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ABSTRACT CALLIGRAPHY


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Tattoo Kulture Magazine - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 04.03.2022

"WAS FÜR MICH WICHTIG IST, IST DER “INNER CIRCLE” UND EINE GESUNDE UMGEBUNG. DER BESTE ZU SEIN BEDEUTET NICHT, EINGEBILDET ZU SEIN, SONDERN DER BESTE IM SINNE VON GRENZEN VERSCHIEBEN UND ANDEREN ZU HELFEN."

GORDOLETTERS

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Bildquelle: Tattoo Kulture Magazine, Ausgabe 2/2022

G ordoletters, ein portugiesischer Künstler mit Graffiti-Hintergrund, tätowiert seit dem Jahr 2008. Inspiriert wurde er durch Architektur, Kalligraphie und den Elementen aus verschiedenen Kulturen wie zum Beispiel Iran, Ägypten und Japan, wodurch seine frei fließenden, abstrakten Tattoos entstehen. Gordoletters mag es, seine Werkzeuge selbst herzustellen, wie beispielsweise Kalligrafiespitzen und Tattoomaschinen und ist zudem auch sehr talentiert in Sachen Malerei, Zeichnen und Design. Er ist immer auf der Suche nach neuen Wegen, seine Kreativität sowie seine persönlichen Grenzen zu erweitern, Spaß zu haben, höflich zu anderen zu sein und einen bleibenden Eindruck in der ...

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... Welt zu hinterlassen. Wir sind bei Temple Tattoo in Oakland, Kalifornien. Du hast wieder angefangen, zu reisen. Wie waren die letzten zwei Jahre Pandemie für dich? Warst du die meiste Zeit in Portugal?

Text: The Tattoo Journalist

Ja, ich war die meiste Zeit zu Hause in Portugal. Ich habe weniger als sonst gearbeitet, das Reisen war kompliziert. Es war eine neue Erfahrung: statt zu reisen war ich mehr damit beschäftigt, mich selbst wiederzufinden und meine Arbeit weiterzuentwickeln, wozu ich sonst normalerweise keine Zeit habe. Für Langeweile habe ich keine Zeit, doch wenn ich mal welche habe, entwerfe ich, also mache ich viele Dinge. Obwohl ich nicht die Menschen vergessen möchte, die während der Pandemie eine schwere Zeit hatten, war meine persönliche Erfahrung positiv und produktiv. Außerdem konnte ich viel Zeit mit meiner Freundin verbringen (sie tätowiert auch und reiste alleine), was sehr willkommen und bereichernd war.

Was hast du getan, um dich zu beschäftigen?

Ich habe mich mit meinem Workshop beschäftigt, wie zum Beispiel dem Finden einer neuen Art des Malens. Ich habe Werkzeuge für meine Kalligraphiegemälde und Tattoomaschinen gebaut.

Temple Tattoo gehört der Legende Freddy Corbin. Wie ist es, dort als Gasttätowierer zu arbeiten?

Heute bin ich tatsächlich bei Freddy. Die Leute hier sind der Hammer! Die ganze Crew ist super nett. Und natürlich ist die Einladung von Freddy das Tüpfelchen auf dem i. Es ist schwer zu beschreiben, manchmal würde man sagen: “Oh, ein Traum ist wahr geworden!”, ich habe jedoch nie davon geträumt. Ich habe mir das nie vorstellen können. Es ist ein unglaublicher Erfolg!

“Das ist einer dieser Momente, die man kaum glauben kann. Es war ein langer Weg”, war eines deiner Zitate. Würdest du bitte genauer beschreiben, was du damit gemeint hast?

Am einfachsten zu verstehen ist es, wenn man sich anschaut, woher ich komme. Damit möchte ich dem Tattoo Shop, in dem ich anfing, nicht respektlos gegenüber erscheinen, doch es war ein kleiner Laden in meiner kleinen Heimatstadt außerhalb von Lissabon. Im Studio arbeiteten tolle Künstler und ich war, ehrlich gesagt, bei Weitem nicht so gut wie sie. Damals dachte ich, dass ich wahrscheinlich noch einen zweiten Job in einem Restaurant brauche, um zusätzlich noch ein paar Scheine zu verdienen. Als ich mit dem Reisen anfing, half mir dies, das Tätowieren weiter zu entwickeln und zu verstehen, da es nicht nur zeichnen ist.

Es geht darum, Leute zu treffen. Interagieren und kommunizieren ist ein wichtiger Teil davon.

Du bist hinaus in die Welt gezogen. War Portugal nicht genug oder war der Markt zu klein?

Mit Portugal hat das nichts zu tun. Was aber Fakt ist, dass Portugal definitiv für jegliche Art von Markt zu klein ist. Wir schreiben das Jahr 2022. Man muss sich bewusst sein, dass es aufgrund des Internets und der günstigen Flüge nichts mehr bedeutet, der Beste des Landes zu sein. Stell dir vor, du möchtest der Beste der Besten sein. Du hast “Kreise” und du hast deinen eigenen “Kreis”. Dort solltest du der Beste sein. Kein Kreis ist besser als der andere. Keiner ist ober-oder unterhalb, wir befinden uns alle auf einer Ebene, haben aber verschiedene “Kreise”. Manchmal reise ich in ein Land und jemand erzählt mir von einer tollen Person, von der ich jedoch noch nie etwas gehört habe. Wir begegnen jeden Tag aufregenden Menschen. Was für mich wichtig ist, ist der “inner circle” und eine gesunde Umgebung. Der Beste zu sein bedeutet nicht, eingebildet zu sein, sondern der Beste im Sinne von Grenzen verschieben und anderen zu helfen.

Du hast auch in Los Angeles tätowiert. Wo hast du als Gasttätowierer gearbeitet und an welchen Projekten hast du gearbeitet?

Ich war zu Gast bei 11th Door, der Laden gehört einem meiner besten Freunde, Paul Nguyen, in Pomona, Kalifornien. Ich habe Kunden tätowiert, mit denen ich vor der Pandemie Termine ausgemacht habe und arbeitete an großen Tattoos.

Du warst in den Staaten sofort ausgebucht. Hast du in Betracht gezogen, für immer hier zu arbeiten?

Ich habe bereits mein halbes Leben zwischen den Staaten und Europa verbracht. Noch einmal, Covid hat mich vom Reisen abgehalten, aber normalerweise bin ich zwei Monate hier, dann zwei Monate dort. Ich werde nicht mehr, wie zuvor, zum Rest Europas reisen, ich werde ausschließlich Kundenprojekte beenden. Arbeitstechnisch wird mein Fokus in Portugal und den Vereinigten Staaten sein, ich möchte aber auch nach Asien, vielleicht einmal im Jahr, um meine Freunde zu treffen und eine gute Zeit zu haben. Vielleicht möchte ich auch mal ein Jahr in Amerika verbringen, aber wie du weißt, möchte ich nicht dauerhaft an einem Ort bleiben. Für mich gibt es nicht DEN besten Ort. Das Reisen ist für mich die beste Art und Weise.

Thema Freizeit, was ist deine liebste Stadt in Amerika?

Ich würde sagen, New York. Ich bin Europäer, wie du weißt. Also bin ich es gewohnt, zu laufen. In Kalifornien kommst du nirgendwohin, wenn du nicht fährst. New York ist ein bisschen wie Amerika und Europa zusammen. Ich kann morgens zum Einkaufen oder zum Schuhladen spazieren, ich kann mir einen Kaffee holen, es gibt tonnenweise unterschiedliche Speisen zum Essen. Und jeder Tag ist etwas wie, “Oh, diesen Laden gibt es schon ewig und er ist mir nie aufgefallen!”. Es ist so vielfältig. Die New Yorker sind aber nicht so nett wie die Menschen an der Westküste, wenn es um den Service im Laden geht. Wenn du aber darüber sprichst, abends ausgehen zu wollen, sind sie sehr nett und fangen an, sich mit dir zu unterhalten, obwohl sie dich nicht kennen. Und das mag ich.

Du hast einige negative-space Tattoos gestochen. Waren das Teile von Cover ups oder auf blanker Leinwand?

Beides. Durch die Cover ups kam ich aber zu den negative-space Tattoos. Ich dachte mir, gut, diesen ganzen Bereich müssen wir covern, dann machen wir es doch auf diese Weise. Immer mehr Leute fanden Gefallen an dem Stil und sie kamen zu mir, ohne etwas, das gecovert werden musste. Mein Ziel ist es, mehr schwarze Tinte zu benutzen.

Das Schwierigste an dieser Art von Tattoo ist, dass man die Arbeiten leicht online anschauen kann, es sich dann aber letztendlich stechen zu lassen ist eine andere Sache. Trotzdem bekomme ich immer mehr Anfragen.

Du stichst eine Menge Kopftattoos, findest du das gut?

Nein, finde ich nicht. Ich fühle mich verantwortlich dafür, die Person darauf hinzuweisen und sicherzustellen, dass sie die richtige Entscheidung treffen. Mir hat einmal jemand gesagt: “Wenn du sie nicht tätowierst, gehen sie zu einem anderen, um sich das Gesicht oder den Kopf tätowieren zu lassen und lassen dort ihr Geld”. Also blieb ich dabei. Ich bin kein großer Fan von Kopftattoos, trotzdem sehen sie immer gut aus! Es ist eine hervorragende Werbung.

Wie hat sich deine abstrakte Kalligrafie im Laufe der Zeit verändert?

An Arbeiten, die zwei oder drei Jahre alt sind, kannst du erkennen, dass sich ästhetisch gesehen viel geändert hat. Es hat sich mehr verändert, als ich anfing, auf Haut zu arbeiten. Ich begann zur selben Zeit, auf Haut und Papier zu zeichnen, es sind jedoch zwei komplett unterschiedliche Oberflächen. Mittlerweile zeichen ich freehand auf Haut. Ich trenne meine Gemälde von meinen Tattoos. Ich möchte Kalligrafie nicht direkt auf der Haut entwerfen. Ich möchte etwas, das vielleicht auf Kalligrafie basiert, aber letztendlich als Tattoo erscheint. Deshalb verbinde ich den japanischen Stil mit Tribal. Ich möchte gerne einen Bodysuit stechen. Viele Tätowierer leisten tolle Arbeit, kreieren neue Stilrichtungen, sind aber leider sehr fokussiert auf Sleeker Tattoos. Noch einmal, das ist nicht schlimm. Ich persönlich möchte mich weiterentwickeln, indem ich einen Bodysuit steche.

Was sind deine Pläne für dieses Jahr?

Ich werde mich mehr auf große Stücke in Amerika konzentrieren. Ich nehme nur Kunden an, die einen Fullleg-sleeve, full-body usw. haben möchten. In Portugal mache ich das bereits. Natürlich mache ich auch Ausnahmen. Wenn ich deinen Hals tätowiere, brauche ich dafür keine sechs Sitzungen, vielleicht eher zwei, drei oder manchmal auch nur eine. Es kommt auf den Platz an, den du hast. Ich bin ein Mensch und kein Computer, ich mache Ausnahmen.

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