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ABKÜHLUNG GEFÄLLIG?


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Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 03.06.2022
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Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 7/2022

In heißen Sommermonaten nimmt das Rotwild gern ein erfrischendes Bad in tieferen Gewässern

D er Klimawandel zeigt sich direkt vor unserer Haustüre. Die Erderwärmung bringt die Jahreszeiten in Bewegung. Frühling, Sommer und Herbst beginnen immer früher. Die Winter werden kürzer, die Sommer heißer und trockener. Darunter leiden nicht nur wir Menschen – auch viele heimische Wildtiere schalten einen Gang zurück. Cool bleiben ist ihre Devise. Wenn die Sonne uns um die Mittagszeit so richtig einheizt, legen manche Tiere eine Siesta ein. Sie ziehen sich in kühlere, schattige Winkel zurück, vermeiden überflüssige Bewegungen und wollen nicht gestört werden – weder von Spaziergängern und Hunden noch von Jägern. Im Gegensatz zu uns Menschen besitzen die meisten Tiere ein Fell oder Federkleid und können nicht schwitzen, da sie nur wenige oder gar keine Schweißdrüsen haben. Das ist bei Hitze durchaus von Nachteil, denn Schweiß sorgt für Kühlung. Viele Wildtiere ziehen daher den einen oder anderen ...

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Suhlen …

Angeführt von der Leitbache treffen sich Wildschweine im Familienverbund zu einem erfrischenden Schlammbad, dem sogenannten Suhlen. Die borstigen Schwergewichte zelebrieren diese Leidenschaft geradezu. Ein kühles, herrlich schmutziges Bad in sumpfigen seichten Tümpeln – und ihre Welt ist in Ordnung. Die intelligenten Tiere wissen warum: Der nasse Dreck sorgt beim Verdunsten für eine angenehme Kühle und befreit sie letztlich von Parasiten und stechenden Insekten. Die Quälgeister trocknen auf der schmutzigen Haut aus und können später genüsslich an sogenannten Malbäumen abgerieben werden. Kein anderes heimisches Wildtier liebt das „Malen“ so sehr wie die Schwarzkittel. Für sie ist es das reinste Vergnügen.

Ähnlich ergeht es dem Rotwild. Auch Hirsche suhlen sich an heißen Tagen in schlammigen Gewässern, um sich abzukühlen und Parasiten fernzuhalten. Vor allem ihre Geweihe mit der gut durchbluteten Basthaut sind oft mit Fliegen übersät, die sie nur allzu gerne loswerden möchten.

… und herumbummeln

Rehe, im Sommer mit einem rotbraunen Fell ausgestattet, meiden selbst bei größter Hitze das Wasser. Stattdessen ziehen sie sich in die Tiefen des schattigen Waldes zurück. Die Ricke, die vor der anstrengenden Paarungszeit steht, bewegt sich tagsüber nur wenig. Sie liebt es durch den Wald zu bummeln und ist auf die anstrengende Brunft im Juli und August konzentriert. In den kühleren Abend-und Morgenstunden geht sie auf Futtersuche – gaaaanz langsam. Der Rehbock indes ist auch in der Mittagshitze aktiv und verfolgt seine Angebetete über viele Kilometer hinweg. Nach der Paarungszeit ist wieder Ruhe angesagt. Ihren Wasserbedarf decken Rehe, die genau wie das Rotwild Wiederkäuer sind, größtenteils über saftige Pflanzen und Morgentau.

Chillen, …

Wildtiere, die in ihren eigenen Bauen leben, wie zum Beispiel Dachse, haben es gut. Selbst hochsommerliche Temperaturen können ihnen so schnell nichts anhaben. Das Heim einer Dachsfamilie besteht oft über Generationen. Es befindet sich bis zu fünf Meter tief im Waldboden. Die Suche nach einem schattigen Plätzchen entfällt also – ein komfortabler Heimvorteil. Die Tiere chillen in ihren wohltemperierten Behausungen oder graben sich Erdmulden, wobei die oberste warme Schicht entfernt wird. Dass Dachse gute Architekten sind und sogar eine Art Klimaanlage in ihrem Bau haben, weiß Eva Goris von der Deutschen Wildtierstiftung: „Die Luftzufuhr ist über ein ausgeklügeltes Gangsystem geregelt“, sagt sie. Die sogenannten Dachsabtritte, eine Art Dachs-WC, befinden sich allerdings in einem separaten Erdloch außerhalb des Baus. „Fürs Geschäft muss der Dachs also auch bei Hitze seinen Bau verlassen.“

… hecheln …

Einen angenehm kühlen Dachs-oder Kaninchenbau besetzt gerne auch der Rotfuchs. Ansonsten tut der clevere Zeitgenosse genau das, was viele Menschen auch bevorzugt tun würden, wenn die Quecksilbersäule steigt: Er vermeidet unnötige Aktivitäten und macht ein Schläfchen. Da ihm unter seinem dichten Fell die Fähigkeit zum Schwitzen fehlt, hält es Meister Reinecke mit dem Haushund: Er hechelt den Schweiß über die Zunge weg. Gut so!

Denn beim Hecheln erhöht sich die Anzahl der Atemzüge pro Minute um ein Vielfaches. Über die beschleunigte Atmung, ein leicht geöffnetes Maul und eine etwas eingerollte Zunge kann der Speichel verdunsten. Auf der gut durchbluteten Mundschleimhaut wird die Wärme an die Umgebungsluft abgegeben.

Überraschenderweise haben auch einige Vogelarten wie zum Beispiel Amseln oder Rabenkrähen bei hohen Temperaturen diesen effektiven Trick auf Lager: Sie atmen mit weit geöffnetem Schnabel schnell ein und aus, um die Körperwärme zu regulieren. „Dabei werden Rachen und Lunge einbezogen und vergrößern so die Wärme abgebende Körperoberfläche“, erklärt Stefan Bosch, Vogelexperte beim NABU. Dieses sogenannte Kehlsackhecheln sei ein besonderes Verfahren zur Wärmeabgabe und für den Beobachter nicht sichtbar. Beim Hecheln verlieren die Vögel allerdings viel Flüssigkeit und müssen regelmäßig trinken. Eine ständig gefüllte und gut gepflegte Vogeltränke hilft ihnen. Viele Wildvögel nutzen sie zudem auch als Badeanstalt. Genau wie für uns Menschen hat die Sonne aber auch für die Vogelwelt ihren Reiz: Häufig sieht man jetzt Singvögel, die regungslos und mit ausgebreiteten Flügeln platt auf dem Boden liegen und die Sonne genießen.

Sonnenbäder dienen der Körperpflege, halten das Gefieder geschmeidig und bekämpfen die Parasiten auf den Federn.

… und abhängen!

Eichhörnchen können die Hitze über die kleinen Flächen an ihren Pfötchen ausgleichen. Die Tiere ziehen sich bei hohen Temperaturen entweder in ihren Kobel zurück, sitzen im Schatten eines Astlochs oder hängen im wahrsten Sinne des Wortes einfach ab, indem sie bauchliegend über einem Ast alle Viere nach unten baumeln lassen. Wenn dann noch ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung steht, kommendie hübschen Nager ganz gut durch die warme Jahreszeit. Aber auch durch den darauffolgenden Winter ...? Eichhörnchen müssen sich im Sommer einen Wintervorrat anlegen, doch das Nahrungsangebot in einem heißen Sommer ist alles andere als üppig. Wenn zum Beispiel Rotbuchen, Haselnüsse und Eicheln zu schnell reif geworden sind, fallen die Früchte zu früh und teilweise ohne Kerne herunter. Die kleinen Kobolde sammeln und verstecken sie aber trotzdem. Wollen sie dann im Winter ihre Vorräte ausgraben und finden nur leere Hülsen vor, droht ihnen schlimmstenfalls der Hungertod.

Heiße Ohren, …

Über ihre langen, nur wenig behaarten Ohren funktioniert die körpereigene Klimaanlage der Feldhasen. Wie die Elefanten benutzen sie ihre Löffel als Hitzeableiter. Bei hohen Temperaturen werden die Ohren stärker durchblutet und geben so Körperwärme an die Luft ab. Ansonsten bleiben die alten Hasen bevorzugt im Schatten von Gebüschen oder Hecken und kommen erst wieder heraus, wenn es kühler wird. Junge Häschen hingegen sitzen gerne in ihrer Sasse auf der Wiese oder im offenen Feld und sind damit der Mittagshitze ausgesetzt. Um sich abzukühlen, hecheln sie und speicheln sich ein. Eva Goris: „Bei jungen Hasen, die noch gesäugt werden, dient das Fett in der Muttermilch im Sommer als eine Art innerer Wasserspeicher. Da beim Abbau von einem Gramm Fett im Tierkörper 1,1 Gramm Wasser entstehen, haben Junghasen auch in trockenen Jahreszeiten Wasser verfügbar, mit dem sie eine Überhitzung vermeiden können.“

… kühle Beine …

Recht eigenwillige Praktiken gegen die Hitze sind von Weißstörchen bekannt, die vielfach schon recht früh im Jahr aus ihren Überwinterungsgebieten zurückkehren, um hier ihren Nachwuchs zu bekommen. Im Sommer sind gerade die Störche in ihrem bis zu zehn Meter hohen Horst der Sonne gnadenlos ausgesetzt. Ihre schwarzen Beinchen ziehen die Hitze geradezu an. Meister Adebar nutzt daher ein etwas anrüchiges Kühlsystem: Er beschmiert seine Beine mit flüssigem weißem Eigenkot, der wiederum langsam trocknet und beim Verdunsten der Feuchtigkeit den gewünschten Kühleffekt bringt. Ganz schön raffiniert. Mit dem Begriff die Störche „kalken sich die Beine“ wird dieses Phänomen treffend beschrieben.

… und durstige Stacheltiere!

Igel gehören zu den beliebtesten heimischen Wildtieren, sind putzig und unkompliziert. Steigende Temperaturen aber machen ihnen überhaupt keinen Spaß. Mit besonderen Hitzestrategien können sie nicht aufwarten. Sie flüchten während einer Hitzeperiode in schattige Verstecke. In einem heißen Sommer haben es die Stacheltiere schwer, Futter zu finden. Nicht nur der Insektenschwund entzieht ihnen – wie sehr vielen tierischen Zeitgenossen – die Nahrungsgrundlage. Regenwürmer, eines ihrer Hauptgerichte, ziehen sich bei Trockenheit in tiefere feuchte Bodenschichten zurück und sind für Igel nicht mehr erreichbar. Die behäbigen Stacheltiere müssen zwangsläufig ihren Aktionsradius erweitern. Das kostet Kraft und Energie. Oft fehlt es ihnen an Wasser. Ein Igel nimmt zwar Flüssigkeit über die Nahrung auf, aber er trinkt auch gerne mal einen Schluck!

Menschliche Hilfe

Wenn durch hohe Temperaturen und zu wenig Regen Pfützen und Bäche ausgetrocknet sind, ist menschliche Hilfe nötig. Gerade in Städten fällt es den kleinen und großen Säugern oftmals schwer, eine Trinkquelle zu finden. Wer den Tieren etwas Gutes tun will, bietet ihnen im Garten, Vorgarten oder Hof sauberes Wasser an. Eine flache Schale, gefüllt mit Leitungswasser, in der sie bei Bedarf auch ein erfrischendes Bad nehmen können, kann schon einiges bewirken. Ein Blumenuntertopf tut’s auch. Die Wasserschale sollte auf einer ebenen Stelle und an einem schattigen, ruhigen Ort stehen, idealerweise in der Nähe eines Gebüschs, in das die Tiere bei Gefahr flüchten können. Wichtig sind das tägliche Befüllen und das Reinigen der Tränke, damit sich keine Bakterien und Krankheitserreger im Wasser ausbreiten können.

So haben unsere heimischen Wildtiere alle Chancen, die heißen Wochen des Jahres gesund und glücklich zu überstehen.

Text: Susanne Höh

Fotos: Folkert Christoffers