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ABNEHMMYTHEN IM CHECK


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My Healthy Life - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 26.04.2022

7 RICHTIG ODER FALSCH?

Artikelbild für den Artikel "ABNEHMMYTHEN IM CHECK" aus der Ausgabe 2/2022 von My Healthy Life. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Dr. Matthias Riedl

Der Ernährungsmediziner und NDR-Ernährungsdoc ist Gründer und Ärztlicher Direktor des medicum Hamburg – Deutschlands größtem Zentrum für Ernährungsmedizin und Diabetologie.

1 „WER LANGSAM ISST, NIMMT BESSER AB!“

Wahrheit! Dass eine schnelle Nahrungsaufnahme mit Übergewicht assoziiert ist, haben inzwischen mehrere Untersuchungen gezeigt. So bat etwa ein Forscherteam der Uniklinik Mainz 28 normalgewichtige und 28 adipöse Studienteilnehmer, eine vorbereitete Mahlzeit zu essen: einmal in Ruhe und einmal, nachdem die Probanden mit einem anerkannten Verfahren unter Stress gesetzt wurden.

Dabei zeigte sich, dass alle Teilnehmer mehr kauten, wenn sie angespannt waren. Besonders interessant aber war ein weiteres Ergebnis: Die übergewichtigen Probanden kauten insgesamt deutlich weniger, aßen also schneller als jene mit einem normalen BMI – sowohl in Ruhe als auch unter ...

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... Stress.

Eine mögliche Erklärung, weshalb eine geringere Zahl an Kaubewegungen Übergewicht fördert: Es dauert mindestens 20 Minuten, bis ein Sättigungsgefühl eintritt. Diese Zeit geben ihrem Körper nur die Menschen, die intensiv kauen.

Schnellesser dagegen beißen oft nur ein-bis dreimal in das Essen und schlucken dann alles herunter. Dies kann nicht nur zu Übergewicht führen, sondern im schlimmsten Fall zum „Bolustod“ (reflektorischer Herzstillstand durch verlegte Atemwege, etwa wegen eines zu großen Fleischbrockens im Rachen).

2 „GANZ OHNE ZUCKER GEHT ES NICHT, DENN SÜSSES IST NERVENNAHRUNG!“

Mythos mit einem kleinen Fünkchen Wahrheit. Was stimmt:

Unser Körper benötigt rund 200 Gramm des Einfachzuckers Glukose pro Tag als Treibstoff, um arbeiten zu können – allein das Gehirn verbrennt 140 davon. Aber: Leere Kohlenhydrate, etwa in Süßigkeiten, braucht unser Körper trotzdem nicht.

Zum einen kann er Zuckerverbindungen aus gesunden Quellen wie Vollkorn, Hülsenfrüchten und Gemüse ziehen.

Zum anderen ist er in der Lage, Kohlenhydrate selbst zu bilden, etwa aus Stoffen, die beim Abbau von Eiweiß entstehen.

Vielen Diätversprechen fehlt jegliche wissenschaftliche Basis. Auch Negativkalorien sind nicht mehr als ein Werbegag

Mithilfe dieser sogenannten Glukoneogenese (Zuckerneubildung) sichert der Körper eine permanente Energieversorgung insbesondere des Gehirns in Zeiten, in denen wir nichts essen, etwa beim Fasten. Theoretisch bräuchten wir nicht einmal Zuckerstoffe aus Obst und Getreide. Sonst hätten Naturvölker nicht Regionen wie Alaska und Sibirien besiedeln können, wo es kaum kohlenhydratreiche Nahrung gibt.

3 „VIEL SCHLAF MACHT SCHLANK!“

Mythos. Würde eine ausgiebige Nachtruhe ausreichen, um Gewicht zu verlieren – alle Langschläfer wären schlank! Formulieren wir den Satz jedoch um in „Zu wenig Schlaf macht dick“, entspricht er der Wahrheit, aus gleich mehreren Gründen. Der erste: Wer wenig schläft, ist länger wach – hat also schlicht mehr Zeit, etwas zu essen. Und die meisten von uns tun das tatsächlich. So zeigte eine Metaanalyse von Forschern des King’s College in London: Probanden, deren Schlaf begrenzt wurde, aßen über den Tag hinweg deutlich mehr als jene, die ausschlafen durften. Ihr Aktivitätslevel dagegen stieg nicht. Dadurch nahmen die Kurzschläfer im Schnitt 385 Kalorien zusätzlich auf – das entspricht etwa einer Dreivierteltafel Schokolade.

Der zweite Grund, weshalb kurze Nächte dick machen:

Sie beeinflussen den Hunger-Satt-Regelkreis ungünstig. Der Körper produziert mehr vom Hungerhormon Ghrelin und zugleich weniger vom Satthormon Leptin. Wieder essen wir in der Folge mehr.

Und schließlich: Schlechter Schlaf erschwert das Abnehmen, indem er – so eine Studie schwedischer Forscher – Stoffwechselprozesse stört. Muskeln ziehen die benötigte Energie dann eher aus Proteinen als aus Glukose, was den Blutzuckerspiegel erhöht. Zugleich lagert der Körper vermehrt Fett ein.

Beides bremst den Gewichtsverlust und erhöht zudem das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

4 „EINIGE LEBENSMITTEL LIEFERN WENIGER ENERGIE, ALS DER KÖRPER FÜR IHRE VERDAUUNG BENÖTIGT!“

Mythos! Viele Mono-Diäten, etwa die Kohlsuppen-Variante, werben mit Begriffen wie „Fatburner“, „Stoffwechselturbo“ oder „antikalorische Nahrung“. All diesen Versprechungen fehlt jede wissenschaftliche Basis. „Negativkalorien“ sind nichts als ein Werbegag: Kein Lebensmittel liefert weniger Energie, als der Körper benötigt, um es zu verdauen.

5 „SEX MACHT SCHLANK!“

Dass sich mit der schönsten Nebensache der Welt ein Abnehmturbo zünden ließe, gehört zu den verführerischsten Annahmen in Sachen Diät-Theorie – und leider auch zu den größten Fehleinschätzungen. Bis zu 300 Kalorien könnten Liebende pro Akt verbrennen, erklären die Verfechter dieser Schlankstrategie. Doch damit überschätzen sie Studien zufolge nicht nur den Kalorienverbrauch beim Liebesakt, sondern auch die Dauer desselben.

Macht Sex schlank? Nein! Der Energieaufwand ähnelt dem eines gemächlichen Spaziergangs

Buchtipp

Keto, Paleo, Sirtfood – im Dschungel der Diäten kann man leicht den Überblick verlieren. Welche ist die beste?

Welche passt zu wem? Ernährungsexperte Dr. Matthias Riedl klärt auf und zeigt auf Basis aktueller wissenschaftlicher Studien, wie Abnehmen wirklich funktioniert.

Gräfe und Unzer, 24 Euro

Tatsächlich ähnelt der Energieaufwand beim Sex dem eines Spaziergangs in gemächlichem Tempo: Ein 70 Kilo schwerer Mann würde dabei pro Stunde etwa 210 Kalorien verbrennen – das entspricht der Energiemenge, die 40 Gramm Chips liefern. Allerdings dauert ein durchschnittliches Stelldichein nur etwa sechs Minuten: Das macht 21 Kalorien – oder vier Gramm Chips. Um mit Sex effektiv Gewicht zu verlieren, müssten Abnehmwillige also schon im Pornobusiness arbeiten.

6„FETTREDUZIERTELEBENSMITTELLEBENSMITTEL HELFEN BEIM ABNEHMEN!“

Mythos! Kaum ein Supermarktregal, in dem sich nicht Light-Produkte mit dem Aufdruck „fettarm“ stapeln. Das große Problem: Die Produkthersteller ersetzen fehlendes Fett häufig durch zusätzlichen Zucker. Denn Süßes sorgt dafür, dass fettarme Lebensmittel nicht wesentlich schlechter schmecken als das Original. Dies führt jedoch dazu, dass sie fast gleich viel Energie (und somit Kalorien) liefern.

Zudem lassen die zusätzlichen Kohlenhydrate den Blutzucker Achterbahn fahren – und programmieren uns so aufs Dauersnacken. Hinzu kommt: Fettarme Produkte verleiten uns dazu, weniger auf die Portionsgröße zu achten – schließlich essen wir ja etwas vermeintlich Leichtes (und am Ende nicht selten sogar mehr).

7 „WER NACH 18 UHR NICHTS ISST, NIMMT SCHNELLER AB!“

In der Theorie ein Mythos, in der Praxis die Wahrheit!

Grundsätzlich ist es zwar egal, wann Abnehmwillige essen – wer in der Summe weniger Energie zu sich nimmt, als er verbrennt, verliert auf jeden Fall Gewicht. Allerdings hat es einige Vorteile, abends nichts mehr zu essen. Zum einen bedeutet es für die meisten, besonders dick machende Gewohnheiten aufzugeben – wie etwa das Snacken vorm TV. Zum anderen ist unsere Stoffwechselrate morgens und mittags am besten: Unser Körper setzt die aufgenommene Energie dann effektiver um als abends. Insbesondere Menschen mit Störungen des Zuckerstoffwechsels rate ich daher dazu, die letzte Mahlzeit des Tages möglichst früh einzunehmen.

Denn das stabilisiert den Glukosespiegel im Blut auf niedrigem Niveau und befeuert damit zugleich die Fettverbrennung. Und davon profitieren Diabetiker besonders. Wichtig jedoch: Kein Mensch kann sich immer an seine selbst gesetzten Vorgaben halten.

Bleiben Sie daher gelassen, wenn Sie ab und an auch nach 18 Uhr noch zu Abend essen oder der Versuchung Chipstüte nachgeben. Denn ein entspannter Umgang mit sich selbst senkt Studien zufolge das Risiko, aufgrund ein-oder zweimal gebrochener Vorsätze das Abnehmvorhaben ganz fahren zu lassen.