Lesezeit ca. 13 Min.
arrow_back

Abenteuer Velfjord


Logo von Blinker
Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 07.01.2022

NORWEGEN

Artikelbild für den Artikel "Abenteuer Velfjord" aus der Ausgabe 20/2022 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Der spätherbstliche Himmel hängt schwer über dem Velfjord. Doch die triste, müde Stimmung trügt! Es hängt eine fast greifbare Anspannung über dem Flachwasser ? wo der Butt lauert.

Ein Blick auf das Echolot und mein Puls schießt in die Höhe. Der Bildschirm zeigt ein riesiges Echo, das zu meinem 40-Zentimeter-Köderfisch aufsteigt. „Das muss doch ein Butt sein!“, denke ich laut. Ich komme gar nicht zum Spekulieren, ob es nicht doch einer der großen Dorsch-Einzelgänger ist, die wir hier auch schon fangen konnten. Meine Multirolle gibt ein paar Klicks von sich.

Pause. Dann neigt sich die Rutenspitze und die Rolle rattert los. Während ich die Rute aus dem Relinghalter nehme, reden mir Johannes und David gut zu, machen im Boot alles bereit. Beide haben auf dieser Tour schon einige Butte gefangen, diesen Fisch gönnen sie mir von Herzen. Ich hatte schon ein paarmal Pech mit versiebten Bissen und verlorenen Butts – diese Fischart macht mich richtig nervös! Mit ratternder Rolle in der Hand warte ich auf Johannes’ Signal für den Anhieb. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Blinker. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 20/2022 von „Die Kälte bringt das Schlimmste in uns hervor.“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Die Kälte bringt das Schlimmste in uns hervor.“
Titelbild der Ausgabe 20/2022 von Die glorreichen Sieben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die glorreichen Sieben
Titelbild der Ausgabe 20/2022 von Nie wieder Küsten- Tourette!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nie wieder Küsten- Tourette!
Titelbild der Ausgabe 20/2022 von Ein Grad entscheidet!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Grad entscheidet!
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Ganzjähriger Angelspaß garantiert!
Vorheriger Artikel
Ganzjähriger Angelspaß garantiert!
RÄTSEL
Nächster Artikel
RÄTSEL
Mehr Lesetipps

... Wirklichkeit waren es Sekunden, kommt das „Jetzt“.

Ich reiße die Rute nach oben und halte die Spule mit dem Daumen fest. Ohne irgendwie an Fahrt zu verlieren, reißt der Fisch trotz Bremse plus Daumen sofort Schnur von der Rolle. Sofort merke ich, dass ich so ein Kaliber von Fisch noch nie am Haken hatte. Wahnsinn! Ich kann nur die Rute festhalten und die Knie schlottern lassen. Nach ein paar Sekunden ist er plötzlich weg. Ausgeschlitzt – die S*u!

NERVÖSE VORFREUDE

Dieser Trip fühlt sich vielleicht wie meine erste Norwegenreise an, aber tatsächlich war ich schon zweimal mit meinem Großvater zum Angeln in Norwegen. Damals haben wir allerdings das klassische Hochseeangeln betrieben (30-Pfund-Bootsrute, 200-Gramm-Pilker und ab dafür!), was auch schon Spaß gemacht hat, doch dem eher zweckmäßigen Charakter der Fleischbeschaffung folgte. Auf dieser Reise wollte mein Kollege Johannes mir eine ganze Reihe Norwegen-Methoden zeigen, die ich noch gar nicht kannte: Leichtes Jiggen im Flachen auf große Dorsche, Speedpilken auf großen Seelachs oder Spinnfischen auf Butt, und noch mehr …

Dementsprechend war ich, obschon kein Norwegen-Neuling, vor der Reise sehr aufgeregt. Eigentlich konnte ich schon ab dem Zeitpunkt nicht mehr gut schlafen, als Johannes mitteilte, dass es für uns zusammen mit seinem sehr netten Kumpel David wahrscheinlich in diesem Jahr noch mal nach Norwegen geht. Als sich der Plan, im Spätherbst in ein angeblich sagenhaft fischreiches Revier nach Nord- Norwegen zu fahren, verfestigte, war es endgültig vorbei mit dem entspannten Schlaf. Und dass ich mich mit Johannes täglich darüber unterhielt, was wir dort mit welchen Methoden alles fangen würden, verschlimmerte meine Nervosität.

Auch die Beschreibungen des Reiseveranstalters Michael Teltow zu diesem Revier und die Auskünfte des ehemaligen Guides Robin Moigk machten die Sache kein Stück besser. Die Woche vor der Abreise war folglich die längste meines Jahres.

Als es endlich losging, gab es bereits nach nicht einmal 30 Minuten im Auto einen Tiefschlag. Unsere Nacht-Fähre von Frederikshavn nach Oslo wurde windbedingt abgesagt. Nach kurzem Überlegen und einem Blick auf die Windvorhersage waren wir uns einig, dass wir ohne Fähre und über die Brücken via Dänemark und Schweden am schnellsten am Velfjord wären – 2000 Kilometer am Stück. Uff! Zu allem Überfluss kam ein Wintereinbruch mit Schneefall im Norden hinzu. Das Positive: die Elche, Schneehasen und Rentiere, die unseren Weg in dunkler Nacht kreuzten, konnten wir dank reichlich Schnee frühzeitig erkennen – dafür sank unsere Durchschnittsgeschwindigkeit mit jeder Stunde. Letztendlich kamen wir etwa gegen 5 Uhr morgens an der Anlage am Fjord an – nur ein paar Stunden später als mit der geplanten Anreise via Fähre.

Die sogenannte Velfjordferie- Anlage liegt an einem Seitenarm des großen Velfjords, ungefähr auf halber Strecke zwischen Trondheim und Bodø. Direkt vor den Unterkünften liegen die Boote, nicht mal 50 Meter entfernt – sehr bequem!

Zwischen Boot und Unterkunft haben Sie in einem großen Holzunterstand die Möglichkeit, Ihre Fische zu schlachten und einzufrieren. Die Unterkünfte in Form mehrerer Wohnungen sind gemütlich und bieten alles, was man braucht. Was wir nach der Ankunft brauchten, waren die Betten! Bis zum Vormittag ruhten wir uns aus. Dann ging es das erste Mal mit dem 19-Fuß-Boot und 80 PS raus auf den Velfjord.

Der Velfjord liegt in einer atemberaubenden Landschaft im südlichsten Bereich Nordnorwegens. Wie uns der Reiseveranstalter Michael Teltow im Vorfeld berichtete, ist der Velfjord einer der wenigen Fjorde der Region, die Abwechslung, Fischreichtum und vor allem Schutz vor starken Winden bieten. Schließlich war es Ende Oktober, eine Zeit, in der das Wetter ungemütlich werden kann. Vom Hauptfjord zweigen sieben kleinere Fjorde mit unterschiedlichsten Gegebenheiten ab.

Es gibt Unterwasserberge, die von über 200 Meter auf 30 aufsteigen, Inseln, sandige Buchten, Straumen und Steilwände.

Auch die Strömungsverhälnisse machen das Revier sehr interessant. Ausgeprägte Strömungskanten findet man je nach Tide an jedem Ausgang der kleinen Fjorde. Das Revier bietet so viele erstklassige Möglichkeiten, dass Johannes, David und ich jeden Abend lange abwägen mussten, welches Highlight am Folgetag dran sein sollte.

DAS KRILL-MASSAKER

Neuer Tag, neues Glück! Den verlorenen Butt von gestern habe ich noch im Hinterkopf, aber dieses Projekt würden wir uns später nochmal vornehmen …

Johannes möchte mir erst einmal etwas anderes zeigen: das Speedpilken! Denkbar einfach: einen Pilker runterlassen und anschließend wie ein Berserker nach oben kurbeln. Je schneller, desto besser. Hier würde wohl eine ganz neue Erfahrung auf mich zukommen. Die Vorstellung, einen 90-Zentimiter-Freiwasser-Torpedo mit einer Spinnrute zu bezwingen, versetzt mich in echte Aufregung – beinahe ein Dauerzustand auf dieser Reise! Zunächst müssen wir aber mit dem Echolot einen Schwarm Köhler finden. Denn „ohne Seelachs ist Speedpilken echt langweilig“, versichert mir Johannes augenzwinkernd. Stechende Möwen auf dem Velfjord weisen uns den Weg. Tatsächlich – bei 80 Metern Wassertiefe sehen wir auf dem Echolot deutliche Linien im Mittelwasser. „So sehen aktive Seelachse aus!“ Johannes spornt David und mich an. Ich greife zu meiner Rute und lasse den silber-blauen 40-Gramm-Pilker runter. David ist mit 80 Gramm etwas schneller auf Tiefe. Er kurbelt ein paar Meter und macht plötzlich ein lustiges Geräusch, als seine Rute mit Kraft nach unten gerissen wird. Ein sehr großer Fisch hat seinen Bleifisch auf dem Weg nach oben abgefangen und will nun nach unten. Als ich von David zurück auf meine Rolle gucke, merke ich, dass mein Pilker gar nicht mehr absinkt – zu früh!

Interview mit Robin Moigk von Aquantic

Der Teamangler bei Aquantic Sänger war zum ersten Mal als Zwölfjähriger 2004 am Velfjord. Von da an hatte er immer den Traum, dorthin zu ziehen. Vor sieben Jahren zog es ihn endgültig in die Ortschaft Hommelstø ans Ende des Velfjords. Die folgenden fünf Jahre lang arbeitete er als Hausmeister und Guide (Betreuer) vor Ort. Inzwischen wohnt er der Liebe wegen in Namsos, doch lieber wäre ihm wieder die Velfjord-Region.

Robin, was macht den Velfjord so besonders?

Dieser Fjord ist einfach anders – besser! Für viele Norwegenfahrer ist es einer der fischreichsten Fjorde überhaupt.

Außerdem kannst du bei jedem Wetter an jedem Tag fischen!

Alle interessanten Fischarten gibt es in guten Größen und top Stückzahlen. Und trotz der Lage bist du in einer dreiviertel Stunde am offenen Meer.

Sollte man denn, wenn möglich, raus aufs Meer fahren?

Nee, die Fische werden weiter draußen nicht mehr und nicht größer! Selbst im Heggfjord (Hausfjord) und in der direkten Umgebung kann man richtig gut angeln. Es gibt viele Steinbeißer bis 14 Kilo, Heilbutt locker bis 50 Kilo, um die Ecke bei der Lachsfarm bekommst du große Dorsche auf einem tiefen Plateau, und so weiter … Woran liegt das? Sonst ist die Fischerei im Fjord ja oft nicht so gut.

Der Velfjord wird kaum kommerziell befischt, weil es keine Seekarten gibt.

Dadurch ist aber auch die Angelei ein bisschen tricky. Die vielen Seitenfjorde, besondere, starke Strömungen und die unterschiedlichen Strukturen sorgen zudem bestimmt auch für Fischreichtum.

Wann ist am Velfjord Saison?

Immer! Nur im Frühsommer kann ein Monat ein bisschen schwierig sein: Mitte Juni bis Juli ist der große Seelachs oft noch nicht da und der Dorsch zieht raus – sonst ist wirklich immer Saison! Wenn der Hafen nicht zugefroren ist, kann man auch mitten im Winter gut fangen.

Das Revier sieht zudem recht windgeschützt aus …

Eigentlich kannst du immer fischen! Okay, wenn es stark aus Ost weht, kann man nicht auf Seelachs in den Ausgängen der östlichen Fjorde fischen. Der Nordwestwind muss schon richtig heftig sein, damit man eingeschränkt wird. Aber wer mit ein paar Wellen bei der Fjord-Überquerung klarkommt, kann selbst dann fischen!

Mal zu den einzelnen Fischarten. Wie ist es mit dem Dorsch?

Tangdorsche fängt man immer und überall! Die haben meist Küchengröße, im Schnitt so drei bis fünf Kilo. Bis über zwanzig Kilo sind hier aber drin. Die ganz Großen sind Einzelfische, ich vermute Wanderdorsche. Großdorsch kommt mit dem Brisling von Mitte Mai bis Mitte Juni in den Fjord.

Wie sieht es mit großen Seelachsen aus?

Richtig gut! Große Fische stehen ab Juli in großer Stückzahl vor dem südlichen Ost-Fjord (Storbørja) im Freiwasser. Wer da ohne Fisch nach Hause geht, der sollte das Angeln lieber ganz lassen. Hier könnte man die Filet-Quote binnen zwei, drei Stunden voll machen.

Kann man gezielt Butt fangen?

Absolut! Heilbutt bekommst du zwischen der Inseln Drogsøyan und Drogsøya (Festlandseite) fast auf Ansage – bis maximal 90 Kilo. Die Standardgröße der Butte liegt im gesamten Revier aber eher um die 10 bis 20 Kilo, das sind so Meterfische bis 1,20. Deren Lieblingsbeute ist Seehase, 30 bis 40 Prozent haben den drin, sonst kleine Seelachse und Dorsch.

Heilbutt-Plätze findet man echt überall, wo es sandige, flache Bereiche gibt. Wenn man auf einer Satellitenkarte Sandgrund findet, kann man sich darauf verlassen, dass dort Butt liegt.

Wie sieht es mit den anderen Fischarten aus?

Pollack in toller Durchschnittsgröße kann man hier im Sommer sehr gut gezielt beangeln. Am besten auf der östlichen Seite des Okfjord und an den Unterwasserbergen. Schellfisch war mal gut, hat aber stark nachgelassen. Wittling hat hingegen zugenommen, den gibt es bis über 50 cm im Okfjord. Der Steinbeißer hat stark nachgelassen, dafür hat die Größe enorm zugenommen, gute Plätze sind der Steinbruch (nahe der Anlage) und die Muschelfarmen im Lislbørja. Es gibt seit einigen Jahren Leng, bisher nur etwas über einen Meter lang, aber richtig viel. Der Rotbarsch hat leider abgenommen, zwanzig Stück sind an guten Tagen aber noch drin. Ich vermute aber, dass wir da über die Jahre einfach zu viel entnommen haben.

Vielen Dank das nette Gespräch, Robin!

Die Köfi-Montage

Die Erfolgs-Köfi-Montage für Heilbutt ist denkbar einfach. Es fehlt nur noch ein 30-Zentimeter-Köhler im Bild …

30-Pfund-Bootsrute (hier ein Inliner-Modell)

Solide Multirolle mit 25-Kilo-Schnur

Stabiler 3-Wege- Wirbel

Gewicht nach Strömung, gern ein Taumelpilker (hier 200 Gramm)

0,50er Monofil als Sollbruchstelle, ca. 1,30 Meter

kurzschenkliger, stabiler Haken (4/0) und ein Twisterschwanz als Zusatzreiz und zur Sicherung des Köfis

Ich schließe den Bügel und augenblicklich spüre ich Druck auf meiner Schnur – viel Druck! Ich kann noch ein, zwei Meter Schnur einholen, dann kommt die Flucht.

Solche Brutalität und Kraft habe ich bisher kaum an der Rute gespürt. Mein Gegner will nicht weiter nach oben und donnert unaufhaltsam in die Tiefe. Bei David sieht es ganz ähnlich aus. Doch da er eine kräftigere Rute und dickere Schnur verwendet, kann er nach ein paar Minuten den ersten Seelachs der Reise nach oben bringen. Zeit, seinen Fisch zu bestaunen, bleibt mir aber nicht, mein Kontrahent nutzt gnadenlos jedes bisschen lockerer Schnur für eine neue Flucht. Doch ich merke, dass er müde wird und langsam lässt er sich zur Oberfläche bringen. Wow! Was für ein Prachtfisch, zirka 80 Zentimeter lang und ein Körper wie ein Sumo-Seelachs. Es geht lustig weiter mit den Seelachsen und wir genießen die kurzweilige Angelei.

Mitten im Fangrausch sehen wir in einiger Entfernung plötzlich etwas an der Oberfläche, was wir für einen Schweinswal halten. Natürlich fahren wir dichter heran, 50 Meter vor dem Boot durchbricht ein massiver schwarzer Leib das Wasser – ein Fisch, kein Wal! Da Johannes mir im Vorfeld von der Möglichkeit berichtet hatte, Fische an der Oberfläche zu fangen, habe ich natürlich auch ein paar Stickbaits eingepackt. Was jetzt folgt, kann ich kaum in Worte fassen. Denn was die Seelachse mit einem Stickbait anstellten, übertrifft alles, was ich bisher erlebt habe. Der Stickbait fliegt zwei, dreimal in die Luft, bevor ein Fisch den Köder richtig packt – und das sofort! Direkt beim ersten Wurf mit dem Stickbait knallt mir ein riesiger Seelachs mehrfach auf den Köder. Der anschließende Drill ist ohnehin der Wahnsinn. Für mich ist dieses Erlebnis beinahe surreal, zum Glück waren zwei Freunde dabei …

Als wir abends die Fische ausnehmen, gibt es die Überraschung. Auch die richtig großen Seelachse fressen im Velfjord untypischerweise massenhaft Krill und nur ein wenig Kleinfisch. Die Raubfische drücken sogar jetzt im Herbst noch die kleinen Krebstierchen an die Oberfläche. Von oben stechen die Möwen herunter, deswegen fanden wir den Fisch auch mithilfe der Vögel. Doch natürlich gibt es nicht nur große Seelachse. Wir fanden alle Größen – in wahnsinnigen Mengen.

Passte uns die Fischgröße nicht, suchten wir einfach nach einem neuen Schwarm.

GEFÄHRLICHER SANDGRUND

Die besondere Struktur des Velfjordes macht aber nicht nur abwechslungsreiches Seelachsangeln möglich. An den Untiefen stand sehr viel Kleinfisch und direkt darunter lauerten große Dorsche. Die südlichen und nach Westen weisenden flachen Fjorde waren bevölkert von Tangdorschen. Im Flachwasser war ohnehin reichlich Dorsch unterwegs. Sobald dort allerdings „reiner Grund“ und Sand im Spiel war, nahmen die Dorschfänge merklich ab. Vermutlich traute sich zu unserer Reisezeit kaum ein Dorsch ins sandige Flachwasser, konnte er sich doch sicher sein, von gierigen Augen eines am Boden lauernden Jägers verfolgt zu werden – denn der Butt war allgegenwärtig! Auf Leng oder Pollack versuchten wir es so auch kaum – dank der kurzen Tage und vor allem der allgegenwärtigen Chance auf Heilbutt. Die vielen sandigen Bereiche des Reviers bieten natürlich einen perfekten Lebensraum für den Plattfisch-Boss. Doch deren Aktivität und ich glaube auch ihre Menge war schon außergewöhnlich. Es verging kein Tag – nicht mal ein halber – ohne Butt-Biss oder -Fang! Wann angelt man denn schon mal in einem Revier „voller Heilbutt“?

Es ist der vorletzte Tag vor unserer Abreise. Noch habe ich leider keinen Heilbutt gefangen. Da sich unsere Reise dem Ende nähert, wollen mit dem Lislbørja einen neuen, noch unerkundeten Nebenfjord auschecken. Nachdem wir den schmalen Ausgang des Fjordes passieren, bietet sich uns mal wieder ein unglaublicher Ausblick. Der relativ kleine Fjord ist von riesigen Felsen umringt. Keine Straße führt hier zum Wasser. Nur zwei, drei Hütten mit kleinen Grünflächen davor schmiegen sich an die Hänge. Wir fangen an, die steilen Felswände mit kleinen Twistern in der Hoffnung auf Pollack abzuwerfen und arbeiten uns tiefer in den Fjord hinein. Ein paar schöne Dorsche und kleine Pollacks können wir fangen.

Je tiefer wir in den kleinen Nebenfjord hineindriften, desto flacher wird es. Das Echolot zeigt nur noch 30 Meter und ebenen Grund. Ich spiele mit dem Gedanken, mir wieder einen fetten Gummifisch für Heilbutt einzuhängen. Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass man wirklich in allen flachen Bereichen dieses Revieres die Chance auf Butt hat. Unentschlossen begutachte ich meinen kleineren Gummifisch, bis Johannes „guter Fisch“ ruft. Seine Fliegenrute ist beängstigend krumm, was für ein Drill! Schlussendlich kommt ein vielleicht 90 Zentimeter langer Butt an die Oberfläche, gefangen auf Johannes’ größten Streamer. Das nimmt mir meine Köderentscheidung auf jeden Fall ab! Ich hänge den größeren Gummi ein und fange an, zu werfen und einzuleiern. Mittlerweile sind wir bei zehn Metern und gerade als ich den Grund sehen kann, hat David einen Butt-Nachläufer. Wir setzen eine neue Drift an und befischen den Bereich erneut, die Spannung in der Luft ist fast greifbar!

Plötzlich sehe ich beim Einholen einen Schatten hinter meinem Köder. Ein Butt verfolgt meinen Gummifisch neugierig, aber ist etwas zu schüchtern, um ihn zu nehmen. Zwar gibt mir das wieder Motivation, aber lange können wir nicht mehr fischen. Wir setzen noch zwei weitere Driften an und das Tageslicht schwindet ebenso wie mein Glaube an einen dieser königlichen Plattfische. Mitten in meiner sich ausbreitender Resignation knallt ein Fisch auf meinen Gummifisch. Wir sind gerade im sehr flachen Bereich angekommen und ich sehe den Fisch sofort auf einer Tiefe von fünf Metern. Er dreht sich, was alle Zweifel beseitigt. Es hat sich tatsächlich doch noch ein Heilbutt für meinen Gummifisch entschieden. Der Butt ist nicht groß und liefert mir nicht den härtesten, aber den emotionalsten Drill des Urlaubs. An der Oberfläche angekommen, macht der Plattfisch noch einmal eine sehr beängstigende Flucht in die Tiefe, aber beim zweiten Mal kann David den Fisch keschern. Obwohl der Fisch nicht besonders groß ist, freuen wir alle uns wie wahnsinnig! Mein Ziel, einen Heilbutt zu fangen, ist doch noch aufgegangen und jetzt bin ich mit der Reise voll zufrieden.

Der Fangerfolg dieser Reise hat meine vorherigen Erwartungen maximal übertroffen. Aber ich muss auch zugeben, dass ich mich im Nachhinein schon geärgert hätte, wenn ich keinen Butt gefangen hätte. Die Heilbuttaktivität im Revier war zu unserer Reisezeit einfach unvorstellbar. Vor der Reise war der Butt noch eine absolute Traumvorstellung für mich. Beim Angeln am Velfjord habe ich unglaublich viele neue Eindrücke und Erfahrungen gewonnen. Dazu konnte ich von Johannes sowohl praktisch, als auch theoretisch total viel lernen. Diese Woche war das bisherige Highlight meines Angler-Lebens.

Die besten Spots am Velfjord

An diesen Plätzen hat der Autor besonders viel gefischt und gefangen:

1 Heilbuttplatz im Drogsund zwischen den Inseln und dem Festland (5 bis 35 Meter)

2 Seelachse im Mittelwasser des Eingangs zum Storbørja

3 Seelachse am Hang zum Tiefwasser des Velfjordes (bei 80 Meter)

4 Dorsche in den Kleinfischschwärmen an Unterwasserbergen (bei 10 bis 30 Metern)

5 Krill fressende Seelachse bis an die Oberfläche, am Fjordende Heilbutt

6 Dorsche im Flachwasser der südwestlichen Fjorde, auch im „Hausfjord“

Wir sind dank Michael Teltow von Angelreisen Teltow auf diese besondere Destination gestoßen. Michael ist selbst ein Velfjord-Fan und wir wissen jetzt, warum! Wenn Sie diesen interessanten Fjord ebenfalls erkunden wollen, legen wir Ihnen die Anlage Velfjordferie ans Herz. Der sympathische, Deutsch sprechende Eigentümer Sigmund Aarstrand hat die Wohnungen, Boote und Filetierplatz bestens in Schuss und sorgt dafür, dass Sie eine schöne Zeit am Velfjord erleben. Buchen können Sie Ihren Urlaub hier einfach über Angelreisen Teltow.

Unterbringung: Appartement-Wohnungen direkt am Bootssteg für bis zu sechs Personen mit vollausgestatter Küche, Badezimmer und gemütlichem Wohnzimmer.

Boote: Sigmund hat eine ganze Flotte zur Verfügung, von der 18 Fuß-Hansvik (25 oder 40 PS) bis zum 19-Fuß-Aluminiumboot mit 80 PS

Fischarten: Heilbutt, Köhler, Dorsch, Pollack, Leng, Rotbarsch, Steinbeißer, Meerforelle, Makrele, Wittling

Saison: ganzjährig

Buchung und Infos: Angelreisen Teltow • www.angelreisen-teltow.de • Tel. 04131/ 4090180 • info@sportreisen-teltow.de