rennpferd, wundere ich mich, dass wir noch gar keine „dicken Beine“ behandelt haben. Ich habe das Gefühl, dass ständig irgendein Pferd an unserem Stall einen Einschuss oder Ähnliches hat, weshalb ein Tierarzt kommen muss. Die Stute, ein Englisches Vollblut, hat zumindest keine dicken Beine, im Gegenteil, ihre Beine sind trocken, lang und schmal, bei starken Gelenken. So wie es sich für ein echtes Vollblut gehört. Die Stute muss nur geimpft werden und steht bei dem „Pieks“ in den Hals tiefenentspannt in der Box. „Wir züchten Rennpferde. Diese Stute haben wir früh ausgemustert, weil sie nicht schnell genug war. Außerdem ist sie zu groß und einfach so unglaublich lieb. Meine Tochter kann alles mit ihr machen, sie ist ein echtes Familienpferd“, erzählt die Eigentümerin. Dr. Bangen behandelt alle ihre Pferde und kennt die Familie schon seit Jahren: „So wie diese Züchter habe ich viele Kunden, die seit dem Beginn meiner Selbstständigkeit bei mir in Behandlung sind. Ich versuche immer zu erreichen, dass meine Kunden zufrieden sind und ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen uns besteht.“ Nachdem ich eine Weile die Beine der hübschen Vollblüterin angeschaut habe, wirken die Beine, besonders ein Vorderbein, der nächsten Warmblutstute extrem dick. Das liegt nicht nur an der anderen Blutlinie, sondern vor allem an dem geschwollenen Fesselkopf der Patientin. „Sie hat sich wohl auf der Weide oder beim Springen eine Zerrung geholt“, vermutet die Eigentümerin, die der braunen Stute, die nur mit Trense dem Tierarzt vorgestellt werden kann, den Kopf streichelt. Dr. Bangen tastet das noch dicke Bein ab: „Das Gelenk ist schon viel besser seit der letzten Untersuchung, aber die Sehnenscheide ist noch gefüllt.“ Bei einer zuvor durchgeführten Ultraschalluntersuchung ist eine Füllung der Fesselbeugesehnenscheide sowie eine Verdickung des medialen Fesselträgerschenkels diagnostiziert worden. Das heißt für die Stute und ihre Besitzerin, dass bis zum nächsten Ultraschalltermin weiter Schritt geführt und gekühlt werden muss. „Zum Glück kann ich überall mit ihr spazieren gehen, da sie mir überallhin folgt. Sie ist noch nie abgehauen, selbst wenn sie unter Dampf ist“, so die Besitzerin. Das freut mich, denn so wird die weitere Schonphase sicher nicht allzu öde für das Sportpferd.

Gerade in den Sommermonaten sind viele Pferde von Entzündungen der Augen betroffen


„Ich weiß, dass ich helfe“

„Was ist das Schwierigste an diesem Job?“, frage ich, nachdem wir nach ein paar weiteren Patienten zurück zum Büro fahren. Ich gehe davon aus, dass es das Leid der Pferde ist, das in manchen Fällen schwer zu ertragen ist. Er empfindet das anders: „Es sind die Eigentümer der Pferde, die die Arbeit manchmal schwer machen. Ich bin zum Teil auch Therapeut für die Menschen, da sie extrem an ihrem Pferd hängen und mitleiden, wenn es ihm schlecht geht“, sagt er. „Bei allem, was ich tue, weiß ich, dass ich dem Tier damit helfe. Es ist traurig, wenn ich ein Pferd einschläfere, aber es ist ja nie ohne triftigen Grund. Das macht es einfacher. Außerdem wird von mir erwartet, dass ich dem Eigentümer stützend zur Seite stehe – das ist auch Teil meines Jobs.“

Nach diesem Tag weiß ich umso besser, dass es einiges braucht, um ein guter Pferdefacharzt zu sein: körperliche und mentale Stärke, Durchsetzungsvermögen und auch ein wirtschaftliches Können für all die Buchhaltungsarbeiten. Vor allem aber eine große Leidenschaft für Pferde und ein großes Verständnis für ihre Besitzer.

UNSER EXPERTE

DR. MATTHIAS BANGEN ist selbstständiger Fachtierarzt für Pferde. Durch seine pferdebegeisterte Familie ist er mit Pferden aufgewachsen und war selbst jahrelang im Reitsport aktiv. Die Verbundenheit zu Pferden brachte ihn zur Aufnahme des Veterinärmedizinstudiums. Nach der Arbeit in verschiedenen Kliniken machte er sich 2017 in Wuppertal selbstständig.www.tierarzt-bangen.de

BILDERREIHE

1


1 Röntgen:Für das Röntgen des Röhrbeins wird Hilfe durch eine zweite Person benötigt.

2


2 Auswertung der Bilder:Der Haarriss ist auf einem normalen Röntgenbild nicht zu sehen, es kann jedoch überprüft werden, ob die Schraube richtig sitzt.

3


3 Vortraben und Beugeprobe:Vor und nach der Beugeprobe ist der Patient lahmfrei.

4


4 Der beste Teil:Nach diesem positiven Ergebnis kann der Facharzt die Besitzerin darüber informieren, dass der Wallach wieder langsam antrainiert werden kann.


Fotos: Daniel Elke